„Es schnürte mir die Kehle zu. Es nahm mir den Atem. Es war nicht auszuhalten.“ – echt jetzt, Daniel Kehlmann? Ich gebe zu, dass ich zu diesem Autor generell ein gespaltenes Verhältnis habe: Einerseits werde ich mit seinen Texten nicht wirklich warm, andererseits findet Clemens Setz ihn toll, und ich wiederum finde Clemens Setz ganz toll, und deshalb denke ich, dass da doch was dran sein muss an dem Kehlmann, etwas, dass sich mir irgendwie (noch) nicht erschließt, und dann lese ich weiter Kehlmann in der Hoffnung, zum Kern der setz`schen Begeisterung vorzustoßen, aber ich finde ihn nicht, diesen Kern, und ich zweifle, und ich lese weiter, und ich unterdrücke den Impuls, das Buch aus dem Fenster zu schmeißen, und ich blättere noch eine Seite um, und es ist der Horror, Leute, der Horror! Naja, jedenfalls mehr Horror als diese House-of-Leaves-für-Arme Geschichte, die Stephen King definitiv die Tränen in die Augen treiben würde.
Kurze Zusammenfassung: Unsympathischer Drehbuchschreiber hängt mit seiner Familie in einem Ferienhaus in den Bergen ab und versucht, eine Fortsetzung seiner Till-Schweiger-mäßigen Erfolgskomödie zu schreiben. Drehbuchschreiber findet auf Handy der Pappkameraden-Frau SMS die belegen, dass Frau ihn betrügt, Streit, Abgang Frau. Als durchgehende Tonspur Pappkameraden-Kind, das weint und quiekt (okay, manchmal schläft es auch). Ach ja, und dann passieren auch noch voll gruselige Sachen: Bild an der Wand kommt und verschwindet, Dorfbewohner macht kryptische Bemerkungen, Drehbuchschreiber sieht sich selbst auf Baby-Überwachungs-Monitor etc. Ist das alles real oder nur im Kopf des Drehbuchschreibers? Was passiert wirklich? Ist es am Ende – oh ha! – magischer Realismus? Keine Ahnung, und jetzt das Problem: Es ist mir auch völlig egal.
Ich kann die blutleeren Trottel-Figuren in dieser Geschichte nämlich einfach nicht ertragen. Die sind unfassbar uninteressant. Das ist alles so konstruiert und prätentiös, das macht mich völlig fertig. Ich will Daniel Kehlmann so gerne mögen, aber ich kann es einfach nicht, Clemens Setz, ich kann es nicht! Verzeih mir!!
So, jetzt les ich weiter David Foster Wallace, das beruhigt meine Nerven.