Eine spannende Reise durch die Lebenswelt einer Frau, die sowohl als Hip-Hop-Musikerin, als auch als Muslimin, als auch als Akademikerin auf der Suche nach Gleichberechtigung ist und die sehr scharf mit der intersektionalen Diskriminierung ins Gericht geht.
Diese Diskriminierung geht, wie wir alle wissen, grundsätzlich vom Patriachat aus. Wie sehr gerade im akademischen Bereich mal wieder die alten, weißen Männer es sich so richten, wie sie es brauchen und auch Machtverhältnisse missbrauchen, schildert sie anhand eigener Erlebnisse. Wobei sie hier nicht nur als Frau, die sich nicht unterordnen und "dankbar zeigen" wollte, diskriminiert wurde, sondern auch aufgrund ihrer musikalischen Vorgeschichte.
Sehr spannend ist die Aufbereitung ihrer wissenschaftlichen Erkenntnis zum Kopftuch als religiöses Zeichen. Je nach Anlass, Farbe, Bindetechnik, Kombination kann das Kopftuch eine Vielzahl von Bedeutungen haben. Und was machen die mitteleuropäischen alten, weißen Männer? Eine Debatte über Kopfverbote führen, offenbar ohne eine Hauch von Ahnung von der Sache zu haben.
Der Teil über die Frauenfeindlichkeit im Deutschrap hat mich nur mäßig überrascht. Das war ja wohl anzunehmen. Interessant aber auch hier wieder die Diskussion darüber, wie sehr man den Künstler von der Kunst trennen kann/darf/soll.
Die im Buch gewählte Sprache ist nicht blumig. Sie ist der Situation angemessen. Und so wird halt die Akademie zur Fuckademie, die Spitze des Eisbergs zur jener der Klitoris und es gibt nur wenige Seiten, die ohne "Votzensaft" auskommen. Gut so. Das trägt zur Aufmerksamkeit bei. Und die ist wichtig.