Eine starke Frau und eine Geschichte für alle Sinne
1230: Die junge Adelige Leni steht kurz vor ihrer Hochzeit, als die Burg ihres Vaters in der Nähe des Klosters Zwettl überfallen wird. Dabei gerät Leni in die Fänge des brutalen Hadmar von Kuenring. Mit letzter Kraft kann sie sich schließlich in den Wald retten. Doch hier muss sie feststellen, dass sie ein Kind von Hadmar erwartet. Leni findet Unterschlupf bei einer Kräuterfrau und bringt ihren Sohn Jakob zur Welt. Fortan leben die beiden verborgen im Schutz des Waldes, bis Leni eines Tages einen verletzten jungen Mann findet. Damian kommt aus Genua und handelt mit Gewürzen aus dem Orient. Während Leni ihn gesundpflegt, kommen die beiden sich näher, und gemeinsam entwickeln sie einen günstigen Pfefferersatz, der großen Absatz findet. Lenis Glück scheint zum Greifen nah, doch dann wird ihr Sohn von Hadmar entführt.
Mit "Die Kräuterhändlerin" hat Beate Maly wieder mal einen tollen historischen Roman vorgelegt, der sich unglaublich gut “weglesen” lässt. An ihren Büchern schätze ich sehr, dass sie in einer wunderbaren Prosa verfasst sind, in der kein Wort zu viel oder zu wenig ist. Ein Satz folgt vollkommen natürlich auf den nächsten. Hier ist nichts gekünstelt, hier wirkt nichts erzwungen oder sprachlich artifiziell. Die Worte fließen so dahin und der Leser fügt sich völlig in diesen Fluss mit ein.
Diesmal entführt uns Beate Maly in die Welt des österreichischen Hochmittelalters. Die junge Adelige Leona von Rauheneck, genannt Leni, wird Opfer einer Intrige und eines Überfalls gegen ihre Familie. Die Burg ihres Vaters wird vom greulichen Raubritter Hadmar von Kuenring annektiert, der sich auch an Leni vergreift. Ohne Rückhalt und auf sich allein gestellt, flieht Leni in die Wälder. Dort bietet ihr die ausgestoßene Kräuterfrau und Heilkundige Mara Zuflucht. Sie hilft ihr, ihren Sohn, Hadmars Kind, aufzuziehen. Jahre später lernt Leni den Genueser Gewürzhändler Damian kennen und erfährt zum ersten Mal in ihrem Leben einen Hauch von purem Glück. Leider ziehen bereits dunkle Wolken am Horizont auf, denn Hadmar hat keinen legitimen Erben...
Leona ist eine tolle, sympathische Protagonistin, mit der man mitfühlt und mitleidet. Man wünscht ihr einfach alles Glück der Welt und zuckt jedesmal zusammen, wenn ihr das Schicksal wieder mal übel mitgespielt hat. Durch Mara bekommen wir Einblick in das Leben einer Frau, die im Mittelalter als Aussätzige behandelt wurde, weil sie über medizinisches Wissen verfügte, gegen das die Kirche wetterte. Das Paradoxe an der Situation: Inoffiziell suchen die meisten Kranken die Kräuterfrau auf und ihnen wird geholfen. Schön finde ich auch, dass in der Darstellung ihres Lebens im Einklang mit der Natur die heidnischen Bräuche “entkriminalisiert” und als vom Jahreszyklus vorgegebene, natürliche Feste gefeiert werden. Auch Damian gefällt mir total gut - kein Kunststück, ist er doch die einzige durchweg positiv gezeichnete (erwachsene) männliche Figur des Romans. Er ist sanftmütig, tier- und kinderlieb, hat aber auch eine zweifelnde, rationale und witzige Seite. Er ist aufgeklärt und gebildet, unter anderem prangert er die zweifelhaften Praktiken der Kirche wie z.B. den Ablasshandel an. Er ist eben kein Schwarzweiß-Charakter, sondern ein real wirkender Mensch mit differenzierten, modernen Gedanken.
Beate Maly hat ihre Geschichte an der Realhistorie angelehnt, wie sie im Nachwort schreibt. Das Geschlecht der Kuenringer (die “Hunde von Kuenring”) gab es tatsächlich. Sie waren im 13. Jahrhundert die mächtigsten Adeligen im jungen Herzogtum Österreich. Die Burg Aggstein, die auch im Roman ihr Hauptsitz ist, war es auch in Wirklichkeit. Auch eine Burgruine Lichtenfels gibt es im niederösterreichischen Waldviertel. Die wenigen Quellen legen dar, dass ihre Bewohner, die Rauhenecks, auf unerklärliche Weise verschwanden. Dass Beate Malys Geschichte demnach einen “wahren Kern” hat, gefällt mir besonders.
Mit "Die Kräuterhändlerin" ist Beate Maly mal wieder ein in sich perfekter historischer Wohl- fühlroman gelungen, der keine Leserwünsche offen lässt - außer vielleicht den nach ihrem nächsten Buch.
Österreich, 1230: Leni ist jung, als ihre Mutter verstirbt. Ihr Vater Otto, Burg- und Lehnsherr, von Lichtenfels wird so verbittert, dass er seine Pflichten vernachlässigt. Die Kuenringer ergreifen die Gelegenheit und überfallen die Burg Lichtenfels. Leni, wird erniedrigt, ihr wird alles genommen, doch ihr gelingt die Flucht. Halb verhungert und schwanger findet sie Zuflucht bei einer Kräuterfrau. Dort lernt Leni die Wirkung der verschiedenen Pflanzen und Kräuter kennen.
Damian Brantoni, Gewürzhändler aus Genua, reist durch Österreich um neue Kräuter kennen zu lernen. Als er auf Leni trifft, ist er sofort begeistert. Gemeinsam entwickeln sie eine neue Geschäftsidee. Doch die Vergangenheit holt Leni wieder ein. Ihr Sohn bedeutet ihr alles und muss um jeden Preis beschützt werden. Denn Hadmar Kuenring will das, was ihm gehört.
Eigentlich habe ich das Buch für meine Mama gekauft aber der Klappentext klang sehr interessant, dass ich es selber lesen musste. Trotz der Neugierde, war ich am Anfang schon etwas skeptisch, denn Liebesromane sind nicht wirklich mein Ding aber es hat sich gelohnt.
Dieser Roman ist sehr locker zu lesen. Eine leichte Lektüre die das Herz erwärmt, einen in die Welt der Kräuter entführt ohne langweilig zu werden und den Leser mit Leni mit fiebern lässt. Alle Charaktere sind sehr einfach gehalten aber das hat mich nicht gestört, es hat zu diesem Roman gepasst. Nur der Schluss ging mir etwas zu schnell, da hätte ich mir noch ein bisschen mehr Spannung gewünscht. Trotzdem, war es eine tolle Geschichte für zwischendurch.
Waldviertel in Österreich 1230: Eigentlich ist Lady Leona, von allen Leni genannt, gerade dabei, sich auf ihre Hochzeit vorzubereiten, als die Burg ihres Vaters überfallen wird. Auf einen Schlag verliert die junge Frau alles, ihr Heim, ihren Vater, die Menschen auf Burg Lichtenfels, sogar ihre Identität, denn Hadmar von Kuenring sorgt dafür, dass der Name „von Rauheneck“ total von der Bildfläche verschwindet. Damit nicht genug, vergeht er sich auch noch an Leni, bevor diese heimlich fliehen kann. Zu ihrem Entsetzen stellt sie später fest, dass sie von Hadmar schwanger ist. Sie flüchtet sich in den Wald, wo eine geächtete Kräuterfrau sie bei sich aufnimmt. Bei ihr lernt sie alles über die Kräuterheilkunde, und ihr Sohn Jakob erblickt das Licht der Welt. Ist sie anfangs noch der Meinung, ein Kind von Hadmar könne sie nicht lieben, so wird sie eines Besseren belehrt, als sie ihren Sohn im Arm hält. Behütet und in Abgeschiedenheit leben Leni und ihr Sohn bei der Heilerin, bis diese eines eines Tages von Jakob zu einem verletzten Mann geführt wird. Damian hatte einen schweren Unfall mit seinem Wagen. Während sie ihn gesund pflegt, erfährt Leni, dass er aus Genua stammt und Gewürzhändler ist. Zusammen haben sie eine erfolgreiche Geschäftsidee, indem sie eine Art Pfefferersatz auf dem Markt verkaufen und viele Interessenten finden. Es sieht aus, als würde das Glück wieder in Lenis Leben einziehen, doch dann geschieht das Furchtbare: Hadmar hat herausgefunden, dass Leni einen Sohn von ihm hat und wo die beiden leben. Er entführt das Kind, und für Leni bricht erneut eine Welt zusammen.
Beate Maly schreibt fesselnde historische Romane. Mit Leni, der Kräuterfrau Mara und dem Gewürzhändler Damian hat der Roman sehr sympathische, vielschichtige Protagonisten, nicht zu vergessen der kleine Johannes, ein fröhliches Kind, das die Stärke seiner Mutter geerbt hat. Denn stark ist Leona von Rauheneck, eine wahre Kämpfernatur. Obwohl sie alles verloren hat, was ihr wichtig und lieb war, gibt sie nicht auf.
Die Autorin beschreibt sehr lebendig und authentisch, und der Roman konnte mich bis zuletzt fesseln. Besonders das Leben im Wald und die Beschäftigung mit Kräutern und Gewürzen ist farbig und lebendig dargestellt. Man kann die Gefühle der Menschen gut nachvollziehen, sogar Hadmar ist nicht einfach nur böse, sondern man erfährt, wie er zu dem Ungeheuer geworden ist, das Frauen Gewalt antut und keine Gefühle kennt. Besonders interessant finde ich, dass es Hadmar von Kuenring und seinen Bruder wirklich gegeben hat. Sie sind als Raubritter und „Hunde von Kuenring“ in die Geschichte eingegangen. Auch die Burg Lichtenfels in der Nähe des Klosters Zwettl existiert, und die Rauhenecks lebten im 13. Jahrhundert dort. Sehr viele Fakten sind nicht überliefert, aber die Lücken in der Historie hat die Autorin sehr gekonnt mit ihrer Phantasie gefüllt. Wenn ich historische Romane lese, erwacht in mir immer der Wunsch, zu den Original-Schauplätzen zu reisen, denn ich finde es faszinierend, alten Geschichten nachzuspüren. Vielleicht schaffe ich es wirklich einmal, nach Österreich ins Waldviertel zu kommen, dann werde ich den Roman sicher noch einmal hervor holen und darin schmökern. Insgesamt hat er mir sehr gefallen, nur das Ende ist für mein Empfinden etwas knapp ausgefallen und wirkte sehr abrupt, da hätte ich gerne noch ein wenig mehr erfahren.
Die Kräuterhändlerin von Beate Maly ist im Verlag Ullstein erschienen und hat 400 Seiten.
Leni wächst nach dem Tod ihrer Mutter mit einer verarmten Cousine bei ihrem Vater auf Burg Lichtenfels auf. Es sind unruhige Zeiten, eine Hochzeit von Leni mit dem Sohn eines Nachbarn soll einen Aufstand verhindern. Doch kurz vor der Hochzeit wird die Burg überfallen, der Burgherr wird ermordet und Leni geschändet. Mit letzter Kraft gelingt ihr die Flucht. Eine Kräuterfrau nimmt sich ihrer an, doch Hadmar, ihr Peiniger, hat sie nicht vergessen. Als er erfährt, dass aus seiner Vergewaltigung ein Kind entstanden ist, will er sich zurückholen, was seiner Meinung nach ihm gehört.
Ein ansprechender Roman über Liebe, Verrat und Verlust. Die Charaktere werden sehr bildhaft dargestellt, das Leben im Wald ist trotz einiger Längen unterhaltsam und lesenswert. In die Geschichte darf man nicht zu viel hineininterpretieren, der Roman soll in erster Linie unterhalten, was er auch schafft. Etwas vorhersehbar, ist es eine schöne Geschichte, ansprechend erzählt und als leichte Unterhaltung auf jeden Fall empfehlenswert.