Esther Kinsky, Autorin und vielfach ausgezeichnete Übersetzerin, beschreibt ausgehend von eigenen Erfahrungen das Verhältnis zwischen Namen und Dingen und die Veränderungen, die sich im Prozess des Übersetzens in diesem Verhältnis vollziehen. Wie wandeln sich die zu den Dingen gehörenden Bilder im Kopf und in der Erinnerung durch den steten Umgang mit der Umbenennung? Wie prägt die Erinnerung andererseits die Wertigkeit der Benennungen und beeinflusst damit die Wortentscheidungen, die man beim Übersetzen unentwegt trifft? Was geschieht in dem Raum, der sich zwischen den beiden Namen in der Herkunfts- und der Zielsprache auftut, während der Übersetzer die Bild- und Klangwelt des zu übersetzenden Textes "fremdspricht"? Kinskys Essay Fremdsprechen zeichnet die feine Grenzlinie nach, die zwischen eigenen und fremden Worten, zwischen eigener und fremder Sprache, zwischen eigenem und fremdem Leben verläuft.
Esther Kinsky, geboren 1956, hat Slawistik und Anglistik in Bonn und Toronto studiert. Sie arbeitet als Übersetzerin aus dem Polnischen, Englischen und Russischen. Ihr übersetzerisches Oeuvre umfasst u. a. Werke von Ida Fink, Hanna Krall, Ryszard Krysnicki, Aleksander Wat, Joseph O'Connor und Jane Smiley.
Kinksy lebt in Berlin. 2009 wurde sie mit dem Paul-Celan-Preis ausgezeichnet und 2011 erhielt sie den Karl-Dedecius-Preis.
Beeindruckend! Jede*r Übersetzer*in hat meinen unendlichen Respekt. Noch beindruckender ist es, zudem auch so klug über Übersetzung _schreiben_ zu können
Dies ist ein Buch entweder für Leute vom Fach oder für sprachverrückte Menschen, ansonsten würde ich es nicht empfehlen. Ich fand es ganz fabelhaft, auch wenn es an wenigen Stellen selbst mir ein wenig zu sperrig wurde.
Für Sprachenliebhaber mag das ein interessantes Büchlein sein. Es sind Erfahrungen einer Autorin-Übersetzerin, die tief ins philosophische hinein beleuchten, was es alles zu bemerken und beachten gilt, will man ein Textgewebe authentisch, wahr und ästhetisch ansprechend übersetzen. Diese Tiefe hat mich ermüdet - ja, man kann aber muss vielleicht nicht derartige Explorationen anstellen. Es ist eine Anforderung von sich selbst an sich selbst. Die vielen Beispiele beleben zum Glück das Ganze, auch und gerade die wenigen Einblicke in privates Spracherleben. Der größte Genuss bereitete mir der abschließende Text mit Übersetzung "Point of Departure". Wunderbar sinnlich, sehr be-schaulich, von großer sprachlicher Ausgesuchtheit und Kraft. Der Originaltext hat mehr davon als die Übersetzung ins Deutsche. Deutsch ist und bleibt für mich sperrig und klobig, allen Bemühungen der Übersetzerin zum Trotz. Das beweist ja gerade das, was in den Betrachtungen zuvor angesprochen wurde: es muss unweigerlich etwas fremdes werden, wenn man an den Text rührt und in eine andere Sprachwelt versetzt. Ist halt so.
Ein kleines Buch über die Größe von Sprache, eher gesagt über das Übersetzen von Sprachen. Für alle Leseliebenden ist es eine ganz spannende Welt, hinter diesen Beruf zu gucken, welcher uns ermöglicht, eine so große Auswahl an Büchern zu haben, die uns jetzt in den Buchläden erblickt.