»Die Götter meinten es nicht gut mit uns, denn es ist eine grausame Zeit, in die wir geboren wurden.«
In einem alten Krieg kämpft das Imperium gegen die Ash’Bahar und einen Fluch, der die Toten wiederauferstehen lässt. In diesen Wirren desertiert der Soldat Riagh, um in seiner von Untoten überrannten Heimat nach Anryn zu suchen – der Frau, der er versprochen wurde. Als er unterwegs versehentlich Nuzar das Leben rettet, will Riagh sich eigentlich nicht lange mit ihm beschäftigen, denn Nuzar ist einer jener Feuermagier, die an den Untoten schuld sind. Nur ist Nuzar niemand, den man so leicht vergessen könnte, und er weiß, wie der Fluch zu bannen ist. Aber solche Macht hat stets ihren Preis – und es ist an Riagh, ihn zu zahlen.
Annette Juretzki wurde 1984 in Polen geboren, ist in Niedersachsen aufgewachsen und nach einem ausgiebigen Schwenker Richtung Bremen letztlich in Osnabrück gelandet. Auf dieser Reise lernte sie nicht nur erfolgreich Lesen und Schreiben, sondern baute auch eine leidenschaftliche Hassliebe zu ihrem Computer auf und fand durchs Pen&Paper-Rollenspiel den Mann fürs Leben, der so hartgesotten ist, dass er tatsächlich jede ihrer Geschichten liest. Außerdem studierte sie Religionswissenschaften, denn so ein Diplom kann man immer mal gebrauchen.
Mir hat "Von Rache und Regen" wirklich gut gefallen. Angefangen von den packenden Schwertkämpfen, der griffigen Beschreibung der Welt und der sich langsam entwickelnden Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren, Riagh und Nuzar.
Riagh ist von einem eisernen Willen getrieben zurück in sein Heimatdorf zu gelangen, um die ihm versprochene Anryn zu retten. Diese Motivation bröckelt allerdings mit jedem Kapitel bzw. merkt man mehr und mehr, dass Riagh in einem Zwiespalt mit sich selbst, seiner Verantwortung gegenüber seiner Familie und seiner Sexualität steht. Ich finde, die Autorin hat diesen Zwiespalt wirklich gut in Worte gefasst.
Nuzar hingegen ist wie ein Buch mit tausend Seiten - und jede Seite ist in einer anderen Sprache geschrieben. Apropos Sprache, ich finde es toll, dass Nuzar generell alle Begriff in der weiblichen Form verwendet, das habe ich so noch in keinem Fantasy-Roman gelesen. Nuzars eigentliches Ziel wird erst im Laufe der Geschichte aufgedeckt, und da ich hier nicht zu sehr spoilern möchte: es sieht dabei nicht gut aus für Riagh oder die sich anbahnende Beziehung zwischen den beiden.
Die Welt mit ihren ständig andauernden Regenfällen und eigenen Begriffen für verschiedenartigen Regen (ich rätsel noch immer was eigentlich "trockener Regen" sein soll), war eine angenehme Abwechslung zu anderen sonst eher sonnigen Welten. Beim Lesen ist bei mir die Assotiation zu Ame no Kuni aus dem Naruto-Fandom aufgeploppt, wobei das wohl durch die Kombination von Elementarmagie und dem Regen-Setting geschuldet ist. Die Welt war jedenfalls greifbar und gut beschrieben und auch die Untoten haben mich mehr als einmal so richtig gegruselt.
So, dann noch kurz zu den Kleinigkeiten, die zu einem Sternchen-Abzug geführt haben: teils kam mir Riaghs Motivation Anryn zu retten sehr repetitiv und auch klischeebehaftet vor, besonders weil aus Riaghs Erinnerungen klar hervor geht, dass Anryn eine verdammt starke Frauenfigur ist und weder Schutz braucht, noch annehmen würde. An einer Stelle (Ankunft in der Stadt) kam mir auch der Plot nicht ganz schlüssig vor, wobei das durchaus daran liegen kann, dass ich hin und wieder etwas überlese/falsch zuordne. Es las sich irgendwie für mich wie ein episodenhaftes Zwischenspiel und auch über die Namen bin ich teils gestolpert, da sie sich für mich sehr lateinisch angehaucht lesen. (Mea culpa, falls ich das falsch zuordne, ich hatte nie Latein.)
Auf jeden Fall ein starker Auftakt. Bin gespannt auf den 2. Band!
Ich durfte "Regentänzer" beta-lesen, deswegen bin ich etwas voreingenommen und verzichte daher auf ein Rating. Trotzdem möchte ich es jeder*m ans Herz legen, der Freude an düsterer, charakter-zentrierter Fantasy und hervorragendem Worldbuilding hat. Annette hat eine unglaublich dichte Welt erschaffen, die sich beim Lesen völlig echt und lebendig anfühlt, und das gilt auch für ihre Charaktere und Dialoge. Außerdem hat sie eine Bildsprache, die einen umhaut. Also, lesen bitte. ;)
Nach ca. 50% abgebrochen bzw. den Rest nur noch sehr grob überflogen. Die Idee hat mir, wenn auch nicht neu erfunden, eigentlich gut gefallen, Personen zweier verfeindeter Völker lernen einander zu vertrauen. Die ersten paar Kapitel waren für mich sehr ermüdend zu lesen. Riaghs Unentschlossenheit, das ständige Hin und Her und sich im Kreis drehen, empfand ich als anstregend. Die Klischees waren, in meinen Augen, zu stark - der sture, männliche Krieger und der gebildete, kokettierende Exot, die . Der Schreibstil war flüssig zu lesen. Schade, dass ich mich nicht in die Geschichte einfinden konnte.
Story: Sechs Jahre kämpft Riagh als Soldat mit seinem besten Freund Sivok in den Heeren des Imperiums gegen das Volk der Ash’Bahar, die die Toten wiederauferstehen lassen und kontrollieren können. Als die Untoten ihre Heimat Carthal überrennen, desertieren die beiden, um Anryn zu retten – die Frau, der Riagh versprochen wurde. Doch noch Riagh findet seinen Weg zurück in das Land des Regens und begibt sich auf die Suche nach Anryn – als Deserteur kein leichtes Unterfangen, denn jeder kann zu einem Feind werden. Als er eines nachts den ash’barischen Feuermagier Nuzar rettet, ahnt er nicht, welches Schicksal die beiden ungleichen Männer fortan verbindet. Nuzar schließt sich ihm nicht nur an, sie werden auch ungleiche Verbündete, denn Nuzar kennt einen Weg den Fluch zu brechen, der die Toten wiederauferstehen lässt. Zudem erfährt Riagh mehr über die Hintergründe des Krieges und das sein Leben enger mit der Zukunft der ganzen Welt verbunden ist, als er je geahnt hat …
Eigene Meinung: Mit „Regentänzer“ legt Annette Juretzki den ersten Teil ihrer neuen Duologie „Von Rache und Regen“ vor. Der knapp 600-seitige Roman erschien ihm Traumtänzer Verlag, in dem auch die „Sternenbrand“-Reihe der Autorin erschien. Der zweite Band der Duologie ist für Winter 2020/Frühjahr 2021 geplant und soll die Geschichte um Riagh und Nuzar beenden.
Die Geschichte ist in zeitlich in einer Epoche angesiedelt, die an die Eisenzeit erinnert, gespickt mit etlichen fantastischen Elementen. Man wird direkt in einen allumfassenden Krieg geworfen, der auf alles Seiten nur Verlierer hervorgebracht hat und in der die Untoten die größte Gefahr für die Lebenden darstellen. Die Autorin erschafft eine äußerst stimmige, sehr reizvolle und lebendige Welt, die ihre eigenen Mythen und Göttersagen, Kulturen und Sprachen hat (die Sprache der Ash’Baharim nutzt beispielsweise das generische Femininum, was in Büchern sehr selten vorkommt) – sie hat das World Building perfektioniert. Gerade Carthal ist so greifbar beschrieben, der Götterglauben der Bewohner des Landes so nachvollziehbar gestaltet und die Historie so gut durchdacht, als würde man mit Riagh ein real existierendes Land durchstreifen. Auch die übrigen Länder der Welt sind sehr gut beschrieben – man hat die Menschen und Städte bildlich vor Augen. Auch die Geschichte um Riagh und Nuzar ist durchweg gelungen und mitreißend geschrieben. Man ist schnell in der Handlung und stets hautnah dabei. Die Autorin lässt sich Zeit, die beiden ungleichen Charaktere vorzustellen und zusammen zu führen, denn im Grunde stehen sich die Völker der beiden als Feinde in einem schier endlosen Krieg gegenüber. Dementsprechend lange dauert es, bis die beiden Vertrauen zueinander aufbauen. Auch die Beziehung der beiden entwickelt sich nur langsam, denn es dauert bis Riagh und Nuzar einander mehr offenbaren und sich schließlich eingestehen, mehr füreinander zu empfinden. Nichtsdestotrotz wird es nie langweilig, denn Annette Juretzki (ver)zaubert mit Worten, witzigen, charmanten und stimmungsvollen Dialogen und tollen Beschreibungen, die Bilder im Kopf entstehen lassen und unter die Haut gehen. Positiv sei angemerkt, dass sie auf allzu explizite Erotik verzichtet und stattdessen lediglich andeutet, was vollkommen ausreichend ist, da es die Geschichte nicht unterbricht und unnötig in die Länge zieht.
Die Figuren sind sehr lebendig, authentisch und nachvollziehbar gestaltet – Riagh ist der typische Krieger, zumeist wortkarg und eigenbrötlerisch hat er nur ein festes Ziel vor Augen – Anryn zu finden und vor den Horden Untoter zu beschützen. Es fällt ihm schwer, Vertrauen zu fassen, was bei seiner Vergangenheit und dem, was er erlebt hat, nicht verwunderlich ist. Mit seiner groben, fast schon barbarischen Art ist er das exakte Gegenteil von Nuzar, der mit Worten umzugehen weiß, sehr gebildet wirkt und gänzlich anders kämpft als Riagh. Auch er verfolgt ein festes Ziel – er setzt alles daran, den Fluch aufzuheben, der die gesamte Welt knechtet. Auch die unzähligen Nebenfiguren, die den beiden ungleichen Männern auf ihrer Reise begegnen, sind sehr lebendig in Szene gesetzt und handeln stets logisch. Sie wirken nicht nur wie Statisten, sondern wie echte Menschen mit echten Problemen – ein Grund weswegen die Welt so lebendig und greifbar wirkt.
Stilistisch gibt es nichts zu bemängeln – Annette Juretzki hat einen detailreichen, atmosphärisch dichten und gut lesbaren Stil, der durch brillante Dialoge, stimmige Beschreibungen und lebendige Figuren besticht. Sie weiß, wie sie ihre Figuren in Szene setzt, wie man mittels Dialogen Spannung aufbaut und wann man eine ernste Szene durch eine Prise Humor auflockern kann. Auch die Kampfszenen sind actionreich und unterhaltsam, die Beschreibungen von Carthal sehr passend und man ist immer nah bei den Figuren und in der Geschichte. Wie auch bei „Sternenbrand“ versteht es die Autorin zu fesseln und zu begeistern.
Fazit: „Von Rache und Regen: Regentänzer“ ist ein wunderbarer düsterer Fantasyroman, der durch tolle Charaktere, atmosphärische Dialoge und wundervolle Beschreibungen besticht. Die Autorin erschafft eine greifbare Welt, die den Leser gefangen nimmt und dafür sorgt, dass man das Buch nur schwer aus der Hand legen kann. Wer düstere Fantasy abseits des Mainstreams mag, der sollte unbedingt einen Blick in die Geschichte von Riagh und Nuzar werfen – das Buch kann ich uneingeschränkt empfehlen. Bleibt zu hoffen, dass bald die Fortsetzung erscheint, denn am liebsten will man sofort weiterlesen, sobald man „Regentänzer“ beendet hat. Unbedingt lesen!
Über die Bücher, die Annette Juretzki bis jetzt veröffentlicht hat, habe ich fast ausschließlich Positives gelesen. Auch die ersten Meinungen zu „Von Rache und Regen: Regentänzer“ gehen in dieselbe Richtung. Als dann noch die Beschreibung „düster“ im Raum stand, konnte ich einfach nicht wiederstehen und musste wissen, was sich hinter diesem wundervollen, und im Nachhinein betrachtet, absolut passenden Cover verbirgt.
Zu viele sind gestorben und Riagh ist des Kämpfens müde. Die Verluste in den Reihen der Feinde, im eigenen Volk und unter den ihm Nahestehenden lasten schwer auf ihm – er wird zum Deserteur. Gebrandmarkt und dadurch für jeden ersichtlich, dass er ein Verräter des Imperiums ist, ist er unterwegs zurück in seine Heimat. Seine Verlobte zu finden und vor der Bedrohung durch den Fluch, der sie zu einem Zombi macht, zu beschützen hat oberste Priorität und soll seinem gescheiterten Leben noch einen Sinn geben. Der Dienst an der Front hat Riagh geprägt, er ist der Gewalt gegenüber Unterlegenen überdrüssig, und so greift er ein, als eine Gruppe einen Einzelnen misshandelt. Nicht ahnend, dass er einem Ash´Bahar, einem Mann aus dem Volk, welches für den Fluch verantwortlich ist, das Leben rettet und welche Tragweite diese Entscheidung für ihn selbst, aber auch für alle anderen hat.
Der „Regentänzer“ spielt in einer Welt, die mich beeindruckt hat. Ohne sich der typischen Fantasy-Wesen, oder epischen Kämpfen zu bedienen, fasziniert sie durch ihre Einfachheit, was ich absolut nicht abwertend meine. Annette Juretzkis Weltenbau braucht keinen phantastischen Prunk um grandios zu sein. Durch viele Feinheiten, vor allem in der Sprache, wirkt Riahgs Heimat lebendig und real. So gibt es in seiner Muttersprache zum Beispiel zig Bezeichnungen für die unterschiedlichen Arten des Regens. Ebenso finden sich zu Anfang eines jeden Kapitels zwei konträre Zitate, die die Unterschiedlichen Sichtweisen der einzelnen Völker verdeutlichen. Die Tristesse, die das ganze Land durchtränkt, sei es durch den andauernden Regen, durch den Krieg, der Brüder zu Feinden macht, oder die Aussichtslosigkeit in Hinblick auf die Zukunft, fordert ihre Opfer und schafft für mich einen nicht geahnte Tiefe. All das Leid, bringt aber auch ungeahnte Stärke hervor.
Riagh hatte sie, diese Stärke, doch der Dienst für das Imperium hinterließ seine Spuren. Von ihm ist nur noch eine leere Hülle, angefüllt mit Schuldgefühlen, übriggeblieben. Dadurch, dass die Geschichte komplett aus Riaghs Sicht erzählt wird, kam diese Zerrissenheit sehr eindrücklich bei mir an. Nuzar dagegen ist ein Mysterium. Annette Juretzki gibt den beiden, und auch mir als Leserin, aber Zeit sich und die jeweiligen Eigenheiten ausreichen kennen zu lernen. Die Wortgefechte der beiden sind zum niederknien, was vor allem dem unterschiedlichen Background von Nuzar und Riagh geschuldet ist. Als Dear´waa denkt der eine bevor er redet, der andere trägt sein Herz auf der Zunge. Aber nicht nur die Dialoge, sondern das komplette Zusammenspiel fand ich großartig. Ganz fein entwickelt sich aus dem gegenseitigen Misstrauen ein Band der Zuneigung, das ihre Handlungen zunehmend beeinflusst, meiner Meinung aber nicht überhandnimmt und die Geschichte dadurch erdrückt, sondern in der Lage ist Neues, Großes zu erschaffen.
- Denn wo du dich dem Zweifel ergibst, wird nichts geschehen. Magie ist Schmerz, Riagh. Die Welt formt sich nicht nach deinem Wunsch, sondern nach deinem Willen. Nur wer bereit ist, etwas zu opfern, kann etwas verändern. – (S. 254)
Einen klitzekleinen Kritikpunkt habe ich allerdings. Das Ende dieses Bandes schließt mit einem fiesen Cut und ich möchte deswegen zurück in diese Welt, jetzt sofort!
Trotzdem feiere ich den „Regentänzer“ mit seinem genialen Setting, den unterschiedlich gezeichneten Haupt- und Nebencharakteren, der düsteren Stimmung und seiner ganz eigenen Magie, und ich freue mich auf meine Rückkehr zu Riagh und Nuzar und zu all dem, was ihre Welt ausmacht. Für mich war dieser Auftaktband ein absolutes Highlight, den ich jedem ans Herz legen möchte, der der weniger schillernden, dunklen Seite der Fantasy etwas abgewinnen kann.
Es kommt nicht oft vor, dass ich ein Buch an einem Tag auslese - Annette Juretzki hat es geschafft. Es war so unglaublich spannend und mitreißend, dass ich einfach nicht aufhören konnte!
Das Imperium führt einen Kampf gegen das Reich der Ash'Bahar, ein Fluch lässt die Toten als Zombies wieder auferstehen. In diesen Wirren flieht der Soldat Riagh, um seine Verlobte zu retten. Auf seinem Weg rettet er Nuzar, einen ash'baharischen Magier, der einen Weg zu kennen scheint, den Fluch zu brechen. Riagh hat nicht nur mit einer uralten Feindschaft zu kämpfen, sondern auch mit seinen aufkeimenden Gefühlen ...
In die Wirren des Krieges ist eine wunderschöne Liebesgeschichte zwischen zwei vollkommen unterschiedlichen und sich doch ganz ähnlichen Menschen eingeflochten, dazu eine hervorragend ausgearbeitete Welt, die einen mitunter stolpern lässt, wenn Nuzar das generische Femininum verwendet. Regentänzer bietet eine vielfältige, diverse Welt, eine spannende Geschichte, einen unglaublichen Cliffhanger - und: Regen!
Riagh ist Soldat an der Front. Als seine Heimat zunehmend von Untoten bedroht wird, desertiert er, um seine Verlobte, die er viele Jahre nicht gesehen hat, zu retten. Auf seinem Weg ins äußerst verregnete Carthal rettet er den Feuermagier Nuzar. Ihr Weg ist der Gleiche, aber ob es ihre Ziele auch sind und obes eine gemeinsame Reise wird, muss sich noch zeigen. Für mich ist „Von Rache und Regen- Regentänzer“ das erste Buch von Annette Juretzki. Die Gesamtidee und der Stil gefallen mir gut. Er lässt sich einfach lesen und insgesamt konnte ich der Geschichte gut folgen. Die Umgebung, das Triste, Trübe, die Nässe drücken ganz wunderbar die Hoffnungslosigkeit und die Not aus, die über der Gegend liegen. Die Handlung konnte ich als lebendigen Film vor meinem inneren Auge sehen. Womit ich leider überhaupt nicht warm geworden bin sind die beiden Protagonisten. Riagh, der starke Kämpfer wird von dem gequält, was er verloren hat. Dadurch ist Wut sein Hauptantrieb. Doch auch in klaren Momenten scheint Nachdenken nicht zu seinen Kernkompetenzen zu gehören. Nuzar kommt aus einer weit entfernten Gegend. Seine Art sich auszudrücken ist oft umständlich, meist spricht er in Rätseln, die sich neben Riagh auch mir nicht erschlossen haben. Anfangs fand ich das amüsant, irgendwann nur noch anstrengend. Schnell ist klar, dass die beiden sich irgendwie zueinander hingezogen fühlen, aber Riagh ist durchgehend damit beschäftigt sich einzureden, dass Nuzar sein Feind ist und dies auch immer bleiben wird. Für jeden Schritt vor macht er zwei zurück. Immer wieder. Das fand ich irgendwann ermüdend. Es tut mir unglaublich leid, da ich mich sehr auf das Buch gefreut habe, aber ich finde beide Hauptpersonen einfach nicht sympathisch. Ihre Gefühle erreichen mich nicht und ich kann besonders Riaghs Denk- und Handlungsweise oft nicht nachvollziehen. Ich gebe 3 Sterne für die Idee und den Schreibstil. Emotionssterne kann ich dieser Geschichte aber leider keine geben.
In einer Zeit in der das Imperium gegen die Ash’Bahar kämpft, um einen Fluch zu lösen, der Tote wieder auferstehen lässt, desertiert der Soldat Riagh , um in seiner Heimat nach der Frau zu suchen, der er versprochen wurde. Auf dem Weg dorthin trifft er auf Nuzar, dem er ungewollt das Leben rettet. Ausgerechnet Nuzar ist einer jener Feuermagier, die für den Fluch, der sich über das gesamte Land erstreckt, verantwortlich ist. Warum schafft es Riagh nicht, sich an Nuzar zu rächen und ihn umzubringen, obwohl er doch der verhasste Feind ist? Eventuell deswegen weil Nuzar so ganz anders ist, als Riagh dachte und weil es so schwer ist, von Nuzar wegzukommen, der mit seinem inneren Feuer Riaghs bisher kaltes Leben erwärmt. Die Ash’Bahar wollen mit dem Fluch den Krieg für sich entscheiden, doch Nuzar will diesen lösen und Riagh spielt eine entscheidende Rolle dabei.
33 verschiedene Bezeichnungen für den Regen, nur 33 Herzschläge und ein ganzes Leben ändert sich. Annette Juretzki kreiert eine ganz eigene Welt, erschafft diese mit einer schlichten Einfachheit, die durch ihre Gewaltigkeit überzeugt. Riaghs Welt braucht nichts spektakuläres, nichts außergewöhnliches um zu überzeugen. Eine Welt voller Verfluchte, Menschen, die nach dem Tod wieder auferstehen, als wandelnde Tote durch das Land streifen und jedes Leben versuchen auf ihre Seite zu holen. Wir begleiten den Desarteur Riagh, der in seine Heimat zurückkehrt, um nach Anryn zu suchen, die Frau, der er versprochen wurde. Carthal, ein Land, deren Bewohner 33 verschiedene Bezeichnung für Regen haben, jede Art von Regen hat seinen eigenen Mythos, seine eigenen Legenden und Geschichten, jeder Gott stellt eine Regenart dar. Man hatte, bis man dieses Buch in den Händen gehalten hat, keinen Schimmer, wie unterschiedlich es doch regnen kann und dass Regen nicht nur einfach Regen ist. Die Autorin erschafft ihre eigene Welt, mit ihrer eigenen Sprache, ihren eigenen Gesetzen und ihren eigenen Gegebenheiten.
Riagh, ein carthalischer Deserteur, der geflohen ist, um die Frau zu suchen, der er versprochen wurde, auf dessen Schultern die Schwere von Verlust in den Reihen der Feinde aber auch im eigenen Volk, sowie Nahestehenden und Geliebten lastet. Gebranndtmarkt und als Deserteur gekennzeichnet und somit für jeden ersichtlich, wer er ist, reist er durch das Land, auf der Suche nach Anryn. Er lässt sich durch nichts von seinem Vorhaben abbringen, bis er eines Tages einem scheinbar hilflosem Menschen vor streitlustigen Fischern rettet. Riaghs Wesenszüge, sein Bezug zu seiner Heimat und den Göttern, an die seine Heimat glaubt, erinnern mich an die nordische Kultur. Am meisten fasziniert haben mich die so vielen Sagen rund um den Regen, wie Riagh zu jedem eine Geschichte erzählen konnte, er wird nicht als Regen an sich bezeichnet, sondern Riagh erzählt uns, welcher Gott gerade präsent ist und sich den Menschen zeigt. Riagh an sich ist nichts weiter als eine leere, doch mit belastenden Schuldgefühlen beladene Hülle, die sich durch die Welt schleppt mit nur einem Ziel vor Augen. Er sieht sich selbst als Gefahr für seine Mitmenschen, da er meist impulsiv handelt und erst im Nachhinein bemerkt, was er angerichtet hat.
Nuzar, ein Ash´Bahar, ein Mann aus dem Volk, die den Fluch über das Land gebracht haben, befindet sich im carthalischem Land, aus einem Grund, den Riagh wohl nie vermutet hätte. Im Laufe ihrer gemeinsamen Reise fällt es Riagh auch nicht leicht, Vertrauen in diesen Mann zu fassen. Doch bei egal welcher Entscheidung, Nuzar lässt ihm immer die Wahl. Nuzar drückt sich meist poetisch und auch ein wenig in Rätseln aus, was manchmal sogar dem Leser Schwierigkeiten bereitet aus ihm schlau zu werden, was einen während des Lesens doch ins Stocken bringt. Dennoch würde man Nuzars Art sich zu geben und auszudrücken vermissen. Bei ihrer ersten Begegnung zeigt Nuzar keinerlei Angst, allerdings offenbart er Riagh auch nicht, dass er sehr wohl dessen Sprache versteht. Nuzar hat eine gewisse spielerische Art an sich, hat seinen ganz eigenen Charme und doch merkt man im Laufe der Geschichte, dass sich viel mehr hinter dessen Art oder gar Fassade verbirgt. Man hatte bei ihm jedoch niemals den Eindruck, dass er den Ernst der Lage nicht verstünde.
Die Autorin hat mit den beiden Charakteren die gängigen Gegenteile geschaffen, wobei man hier allerdings nicht müde wird, es zu lesen. Riaghs und Nuzars Reise ist so spannend und mitreißend verpackt, dass man das Buch nur schwer aus den Händen legen kann und man ist doch ein klein wenig missgestimmt, wenn man das Wörtchen Ende liest. Wasser und Feuer, Wüste und Regen, poetisch oder grob und direkt, all das vereint die Autorin in dieser Geschichte rund um den Feuer- und den Regentänzer. Noch nie war der Satz “Er ist ein Freund”, so mitreißend und bewegend, noch nie der Verlust und der Gewinn eines Geliebten so bewegend. Nuzar schafft etwas, was bisher niemand vollbracht hat, er schafft es, das Eis in Riagh zu schmelzen und einen reinigenden Regen zu erschaffen.
Eine fesselnde, bewegende aber auch düstere Geschichte, dessen Fortsetzung ich kaum erwarten kann.
Auf das Buch bin ich über eine Website zum Thema Progressive Fantastik gestoßen und neugierig geworden, wie sich ein Roman ließt, der sich in diesem Genre zu Hause fühlt oder ihm zugeordnet wird.
Man merkt, dass die Autorin Religionswissenschaften studiert hat: Die Regenkultur, aus der Riagh stammt, ist so reich und natürlich und schön, flechtet sich immer in seine Gedanken ein, wenn er sich Naturereignisse zu erklären versucht oder Fremde sich über das Wetter in seiner Heimat beschweren. Es macht wahnsinnig Spaß, darin einzutauchen und macht die Welt tief und lebendig - genau so der kriegerische Konflikt und all die persönlichen Konflikte, die dem Single-POV hier durch den Kopf gehen. Die inneren Monologe sind zahlreich, aber da man von vornherein damit vertraut gemacht wird, kamen sie mir nie langweilig oder gar bremsend vor.
Die Beziehungen zwischen Charakteren sind ein wichtiges Element der Geschichte, aber zum Glück weit weg von der ganzen Romantasy-Suppe, was mir absolut zugesagt hat - nein, sie drehen sogar vieles um, hinterfragen auf schlaue Art. Durch Riagh sehen wir die Welt am Anfang durch die Augen von einem ziemlich stereotypen Kerl und erleben mit ihm, wie sie immer größer und bunter wird. So habe ich mir Progressive Fantastik vorgestellt!
Der Schreibstil selbst ist wunderbar, reich an Bildern und den richtigen Worten. Was übrigens letztlich dazu beigetragen hat, genau dieses Buch auszusuchen, war das Cover: schöne, schlichte Schrift und eine tolle Gestaltung ohne viel Glitzer und diesdas.
Ich hoffe, dass Teil 2 noch kommen wird, denn ich hätte wirklich große Lust, weiterzulesen!
Wortschöne Enemy-to-Lover Story Mit dem ersten Band „Regentänzer“ eröffnet Anette Juretzki in „Von Rache und Regen“ eine düstere, eisenzeitliche Sword & Sorcery-Reihe, die einiges aufzubieten hat. Riagh dient dem Imperium, doch als Deserteur will er nur noch nach Hause, fort von der Front und zu Anryn, der Frau, der er versprochen ist, und die er beschützen will. Denn die Feinde des Imperiums, die Ash’Bahar, lassen die Toten auferstehen und wie eine Seuche breitet sich dieser Fluch auch über Riaghs Heimat aus. Seine Mission bekommt eine neue Richtung, als er Nuzar rettet, einen Nekromanten und Feuermagier, einen Ash’Bahar, einen Feind. Doch Nuzar ist nicht nur auf einer eigenen Mission unterwegs, er ist auch jemand, den Riagh nicht einfach vergessen oder ignorieren kann. Sword & Sorcery habe ich bisher wenig gelesen und bei Zombies bin ich für gewöhnlich sofort raus, aber „Von Rache und Regen“ war mit dem eisenzeitlichen Setting zu interessant, um es zu ignorieren. Und ich bin sehr froh, dass ich es gelesen habe. Denn „Von Rache und Regen: Regentänzer“ erfüllt bei mir alle Kriterien für einen guten Fantasy-Roman. Riagh als Protagonist ist jemand, mit dem man sich identifizieren kann. Er hat ein glaubhaftes Ziel, er hat Schwächen, er zeigt Emotionen. Nuzar ist quasi ein 180°-Gegenbild von ihm und lockert mit seiner positiven Ausstrahlung, seinem Humor und seiner weiblich gegenderten Sprache die Geschichte auf. Apropo Sprache: Ich finde, Anette Juretzki hat einen wunderschönen Sprachstil. Die Bilder, die sie verwendet, passen wunderbar und sind etwas komplett anderes, ohne zu übertrieben oder gekünstelt zu wirken. Überhaupt ist der ganze Weltenbau hervorragend. Der starke Fokus auf Wasser und Regen zieht sich durch das ganze Setting, ob Sprache, Religion, Landschaft, Denkweise der Figuren, Lebensstil. Die Atmosphäre ist unglaublich dicht und trägt stark zum Vergnügen bei, das ich mit diesem Roman hatte. Für die Geschichte, die er erzählt, hat er zudem genau die richtige Länge und das richtige Tempo, um optimal zu unterhalten. Ich kann wirklich nichts finden, was ich zu kritisieren hätte, wenn man davon absieht, dass Gegner, die am Anfang noch ein Problem darstellten, hinterher quasi im Vorbeigehen erledigt werden. Dadurch fällt die Spannungskurve in manchen Situationen, gerade zum Ende hin, etwas ab. Glücklich bin ich dagegen mit dem Ende und dem, was es für den zweiten Band verspricht, der hoffentlich bald erscheinen wird. Daher gebe ich „Von Rache und Regen: Regentänzer“ eine völlig verdiente 9/10 für fast perfekte Fantasy-Unterhaltung und freue mich schon sehr auf den zweiten Band.