Das Erstarken rechtspopulistischer Bewegungen führt zu einer Normverschiebung in europäischen Gesellschaften und erzeugt Spannungen, die sich in Polarisierung widerspiegeln. Es geht dabei weniger um Migration selbst als um die Prozesse, die stattfinden, wenn Migrant*innen und ihre Nachkommen ihre Rechte einfordern. Die Frage des Umgangs mit Migration wird so zur Chiffre für Anerkennung von Gleichheit in demokratischen Gesellschaften. Naika Foroutan zeigt, dass die Migrationsfrage zur neuen sozialen Frage geworden ist - an ihr werden Verteilungsgerechtigkeit und kulturelle Selbstbeschreibung ebenso wie die demokratische Verfasstheit verhandelt. »Wie hältst Du es mit der Migration?« steht für die Frage danach, was ausgehandelt werden muss, damit die plurale Demokratie zusammenhält. Die postmigrantische Gesellschaft ist also eine, die sich im Kontext der Debatten um den Stellenwert von Migration neu ordnet.
Um ehrlich zu sein, die meisten Bücher, die ich für Academia lese, trage ich nicht bei Goodreads ein, aber dieses hier möchte ich unbedingt weiterempfehlen! Auch wenn es vielleicht etwas schwierig ist, mit dem sozialwissenschaftlichen Vokabular klarzukommen - bitte lest dieses Buch! Es schafft so viel Klarheit und Ansätze für das Deutschland, in dem wir leben.
Wer nach Feminismus, rassismuskritischer Forschung, postkoloniale Theorie und sonstigen postmodernen „Gutmenschentheorien“ den Kopf schüttelt ob einer neuen Theorie, die mit dem Präfix „Post-„ ausgestattet ist, höre Naika Foroutan zu. Dabei vermag sie es, riesengroße klassische Demokratietheorie in die neueren, teils oben genannten, Teildisziplinen der Sozialwissenschaften zu deduzieren. Sie schafft es, den Fokus mehr auf Argumente denn auf große schlaue Worte zu lenken und baut damit eine trennscharfe, Anleitung für die humanistische pluralistische Praxis. Durch die Selbstreflexion gerade des Präfixes „Post-„ bleibt Foroutans Theorie nicht im Versteck der nächsten „Post-„theorie und überführt uns alle, auch eurem Erzähler, dass wir zu viel Carl Schmitt gelesen haben.
In diesem Buch definiert die Berliner Wissenschaftlerin Naika Foroutan den Begriff der postmigrantischen Gesellschaft und erläutert, was nötig ist, um diesen Status zu erlangen. Ihre Kernthese ist, dass die im Grundgesetz versprochene Gleichheit für alle nicht erreicht ist; diese wird in mehreren Kapiteln theoretisch eingeordnet und empirisch belegt.
Man sollte sich vor dem Lesen vergegenwärtigen, dass es sich hier tatsächlich um ein wissenschaftliches Buch handelt, das ein grundlegendes Verständnis von akademischer Sprache voraussetzt. Insbesondere im ersten Drittel habe ich mich - trotz oder wegen des länger zurückliegenden Studiums - etwas durchkämpfen müssen, aber es wurde besser und hat sich insgesamt gelohnt.
Es war sehr interessant, Migrationsverhandlungen und der Ablehnung dieser systematisch auf den Grund zu gehen und einen Einblick in sozialwissenschaftliche Komplexe zu erlangen. Zudem haben mich einige der empirisch erhobenen Zahlen sehr schockiert, auch wenn mir die Fragestellungen manchmal etwas suggestiv vorkamen.
Um wirklich alles verstehen zu können, ist es sicherlich hilfreich, das Buch im gemeinsamen Austausch zu lesen (sofern man sich nicht regelmäßig in wissenschaftlichen Diskursen bewegt).
Ich mochte das Buch sehr und es gibt fünf Sterne, auch wenn die Ideen nicht zu 100% immer bahnbrechend waren (dennoch sehr gut!).
Wer sollte das Buch lesen? Ganz ehrlich jeder, der sich nicht sofort eingeschüchtert fühlt wenn die Autorin anhand der Vorsilbe post- analysiert und erklärt wie unsere jetztige Gesellschaft sich zusammensetzt. Manchmal sind Gedankengänge und Vokabular vielleicht etwas komplizierter als in Büchern, die mehr für die Breite Masse geschrieben sind, aber hier wurde sich so viel Mühe gegeben mit Erklärungen und Beispielen, ich denke die meisten kommen gut zurecht damit.
200+ Seiten zu so einem wichtigen aber zugegebenermaßen komplexen Thema haben mich zuerst eingeschüchtert. Völlig falsch, es ließt sich super leicht, ab und an werden Argumente für's bessere Verständnis wiederholt aber nie fühlt es sich an wie ein künstliches Aufblasen der Seitenanzahl. Ich mochte die Ideen und die Argumente, die Frau Foroutan darlegt, aber am meisten haben mich die zitierten Studien beeindruckt (oder verstört, manche sind ganz schön niederschmetternd).