Insgesamt knüpft dieses Buch da an, wo das letzte aufgehört hatte. Es ist einfach so gar nicht die Geschichte, die ich erwartet hatte, was mir leider erst zum Schluss bewusst wurde.
Es geht in dieser Geschichte nicht darum, den Thron zu stürzen und die (fiktive) Welt zu einem besseren Ort zu machen. Es geht um die persönliche Entwicklung von Ruby. Wie sie von der schwachen Prinzessin zur starken Kämpferin wird, und versteht, dass man als starke Person trotzdem Liebe finden kann. Hätte ich das früher gewusst, hätte ich das Buch vermutlich mehr genießen können. Ich habe nämlich die ganze Zeit darauf gewartet, dass Ruby ihren Vater, den König, stürzt, und die Drachen befreit. Ich habe eine Geschichte erwartet, in der Ruby von Ort zu Ort zieht, Aufklärungsarbeit leistet und Drachen befreit. Leider kommt es zum Showdown tatsächlich erst am Ende des Buches, sodass man nicht mehr viel davon mitbekommt, was Ruby nun in ihrer neuen Rolle als Königin tut. Von mir aus hätte man die ganze Geschichte um Sirius weglassen, und stattdessen das erzählen können. Die Zeit auf hoher See hat sich nämlich sehr weit hingezogen, weswegen ich mich zum Teil zwingen musste, das Buch weiter zu lesen.
Was sehr schade ist, da ich Welt und Charaktere wirklich sehr gerne mochte, allen voran Eleanore Ophelia und Nox. Ich hätte alle gern noch mehr in Action gesehen, zum Beispiel im Kampf gegen die Truppen von Ruby's Vater. Ich hatte mir vorgestellt, dass es mehrere Kämpfe geben würde, dass sich Ruby und Co in ihrer Höhle verschanzen würden, einfach, dass es länger dauert. Leider wurden alle Probleme viel zu schnell gelöst. Mit Ermordungen wird hier nur so um sich geworfen, und sie finden auch sehr schnell statt. Dadurch baut sich nicht gerade Spannung auf.
Ich finde es auch unmöglich von Fynn, dass er einfach allen erzählt, Ruby sei seine Geliebte. Er hätte sie vorher fragen müssen, ob es in Ordnung ist, es den anderen zu erzählen. Ich mag ihn einfach nicht. Auch wenn er eine gute Stütze für Ruby ist und ich es nachvollziehen konnte, als sie Zeit in ihrem Nest verbracht haben. Es gab Szenen, die waren wirklich sehr schön. Aber wenn Fynn dann wieder den nächsten anzüglichen Spruch raushauen musste, hat es einfach nur genervt.
Sehr gefallen hat mir wieder die Diversität, und dass die diversen Charaktere eine größere Rolle gespielt haben. Sirius, Fynns ehemaliger Geliebter, entführt Ruby und Ophelia, die eine Geschlechtsangleichung durchlebt hat. Außerdem kommen immer wieder queere Personen in der Handlung vor.
Das Ende hat mir sehr gut gefallen, auch wenn es für meinen Geschmack viel zu kurz war. Ich fand es schön, dass Fynn Ruby geholfen hat, Onyx zu befreien. Dass ihr Vater tatsächlich gestorben ist. Trotzdem hat mir etwas gefehlt. Vermutlich, weil die Geschichte für mich an diesem Punkt erst begonnen hätte. Was passiert nun, da Ruby ihre Kräfte benutzen kann? Es sind generell sehr viele Fragen offen geblieben. Ich hätte mich gern noch viel mehr mit den Figuren auf Fynns Schiff beschäftigt. Ich glaube, ein Dritter Band, der ja leider nicht existiert, wäre die Geschichte, auf die ich die ganze Zeit gewartet habe.
Außerdem gab es wieder diverse grammatische Fehler und fehlende Zeichensetzungen in einem Ausmaß, dass es den Lesefluss gestört hat.
Insgesamt hatte ich Freude an den Charakteren und der Welt, allerdings eher weniger an der Handlung.