Schweigen ist nicht immer das Richtige, hat ihre Tante Marie gesagt, doch über ihre Vergangenheit sprach sie nicht. Nie hätte Viviane geglaubt, dass Marie ein großes Schicksal verbirgt, das auf geheimnisvolle Weise mit einem jahrhundertealten Musikstück zusammenhängt. Constanze Wilken spannt einen weiten Bogen, um vom Zauber einer Violinsonate und dem Weg einer jungen Frau zu erzählen. Überraschend erbt Viviane von ihrer Tante Marie ein wunderschönes Haus bei Passau und einen ungewöhnlichen Auftrag. In einem letzten Brief bittet Marie ihre Nichte, die Herkunft eines lange verschollenen Musikstücks zu klären und damit die Musik und ihr eigenes Schicksal dem Vergessen zu entreißen. Viviane soll nach Prag fahren, um die Fäden der Vergangenheit dort wieder aufzunehmen, wo Marie sie sechzig Jahre zuvor abrupt zerschnitten hat. Viviane beginnt mit ihren Recherchen. In Prag lernt sie die Familie Habart kennen, deren Oberhaupt Alois mehr über die Vergangenheit, über Marie und die Sonate weiß, als er ihr erzählt. Offenbar hat die Sonate ihm nur Unglück gebracht. Inzwischen hat Viviane gelernt, dass Maries Bitte mehr bedeutet, als nur die Geschichte von zwei unglücklich Liebenden aufzudecken. Marie hat über ihre Liebe immer geschwiegen, wird Viviane einen anderen Weg finden?
Zwischenzeitlich etwas langatmig, aber durchaus durchdachte und mit relativ vielen Charaktern aufgestellte Geschichte mit Familiengeheimnissen, verwoben mit den Leben und Schicksalen Anderer.
Gerade hat Viviane die Scheidung von ihrem untreuen Ehemann hinter sich, da erhält sie die nächste Hiobsbotschaft: ihre über alles geliebte Großtante Marie ist verstorben und hat ihr in ihrem Testament nicht nur ihr Häuschen im Bayerischen Wald hinterlassen, sondern auch das uralte Manuskript einer bestechend schönen Violinsonate und einen Brief, in dem sie Viviane bittet, der Herkunft des Musikstücks nachzuspüren.
Fasziniert von der berührenden Musik zögert Viviane nicht lang, Maries letzten Auftrag zu erfüllen, und reist nach Prag, wo sie nicht nur einen bisher unbekannten Teil ihrer Familie kennen und mögen lernt, sondern auch die Spur der rätselhaften Sonate verfolgt.
Dies scheint jedoch Unbekannten ein Dorn im Auge zu sein, wiederholt erhält Viviane Drohungen und stellt fest, dass jemand ihr nachzuschnüffeln scheint. Trotz ihrer Angst stachelt das ihre Neugier erst recht an, herauszufinden, was es mit dieser Sonate und ihrer Geschichte auf sich hat … und welches Geheimnis Marie wohl gehütet haben mag, das sie sogar ihrer Vertrauten Viviane verschwiegen hat.
Familiengeheimnisse und mysteriöse alte Dokumente ziehen bei mir immer, ganz besonders, wenn auch noch Musik im Spiel ist. Das geheimnisvolle alte Prag ist überdies ein toller Schauplatz für derartige Geschichten.
Vivianes Suche nach der Herkunft der Sonate und nach Teilen ihrer eigenen Familiengeschichte bietet leichte, spannende Unterhaltung mit nettem Personal. Leichten Abzug gibt’s für einige Vorhersehbarkeiten und einen ziemlich großen Zufall, ab und zu formuliert die Autorin auch ein wenig umständlich, aber dennoch eine schöne Urlaubslektüre zum Hineinfallenlassen.