3,5 Punkte
Anfangs denkt man noch, dass dieser Roman von einer deutschen Reisegruppe handelt, die eine Kulturreise nach Asien (genauer: dem fiktiven Ort Kirthan) mit ihrem Reiseleiter, Nime, unternimmt. Denn die Autorin nimmt sich das erste Drittel des Romans viel Zeit die ersten beiden Reisetage der Gruppe ausführlich zu schildern. Dafür wählt sie als Erzählerin eine Frau aus der Gruppe, die gemeinsam mit ihrem Vater diese Reise unternimmt. Und kurz bevor der Wechsel der Erzählstimme stattfindet, scheinen Vater und Tochter diesen Wechsel nicht nur anzukündigen, sondern ebenso dessen Wirkung auf den Leser treffend zusammenzufassen: „Kirthan: undurchdringlich, wir werden es nicht begreifen.“
Denn die nächsten Kapitel bestehen aus 8 wechselnden Stimmen, die sieben verschiedene Handlungszeitpunkte über 29 Jahre hinweg abdecken. Und zwischendurch fragt man sich immer wieder, ob wir Leser "einen Erzähler (...) brauchen, (da wir) sonst (...) nichts verstehen“. Es wird einem zwar irgendwann klar, dass es eigentlich um den Reiseleiter der Gruppe, NIME, geht aber die Seiten ziiiiiehen sich enorm (trotz gutem Schreibstil) und am Ende frage ich mich, was mir die Autorin jetzt eigentlich mit der Geschichte sagen wollte...