"DIE HAFT MACHT DIE GEFANGENEN HÄUFIG NOCH GEFÄHRLICHER"
Ein Mehrfachmörder weigert sich, eine Therapie anzutreten und erhängt sich in seiner Zelle, ein Schläger schließt sich einem Clan an und rutscht immer tiefer in die Kriminalität, eine junge Sozialarbeiterin wird von einem Häftling schwanger, ein Geiselnehmer wehrt sich gegen seine Entlassung, weil er sich ein Leben in Freiheit nicht mehr vorstellen kann. Der ehemalige Gefängnisdirektor Thomas Galli schildert in diesem Buch authentische Fälle aus dem deutschen Strafvollzug. Er analysiert den Weg der Gefangenen in die Kriminalität, ihre biografischen Hintergründe und beschreibt das Leben im Gefängnis. In seinem Schlussplädoyer stellt Galli die Praxis des deutschen Strafvollzugs auf den Prüfstand – und kommt dabei zu einer ebenso überraschenden wie unbequemen Erkenntnis.
Ein packender Insiderreport über die "rigoroseste Institution unserer Zeit".
Der Autor teilt in diesem Buch seine Erfahrungen aus seinem ehemaligen Beruf als Gefängnisdirektor. Dabei erzählt er in jedem Kapitel eine andere Geschichte. Häufig ist es die Geschichte eines Gefängnis Insassen; teilweise handelt es auch von Mitarbeiter*innen aus dem Gefängnis. Die Geschichten sind traurig, teilweise erschütternd und bieten auf jeden Fall Material zum kritischen Nachdenken und Diskutieren. Ich habe das Buch im Rahmen eines kleinen "Buchclubs" mit 3 Personen gelesen. Im Nachhinein hat jede Geschichte zu einem intensiven Austausch innerhalb unseres Buchclubs und teilweise Diskussionen geführt. Dabei ging es inhaltlich häufig garnicht mehr um die erzählte Geschichte aus dem Kapitel. Die einzelnen Geschichten werden nicht auf eine skandalisierende Art und Weise geschrieben sondern zeigen eher exemplarisch gesellschaftliche und institutionelle Strukturen auf. Der Autor scheint dabei nicht zu versuchen, das Ganze möglichst objektiv oder fachlich zu schreiben, sondern schildert die Geschichten aus seiner Sicht ohne sich selbst aber dabei in den Fokus zu rücken. Ein Teilnehmer unseres Buchclubs kritisierte, dass der Autor stellenweise sehr psychologisierend schreibt und teilweise sehr deutliche Bilder der Insassen als entweder Täter oder Opfer malt. Das ist mir auch aufgefallen. Ich führe das aber darauf zurück, dass die Geschichten eben aus seiner Sicht geschrieben sind, aus einer sehr "menschlichen" oftmals empathischen Perspektive. Das Buch liest sich meiner Meinung nach schnell und ist leicht verständlich, ich würde sagen alltagssprachlich, geschrieben und richtet sich daher an alle Menschen, die einen ersten Einblick in die Institution Gefängnis aus Sicht eines Direktors wünschen.