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Schuldig.: Vom Scheitern und Wiederaufstehen

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Dr. Thomas Middelhoff, genannt "Big T", war DER Topmanager Deutschlands, erst als Chef des Medienriesen Bertelsmann, später als Vorstandsvorsitzender des Karstadt­Mutterkonzerns Arcandor. Er lebte ein Leben im Luxus. Und er erlebte einen öffentlichen Absturz von epischer Dimension: 2014 wurde er wegen Untreue zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt und noch im Gerichtssaal abgeführt. Er verlor seinen Ruf, sein Vermögen und seine Gesundheit.

Doch er gewann auch etwas von unschätzbarem Wert: Die Arbeit mit behinderten Menschen in den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel in Bielefeld und auch die Rückkehr zu seinem verschütteten Glauben begannen, ihn von innen heraus zu verändern.

Reflektiert und schonungslos ehrlich berichtet Thomas Middelhoff, wie die bittere Erfahrung des Scheiterns zu seiner größten Chance wurde, Stolz, Gier und Machthunger loszulassen und inneren Frieden zu finden. Sein Anliegen heute: andere, vor allem junge Menschen, davor zu bewahren, seine Fehler zu wiederholen, und anderen Gescheiterten einen Weg zu neuer Hoffnung zu zeigen.

208 pages, Kindle Edition

Published August 20, 2019

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Thomas Middelhoff

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September 1, 2019
Vom Saulus zum Paulus: Das radikal konsequente Schuldbekenntnis eines gefallenen Top-Managers

Als Kind der New Economy und Mitarbeiter des Bertelsmann-Tochterunternehmens Pixelpark habe ich Thomas Middelhoff auf dem Höhepunkt seines Erfolges erlebt. Seine Dynamik, mit der er als CEO den Medienriesen Bertelsmann in das neue digitale Zeitalter trieb war damals legendär, ebenso seine dampfende Arroganz: „Sparen Sie es sich, mir Ihre Namen zu nennen, ich kann sie mir eh nicht merken. Draußen wartet der Hubschrauber“, waren seine knappen Worte an mein Team zur schnellen Begutachtung der neuen Bertelsmann-Website, bevor „BiG T.“ schon wieder abhob. Middelhoff gibt in seinem Buch eine ähnliche Begebenheit zum Besten, wenn das saloppe Abbürsten der selbstbewussten Sekretärin eines rheinischen Stahlbarons in dem Spruch gipfelt: „Vielleicht bewerben Sie sich ja bei einem unserer Unternehmen?!“

Kopfschüttelnd denke ich immer wieder an diese halb-wahnsinnige Zeit zurück, die immer noch ihrer literarischen Aufarbeitung harrt. Wobei mit der Romanfigur Johann Holtrop Rainald Goetz den einstigen Star-Manager bereits 2015 ein literarisches Denkmal gesetzt hat. Wobei der selbstverliebte Middelhoff („Ja, ich habe narzisstische Elemente“) seinem Ebenbild bislang noch nicht ins Antlitz geblickt hat („Nein, ich habe es nicht gelesen“). Umso gespannte war ich deshalb auf das Schuldbekenntnis des Mannes, der in dieser wilden Zeit Antreiber und Getriebener zugleich war.

Keiner der damaligen Heroes dürfte jedoch so tief gefallen sein wie Middelhoff. Angestachelt von seiner Eitelkeit, Hochmut und Narzissmus („Ich wollte der Öffentlichkeit beweisen, dass ich selbst diese Mission Impossible erfolgreich meistern kann“) und entgegen dem Rat seiner Familie stürzte er sich zunächst als Aufsichtsratsvorsitzender und dann als Vorstandsvorsitzender in den Sanierungsfall Karstadt-Quelle (Arcandor). Ein Abenteuer, das für ihn mit der traumatischen Verhaftung noch im Gerichtssaal, einer Haftstrafe wegen Untreue und Steuerhinterziehung sowie der Privatinsolvenz endete.

Vom New-Media Megastar der Neunziger zum Super-Büßer der Neu-Zeit. Thomas Middelhoff scheint ein Freund der Extreme und bleibt sich insofern treu, als dass er auch als geläuterter Paulus immer noch den großen Auftritt sucht und beherrscht. Jetzt auch als spätberufener Autor mit der Gabe zur anschaulichen Prosa: „Die Häuser in München oder in Hamburg und die Zweitwohnung in Kitzbühel oder auf Mallorca werden zu Trutzburgen der Vergangenheitskonservierung, um den Frust einzudämmen, der sich immer breiter zu machen droht in der Leere des verbliebenen Restes an Lebenszeit.“

So arbeitet der bekennende Christ („Ich kann heute tatsächlich sagen, dass ich Gott dankbar bin, dass er mich ins Gefängnis geführt hat“) nach einem kraftvoll-klaren Bekenntnis („Ich bin schuldig. Schuldig an meinem Scheitern.“) schonungslos mit seinen Todsünden (Stolz und Hochmut, Narzissmus, Gier, Neid, Wollust, Maßlosigkeit, Zorn und Acedia) als den Ursachen seines vielfältigen Scheiterns (the perfect storm) auf. Bleibt er im gedruckten Kapitel „Wollust“ eher im Grundsätzlichen („Auch ich war nicht stark genug“) spricht im klugen Interview mit Rainer Schmidt (FAS, Nr. 33, 18. August 2019) Klartext: „Der Konzernherr und mein Vorgänger hatten auch außereheliche Beziehungen (…) Aber auch hier habe ich mich von meinem Charakter entfernt. Die Geliebte etwa, die im Management in den Vereinigten Staaten arbeitete, war ein klarer Fehler von mir.“

Somit gerät der Rückblick auch zur Abrechnung mit seinem ehemaligen Arbeitgeber und seinen Mentoren (Vorgänger Marc Wössner, Konzernherr Reinhard Mohn), denen er eine Scheinheiligkeit und Unaufrichtigkeit vorwirft, die er für sich später übernommen habe, ohne jedoch mit seinen Vorwürfen weiter ins Detail zu gehen. Was im Fall von Reinhard Mohns angesprochenen Doppellebens auch nicht notwendig, da dieses bereits von Thomas Schuler in seinem 2004 erschienen Buch „Die Mohns: Vom Provinzbuchhändler zum Weltkonzern: Die Familie hinter Bertelsmann einer breiten Öffentlichkeit transparent gemacht wurde.

Die Charakterisierung seines Vorgängers und Ziehvaters Marc Wössner („eine Ausnahmeerscheinung: intelligent, durchsetzungsstark, mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein ausgestattet, machtbewusst, führungsstark, empathisch und zu allem Überfluss damals auch noch gutaussehend“) deckt sich mit meinem persönlichen Erleben bei der Bertelsmann Stiftung. Dennoch wäre der Hinweis fair gewesen, was dieser Mann mit seiner Energie aus Bertelsmann gemacht und für die Familie Mohn erreicht hat.

Gunter Thielen, Middelhoffs Nachfolger als CEO, taucht, wenn auch namentlich nicht genannt, gleich an zwei Wegmarken des Gangs nach Canossa auf, ohne dass man jedoch über die genauen Umstände und Gründe von Middelhoffs Weggang Genaueres erfährt.

Nach den sieben Stufen der Erkenntnis legt Middelhoff dem Leser die von den antiken Philosophen inspirierten Eckpunkte seines Wertekompasses als Navigationssystems seines neuen Lebens dar: Mäßigung, Gerechtigkeit, Weisheit oder Klugheit, Tapferkeit, Demut, Glaube, Liebe und Hoffnung.
Das Buch schließt mit einer ausführlichen Reflexion zum Umgang mit Scheitern als Individuum und Organisation. Für seine Reue hofft der Christ auf Vergebung: „Ich bin gescheitert, ich bin schuldig und ich bereue. Aber ich schäme mich nicht.“ Middelhoff, der heute wieder junge Gründer berät, rät zu einer offensiven Fehler-Lernkultur, wie sie u.a. mit dem sogenannten Fuck-up-Nights zelebriert wird, in denen (mehr oder weniger) offen über Fälle des persönlichen Scheiterns berichtet wird.

Nach seinem kontrovers diskutierten Erstling "Der Sturz - A115A115. Der Sturz" über die Umstände seiner Haft ist „Schuldig. Vom Scheitern und Wiederaufstehen“ Middelhoffs zweite Buch. Abschließen wird er die literarische Selbstreflexion der eigenen Lebenskrise mit dem Wirtschaftskrimi „Das System“. Das Buch ist bereits fertig geschrieben, erscheint aber erst in zwei Jahren.
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