3.5 Sterne. Das Buch ist eine lange Meditation über die Notwendigkeit des Konfliktes als Beziehungselement, das erfolgreiches Zusammenarbeiten/-leben möglich macht.
Sprenger vertritt eine wichtige und in der Gesellschaft unterrepräsentierte Sichtweise. Das Schöne ist, dass das Thema auf jedem Level relevant ist, egal ob für die eigene Einstellung, die Beziehung zu Mitmenschen, geschäftliche Beziehungen aller Art oder auf gesellschaftlicher Ebene. Daher kann man mit dem Buch auf jeden Fall auch als Nicht-Führungskraft was anfangen. Lediglich die letzten Kapitel sind sehr Unternehmens-lastig.
Warum ich das Buch nicht uneingeschränkt empfehlen kann, liegt am Aufbau und dem Schreibstil. Wer Spaß an philosophischen Abhandlungen finden kann, kann hier aber sicher bedenkenlos zugreifen. Alle anderen sollten sich auf ein etwas anstrengenderes Erlebnis gefasst machen. Seine Hauptthese erklärt der Autor schon auf den ersten Seiten. Danach zieht er im wesentlichen Kreise um diesen Kernpunkt und führt diverse Aspekte, Hintergründe und Anwendungen weiter aus. Dabei setzt er viel auf Sprache, Zitate, (oberflächliche) Referenzen zu diversen Philosophen, Logik, „gesunden Menschenverstand“ und abstrakte Ein-Satz-Fallbeispiele. Dabei hat er eine Einstellung, die ich als „philosophische Arroganz“ bezeichnen würde (insbesondere im Hörbuch). Es erinnert mich ein bisschen an den Tonfall eines Kinder-Geschichten-Erzählers, der die Geschichte und ihre Moral natürlich schon kennt. Dass der Autor meistens einen Teilaspekt des Themas kurz erläutert und dann zu nächsten springt (das Hörbuch hat 200 Kapitel mit einer durchschnittlichen Dauer von 3 min), macht es für mich weniger zugänglich als anders strukturierte Bücher, bei denen man das Gefühl hat auf irgendetwas hinzuarbeiten und dafür neue Denkmuster erklärt bekommt. Da er aber eher eine weitverbreitete Meinung/Schlussfolgerung nach der nächsten auf die Themen schmeißt, braucht es relativ viel bewusste Konzentration, um die gelegentliche Weisheit nicht zu überlesen/-hören.
Nichtsdestotrotz ist der Inhalt sicher für jeden relevant. Daher würde ich das Buch jedem Empfehlen, der das Format tolerieren kann.
Die Erwartungen bei einem neuen Sprenger Buch waren natürlich traditionell hoch und, um es vorwegzunehmen, er hat wieder Mal geliefert.
Scharfe Beobachtungen, zeitlos lesbar und konkret anwendbar. Ich habe noch nie eine so kompakte und gut recherchierte Perspektive zum Thema gelesen und kann dieses Buch nur empfehlen.
Er ermuntert zum Perspektivwechsel, der vielleicht zentralen Fähigkeit im digitalen Zeitalter.
Der Konflikt als Sprungbrett zu mehr Erkenntnis, über sich und das Gegenüber.
Warum meiden wir Konflikte? Weil wir sie falsch angehen. Weil wir glauben, eine Seite müsse gewinnen und eine verlieren, doch darum geht es gar nicht.
Wenn wir allerdings mit einer lernenden Haltung aufeinander zugehen, wenn wir verstehen, dass es kein universales Richtig und kein Falsch gibt, sondern stattdessen in einem Multiversum leben, dann freut man sich zukünftig sogar auf die Begegnung mit dem Gegenüber.
Ich werde mich öfter fragen, warum mein Konfliktpartner sagt, was er/sie sagt. Ich werde mich aber auch bewusst dagegen entscheiden, Konflikte einzugehen.
Ich werde zukünftig mehr im Blick haben, dass Unternehmen multirationale Systeme sind und dass Führung diese permanenten Mehrdeutigkeiten erfassen und gewichten muss. Spannend!
Das Leben besteht nicht aus gut und schlecht, schwarz und weiß, richtig und falsch, sondern aus Ambivalenzen und Widersprüchen. Diese Mehrdeutigkeit erzeugt zwangsläufig Differenzen, denn jeder erfährt, deutet und bewertet die ambige Realität auf subjektive Weise. Aus diesen Differenzen wiederum entstehen Konflikte. Der Konflikt ist also keine negative Ausnahmesituation, wie die meisten Menschen denken, sondern absolut alltäglich, natürlich und sogar notwendig. Im Unternehmenskontext etwa sorgen strukturelle Auseinandersetzungen dafür, dass Firmen in unsicheren Zeiten flexibel und beweglich bleiben. Kompetente Führungskräfte versuchen daher nicht, Konflikte zu vermeiden, sondern produktiv zu nutzen. Und das sollten wir auch lernen. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist Toleranz gegenüber Ambivalenzen und den Wahrheiten der anderen.
Sehr gute Erkenntnis- Konflikte nicht individualisieren, sondern überlegen, was die strukturelle Komponente ist. Als Führungskraft sollte man sich darauf konzentrieren, konkurrierende Werte, Ziele und Prioritäten in Einklang zu bringen. Das ist ein stetiger Prozess, Eindeutigkeit wird nie erreicht. Ziel des Konflikts ist nicht die Lösung, sondern die Basis um Auszuhandeln mit welcher Vision es weitergeht.
Kaip ir nieko naujo, bet gana aiškiai ir struktūruotai apie konflikto (privataus ir darbinio) anatomiją psichologiniu aspektu. Priminimas - konfliktas yra galimybė bręsti (kaip asmeniui ar šeimai arba grupei).
Ein wunderbares Buch. Die Rhetorik allein ist das Lesen schon wert. Lange habe ich mit keinem Sachbuch mehr solchen Gewinn und Lesegenuss erleben können.