Die Grundidee, eine utopische Gesellschaft zu entwerfen, in der das gegenseitige Verständnis und Einvernehmen absurde Ausmaße angenommen hat, ist sehr witzig umgesetzt. Auch die Szene, in der die heutige Gesellschaft der "Wilden" so beschrieben wird, dass wir tatsächlich wie eine Horde blutrünstiger Irrer klingen, ist sehr pointiert und lustig. Leider ist beides in zwei Szenen auserzählt. Der Utopie werden keine Nuancen verpasst, die moralische Ebene einer totalen Neutralität spielt keine Rolle. Ich hatte erwartet, dass eine Problematisierung der "Gemeinschaft" passieren würde. Man könnte argumentieren, dass der Schluss die Verkommenheit der scheinbar perfekten Gesellschaft demonstriert, aber dazu sind die "Wilden" viel zu überzogen dargestellt. Die Wirkung verpufft und man bleibt mit dem Gefühl zurück, dass wirklich nichts in diesem Stück passiert ist.
Es ist großartig. So klug konstruiert. Dein Argumentationsaufbau ist dermaßen brilliant, dass man als Lesendes eine fast schon erotisch zu nennende Begeisterung für das Urhebende empfindet. Nur muss ich leider zugeben, dass ich mich zum Verfolgen deines Gedankengangs in Kapitel sechs intellektuell zu uninteressant fühle.
RIESIGE EMPFEHLUNG
Möchte das Verschlingen dieses großen Wurfs erstmal in meinem Dankbarkeitstagebuch notieren.
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