Ganz anders als ich dachte, weil es in der Zusammenfassung heisst, dass man dem Protagonisten Albert Trebla in das Schweizer Exil und ueber die von Nazischergen bewimmelten Alpen folgt. Schon, aber dass er seine Frau Xane dabeihat, und dass der Stil schnodderig ist, oder dass man Vignetten von den bunt gewuerfelten Einwohnern vom Engadiner Pontresina bekommt, die mit phonetisch wiedergegebenen Dialogen durchsetzt sind, davon hat man vorher keine Ahnung. Das Ehepaar wird dem Leser lieb – sie reden sich mit “Mütterchen” an, und trotz der traurigen Umstaende, und der Tatsache, dass sie jung ein Kind abgetrieben hat und jetzt, seitdem sie verheiratet sind (8 Jahre lang) kein Kind haben konnten, herrscht zwischen ihnen oft ein heiterer Plauderton. Das heisst nicht, sie reden nicht ueber wichtige Dinge. Ganz am Anfang des Buchs scheint Xane dabei zu sein, Selbstmord zu begehen, und er rettet sie. Wir finden erst spaeter ueber die Abtreibung heraus, aber in dem Moment sieht es so aus, als waere sie durch den Tod – im KZ – eines gemeinsamen Freundes motiviert. All das macht die Schnodderigkeit noch unglaublicher! Auf jeden Fall gefaellt mir der Roman sehr gut. Er ist nicht leicht zu lesen, und ich bin oft versucht, Pontresina, St Moritz, oder andere oertliche oder chronologische Fakten nachzuschauen, um eine Pause vom Stil und den vielen Persoenlichkeiten zu haben. Dem Protagonisten Alfred Trebla geschehen eine Reihe unerklaerlicher Dinge, die er alle auf leicht paranoider Weise auf sich bezieht. Sein Seitensprung mit einer Kellnerin stoert mich sehr; er rechtfertigt ihn damit, dass nach einer Reihe Todesfaelle seine “Vergnuegungssucht” zu gross ist. Ha. Das Ende ist ziemlich unbefriedigend. Nachdem Alfred und Xane sich seit Wochen (so scheint es) nicht richtig ausgesprochen haben, und er seit drei Tagen über den Tod ihres Vaters weiss (in Dachau), ohne es ihr haben sagen zu koennen, laufen sie sich in der Dunkelheit der Nacht auf der Dorfstrasse über den Weg: sie zeigt ihm, zu welchem Grad er schon lange von Verfolgungswahn gepackt ist, und sagt ihm, sie wisse von ihres Vaters Tod – und dass sie schwanger sei. Es geschieht ihm recht, kurz abgefertigt zu werden (sie scheint etwas von seinem Seitensprung zu wissen), aber dennoch, ich dachte, dass der Autor uns ein fruchtbareres Gespraech zwischen den beiden schuldig war.