Für wen ist dieses Buch eigentlich verfasst, für die bisherigen Leser der Autorin oder für neue Leser, die auf der Suche nach sich selbst sind?
Dieses (Hör-)Buch wurde mir heute auf BookBeat empfohlen. Inhaltsangabe klang interessant und ich hab mich einfach mal überraschen lassen.
Bereits im Vorwort merkt man, dieses Buch ist eine Ansammlung von Gedanken und es fehlt der rote Faden. Vielleicht kommt dies daher, dass die Autorin eine Bloggerin ist. Es wird im Laufe des Buches nicht besser.
Ich befürworte hier das Motto "Glück ist individuell und jeder ist sein eigener Schmied" sowie "Jeder sollte so akzeptiert werden, wie er ist".
Bei dem restlichen Inhalt bekomme ich leider Kopfschmerzen.
Die Autorin konzentriert sich auf die letzten 7 Jahre ihres Lebens. Nach dem Studium findet sie keinen Halt und probiert vieles aus und sucht so für sich nach ihrem Glück. Auf der Suche wird sie mit diversen Themen konfrontiert, wie unterschiedlichen Arbeitsbedingungen, Benachteiligungen, Diskriminierungen, Konsum, Umgang mit Konfrontationen, Nachhaltigkeit, Umwelt, Minimalismus und noch vieles mehr. Für solch großen Themen, ist das Buch aber zu kurz.
Einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt das Thema "Privilegien". Man merkt während des Lesens, dass die Autorin zur oberen Mittelschicht gehört, und dass es ihr nie an Geld gemangelt hat. Das Ganze versucht sie herunterzuspielen indem darauf hinweist, wie sie bereits als 14(?)-jährige draußen bei Kälte oder in einem 24/7 Fitnessstudio gearbeitet hatte.
Ähnlich ist es, wenn sie darüber spricht, dass sie sich irgendwo engagiert und irgendwo dann eingeladen wird und Promis trifft. Direkt danach kommt ein Satz, dass jedoch alles nicht so toll ist, wenn man regelmäßig Morddrohungen bekommt. (ach was..)
In den Erzählungen hätte mich interessiert, zu welchen Themen sie eingeladen wurde oder zu welchen Themen sie ein TED-Talk geführt hatte.
Alles Positive wird also gleich mit irgendwelchen negativen Erfahrungen runtergespielt. Ich denke, wenn das Buch anders strukturiert wäre, dann wäre dies "angenehmer" zu lesen gewesen.
Es ist also nicht nur der fehlende rote Faden, die bloghafte Darstellung sondern auch die Art der Formulierung oder das heranführen von Beispielen etwas zum Haare raufen.
Zum Beispiel:
- Geld/Glück: Autorin nimmt Statistiken aus unterschiedlichen Ländern. Schaut sich Jahresgehalt an und sagt, nur weil Land X mehr durchschnittlichen Jahreseinkommen hat als Land Y, ist es dort nicht besser.
Ach, was...Wirtschaftslage, Versicherungen, Mehrwertsteuer etc. werden anscheinend dabei komplett außer acht gelassen.
- Feminismus: Frauen sollen sich in ihrem Körper wohlfühlen. Frauen sollen anziehen können was sie wollen. Andere Frauen sollten sie nicht verurteilen. Später spricht sie noch über ungerechten Formulierungen wie "sei ein Mann" oder das Beleidigungen oft auf Frauen bezogen werden wie "H*re, Schl**pe, F**ze". Oder, dass auch Männer Gefühle zeigen sollten.
Na ja, gut, ist ja nur die Eisspitze vom Feminismus an dem die Autorin kratzt.
- Diskriminierung: Erst durch den Kontakt mit einer intergeschlechtlichen Person bemerkt die Autorin, dass nicht alle Menschen gleich behandelt werden.
Die Autorin meinte dies evtl. anders, aber als Leser kam mir der Eindruck, dass sie mit verschlossenen Augen und Ohren in der Welt lief und mit dem Verlassen ihres behüteten Hausen zum ersten Mal die Welt erblickte.
- Konsum: Wir sollten nur noch gebrauchte oder nachhaltige Kleidung kaufen, damit nicht weitere Menschen in Asien ausgebeutet werden und den Firmen die Macht genommen wird.
Aber trotzdem kauft sie gerne ein, auch gebraucht. Und dann ihr Alkoholkonsum (das war ja auch ein Thema)... :x
- Umwelt: Die Autorin möchte gerne auf Plastik verzichten und übt sich darin Dinge zu reduzieren, aber Fliegen will sie nicht missen. Das Reisen liebt sie zu sehr, das ist ihr Luxusgut!
Ist aber auch schwer heutzutage ein Meeting oder ein Interview übers Internet abzuhalten. Hätte sie sich mal wie Greta Thunberg verhalten können. *ironieoff*
An einem Punkt sprach sie noch über die Therapierbarkeit von Pädophilen, dass es derzeit keinen besseren Lösungsansatz dafür gibt und diese Menschen sich leider verstecken müssen, da andere über sie urteilen. Man kann nicht alle Menschen lieben und mögen, als jemand der in den sozialen Medien häufig unterwegs ist, sollte es der Autorin eigentlich nicht fremd sein. Hier reißt sie das Thema einer Neigung an und es ist in meinen Augen sehr schlecht behandelt worden.
Man liest zwischen den Zeilen so einiges über ihre Lebenserfahrung und ich bin schon schockiert gewesen. Erst bei ihrer Arbeit als Fotografin hat sie festgestellt, unter welchen harten Anforderungen Models arbeiten. Als Selbstständige konnte die Autorin nie Nein-sagen, was auch dazu führen konnte, dass sie ihre Auftragsfristen mal nicht einhalten konnte und sie sich dafür schämte, ihr Bild als perfekter Mensch zu schädigen. Es geht außerdem klar hervor, dass Zeitmanagement nicht ihre große Stärke ist. Man muss nur darauf achten, wie sie über ihre Aufträge spricht, ihre Arbeit/Sucht mit sozialen Medien und ihrem Handyverhalten aufführt.
Kritik empfangen ist ebenfalls nicht ihre Stärke. Natürlich mag keiner kritisiert werden, aber es ist wie mit Feedback, man nimmt es einfach an. Ihre Erfahrung in ihrer ersten Yoga-Stunde ist wohl das beste Beispiel. Sie hat die Figuren der anderen Teilnehmerinnen nachgemacht, ohne zu wissen, was da gemacht wird. Als die Lehrerin die Teilnehmer aufforderte eine freie Figur einzunehmen, machte sie irgendwas. Die Lehrerin sprach sie darauf an. Statt einfach zu sagen, sie weiß nicht was sie tut oder einfach klarstellen, dass es ihre erste Stunde ist, verurteilt sie die Lehrerin für den "Ton".
Hätte ich hier das Buch vor mir liegen, dann hätte ich noch mehr Anmerkungen zu einigen Passagen gehabt. Ein Buch in Blogformat kann nicht wie ein normales Buch konsumiert werden. Die Struktur ist anders und die Fehler die in einem Blog nicht auffallen, gehen umso klarer in einem Buch hervor.
Wenn ich hier also zurück denke, so wüsste ich nicht, wem ich ein solches Buch empfehlen kann.