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Wolfsegg: Roman

Kraftvoll, archaisch, düster – ein Ausflug in die Abgründe der menschlichen Natur

Ein enges Tal irgendwo in den Bergen: Die 15-jährige Agnes, die so gern ein »Autoschrauber« hätte werden wollen, muss erfahren, wie brutal das Leben sein kann. Wenn die eigene Familie verachtet wird. Wenn jeder jeden kennt und mit jedem eine Geschichte hat. Da stehen dem Missbrauch die Türen weit offen, da wird vertuscht und betrogen, denunziert und getötet, ohne dass der Himmel ein Einsehen hätte. Als der Vater totgeschlagen und die Mutter elendig verreckt ist, hat Agnes nur noch einen Gedanken: Sie muss die »Kleinen«, Bruder und Schwester, vor dem Heim retten, in dem sie einst gelitten hat.

Peter Keglevics dramatischer Roman über Agnes und ein namenloses Tal in den Alpen ist eine Geschichte von alttestamentarischer Wucht – so zärtlich und so brutal erzählt, wie das wohl nur ein Österreicher kann.

320 pages, Kindle Edition

Published August 19, 2019

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9 (15%)
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3 (5%)
1 star
5 (8%)
Displaying 1 - 10 of 10 reviews
Profile Image for Matthias.
442 reviews8 followers
December 22, 2019
Mutter stirbt an Krebs, Vater ermordet, Inzest, Missbrauch an Minderjährigen. Mir wurde das zu explizit. Für den Abscheu und das Verständnis genügt die Vorstellung, und alles, was darüber hinaus geht, weckt den Abscheu über das Geschriebene selbst. Gewalt wird heroisiert auf Kosten der Differenzierung. Die Menschen sind in gut und böse aufgeteilt, und die einzige Entwicklung ist Eskalation. Die Landschaft, die in der großen Alpenliteratur sublimiert, ist hier nur Staffage.
Profile Image for Uralte  Morla.
399 reviews197 followers
December 18, 2019
Aussichtslos ist das Leben von Agnes. Von Anfang an macht Peter Keglevic das in seinem Roman "Wolfsegg" klar. Eingeengt in einer ländlichen Gesellschaft wächst sie auf, in der Frauen eben nicht Kfz-Mechaniker werden dürfen. In der sie sich sexistische Sprüche, ja gar körperliche Übergriffe gefallen lassen müssen. Weil das normal ist und weil sowieso jeder den Männern glaubt. Das Mädchen wollte das doch, sie ist die Schuldige hier, die Schlampe. Eine Gesellschaft, in der jeder jeden kennt, in der Gerüchte stärker als Fakten sind - und in der Agnes Familie keine Chance hat.
Als asozial gilt sie, die Kinder als auffällig. Dabei ist die Mutter schwer an Krebs erkrankt, der Vater oft unterwegs. Um einen Job zu finden oder auf der Jagd etwas zu schießen. Die Verantwortung trägt Agnes. Gerade mal 15 Jahre alt ist sie und fängt eine Lehre im Gartencenter an, die sie so gar nicht interessiert.
Der Chef schikaniert sie, versucht sogar sie zu vergewaltigen und dreht es so, dass Agnes wegen angeblichen Diebstahls rausgeschmissen wird. Als ihr Vater davon erfährt, reagiert er mit Gewalt und muss dafür mit dem Leben bezahlen. Die Mutter stirbt bald darauf. Am Krebs, aber auch an gebrochenem Herzen. Um ihren beiden Geschwistern das Heim zu ersparen, in dem Agnes selbst einst sehr gelitten hat, flieht sie mit ihnen in eine einsame Hütte im Wald. Frieden findet sie dort jedoch nur kurz.
Peter Keglevic, 1950 in Salzburg geboren und heute in Potsdam lebend, ist vornehmlich Regisseur und Drehbuchautor. Für seine Filme, die sich oft mit Kriminalfällen und dem ländlichen Leben beschäftigen, wurde er unter anderem mit dem Grimme-Preis und dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. "Wolfsegg" ist sein zweiter Roman, der Filmhintergrund des Autors auf jeder Seite zu spüren.
Der Plot ist dicht erzählt, in einer bedrückenden Spannung, die oft kaum auszuhalten ist. Zu sehr fürchtet man den nächsten Schicksalsschlag für Agnes auf der nächsten Seite, eine neue Grausamkeit im nächsten Satz. Denn grausam ist dieses Buch. Um sexuellen Missbrauch geht es hier in seiner widerwärtigsten Form. Ein großer Skandal, den Agnes seit ihrer Kindheit verdrängt hat und der nach und nach in ihren Erinnerungen hochsteigt. Mit verschwommene Rückblenden und Träumen inszeniert Keglevic diese rückkehrenden Bilder, der Leser weiß sehr schnell, wohin die Geschichte führt.
Überhaupt ist der Roman - so schrecklich das Erzählte ist - nicht sehr überraschend. Gut und Böse sind hier von Anfang klar gezeichnet, die Schuldigen bleiben in ihrer Widerwärtigkeit relativ eindimensional. Agnes hingegen ist eine vielschichtige Heldin. Eine starke Frauenfigur, die sich zu wehren weiß, innerlich aber hoch zerbrechlich ist. Gleichzeitig ein wütender Racheengel, der auch vor drastischen Taten nicht zurückschreckt, um ihre Geschwister und sich selbst zu schützen.
Freilich, ihr Rachefeldzug ist sehr à la Tarantino inszeniert, ihr Schicksal beinahe ein biblisches. Keglevic weiß die richtigen Knöpfe für seine Effekte zu drücken, dass er dafür manchmal etwas zu tief in die Fernsehkiste greift, sei ihm in Bezug auf Agnes verziehen.
Ihr folgt man gerne, bangt mit ihr, spürt ihre Wut, die Verzweiflung, gönnt ihr die zum Teil sehr blutige Rache. Bis zum Schluss erhofft man eine Lösung aus ihrer Aussichtslosigkeit und weiß doch, dass Keglevic' Ende für sie das einzig richtige Ende ist.
Für Zartbeseitete ist dieses Buch nichts, ehrlich gesagt, für mich war es thematisch zu heftig, szenisch zu voyeuristisch, vom Plot her zu sehr Thriller. Wen das alles nicht stört, der findet hier ein spannend geschriebenes Buch, das Einblicke in die menschlichen Abgründe gibt.
Profile Image for Nicky.
81 reviews
November 14, 2024
Die Geschichte und das Schicksal von Agnes sind mitreißend, packend und verstörend. Nachdem ihr Vater getötet wurde und ihre Mutter stirbt, ist sie die Einzige, die ihre Geschwister und auch sich selbst beschützen kann – vor den anderen Menschen in ihrem Alpendorf, vor Missbrauch und Nötigung und vor den Qualen des Kinderheims, die sie selbst durchlebt hat.

Keglevic nimmt wahrlich kein Blatt vor den Mund, so brutal und teilweise erschreckend nüchtern beschreibt er Agnes Leben und ihre Mitmenschen. Und dennoch steckt eine gewisse Zärtlichkeit in seinen Beschreibungen eines Mädchens, das sich nicht anders zu helfen weiß, als sich schlussendlich zu wehren.

Eine Geschichte mit tragischem Ende; also nichts für jene, die auf ein Happy End hoffen. Na ja, je nach Sichtweise zumindest.

 ⚠️ Achtung vor:
• (sexuelle) Misshandlung von Kindern
• Tod, Tod eines Kindes
• Mord

⛰️ Empfohlen für diejenigen, die:
• harte Geschichten abkönnen
• düstere Erzählungen zu schätzen wissen
• es nicht immer weich und watte-umpackt brauchen
Profile Image for biblio_phil.
37 reviews3 followers
September 23, 2019
Anfangen möchte ich beim Cover des Buches, welches mir persönlich sehr gut gefällt und auch zum Inhalt des Buches super passt. Der Schreibstil von Peter Keglevic ist sehr angenehm und flüssig zu lesen. Die Geschichte selber hat mir auch gut gefallen, die Charaktere wurden sehr plastisch ausgearbeitet und wirkten realistisch. Je weiter man im Buch vorankommt, desto düsterer und brutaler wird die Geschichte. Ich konnte mich ab der Hälfte des Buches kaum mehr davon losreißen.
Große Empfehlung!
2 reviews
June 22, 2026
Abgebrochen nach gerade mal 25 Seiten, wo ich doch so gut wie niemals ein Buch abbreche, vielleicht alle 5 Jahre einmal.
Puh, was hätte das denn werden sollen? Setting, das in die Mitte des vorigen Jahrhunderts gepasst hätte, dann aber doch Animationsfilme im Kino und Christina Stürmer, die handelnden Personen heißen aber Wenzel, Sigi, Hubsi, Margit, Agnes.... ? Entweder 1950 oder 2020.
Und wieso glauben alte Männer immer und immer wieder, sie könnten ernsthaft aus Sicht eines 15 Jahre alten Mädchens schreiben? Wow, war das lachhaft, es bringt mich richtig auf die Palme.
Profile Image for chronicalbookaddiction.
115 reviews2 followers
June 27, 2023
Die Geschichte war etwas zu viel für mich und mein sehr sensibles Herz, dennoch muss ich sagen, dass sie wahnsinnig spannend und raffiniert war. Definitiv wird sie mich noch länger begleiten, da gibt es noch vieles zu verarbeiten.

Was ich wirklich schön fand, auch wenn die Handlung sehr düster war, ist die Kulisse, das österreichischen Dörfchen, der Wald und die Berge. Das war wirklich toll.
Profile Image for Suzanne.
18 reviews1 follower
April 29, 2023
Nichts für schwache Nerven. Ein unglaubliches Buch!
Profile Image for Roman.
Author 3 books1 follower
February 7, 2020
Alle sind abgrundtief böse, alles ist unnötig brutal. War ich anfangs noch der Meinung, der größte Fehler liegt darin, die Handlung nicht in den 50ern oder 60ern spielen zu lassen. Am Ende bin ich einfach nur sprach- und fassungslos, aber nicht im positiven Sinn. Man muss sich schon die Frage stellen, wie der Autor andere (Dreh)bücher schreiben kann, aber bei „Wolfsegg“ so komplett versagt.

Am treffendsten hat es für mich die „Süddeutsche Zeitung“ beschrieben: „An diesem Roman erstaunt nichts so sehr, wie dass er überhaupt geschrieben werden konnte.“
1 review
September 6, 2019
Archaic and gloomy story about a girl living in a small village in the Alps, where secrets, lies and crimes are hidden behind a veil of good reputation.
Awesome storytelling.
Displaying 1 - 10 of 10 reviews