Wann sind wir wirklich zufrieden?: Überraschende Erkenntnisse zu Arbeit, Liebe, Kindern, Geld. Auf Basis der größten Langzeitstudie mit über 600.000 Befragungen
Hätten Sie gedacht, dass Ihre Partnerschaft in eine Schieflage kommen kann, wenn Sie als Frau mehr verdienen als Ihr Mann? Dass Väter umso zufriedener sind, je länger sie arbeiten, und auch ihre Partnerinnen zufriedener sind, wenn der Mann aus dem Haus ist? Dass mehr als fünf Freunde die Lebenszufriedengeit ebenso wenig steigern wie mehr als 2000 Euro Nettoeinkommen im Monat. Um gesichert zu erfahren, was uns zu unserem Lebensglück verhilft, wurden seit 1984 bis heute die Menschen genau gefragt. Dabei herausgekommen ist eine einzigartige Datenbasis mit über 700.000 Befragungen. Der Soziologe Martin Schröder hat sie im Detail ausgewertet und dabei überraschende Erkenntnisse gewonnen. Anhand empirischer Daten zeigt er, worauf sich Zufriedenheit und Lebensglück tatsächlich gründen.
Erfrischend unkorrekt präsentiert Martin Schröder auf das Basis nachgewiesener Studien, dass in modernen (!) Gesellschaften allenfalls Alleinerziehende, nicht aber Frauen benachteiligt sind. Ein auf den ersten Blick verblüffendes Ergebnis ist beispielsweise eine Studie, die belegt, dass, je freier eine Gesellschaft ist und je gleichberechtigter die Frauen in ihr sind, desto geringer ist deren Neigung zu MINT- und umso ausgeprägter die zu Sozial- und Kunstberufen. Unter anderem davon leitet der Autor die These ab, es könne heute nur in einzelnen Bereichen um Gleichberechtigung, keinesfalls jedoch um Gleichstellung gehen. "Gleichstellung" meine das Einnehmen einer gleichen "Stellung", die zwangsintendiert sei, weil die Gleichzustellenden dies explizit ("Zufriedenheit" als Kriterium) nicht wünschen. Eine Quote für MINT- Fächer oder Frauen in Führungstätigkeiten sei daher abzulehnen. Dagegen lässt sich wenig sagen, sofern man nicht die Expertise hat, die herangezogenen Studien nach Design oder Angemessenheit etc. zu kritisieren, denn "Wirklichkeit" ist, was Fakt ist und entspricht nicht dem Wünschbaren oder auch nur einer bestimmten Vorstellung davon, was wirklich "wirklich" zu sein habe. Aus dieser Perspektive rechnet Schröder gnadenlos mit den Gender- Studies ab, denen er vorwirft, sich nach dem Erreichen legitimer Ziele der Frauen- Gleichberechtigung neue Betätigungsfelder zu suchen und dabei weder logisch widerspruchsfrei noch faktenbasiert vorzugehen. Das trifft im Falle des extremen Geschlechtskonstruktivismus, der noch das biologische Geschlecht für eine Zuschreibung der patriarchalen Gesellschaft hält, ganz sicher ebenso zu wie für den immanenten Widerspruch, der sich dann ergibt, wenn man diese "Logik" auf z.B. Homosexuelle anwendet, die schließlich jahrhundertelang darum gekämpft haben, ihre sexuelle Orientierung als "natürlich" und mithin biologisch legitim und nicht bloß als "sozial zugeschrieben" anzuerkennen. Wäre sie nur sozial konstruiert, könnten die es ja doch mal mit Frauen probieren, so wie es oft heterosexuellen Männern anempfohlen wird, alles mal zu probieren, um nicht als homophob zu gelten. Aber das ist lässlich, weil für mich außer Frage stehend, wird aber von Schröder noch einmal anhand absurder Beispiele aus dem Gender- Sprech durchaus überzeugend vorgeführt. Bei alledem hält sich Martin Schröder nicht für unfehlbar; vor allem weist er selbst darauf hin, dass momentane Befindlichkeitsstudien (Zufriedenheit) weder etwas über deren Wünschbarkeit noch über künftige Entwicklungen aussagen können. Immerhin ist das, was als "typisch Frau" oder "typisch männlich" galt und gilt, unwidersprochen historisch geworden, also zu allen Zeiten auch etwas anders gewesen. Hinzuzufügen wäre, dass natürlich auch ein Schröder nicht die ganze Komplexität der einzelnen Fragestellungen im Auge haben kann. So weist er zwar zu Recht auf die signifikant erhöhte Vulnerabilität von Frauen in der Ehe und überhaupt darauf hin, dass der überwiegende Anteil an Vergewaltigungen Frauen betrifft, spart aber merkwürdigerweise den Umstand aus, dass die alte Forderung "mein Bauch gehört mir" auch heute noch in Frage steht. Es gibt also durchaus strukturelle patriarchale bzw. misogyne Determinanten im gesellschaftlichen Diskurs über Gleichberechtigung, die allein mithilfe von Statistiken zu Zufriedenheitswerten nicht erfasst werden können. Eine abschließende Frage, die ich aus Unkenntnis der einschlägigen Literatur nicht beantworten kann, wäre die danach, ob der zitierte Gender- Schwachsinn wirklich typisch für die Gesamtheit der Gender- Studies und den aus ihnen hervorgehenden Aktivismus ist, oder ob es nicht doch jenseits des aktivistischen Unfugs immer noch ernstzunehmende Forschungen auf diesem Gebiet gibt. Insofern bietet das Buch Anregungen, sich mit dem Thema selbst weiter zu beschäftigen, was ich denn auch tun werde. Das relativiert jedoch nicht das von Schröder vorgenommene Verdikt über die von ihm zitierte Literatur. Für unkritisch von diversen Universitätsdiskursen verdorbene Gemüter ist das Buch harter Tobak. Aber bevor man die Ergebnisse aus "ideologischen Gründen" in Frage stellt, sollte man es auf jeden Fall erst einmal lesen und möglichst unvoreingenommen darüber nachdenken. Es bietet auf jeden Fall einen lohnenden Blick auf bisher nur äußerst unzureichend wahrgenommene Facetten einer Diskussion, die wir weiter führen, aber auch qualifizieren müssen. Schröder stellt dafür die nötige Datenbasis und - beispielsweise mit seinen Vorschlägen zu einer gerechteren und kinder- bzw. elternfreundlichen Besteuerung/ Entlohnung - auch weiterführende konstruktive Überlegungen zur Verfügung. Warum der fünfte Punkt fehlt? Weil mit das Buch trotz allem etwas zu missionarisch gegen die Gender- Studies ausgerichtet erscheint. Vielleicht hätte der Autor die Fakten für sich sprechen lassen sollen und die Invektiven gegen das fremde Wissenschaftsfeld für ein anderes Buch aufsparen sollen? Für mich wäre das Ergebnis dann noch überzeugender gewesen.
Der Autor geht der Frage nach welche Lebensumstände ein zufriedenes Leben begünstigen und nimmt als Basis die Daten des Sozioökonomischen Panels. Mir gefiel die Idee des Autors auf Datenbasis der Daten des Sozioökonomischen Panels (SOEP) den einzelnen Fragestellungen auf den Grund zu gehen. Was mich irritierte war die etwas lockere Sprache, aber das ist sicherlich nur meine Empfindung. Was ich hingegen vermisst habe, war die Abgrenzung zur neuen positiven Psychologie, bzw. gewundert hat mich das viele Erklärungsansätze des Autors sich mit eben dieser gemein gemacht haben. Seine Soziologie Kollegin Frau Prof. Dr. Eva Illouz ist in Ihrem Buch „Das Glücksdiktat - Und wie es unser Leben beherrscht“ zu einem ganz anderen Ergebnis gekommen. Und es scheint als sei sie damit nicht alleine: https://www.deutschlandfunkkultur.de/... Gerne hätte ich mir die einzelnen Regressionen einmal angesehen, doch die als Anmerkung 2 versehene google drive Quelle gibt doch niemand freiwillig ein, hier wäre ein URL shorter doch wirklich nicht zu viel verlangt. Ansonsten aber ein sehr schönes Buch, das trotz der vielen Analysen sehr unterhaltsam war und sicherlich für viele Diskussionen im Freundes- und Bekanntenkreis sorgen wird.
Als Soziologie-Studentin fand ich das Buch sehr interessant und aufschlussreich. Was etwas gefehlt hat, war vielleicht der Aspekt von Social Media - inwiefern macht die Nutzung/Verzicht zufrieden? Allerdings konnte das ja aufgrund des Prinzips der immer wieder gleich gestellten Fragen - über 40 Jahre hinweg - nicht beantwortet werden.. Dennoch sehr einfach zu lesen, sicherlich auch für Fachfremde
Teilweise sehr überraschende Ergebnisse, was uns zufrieden macht. Teilweise aber auch Binsenweisheiten. Insgesamt ein sehr kluges Buch, basierend auf einer großen Menge von Daten. Allerdings ein Punkt Abzug, weil es sich an vielen Fällen doch wie eine statistische Auswertung liest. Man möchte manchmal mehr Interpretation statt gleich wieder das nächste Chart.
2. mal 2024 Ein spannendes Buch mit vielen Infos. Besonders spannend fand ich: - Effekte sind unterschiedlich zwischen Personengruppen und unterschieden in Personen. Personen mit einem guten Verhältnis zu den Verwandten sind glücklicher. Das Ding ist, dass hier Kausalität nur teilweise gegeben ist und die Korrelation überwiegt.
- Sparen macht bis 30% glücklicher, danach nurnoch marginal - zu viel Freizeit am Wochentag macht unglücklich - Mehr Freizeit am Wochenende macht nicht glücklicher (min. 4h) - bis 5 enge Freunde machen glücklicher - wenig oder zu viel Schlaf sind unzufriedener - 25% des Einkommens für Miete ist perfekt, bei mehr sind die Leute unzufriedener - Reiche Länder sind im Schnitt nicht unzufrieden - Gefühl der Freiheit und Kontrolle über Leben macht zufrieden - Gesundheit macht sehr zufrieden - bei Männern macht größe zufriedener - Schlimme Ereignisse machen nicht langfristig unzufrieden - hübsche Menschen sind zufriedener - Einsamkeit macht unglücklich - Zufriedenheit des Partners überträgt sich auf eigene Zufriedenheit
1. mal lesen 2021 Ein tolles Buch, dass ich bestimmt nochmal lesen werde.
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