Valerie Schönian kam Ende September 1990 in Sachsen-Anhalt zur Welt – wenige Tage vor der Wiedervereinigung. Sie wurde geboren in einem Staat, der kurz darauf nicht mehr existierte. Lange dachte sie, Ost und West spielen keine Rolle mehr. 2020 feiert Deutschland 30 Jahre Wiedervereinigung, doch je länger die Mauer gefallen ist, desto ostdeutscher fühlt sich Valerie Schönian. Und damit ist sie nicht allein. Woher kommt das neue Ost-Bewusstsein, warum halten sich alte Klischees so hartnäckig, und was sagt das über die Deutsche Einheit aus? Um Antworten zu finden, sprach Valerie Schönian mit Soziologen, Politikern und Vertretern ihrer und älterer Generationen aus West und Ost, darunter Lukas Rietzschel, Jana Hensel und Philipp Amthor.
Valerie Schönian was born in 1990 in East Germany a few days before its dissolution. She studied German Philology and Political Sciences in Berlin and Journalism in Munich. Since 2017 she works as a writer for the German newspaper Die Zeit.
ich hab mich selten so abgeholt gefühlt, mich selbst hinterfragt, verbunden gefühlt, machtlosigkeit & tatendrang & euphorie verspürt. dieses buch lädt zum weiterdenken drüber reden ein. love it.
Valerie Schönian gelingt es, die Identität der Nachwendegeneration in Ostdeutschland nachvollziehbar zu machen. Persönlich und doch nie unsachlich macht sie klar, was unterschiedliche Generationen im Osten heute bewegt. Gelungen!
Valerie Schönian beschreibt auf eine unfassbar gute, ansprechende und reflektierte Weise, wie es ist ein Nachwendekind im Osten zu sein und lässt dabei die verschiedensten Leute zu Wort kommen um ein breites Verständnis für den sogenannten Osten zu bekommen.
Natürlich musste ich dieses Buch mit Dirk Oschmann's "Der Osten, eine Westdeutsche Erfidnung" vergleichen (ein Buch, welches ich hasse) und am meisten sticht einfach die Reflektiertheit von Valerie Schönian heraus. Sie unterhält sich mit verschiedenen Menschen mit verschiedenen Perspektiven auf den Osten und erwähnt dabei mehrfach, dass sie selbst nie wahre Diskriminierung oder gar Rassismus erfahren hat, weil sie aus dem Osten kommt. Ebenfalls geht sie auf das Problem der wachsenden rechten Politik im Osten ein und das der Osten trotzdem weiterhin benachteiligt ist. Schönian findet dabei die Balance die schönen und nicht so schönen Seiten des Osten zu zeigen und erschafft dabei kein falsches "wir gegen sie" Bild.
Ein schönes, den Nachwende-Osten sezierendes Buch, ohne unangenehme, diktatur-relativierende Ostalgie zu reproduzieren. Schönian, die selbst als Nachwendekind aus Magdeburg kommt, besucht ostdeutsche Orte, spricht mit ostdeutschen/DDR-Persönlichkeiten und deckt auf, was eigentlich schon offen liegt: Für den Osten gab es keine "Wiedervereinigung", es war eine Annexion durch die BRD. Die Treuhandpolitik der Nachwendezeit richtete Industrie, Arbeit und somit auch individuelle Lebenswerke vieler Ostdeutscher zugrunde. Sie setzt dies, mit dem riesigen Rechtsextremismus- und Strukturschwachheitsproblem, das der Osten hat, in Zusammenhang. Ich gebe fünf Sterne, weil dieses Buch wirklich überfällig war (wie schön, dass nach Jana Hensel noch jemand über so ein wichtiges Thema darüber spricht), es sich einfach und humorvoll liest und meiner eigenen Identitätsfindung als ostdeusches Nachwendekind geholfen hat.
Schon sehr interessant und lässt sich auch gut weglesen. Lange hat mir eine kritischere Einordnung gefehlt, die kam aber glücklicherweise noch gegen Ende. Das Buch ist jetzt keine systemische Analyse sondern man begleitet Schönian bei ihrer Identitätsfindung. Ihre Geschichte steht dann aber doch exemplarisch für viele. Was ich auch spannend fand, was im Buch erwähnt wurde: die Vermutung das im Osten vllt auch so rechts gewählt wird, weil keine Entnazifizierung stattgefunden hat - noch weniger als im Westen. Und sich Faschismus hier auch als extreme Gegenbewegung zum vermeintlichen "Antifaschismus" herausgebildet hat - schon in der DDR gab es wohl 6000 aktive Neonazis. Interessanter Take auf jeden Fall, der mich jetzt länger beschäftigen wird.
Valerie Schönian nimmt die Leserin durch leichte Sprache und - ganz wichtig - ohne erhobenen Zeigefinger mit auf die Reise "den Osten" auf eine neue Art und Weise zu sehen.
Das ein oder andere Mal habe ich mich bei dem Aufführen von Klischees ertappt gefühlt... Ich habe viel dazu gelernt, wurde dabei gut unterhalten, und möchte nun mehr über die Geschichte Ostdeutschlands und der DDR lernen.
Andere Perspektiven zu erfahren ist so wichtig für einen verständnisvoll(er)en Umgang miteinander! Ich hoffe das Buch erreicht noch viele weitere und hilft hartnäckige Klischees zu brechen.
spannendes buch, das zum nachdenken anregt. beispielsweise geht es der frage nach, wie die afd in den neuen bundesländern erstarken konnte, und verfällt dennoch nicht in simple erklärungen. so sieht es als ursprung dieses problems u.a. eine mangelhafte aufarbeitung des faschismus in der ddr, kombiniert mit geringer einwanderung während dieser zeit sowie einer vom staat totgeschwiegenen nationalistischen bewegung, sowie nach der wende ein gefühl des "übergangen-werdens" in der bevölkerung der ehemaligen ddr (z.b. treuhandanstalt), die mitunter bis heute anhält. doch werden noch viel mehr fragen angesprochen - was bedeutet es, "nachwendekind" zu sein? was, ostdeutsch zu sein? hat dieser begriff heute noch eine berechtigung? wie passen westdeutsche in diese ganze gemengelage? und: was ist fabelhaft am plattenbau? nicht alle fragen werden abschließend beantwortet, doch dies ist schlichtweg unmöglich und genau der anknüfungspunkt, der beim lesen lust zum weiterdenken weckt.
Da ich selbst zu den Nachwendekindern gehöre war das Buch sehr spannend zu lesen. Ich bin aus meiner Heimat in den Westen gezogen und habe nicht das geringste Bedürfnis zurückzukehren. Ich habe vor ein paar Jahren bei meinem Klassentreffen auch nicht verstanden warum jemand das wollen würde. Dieses Buch hat es mir sehr schön vor Augen geführt. Allein dafür bin ich sehr dankbar. Ich glaube allerdings nicht, dass ich persönlich mich jemals als Ossi fühlen werde, (ich fühle mich ja nicht einmal als Deutscher, ich bin es einfach qua meiner Herkunft) aber ein Ostbewusstsein habe ich schon in gewisser Weise. Auf jeden Fall ein spannendes Thema und vielleicht bin ich jetzt motivierter meine "Westfreunde" hier und da zu korrigieren oder Ihnen aufzuzeigen wo Vorurteile nicht gerechtfertigt sind.
Ich weiß nicht so recht, wie viele Sterne ich hier vergeben würde - es liest sich auf der einen Seite als ein sehr persönliches Buch, auf der anderen Seite habe ich mich in so vielen Momenten selbst gesehen. Werde sicherlich noch weiter darüber nachdenken, was Ostbewusstsein für mich bedeutet.
(dass man Kling Klang im Westen nicht kennt, konnte ich erst gar nicht glauben!! Und das Kapitel zu den Plattenbauten fand ich persönlich sehr stark)
Super spannend zu lesen wie sich Valerie mit ihrer sozialen Identität, das „Ossisein“ auseinandersetzt. An einigen Stellen bleibt es allerdings unklar inwiefern bestimmte Charakteristiken tatsächlich für den Osten stehen oder nicht. Bsp. Der Freiraum für Kunst/Festivals. Insgesamt aber eine sehr mutige Offenlegung der Interaktion mit der eigenen Identität.
Ich glaube, ich hatte schon immer das Gefühl, dass Valerie Schönian als „Ostbewusstsein“ beschreibt. Ich habe mich schon immer mehr als Ossi als als Deutsche begriffen…und mich dafür eigentlich immer geschämt. Ich war mir immer sicher, dass ich nicht das Recht dazu habe mich als Ossi zu betiteln, ich habe ja nie in der DDR gelebt. Ich wurde wirklich selten so sehr wie von diesem Buch abgeholt. Es fühlt sich unglaublich gut an gesehen zu werden und zu sehen, dass es da noch andere gibt, die wie ich fühlen. Ich danke der Autorin für dieses großartige Buch!