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Die Nachkommende

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Hochsommer. Eine junge Frau reist in einem Zug von Paris nach Kroatien, wo wie jeden Sommer die Familie auf der Großmutterinsel wartet. Sie denkt an den Mann, mit dem sie ein Jahr lang eine Beziehung führte, die nie wirklich anfangen konnte: Der Mann ist ein verheirateter Mann. Ein Maler, der nicht mehr malt. In den fahrenden Zug setzt sich der tote Großvater zu ihr. Auch er ein Maler, auch er hatte aufgehört zu malen. Die zwei abwesend-anwesenden Männer werden zu ihren Begleitern auf einer Reise in die Vergangenheit und die Erinnerung, aus der sich eine Familienerzählung konstituiert. Das Auswandern der Eltern kurz vor dem Krieg in Kroatien hat eine Unzahl von Bewegungen ausgelöst. Aufbrechen, Abbrechen, es scheint eine Familienneigung zu sein, die sich wiederholt, die in Frage gestellt wird. Im Spannungsfeld dieser geographischen und sprachlichen Verschiebungen, in diesen von Geschichte besetzten Räumen, erzählt Ivna Žic in ihrem Debütroman von einer beginnenden Suche, die zugleich das Jetzt und das Damals abtastet.

168 pages, Kindle Edition

Published August 2, 2019

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Ivna Žic

4 books

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1 star
1 (1%)
Displaying 1 - 9 of 9 reviews
Profile Image for miss.mesmerized mesmerized.
1,405 reviews42 followers
September 15, 2019
Auf dem Weg zurück nach Kroatien, das bei ihrer Geburt noch Jugoslawien war, davor hieß es auch schon einmal Kroatien. Das Land, aus dem der Großvater einst vor dem Krieg flüchten wollte, die Eltern vor einem anderen Krieg flohen und das sie nur noch in den Ferien bereist. Um die Großeltern zu sehen, die Verwandten, die Kindheitsfreundinnen, zu denen sie aber weitgehend den Kontakt verloren hat. Quer durch Europa, über mehrere Grenzen, mehrere Sprachen hinweg. Und doch finden sich in ihr die Geschichten der früheren Generationen, spürt sie das, das da ist, über das man nie gesprochen hat, über das man nicht mehr sprechen will. Doch es bleiben Bilder und Erinnerungen, die sie in sich trägt und die auch sie überdauern werden.

Ivna Žics Roman ist für den Österreichischen Buchpreis 2019 nominiert und bietet genau das, was man von einem Kandidaten für diese Auszeichnung erwarten würde: ein Text, den man sich erarbeiten muss, der nicht unmittelbar und leicht zugänglich ist, der aber, wenn man sich daran macht ihn zu entfalten, viele Schichten an Denkanstößen bietet und trotz der Kürze eine unheimliche Tiefe erreicht. Es ist die Geschichte einer Generation, in deren Leben nichts stabil zu sein scheint. Weder Beziehungen noch Orte bieten Halt, immer auf der Reise zu oder weg von etwas, ohne genau zu wissen, wo man herkommt und wohin man geht.

„Jede Ankunft und jede Abreise lassen diese alte Geschichte noch älter werden. Und zugleich von vorne beginnen.“

Der sommerliche Familienbesuch der Erzählerin bietet den Hintergrund der Erzählung. Abfahren, Ankommen, die Zeit dazwischen zusammengepfercht mit Fremden in Bus oder Zug aushalten. Immer wieder dasselbe Spiel im Sommer, zu Ostern, zu Weihnachten, zu Beerdigungen und Hochzeiten. Zurück zu einer Kindheit, die langsam verblasst, in eine inzwischen fremde Welt. Die Häuser haben die Geschichte konserviert, unter vielen Lagen Farbe findet sich die vielen Lagen der politischen Systeme, der rivalisierenden Gruppen, der immer wieder neu beginnenden Zeit. Nur die Menschen schweigen:

„Der Großvater und dieses Land schwiegen bis zum nächsten Krieg und der Großvater noch etwas länger. Die Eltern, die Verwandten, alle, die gefragt werden, hören weg, winken müde ab (...)“

Die spezifische Beziehung zwischen Mensch und Raum, die dem Begriff „Heimat“ ihren individuellen Sinn verleiht, ist für diese Generation im Schwebezustand. Früh entwurzelt, um dem Krieg zu entkommen, fehlt den älteren Generationen die Kraft, ihnen das mitzugeben, was sie verorten könnte. Ganz anders als Saša Stanišić, der in seinem Roman „Herkunft“ dieselbe Thematik aufgreift – und dafür auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2019 steht – beleuchtet Ivna Žic das Schicksal der Generation von Kindern aus allen Teilen des früheren Jugoslawien, die heute über die Welt verstreut sind. In das öffentliche Bewusstsein dringt dies nicht vor, zu sehr sind sie an die neuen Länder angepasst und inzwischen von anderen Kriegsgeflüchteten abgelöst worden. Aber in der Literatur scheint ihr Thema wenigstens einen Ort zu finden.
10 reviews1 follower
October 2, 2019
Die Nachkommende = Resounding Success

This is an outstanding book. Even readers with rudimentary knowledge of German should attempt to read it. Ibelong to that category.Ivna;s language and style posses an outstanding rhytm and style. There is a musicality to her syntax. reminded me of Ravel's Rondo with incessant crescendo recurrence. Aside from a style the story of an author who is bicultural, multingual and who belongs neither here nor there are fascinating. As is frequently the case the differences between autobiographical, reflexive, observational and poetic are fluid. I do recommend this book wholeheartedly.
Zeljko Z
Profile Image for Barbara W.
67 reviews2 followers
May 10, 2020
Ich habe selbst eine Freundin, die zwischen Kroatien und Österreich aufgewachsen ist. Ivna Zic beschreibt die Erfahrungen, die ich aus ihren Erzählungen so gut kenne, in so einer zarten und sinnlichen Sprache. Man spürt den Sommer beim Lesen, die Zerrissenheit und das immer unterwegs sein.
Profile Image for Lorenz Ruesch.
91 reviews1 follower
September 25, 2024
"Ich kann es nur versuchen, kann nur beginnen und mich erinnern, wie sie es mir erzählt haben, deine Töchter und Nichten, ich werde es dir so erzählen, wie die Bilder im Kopf dazu entstanden sind, denn Worte gab es von allen Seiten nur wenige, und wenn du Einwände hast, dann sag Bescheid."
Profile Image for Charlie Egon.
184 reviews7 followers
June 1, 2023
Ivna Žic schreibt kompromisslos melancholisch über eine junge Frau, die zwischen Ländergrenzen, in ihrer Familiengeschichte, in einer Affäre, in Erinnerungen nach Antworten, Wegen, Zugehörigkeit sucht und doch nie ganz findet. Die gestapelte, gewundene Sprache und Form spiegelt die losen Enden all ihrer Versuche.

Die Erzählung kann meines Erachtens nach ein tolles Quintett mit Die Nähe verlieren (Dragoslava Barzut), Roter Affe (Káska Bryla), Außer sich (Sasha Marianna Salzmann) und Johnny Ohneland (Judith Zander) bilden.
Profile Image for Marina.
212 reviews5 followers
August 17, 2024
Erzählt wird die Geschichte einer jungen Frau, die sich zwischen der Vergangenheit ihre Familie im ehemaligen Jugoslawien und der Gegenwart in der Schweiz befindet. Sie reflektiert über das Erbe von Migration, wie die Vergangenheit in das Leben der Nachkommen hineinwirkt und die Suche nach einem eigenen Platz in der Welt. In einer Art Dämmerzustand notiert sie ihre Gedanken in langen, verschachtelten Sätzen, was es gelegentlich schwierig macht, dem Inhalt zu folgen und ihn klar einzuordnen.
Profile Image for Tereza.
20 reviews2 followers
January 25, 2024
Dieses fast poetisch geschriebenen Buch ging mir unter die Haut. Obwohl meine Auswanderungsgeschichte anders ist als die der Autorin, konnte ich vieles nachvollziehen und verstehen. Es gab mehrere Schichten in der Erzählung. Es entfaltet sich ebenfalls eine bedrückende Liebesgeschichte mit einem verheirateten Mann, der Gemeinsamkeiten mit dem verstorbenen Grossvater hat. Die Gefühle waren tiefgründig beschrieben und berührend. Die Atmosphäre in Zagreb und auf dem Insel, wo die Familie lebt, konnte man spüren. Es liess sich nicht einfach lesen, aber es war ein sehr schönes und erfüllendes Erlebnis, der noch lange anhält.
Profile Image for Otto.
750 reviews50 followers
October 3, 2019
#lesejahr2019 #österreichischerbuchpreis #schweizerbuchpreis #longlist Gleich auf zwei nationale Buchpreislisten hat es #ivnazic geschafft mit ihrem Roman. Und das zu Recht. Die Erzählung über die Gedankenwelt der Migrantentochter, die in zwei Kulturen groß wird und immer wieder in die Mutterkultur zurückkehrt, sommers, den Familienclan auf der kroatischen Adriainsel treffend ist hervorragend geschrieben. Das Weiterleben der Vorfahren in den Nachfahren ist unglaublich gefühlvoll und stimmig erzählt. Ein Roman, den ich auf der shortlist sehe.
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