Das Buch ist einerseits leicht zu lesen, weil es sehr von dem Enthusiasmus seines Autoren getrieben ist, andererseits aber auch schwer, weil Herr Borst gefühlt ohne Punkt und Komma vom Alltagsleben des Mittelaltermenschen schreibt.
Es ist eine oberflächliche, überblickhafte und dadurch recht gelungene Unternehmung, die der Autor unternommen hat. Er nähert sich kulturgeschichtlich durch Bildnisse, Literatur, durch Gesang und liturgische Einwürfe und versucht auf die Art und Weise den Mittelaltermenschen selbst zur Sprache kommen zu lassen. Das gelingt ihm auch gut.
Wissenschaftlich ist das Buch nur schwer zu gebrauchen, da es recht unsortiert ist. Zwar gibt es übergeordnete Kapitel, aber unter den Überschriften sind dann immer 30-50 Seiten ohne trennende Absätze und thematische Trennungen durchgeschrieben, zudem gibt es hier und da Doppelungen, die im Gesamtzusammenhang Sinn ergeben, allerdings das zielgerichtete Lesen des Buches erschweren. Ein kleines Glossar am Ende versucht das zu leisten.
Zudem gibt es keine direkten Quellenangaben.
Borsts Vorstoß ist hier aber auch nicht die wissenschaftliche Nutzung, so deutlich das Buch auch einen wissenschaftlichen Hintergrund hat, sondern er möchte seine Faszination für das Mittelalter vermitteln. Und so streift er auf etwas mehr als 600 Seiten durch die Welt des Mittelalters und stellt es vor allem - und da gebührt ihm einiger Verdienst - differenziert und breit, komplex und doch verständlich dar.
Es ist ein Buch, welches einem den mittelalterlichen Menschen letztlich interessanter macht. Das ist auch das Ziel des Buches. Und für diesen Zweck ist es empfehlenswert.
Wer schon gewisse Vorkenntnisse hat, wird das Buch allerdings auch mit Gewinn lesen können, auch wenn er die Arbeit daran selbst übernehmen muss.
In manchen Belangen hätte es konsequenter sein dürfen, denn Borst neigt zur Kritik an anderen Wissenschaftlern zum Thema (bspw. ist er kritisch über die Einlassungen von Jacques le Goff), vertieft diese allerdings nicht genügend. Außerdem ist das Buch durch eine gewisse Modernitätsskepsis des Autors durchzogen, die sicher nicht gänzlich unangebracht ist, über die man aber hier und da hinweglesen muss.
Insgesamt kann die Lektüre empfohlen werden.