Das Buch möchte eine allgemeinverständliche Einführung in die Thematik der Gentechnik anhand der Technologie der Genscheren geben. Dabei sammelt es Artikel, die unter dem aktuellen Thema der CRISPR/Cas9 Genschere, verschiedenste Aspekte der Gentechnik besonders auf den Gebieten Landwirtschaft und Medizin beleuchten.
Bei CRISPR/Cas9 handelt es sich um eine sogenannte Genschere, dabei dient der CRISPR Teil dazu anhand einer RNS Sequenz die entsprechende Stelle im Erbgut zu finden, wo das Cas Enzym dann den DNA Strang zerschneidet. Damit lassen sich sehr viel genauer und einfacher als mit anderen Techniken, Erbinformationen entfernen, durch andere ersetzen oder an- und abschalten. Die Bedeutung von CRISPR/Cas9 liegt darin, diese Eingriffe billiger, schneller und zuverlässiger als mit anderen Techniken durchführen zu können.
Das Buch teilt sich in die Bereiche Grundlagen, Anwendungen in der Landwirtschaft, Medizinische und Ethische Aspekte. Die Grundlagenartikel vermitteln einen Eindruck von der biologischen Grundlage der Technik und den verschiedenene Anwendungsmöglichkeiten zur Erforschung und Eingriff in die Erbinformation. Der Abschnitt über die landwirtschaftliche Anwendung ist der unspezifischste, da überwiegend CRISPR nur der Aufhänger ist um allgemein das Thema genveränderter Organismen in der Landwirtschaft zu diskutieren. Menschen verändern das Erbgut von Pflanzen und Tieren schon seit Jahrtausenden und auch das gezielte Herbeiführen von Mutationen ist nicht neu. Bevor es die Möglichkeit gab gezielt in das Erbgut einzugreifen wurde einfach mit Kanonen auf Spatzen geschossen, indem Samen durch Bestrahlung oder aggressive Chemikalien zur Mutation angeregt wurden und dann nach Aschenputtelmanier, die schlechten ins Kröpfchen, die guten ins Töpfchen, die gewünschten Veränderungen weiter vermehrt werden. Ironischerweise gelten auf diese Weise erzeugte Pflanzen nicht als genverändert.
Medizinisch ergeben sich durch die Genscheren verschiedene neue Möglichkeiten. Einerseits können die Genscheren unser Verständnis von Krankheiten und Behandlungsmethoden verbessern, gentechnisch veränderte Organismen können Medikamente erzeugen und letzlich können Genscheren direkt zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden, indem zum Beispiel das Erbgut des HIV wieder aus den Immunzellen ausgeschnitten werden könnte. Gerade bei den Möglichkeiten die Gentechnik in der Medizin am Menschen anzuwenden ergeben sich wichtige ethische Fragen, die die Sammlung im letzen Abschnitt beleuchtet. Dabei geht es insbesondere um die Balance von Chancen und Risiken und die Frage wieweit Grundlagenforschung ermöglicht werden kann und soll ohne dabei Fakten zu schaffen, bevor die Gesellschaft die Möglichkeit hatte sich über den Umgang mit den neuen Techniken und ihr Menschenbild in Bezug auf Gesundheit, Störungen und Individualität zu verständigen.
Wie immer bei Sammlungen ist die Qualität der einzelnen Artikel unterschiedlich. Für mich war der enthaltene Artikel aus der ZEIT dabei ein strahlendes Beispiel für guten Journalismus. Er fasst weite Teile des Buches in gut verständlicher und vor allem in angenehm lesbarer Sprache zusammen. Wer sich von dem wissenschaftlichen Aussehen des Buches eingeschüchtert fühlt sollte mit diesem Artikel beginnen, danach steht auch dem Verständnis der anderen Beiträge nichts im Wege. Das ist auch die Einschränkung des Buches. Die wissenschaftlich/technischen Aspekte gehen nicht über die Grundlagen hinaus. Insgesamt ist die Sichtweise der Autor*innen der Beiträge auf die Chancen der Technik gerichtet, verschweigt aber auch die Risiken nicht. Entschiedene Gentechnikgegner werden durch dieses Buch sicher nicht ihre Bedenken aufgeben, aber wer nach Informationen sucht, um sich eigene Gedanken zum Thema machen zu können ist hier gut aufgehoben.