Anlässlich des 70. Geburtstages des Romans "Die Rückkehr" von Ernst Lothar wurde es neu aufgelegt. Das Buch wurde mir freundlicherweise vom btb Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.
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Worum geht’s? (Klappentext):
Seit Kriegsende kann er es kaum mehr erwarten, doch jetzt, Ende Mai 1946, ist es endlich so weit: Der Jurist Felix von Geldern, nach dem Anschluss Österreichs in die USA geflüchtet, kehrt nach Wien zurück. Doch die große Hoffnung weicht schnell großer Ernüchterung. Denn rasch muss er erkennen, dass der Jubel damals auf dem Heldenplatz nicht durch Manipulation zustande gekommen ist, dass sich seine ehemalige Freundin zuerst Goebbels an den Hals geworfen hat und jetzt auf dem Schoß eines US-Oberst sitzt...
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Ernst Lothar führt ganz gekonnt in die Handlung hinein. Mit klaren, realen Worten ohne viele Ausschmückungen beschreibt der Autor den Protagonisten Felix. Dem Leser gelingt es, sich schnell in Felix hineinzuversetzen. Dies ist nicht verwunderlich, hat Ernst Lothar doch die Gefühle, die der Protagonist spürt, selbst erlebt. Auch der Autor ist in den 1930er Jahren nach Amerika emigriert und schließlich nach seiner Rückkehr nach Österreich nicht mit allzu offenen Armen empfangen worden.
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Der Autor schafft es die Atmosphäre und die Spannungen, die nach dem 2. Weltkrieg Österreich beherrschen aufzufangen und in unglaublich authentischer Weise zu erzählen. Hoffnungslosigkeit, Neid, Missgunst – das alles sind nur wenige Aspekte, mit denen die Rückkehrer zu kämpfen haben. Der Schreibstil Lothars ist äußerst poetisch und gehaltvoll, aber auch sachlich.
Für den Leser ist es nicht zu übersehen, dass Ernst Lothar in diesem Nachkriegsroman seine eigene Vergangenheit verarbeitet. Es erscheint, als verbärge sich hinter dem Protagonisten in Wahrheit der Autor selbst.
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Fazit:
Ernst Lothars zeitgeschichtlicher Roman "Die Rückkehr“ ist auch Jahre nach seiner Erstveröffentlichung aktueller denn je. Auch heute ist das Thema des Rechtspopulismus wieder von Bedeutung. Es schadet nicht, sich immer wieder vor Augen zu führen, was damals geschehen ist und wie die Menschen ihr Schicksal kurz nach dem Ende des 2. Weltkriegs verarbeiteten.
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4,5/5 Sterne