Das Geschichtswerk des antiken China
Das "Shi Ji", hier als "Records of the Grand Historian" präsentiert, ist mit die wichtigste Quelle für Informationen über das antike China vor und während der Han-Dynastie. Ganz gemäß dem Temperament der konfuzianischen Chinesen mit ihrer Vergangenheitsfixierung werden hier detaillierte Informationen, die auch den neuesten archäologischen Forschungen standhalten, über Personen und Begebenheiten festgehalten.
In diesem Band sammelt Übersetzer Burton Watson die Kapitel des "Shi Ji", die sich auf die Qin-Dynastie beziehen. Da der Autor der Texte, Sima Qian, selbst in der Han-Dynastie lebte, fällt das Fazit über Qin natürlich recht düster aus - der "Erste Kaiser" Shihuangdi, sein Nachfolger und auch Generäle und hohe Politiker wie Fürst Wuan werden als soziopathische Massenmörder dargestellt. Diese Vertreter des Legalismus im antiken China, der drakonische Strafen und blindes Rechtsverständnis ohne Berücksichtung der Umstände mit sich brachte, gelten noch heute als abschreckende Beispiele für Regierung, wie sie nicht sein sollte.
Man muss sich als Leser bei der Lektüre dieses Bandes im Klaren darüber sein, dass man keinen Roman liest. Einige Stellen, leider insbesondere der Anfang, sind sehr mühsam zu lesen und bestehen hauptsächlich aus Kalendereinträgen: Person X machte in diesem Jahr dies und dies. Im Jahr darauf machte er das und das. Und so weiter, teilweise seitenlang. Immer wieder aber findet man ausgearbeitete Erzählungen, die das dröge Geschichtsbuch sehr erfrischen und unterhaltsam machen.
Wenn man sich für die Geschichte des Prä-Han-China interessiert, ist dieses Buch aber unerlässliche Lektüre; insbesondere, da Sima Qian nicht nur die kurzlebige Qin-Dynastie selber behandelt, sondern zurückgeht bis zu den Ursprüngen dieser Dynastie bis zur Zeit der Frühlings- und Herbstannalen und der Streitenden Reiche.
Die Übersetzung ist selektiv, wählt also nur die Kapitel des "Shi Ji" aus, die etwas mit der Qin-Dynastie zu tun haben, was ein gewisser Vorteil ist, da die entsprechenden Kapitel über das ganze Werk Sima Qians verteilt sind. Die Präsentation ist spartanisch, aber gelungen; Kommentare und Fußnoten zu schwer verständlichen Stellen sind als Erklärungshilfe vorhanden.
Wer sich für diese Historienschreibung begeistert, sollte dann auch zu den weiteren Bänden mit Übersetzungen des Shi Ji von Burton Watson greifen, die sich dann auf die Han-Dynastie konzentrieren.