Ich gestehe, ich bin nicht gleich warm geworden mit diesem Buch. Der Anfang war recht nebulös und vage, bruchstückhaft, wie Traumsequenzen, die man nicht auf Anhieb versteht. Aber dann hat mich die lyrische Qualität dieser Vignetten berührt. Außerdem sind die Übernahmen aus "Peter Pan" sehr fein in den Text eingebaut und verleihen ihm eine besondere Stimmung. Das Märchenhafte und Fantastische der Kindergeschichte bleibt zwar sprachlich spürbar, wird aber auf der Handlungsebene zerstört: Es geht um Jugendkriminalität, Straßenkinder, Menschenhandel, Drogen.
Peter Pan, der Junge, der nicht erwachsen werden will, der fliegen kann und sich auf der Insel Neverland mit anderen Jungs, den Lost Boys, von einem Abenteuer ins nächste stürzt, ist ein Freigeist, der tut, was ihm gefällt. Sein Pendant Petru in Travniceks Buch jedoch DARF nicht erwachsen werden, als Taschendieb müssen er und die drei anderen Jungs, mit denen er auf der Insel Niemandsland (in einem Fluss in einer nicht näher bezeichneten Großstadt) ganz allein lebt, überleben, sich klein machen, nicht auffallen - wenn sie erwachsen wären, wären sie strafmündig, würden ins Gefängnis kommen oder abgeschoben. Ihr Diebesgut müssen sie an ihren Boss abgeben, Krakadzil (nicht nur der Name erinnert an das Krokodil bei Peter Pan!), der sie schlägt und bedroht, wenn sie nicht genug gestohlen haben. Er hat sie auf die Insel gebracht und beutet sie aus - in Petrus Fall behauptet er, das Geld für die sterbenskranke Großmutter des Jungen zu verwenden. Ertragen lässt sich das nur mit einer Prise des titelgebenden "Feenstaub" - einer Droge.
Doch dann lernt Petru Marja kennen und findet in ihr seine erste Liebe. Das silberne Etui, das er ihr gestohlen hatte, bringt er ihr wieder - er habe es gefunden. Von da an ist er gern gesehener Gast bei Marja und ihren Eltern, er lernt von ihr lesen, zwischen ihnen entstehen Gefühle... doch da ist noch sein anderes Leben auf der Insel, das ihn schließlich einholt.
Die kurzen Kapitel, zu Beginn gleichen sie durch ihre impressionistische Ausdrucksstärke vielmehr lyrischen Vignetten, lassen viele Lücken offen. Wenig wird völlig auserzählt, fast alles bleibt fragmentarisch. Das passt zur Hauptfigur, mit der wir es zu tun haben, denn auch Petru gibt nicht viel von sich preis. Und es passt zu den verschiedenen Stimmungen, die wir im Buch finden und die unverbunden nebeneinander Platz finden: Brutalität und erste Liebe, Kriminalität und Freundschaft, Fürsorge und Verlassenheit. Die große Stärke des Buches liegt aber darin, dass sich trotz dieser Leerstellen ein zusammenhängendes Bild ergibt, dass wir als Leser:innen einer Geschichte folgen dürfen, die uns berührt.
Fazit: Sehr empfehlenswert! Zu Recht für den österreichischen Buchpreis nominiert.