"Oper ist, wenn die dicke Frau singt und am Ende der Tenor die Dame bekommt." Während ersteres längst nicht mehr den Realitäten entspricht, lässt sich letzteres schwer wegdiskutieren. Natürlich jedoch ist Oper unendlich viel Leidenschaft, Dramatik, komplexe Kunstform, anspruchsvolle Unterhaltung, Event. Und wenn das Regietheater seine Kapriolen schlägt, nicht selten auch Skandal.Peter Overbeck wirft einen Blick zurück in die wechselvolle Geschichte eines umjubelten Faszinosums, auf Sängerallüren, Festivalzauber und die Widersprüchlichkeiten eines in stetigem Wandel befindlichen modernen Musikbetriebs. Dabei wird deutlich, was die Oper so besonders macht.
Ich hatte mir hier eine ganz andere Art der Einführung erwartet und war dementsprechend enttäuscht. Es ging gefühlt mehr um Opernhäuser und den Spielbetrieb als um Oper. Außerdem war das Buch sehr trocken und nüchtern geschrieben, mir fehlte hier die Begeisterung für die Oper im Text. Ich hätte mir weniger Zahlen und mehr Anekdoten, die ein bisschen Leben in die 100 Seiten gebracht hätten, gewünscht. Auch die Hörtipps am Ende sind, wenngleich natürlich Referenzaufnahmen und von historischer Bedeutung, so doch schon fast alle 70 Jahre alt. Es gibt durchaus auch neuere Aufnahmen, die von Bedeutung sind. Wenn der Autor beklagt, dass Oper so wenig junges Publikum anspricht, dann ist dieses Büchlein sicher nicht dazu angetan, das zu ändern. Schade. Der Funke springt hier definitiv nicht über.