Sophia und Jan sind jung und einigermaßen glü Sie klettert steil die Karriereleiter bei Daimler hoch, er versucht sich als Journalist bei der Lokalzeitung. Dann bekommen sie ein Baby. Sie bleibt zu Hause und hütet das Kind, er kämpft um eine Festanstellung in der Redaktion. Während Jan sich zunehmend exzessiv beim Joggen abreagiert und das Baby einfach nicht aufhört zu schreien, gerät Sophia in einen immer größeren Taumel aus Frustration und Hilflosigkeit. Bis sie schließlich ein Ventil für ihren Frust das Internet! Hier entlädt die ach so korrekte Vorzeigefrau alle Wut und beleidigt im stillen Kämmerchen schamlos drauflos. Was sie nicht Auch Jan hütet ein großes Geheimnis und fürchtet um seine Karriere. Sein größter journalistischer Erfolg basiert auf einer Lüge, die nun im Netz aufgedeckt zu werden droht. Beide verlieren unter dem Druck, sich zugleich in Job und Familie beweisen zu müssen, ihren moralischen Kompass. Ihre Lügen haben jedoch mehr miteinander zu tun, als sie denken …
Sophie & Jan sind ungeplant Eltern geworden. Was nun? Sie macht Karriere bei Daimler, er träumt vom Durchbruch als Journalist. Und dann ist da noch das Internet. Es geht um Geheimnisse, Trolle, Angst und die Gewöhnung an das Neue. // Ganz, ganz toller Schreibstil. Trifft sowas von den Puls der Zeit. Und sehr viel deutsche Kultur versteckt im Ausdruck. Empfehlenswert; ganz schnell durchgelesen.
Kurzmeinung: Fake von Frank Rudkoffsky ist eine wirklich großartige Geschichte. Interessante und authentische Charaktere, viele aktuelle Themen und insgesamt einfach echt gut erzählt. Ich habe jede Seite dieses Buches genossen und ich kann jetzt schon sagen, dass es eines meiner Jahreshighlights 2019 ist! Einziger kleiner Kritikpunkt: das die Geschichte nicht länger war. Ich hätte gern noch viel länger die Entwicklung von Jan und Sophia verfolgt.
Meine Meinung: Dieses dünne Büchlein erzählt eine große Geschichte und ich bin wirklich einfach nur begeistert. Ich bin sofort gut in die Geschichte reingekommen und war von Anfang an gefesselt. Die Charaktere werden sehr schön detailliert vorgestellt, so konnte ich mir schnell ein Bild machen. Mit Sophia habe ich sofort mitgelitten. Sie ist hatte eine tolle Karriere, einen Job, den sie gern gemacht hat, hat Vollzeit gearbeitet, ist in ihrer Freizeit mit Freunden ausgegangen. Ihr Leben hat sich radikal, als sie Mutter geworden ist. Man steigt in die Geschichte ein, in dem man Sophia dabei begleitet, sich an diese veränderten Umstände anzupassen. Wie sie den Wechsel von Vollzeitarbeitskraft zu Vollzeitmutter vollzieht und ihr Alltag statt aus Geschäftsmeetings, aus Babygeschrei und Windeln wechseln besteht. Ich finde es total großartig, wie der Autor es hinbekommt, sich so gut in die Perspektive hineinzuversetzen und das dann auch so gut wiederzugeben, dass ich als Leserin gleich mitgenommen wurde. Außerdem hat es mir wirklich gut gefallen, wie die Charaktere und die Dynamiken in den Beziehungen dargestellt werden, dass der Roman fast schon Züge einer Charakterstudie hat, trotzdem aber auch die Handlung nicht zu kurz gekommen ist und auch diese mich gefesselt hat. Auch den Schreibstil mochte ich sehr. Sehr ehrlich, authentisch. Neid, Sarkasmus, Wut, Scham –all das hat seinen Platz in der Geschichte und die Charaktere sind sehr echt, haben Ecken und Kanten und sind kein bisschen stereotyp.
Der zweite Protagonist ist Jan, der als Journalist arbeitet. Sein Leben hat sich durch das gemeinsame Baby weniger radikal verändert, doch nach und nach taucht man auch in seine Gefühlswelt immer weiter ein und lernt seine Probleme kennen. Den Leistungsdruck und die Unsicherheiten im Job, dass schlechte Gewissen, seine Freundin mit dem Kind alleine zu lassen.
Der Perspektivwechsel zwischen diesen beiden Figuren ist absolut gelungen. Die Dynamik zwischen den Jan und Sophia ist sehr spannend. Die Beziehung ist im ständigen Wechsel. Erst bleibt Sophia mit dem Kind daheim, ist frustriert, erschöpft und macht Jan vorwürfe. Dann ist Jan daheim, muss seine Karriere hinten an stellen und auf Sophia lastet der Druck und die Scham, nicht beiden –Karriere und Familie– gerecht werden zu können. Durch den Stress leben beide eher nebeneinander als wirklich miteinander.
Interessant fand ich auch die Einblicke in die Arbeit als Journalist und den Aspekt, wie verführerisch es sein kann, die Geschichte zu schreiben, die man im Kopf hat, die viele Klicks bringt, statt die, die man wirklich erlebt hat. In Jans Abschnitten musste ich an Relotius denken. Damals konnte ich das überhaupt nicht nachvollziehen. Wie man so was machen kann. Als Journalist so sehr seine Werte und das, wofür man steht, verraten. Den "Lügenpresse" Rufenden Futter geben. Aber Rudkoffsky hat mir Jan und seine Motive so nahe gebracht, hat ihn und sein Handeln für mich nachvollziehbar werden lassen.
Daneben werden in diesem relativ dünnen Buch noch so viel mehr Themen behandelt. Es geht um die Anonymität und den Hass im Netz, darum, wie es ist, in eine andere Rolle schlüpfen zu können. Es geht um Lügen und um Verantwortung. Um Karriere und Familie. Um Liebe. Um #regrettingmotherhood.
Am Ende fand ich es nur schade, dass das Buch so schnell ausgelesen war. Ich hätte noch ewig die Geschichte von Jan und Sophia verfolgen können. Nicht, weil es so eine wohlfühl Geschichte ist, sondern weil es sich so echt und nah anfühlt. So authentisch, als wäre ich mitten in ihrem Wohnzimmer dabei und könnte gebannt beobachten, wie sich die beiden immer weiter in ihre Lügen verstricken, während ich mit einer Packung Popcorn gespannt das Geschehen verfolge. Der Autor hat mir die Figuren so nah gebracht.
Fazit: Fake von Frank Rudkoffsky ist ein großartiger Roman. Es greift aktuelle Themen auf, hat interessante und authentische Charaktere und ist unglaublich gut geschrieben. Ich habe jede Seite dieses Buches genossen. Es hat mich gepackt und gefesselt und schaudern lassen. Auf jeden Fall eines meiner Jahreshighlights!
Puh, erstmal durchatmen. Ohne zu spoilern: das Ende war (für mich) anders als erwartet...
Aber von vorn: Fake ist ein Roman über Sophia und Jan, die ziemlich jung und eher ungeplant Eltern geworden sind. Sophias erste Monate mit ihrem Sohn Max sind nicht leicht. Später fühlt sie sich zerrissen zwischen ihrem Anspruch Karriere bei Daimler zu machen und für Max da zu sein. Nach einem Jahr ist eigentlich Jan derjenige, der sich viel um den Jungen kümmert und tagsüber zu Hause ist. Eigentlich wollte er ja als freier Journalist richtig durchstarten, aber das will ihm einfach nicht so recht gelingen - bis er eine Reportage über die Pegida Demonstrationen in Dresden schreibt, die ein voller Erfolg wird. Wäre da nicht sein kleines Geheimnis bzw. werden die Geheimnisse schnell mehr. Auch Sophia hat Geheimnisse vor Jan. Oft sitzen sie nebeneinander auf dem Sofa und starren auf ihre Handys...
Der Roman zeichnet ein irgendwie ernüchterndes Bild einer jungen, modernen Familie, in der jeder versucht mit seinen Unzulänglichkeitsgefühlen und Frustrationen allein klar zu kommen. Beide kommunizieren nicht über das, was sie wirklich bewegt und manövrieren sich immer mehr in eine Parallelwelt, aus der es keinen Ausweg mehr gibt.
Das Buch ist sehr gut geschrieben. Es liest sich flüssig und schnell. Interessant für alle, die in der heutigen Zeit versuchen ihren Weg zu finden und auch für alle, denen bisher nicht bewusst war, wieviel Einfluss Fakeprofile auf die Kommentarspalten im Internet haben.
Eine neue Sicht auf Dinge, über die ich Vorurteile habe
Sophia und Jan haben jeweils ihre Träume, jeweils die Dinge, die sie noch erreichen wollen und sie haben Max, ein gemeinsames Kind, das alles ändert. Und dann findet jede und jeder für sich heraus, wie toll es ist, dass man im Internet anonym sein kann.
Sophia und Jan sind abwechselnd Protagonistin und Protagonist und ich weiß nicht, ob oder wann ich je eine so schmerzhafte und sich real anfühlende Beschreibung einer jungen Mutter gelesen habe. Der Körper nach der Tortur der Geburt und den Bedürfnissen eines Babys, die Angst vor dem Leben, dass jetzt (erstmal?) nichtmehr zu leben ist. Krass.
Und dann ihre Entscheidung, über das Internet Wut und Frust abzulassen. Nicht meine Entscheidung und auch keine, die ich gut finde, aber ich kann sie nachahnen.
Jan hat andere Gründe und ähnlich nachvollziebare Handlungen. Frank Rudkoffsky spielt das Paar so gegeneinander aus, dass ich bei beiden Seiten mitfühlen kann, sie am liebsten anschreien möchte, bitte miteinander zu reden. Und sehr gespannt bin, wie die unausweichliche Tragödie ihren Lauf nimmt.
Tatsächlich lässt Frank es gar nicht zum großen Knall kommen, sondern schafft eine Wende zu einem schalen Happy End, das mich zuerst frustriert, dann noch lange über das Ende grübeln lässt. Weil es weniger Geschichte als Realität abbildet. Es erinnert mich an das Ende von „Die Reifeprüfung“.
Rudkoffsky schreibt nüchtern, greifbar und so, dass ich berührt werde. Schafft es, dass ich mir über manche Dinge und Verhaltensweisen nochmal Gedanken machen muss, weil ich durch ihn an die Grenzen meiner bisherigen Vorurteile komme. Ich bin gespannt, welchem Thema sich Frank in seinem nächsten Buch annehmen wird.
Spannende Lektüre über Trolle, Fakes und die Einfachheit sich im Internet neu zu erschaffen. Über das Ende muss ich allerdings noch ein wenig nachdenken...
Und schon wieder ein Buch, durch das ich nur so hindurch gerauscht bin. "Fake" ist mein zweites Buch von @frank_rudkoffsky. Seinen aktuellsten Roman "Mittnachtstraße" hatte ich vor anderthalb Jahren gelesen und sehr gefeiert. "Fake" ist auch richtig gut, ich habe aber das Gefühl, dass das Buch nicht so lange nachklingen wird. Wie bei "Mittnachtstraße" auch hat es bei der Lektüre häufiger mal ordentlich gezwickt. Ich dachte einmal zwischendurch "Ein bisschen weniger Realismus täte dem Buch gut" und musste direkt über mich lachen. 😂 Das, was die jungen Eltern Sophia und Jan hier auf 230 Seiten durchmachen, wünscht man jedenfalls seinem ärgsten Feind nicht. (Und vielleicht habe ich mich auch zwischendurch mal kurz heimlich darüber gefreut, dass ich keine Kinder habe ..? 🤔😅) Aber es geht bei weitem nicht nur ums Elternsein und ihre Beziehung, sondern auch um die beruflichen Laufbahnen der beiden - und um ihren fragwürdigen Umgang mit dem Internet. Und was ist das bitte für ein Ende?! Frank, wir müssen reden! 😅 Ich freue mich jedenfalls schon sehr auf den nächsten Rudkoffksy. Denn offenbar mag ich diese immer wieder zwickende Schreibe. #frankrudkoffksy #fake #volandquist #volandundquist #whatiread2025 #booksofinstagram #bookstagram #bücher #lesen #ausgelesen #selbstgekauft