Vielen lieben Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!
Aufmachung:
Das Cover ist eher dunkel gehalten; man sieht einen Rahmen, der mit Rosen verziert ist und aus dem Dornenranken wachsen. In der Mitte fällt der (schmutzig-)goldene Titel auf.
All das passt hervorragend zum Inhalt; der Leser weiß sofort, was ihn hier erwartet, ohne, dass zu viel verraten wird: eine eher düstere Adaption des Märchens Dornröschen.
Auch der Titel ist sehr passend gewählt.
Mir gefällt gut, dass die einzelnen Kapitel noch einmal in kleinere Unterabschnitte eingeteilt sind.
In der vorderen Klappe ist eine Karte von Lathien, was mich sehr gefreut hat. Ich liebe Karten in Fantasybüchern! :D
Meine Meinung:
Dornenthron basiert ganz eindeutig auf Dornröschen: Es gibt eine Prinzessin, die durch einen Fluch in einen jahrhundertelangen Schlaf versetzt wird und nur von dem Kuss eines Prinzen aufgeweckt werden kann.
Im Unterschied zu Dornröschen wird hier aber gleich die ganze Hauptstadt des Kaiserreichs inklusive aller Einheimischen und Besucher verflucht.
Das ist nicht die einzige Differenz zu dem klassischen Märchen. Man trifft hier auch auf Elemente aus anderen Märchen wie Hänsel und Gretel oder Schneewittchen, es gibt eine böse Stiefmutter und einen verzauberten Wald.
Der Autor verändert das Dornröschen, was man kennt, also nach seinem Gutdünken und setzt dem Altbekannten einen eigenen Stempel auf. Obwohl man also das Grundgerüst kennt, bekommt man in Dornenthron eine ganz neue Geschichte, die den Leser immer wieder überrascht und von sich überzeugen kann.
Dabei verbringt Boris Koch die ersten beiden Drittel des Buches mit Worldbuilding und dem Heranziehen seiner Protagonisten.
Dabei passiert hin und wieder einiges, aber noch halten sich die Plottwists eher in Grenzen, weil erst einmal die Zusammenhänge erklärt werden. Dadurch ist der Einstieg in das Buch eher langsam, allerdings hatte ich damit überhaupt kein Problem. Man hat Spaß daran, Lathien, Ycena und all die anderen wundersamen Schauplätze kennenzulernen. Es gibt immer wieder Neues zu entdecken oder zu verstehen, sodass es selbst an den Stellen, an denen handlungstechnisch nicht so viel passiert, nie langweilig wird.
Dazu kommt der malerische, geheimnisvolle, etwas düstere Schreibstil des Autors, der sich wunderbar ins Setting einfügt und den Leser vom Anfang bis zum Ende mitreißt. Besonders auszeichnend ist, dass er für jede seine Figuren einen eigenen besonderen kleinen Stil hat, sodass man stets sofort weiß, aus wessen Sicht gerade geschrieben wurde, auch wenn es nicht ausdrücklich benannt wird.
Sobald vor allem im letzten Drittel dann erkennbar ist, dass alles zusammenkommt, was bisher passiert ist, baut sich die Spannung immer mehr auf und das Buch wird zum Pageturner; man kann es nicht mehr aus der Hand legen.
Das hängt auch mit den Protagonisten zusammen.
Man lernt sie nacheinander kennen, wobei jedes Kapitel aus der Sicht einer anderen Figur geschrieben ist, sodass es auch dadurch leichtfällt, sie auseinander zu halten.
Sie sind allesamt unterschiedlich, und doch ist klar, dass sie früher oder später auf irgendeine Weise miteinander zutun haben werden. Das wird durch Andeutungen, die man zunächst nicht ganz versteht, sich aber nach und nach wie ein Puzzle zu einem großen Bild zusammenfügen, immer wieder verdeutlicht.
Durch diese Andeutungen wird außerdem klar, dass jede Figur seine persönlichen Ziele verfolgt und eigene Vorstellungen von der Geschichte Ycenas und der Legende hat, sodass dem Leser bis zum Schluss nicht klar ist, was die Wahrheit ist und worauf alles hinauslaufen wird.
Zwar treffen die einzelnen Handlungsstränge am Ende wie erwartet aufeinander und auf den letzten paar Seiten scheint sich die Spannung gelegt zu haben, aber im letzten Satz wird der Leser eines Besseren belehrt.
Fazit:
Dornenthron ist eine wunderbare Märchenadaption, die durch die Zusammensetzung von Elementen unterschiedlichster Märchen, einer eigenen magische Welt und geheimnisvolle Figuren zu einem neuen, besonderen Märchen wird.
Zwar fühlt sich der Einstieg eher lang an, aber diesen nutzt der Autor für das absolut notwendige Worldbuilding. Deshalb, und weil es sich hierbei um den Auftakt handelt, der durch einen verheißungsvollen letzten Satz die Fortsetzung herbeisehnen lässt, kann man dem Buch den Einstieg nicht übelnehmen.
4,5/5 Lesehasen