Kaum ein Tag vergeht, ohne dass deutsche Gerichte skandalös anmutende Urteile fällen: Brutale Gewalttäter erhalten lächerlich milde Strafen, Wiederholungstäter entgehen längst fälligen Haftbefehlen, weil die Verfahren viel zu lange dauern, Freiheitsstrafen werden wieder und wieder zur Bewährung ausgesetzt. Das Vertrauen in unsere Justiz schwindet.
Skandal- und Fehlurteile sind kein Zufall, sondern systembedingt, sagt Richter Thorsten Schleif. Unser Justizsystem versagt bereits lange vor den eigentlichen Verfahren, bei der Ausbildung und Auswahl seiner Richter.
Anhand zahlreicher zum Teil erschreckender Beispiele beschreibt Schleif, wie in Deutschland Richter herangezogen werden, die den Herausforderungen ihres Berufs und unserer Gesellschaft nicht mehr gewachsen sind. Der Zusammenbruch des Rechtsstaates hat bereits begonnen – kann er noch abgewendet werden?
Ich muss zugeben, ich habe das Buch nicht beendet. Aber mehr als 55 Seiten kann ich einfach nicht lesen. Der Autor versucht objektiv zu bleiben, was ihn aber so gut wie nicht gelingt. Sein Schreibstil ist…nun ja. Er versucht krampfhaft witzig zu sein an einigen Stellen, was das Ganze nur komisch macht. Ich breche sehr selten ein Buch ab, aber hier war das leider notwendig. Schade.
Den ersten Teil des Buches fand ich sehr spannend und informativ. Die selbsterlebten Teile zur Ausbildung kann ich voll bestätigen. Der Teil über die Funktionsweise der Justiz klingt nach vielen Erzählungen von Bekannten und den Gerichtsstationen im Referendariat sehr plausibel. Ich bin gespannt, was mir eine gute Freundin - seit kurzem Proberichterin - zu erzählen hat. Das Horrorszenario Bewerbungs- und Einstellungsprozess hat sich bei ihr jedenfalls schon bewahrheitet.
Den zweiten Block über Strafurteile fand ich vergleichsweise langweiliger und auch etwas oberflächlich. Die Argumente „Berufungsinstanz für LG Urteile“ und „zu geringes Strafmaß wegen Angst vor Rechtsmitteln“ klingen logisch, aber der zweite Block als Ganzes war eher repetitiv und in der Tat ein wenig populistisch verdummt angehaucht. Dennoch ist Letzteres in Ordnung, denn jeder soll dieses Buch mehr oder weniger verstehen und so einen Einblick in die Justiz erlangen können.
Im Großen und Ganzen gibt dieses Buch einen kleinen Einblick in die Welt der Justiz.
Einige Kapitel sind sehr intensiv und ausführlich dargestellt, andere hingegen nur oberflächlich angerissen. Grundsätzlich dreht sich in diesem Buch alles um den Beruf des Richters und die Justiz im Allgemeinen wird nur teilweise beäugt.
Ganz objektiv ist das Buch nicht geschrieben, an vielen Stellen wird die eigene Meinung des Autors deutlich, was nicht immer schlecht ist, aber auch gern hätte ein bisschen weniger sein können - ebenso die Stellen, die aufgrund von einem Witz zwischendurch etwas unpassend wirken.
Ganz interessantes Buch, doch leider ein bisschen zu sehr auf Mitleid gegenüber Richtern geschrieben. Das ganze „wir verdienen viel zu wenig Geld“ war auf Dauer doch ein wenig anstrengend.