Mit diesem Band bringt Ian McDonald seine große Mond-Trilogie zu ihrem Ende. Und wieder fasziniert er, wie bereits in den beiden vorangegangenen Bänden, mit seiner phantastischen Zukunfsgeschichte. Die Mond-Drachen, fünf einflußreiche Familienclans die den Mond unter sich aufgeteilt haben, kämpfen immer noch mit allen Mitteln um noch mehr. Was in diesem Buch auffällt, ist, dass McDonald seine Präferenzen nicht mehr auf einige wenige Charaktere verteilt, sondern, wie in seinen Vorbildern "Dallas" bzw "The Denver Clan", jede Familie oder Gruppierung ambivalent beschreibt. Eine Schwierigkeit ist m.E. immer noch der Umfang seiner Besetzungsliste, beinahe wie GRRM in "Ein Lied aus Eis und Feuer" umfasst sein Personenregister mehrere Seiten.
In seiner Vision des besiedelten Mondes benützt der Nordirische Schriftsteller alle Möglichkeiten eines SF/Thrillerautors; blutige Kämpfe mit Schutzanzügen und Kampfbots auf der gefährlichen Mondoberfläche, juristische Winkelzüge, Leidenschaft und Verrat, Rohstoffreichtum und Rohstoffmangel, Mondmystik, sein interessantes Ensemble und viele Details und Eigenheiten der lunaren Gesellschaft. Dazu kommt, dass McDonald ein großartiger Stilist ist und das zum Glück nie versteckt. Seine Schreibe liegt über dem Durchschnitt – anspruchsvoll, kantig, pulsierend, kraftvoll, vollmundig. Damit passt sie bestens zur Komplexität des Hintergrunds, der Figuren und des Plots.
Alles in Allem sind diese Pluspunkte bereits in den ersten beiden Teilen der Trilogie vorhanden, es kommt in diesem Band m.E. keine neuen Elemente hinzu. Wer aber die beiden Vorgängerromane gut gefunden hat, kommt hier auf seine Kosten...