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Wir holen alles nach

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Job und Kind unter einem Hut – die alleinerziehende Sina jongliert damit seit Jahren. Seit kurzem wird sie von ihrem neuen Partner Torsten dabei unterstützt. Und sie haben Ellen, Ende sechzig, die sich für Nachhaltigkeit einsetzt und das hat, was sich Sinas Sohn Elvis so wünscht: Zeit, Geduld – und einen Hund. Doch dann widerfährt dem sensiblen Jungen etwas Schlimmes. Da er sein Geheimnis nicht preisgibt, spinnt sich ein fatales Netz aus Gerüchten um die kleine Patchworkfamilie.

304 pages, Hardcover

First published January 1, 2020

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Martina Borger

12 books5 followers

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Community Reviews

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1 star
1 (<1%)
Displaying 1 - 19 of 19 reviews
Profile Image for Babywave.
363 reviews131 followers
February 16, 2024
In der Geschichte geht es um Sina, ihren achtjährigen Sohn Elvis, Sinas Lebensgefährten Torsten und die ältere Nachbarin Ellen.

Sina ist von Elvis Vater David geschieden. Dieser kümmert sich leider nicht um Elvis. Außer Geldgeschenken und ein ums andere Mal abgesagte Treffen mit seinem Sohn, erfährt man von dem Kindesvater nichts weiter.

Elvis ist ein introvertierter, sehr emphatischer Junge.
Da Sina im Beruf sehr eingespannt ist und ihr Sohn nicht viele Freunde hat, ergibt es sich, dass Ellen Elvis in den Ferien betreut und ihm auch unter der Woche 2x täglich Nachhilfe gibt. Damit verdient sie sich etwas zu ihrer Rente dazu und gleichzeitig fühlt sie sich gebraucht. Denn Ellens Söhne sind längst schon aus dem Haus. Ihr Ehemann Jock ist leider viel zu früh verstorben. Somit hat Ellen eigentlich nur ihren treuen, schon etwas betagten Hund an ihrer Seite.

Da passt es gut, dass Elvis sich auch einen Hund wünscht und er sich also nicht nur mit Ellen sondern auch mit ihrem vierbeinigem Mitbewohner super versteht.

Eines Tages macht Ellen jedoch eine Entdeckung und dies bringt etwas Bewegung in die Geschichte…..

Mir hat das Buch ganz gut gefallen. Es werden einige Themen angesprochen. Z.B. Einsamkeit im Alter, Vergänglichkeit, Freundschaft, Mobbing, Beziehungen, Vertrauen, die täglichen Zerreißproben von berufstätigen Müttern…….. usw.

Einige Dinge haben mich sehr zum Nachdenken angeregt, manches fand ich etwas zu konstruiert . Zum Ende hin nahm die Handlung etwas Fahrt auf, wurde dann aber für mich persönlich zu oberflächlich und schnell abgehandelt. Einige Thematiken hätten für mich noch intensiver, kritischer beleuchtet werden können.

Trotz alledem habe ich vor allen Dingen Elvis und Ellen sehr gerne begleitet und konnte die Figuren “ gut gehen lassen“ . Das Ende an sich, fand ich gut gewählt. Es hat sich realistisch angefühlt. Man weiß halt eben nie genau, wo es im Leben noch hingeht.
Profile Image for Alexandra .
936 reviews371 followers
May 8, 2020
Dieser gelungene Roman von Martina Borger erzählt eine sehr gute Geschichte und beschäftigt sich mit einem wichtigen Dilemma von Frauen, die gerade eine Patchworkfamilie gegründet haben. Wenn der Verdacht besteht, dass dem eigenen Kind körperlicher oder auch sexueller Missbrauch passiert ist, stellt sich die Frau dann automatisch auf die Seite des Kindes, untersucht massiv die Verdachtsmomente gegen den neuen Partner und beschuldigt diesen auch noch gleich? Wo beginnt das aktive Wegschauen von Frauen, die Misshandlungen des Partners nicht wahrhaben wollen und wo beginnt die unfaire Verdächtigung, die eine eigentlich gute Beziehung zerstört, weil auch das Vertrauen unnötig ruiniert wurde? Was liegt zwischen diesen Polen? Wie spielt auch das Umfeld bei den Beschuldigungen mit, ab wann muss man sich bei Verdacht einmischen, wann ist man ungerecht? Diese leise Geschichte rollt das umfassende moralische Dilemma, mit dem eigentlich jeder, auch Menschen, die keine Kinder haben, irgendwann einmal als Zeuge konfrontiert sein könnte, richtig gut auf.

Sina hat nach jahrelanger Alleinerzieherschaft und einigen ökonomischen, beziehungsmäßigen und organisatorischen Katastrophen plötzlich den Jackpot gezogen. Ihr ständiges Betreuungsproblem löst sich unvermittelt in Luft auf, denn der Sohn Elvis ist bei der Nachbarin, der etwas einsamen Pensionistin und Buchhändlerin Ellen gut aufgehoben. Zudem hat sich Sina in einen neuen Partner, den arbeitslosen, geschiedenen Ex-Alkoholiker Thorsten Hals über Kopf verliebt, der dann auch noch einen guten Job ergattert und sein Leben endgültig in glückliche Bahnen lenkt. Alles ist total paletti, Thorsten hat zwar sein Paket an Beziehungs- und persönlichen Bürden aus der Vergangenheit zu tragen – wie eigentlich alle geschiedenen Personen eine Vorgeschichte haben – aber er ist selbstreflektiert, hat Therapie gemacht, ehrlich kommuniziert und ihr nichts verheimlicht. Er ist im Gegensatz zu ihrem unzuverlässigen Ex-Mann vertrauenswürdig, liebevoll, ein großartiger Partner und versteht sich als Vorbild und Stiefvater mit Elvis recht gut.

Bis zur Seite 100 transformiert sich das bisherige Chaosleben von Sina in eine glückliche Wohlfühlwelt, die Autorin stellt so nebenbei auch noch alle Figuren liebevoll auf und entwickelt sie ebenso. Doch im Hintergrund wabert schon bedrohlich irgendein Ungemach – so wie der drohende Hintergrundton in Filmen wie „Der weiße Hai“ – das dem Leser doch einiges an Dramaturgie und Spannung beschert.

Leider dauerten mir persönlich dieses Vorgeplänkel und das Aufstellen der Figuren um eine Nuance zu lange. Erst auf Seite 209 kommt das eigentliche Drama heraus – das war mir dann um hundert Seiten zu wenig zügige Dramaturgie und Tempo. Bitte versteht mich nicht falsch, das ist mein Jammern auf hohem Niveau und ich erkläre dadurch lediglich bei einer Fünf-Sterne-Bewertung den Abzug eines Sternes. Das Buch ist trotzdem sehr gut.

Dann steht die Katastrophe unvermittelt quasi wie eine dunkle Wolke im Raum und in Sinas Leben. Nach einem Wochenende inklusive Campingausflug mit Thorsten und einer Übernachtung bei Elvis Freund hat Ellen bei Elvis Verletzungen am ganzen Körper festgestellt. Der Junge möchte nicht darüber reden und es bringt gar nichts, in ihn zu dringen. Zuerst versucht Sina noch zu verdrängen, was Ellen ihr erzählt hat, aber nach ein paar Wochen bemerkt auch die Lehrerin blaue Flecken. Fest steht, während der Übernachtung bei Elvis Freund ist nichts passiert und Elvis und Thorsten haben miteinander ein Geheimnis. Für die Mutter bricht die ganze idyllische Familie mit einem Schlag auseinander und irgendwann kann sie die Augen auch nicht mehr vor ihrem Verdacht verschließen, sie konfrontiert Thorsten mit ihren vermuteten Beschuldigungen. Schließlich muss sie als gute Mutter diese Frage bohrend stellen. Leider zerbricht die noch sehr junge, bisher glückliche Beziehung sofort, Thorsten kann das mangelnde Vertrauen nicht akzeptieren und trennt sich schlagartig. Aber auch andere Kollateralschäden wurden in unterschiedlichen Beziehungen verursacht, sie sind fast alle kaputt, denn Ellen macht sich Vorwürfe, vielleicht überreagiert zu haben, Sina will mit Ellen nichts mehr zu tun haben und dadurch kann auch Elvis mit seiner guten Freundin nichts mehr unternehmen.

Lange weiß auch die Leserschaft nicht, ob Thorsten schuldig ist oder nicht. Eine Wendung im Plotfinale spielt dann noch einmal grandios mit der berechtigen Thematisierung dieses Dilemmas, in dem alle beteiligten Personen verstrickt sind und dem Umstand, dass solch ein zu schnell geäußerter Verdacht auch eine Menge unfairen Schaden anrichten kann, indem er an Unschuldigen kleben bleibt. Irgendwie hatte ich in diesem Szenario mit allen Figuren, die Opfer der Umstände geworden sind und dadurch alle auseinandergerissen wurden, beziehungsweise deren Positionen und Nöten Verständnis und Mitgefühl. Das war richtiggehend herzzerreißend, wie gute Menschen, die sich alle richtig verhalten, trotzdem völlig ausweglos in solche Katastrophen schlittern können. Am Ende gibt es einen kleinen Silberstreif am Horizont, der aber nur als Möglichkeit angedeutet wird.

Fazit: Eine sehr einfühlsame, äußerst sensible Auseinandersetzung mit dem Thema Patchworkfamilie und Missbrauch von Kindern. Ein ausgezeichnetes Psychogramm der Figuren und ein Plot, der ein wichtiges Thema von vielen Seiten beleuchtet. Lesenswert!
Profile Image for Sarah Sophie.
283 reviews260 followers
July 23, 2020
Welche berufstätige Mama kennt ihn nicht? Den Spagat zwischen Haushalt, Job und Kindern?? Genauso geht es Sina, alleinerziehende Mama vom 8-jährigen Elvis. Sie hätte so gern mehr Zeit für all die schönen Dinge zwischen Mama und Sohnemann und doch nimmt sie der Beruf sehr in Anspruch. Elvis verbringt viel Zeit mit Ellen, einer älteren Dame aus der Nachbarschaft. Die Zeit bei ihr genießt der Junge sehr, sie hat Geduld, Empathie und dazu noch einen Hund! Eines Tages fällt Ellen auf, dass Elvis bedrückt wirkt und macht eine erschreckende Entdeckung. Ein Gespinst aus Fragen, Gerüchten und Sorge entspinnt sich. Alle meinen es doch gut mit Elvis, warum wird der Kleine immer zurückhaltender und stiller??

Ein Schreibstil der mir am Anfang etwas distanziert vor kam, dann aber immer spannender und eindringlicher wurde. Ich wollte unbedingt hinter die Fassaden schauen und erfahren, was Elvis widerfahren ist. Wie eine Schlinge die sich immer weiter zu zieht fühlte sich dieses Buch an. Toll! 4 Sterne von mir!
Profile Image for Tuti.
462 reviews47 followers
August 9, 2020
(read in german) mir hat es sehr gut gefallen. berührende geschichte um eine end-sechzigjährige, ellen, die alleine mit ihrem hund lebt, in münchen - und wegen der teuren wohnung noch verschiedene nebenjobs annimmt - zeitungsaustragen, nachhilfeunterricht - über den sie den kleinen elvis kennenlernt, und in kontakt mit sina, seine alleinerziehende mutter, kommt. sina hat ihre eigenen probleme, ihr job in einer werbeagentur wackelt, ihr neuer partner, torsten, hat endlich nach langer arbeitslosigkeit, einen job, aber das instabile gleichgewicht wird erschüttert, als ellen meint, mit dem jungen würde etwas nicht stimmen. behutsam und realitätsnah erzählt, man gewinnt den eindruck, es geht um leute, die man kennen könnte, die auch versuchen, das leben irgendwie zu verstehen und zu meistern, und sich ständig fragen müssen, wie sie es dabei schaffen sollen, die hohen mieten in einer stadt wie münchen zu zahlen. es zeigt das leben, wie es ist - und, ohne sich zu viel vorzunehmen, schafft es das ganz wunderbar. empfehlenswert.
Profile Image for miss.mesmerized mesmerized.
1,405 reviews42 followers
May 14, 2020
Zwei Frauen, die verschiedener kaum sein könnten. Ellen ist bereits im Ruhestand, mit Zeitungen austragen und Nachhilfeschülern kommt sie gerade so über die Runden. Sie genießt das ruhige Leben, Trubel hatte sie genug und nun ist es Zeit, das Leben so zu gestalten, wie sie es möchte. Sina steckt mit Mitte 30 zwischen den bekannten Polen Karriere in einer Werbeagentur und ihrem Sohn Elvis, dem sie nicht gerecht werden kann, weil ihr Job und auch die neue Beziehung regelrechte Zeitfresser sind. Als Elvis bei Ellen die Nachhilfe beginnt, ist dies der Anfang einer ungewöhnlichen Freundschaft. Der zurückhaltende Junge blüht bei der agilen Seniorin auf, lernt einen anderen Blick auf die Welt und ist vor allem von Ellens Hund restlos angetan.

Martina Borgers Roman ist eine ruhige Geschichte über die unscheinbaren, völlig normalen Menschen, die nicht im Mittelpunkt stehen (wollen), aber durchaus aufmerksam die Welt um sich herum beobachten. Die unaufgeregte Erzählweise öffnet den Raum für die vielen Zweifel, die die Figuren in ihrem Alltag begleiten, nicht zwingend die ganz großen Tragödien und Ereignisse, sondern die Kleinigkeiten, die an ihnen nagen und sie belasten. Man kann ihre Gedanken leicht nachvollziehen, spiegeln sie doch das wieder, was viele aus ihrem eigenen Leben kennen. Und trotz all dieser fast banalen Gewöhnlichkeit, haben sie etwas Besonderes in sich, dass sie interessant macht und weshalb man ihre Geschichte verfolgt. Es ist genau dieser kleine Funke, der einem in der Realität manchmal durchgeht und weshalb man nicht merkt, welch interessante Menschen einem begegnen.

Sina erlebt den klassischen Zwiespalt der arbeitenden Mutter, die immer das Gefühl hat, nicht genügend Zeit und Geduld für ihren Sohn zu haben und unter dem permanent schlechten Gewissen leidet. „Wir holen alles nach“ bleibt ihr unermüdlich wiederholtes Mantra, irgendwann, wenn mal Zeit ist. Sie ist zwar froh darüber, wie gut es Elvis bei Ellen geht, wie er offenbar der unscheinbaren Zeitungsausträgerin aufmerksam zuhört und die Tage mit ihr genießt, aber der Ärger, dass die fremde Frau ihrem Sohn gibt, was sie ihm geben sollte, nagt auch an ihr. Verschärft wird die Situation plötzlich, als Vorwürfe von Misshandlung aufkommen und sie beginnt, an ihrem neuen Partner zu zweifeln.

Ellen wiederum kann sich nicht wirklich von den Erwartungen ihres Familien- und Freundeskreises lösen, die ihr immer wieder vorhalten, dass sie zu viel alleine ist. Gerne würde sie ihre Söhne häufiger sehen, die angespannte finanzielle Lage jedoch verhindert dies immer wieder. Der junge Elvis scheint jedoch genau zu ihrem Rhythmus zu passen und von der ersten Minute an harmonieren sie miteinander. Muss sie sich nicht um ihn kümmern, kommen aber auch unweigerlich Erinnerungen in ihr hoch, ein Großteil ihres Lebens liegt nun schon hinter ihr und manche Dinge hätten womöglich auch einen ganz anderen Ausgang nehmen können.

Der Roman besticht durch seine Ruhe und den gelassen-bedachtsame Erzählton. Miete, Job, Familie - genau dieselben Sorgen, die jeden plagen, beschäftigen auch die Figuren. Dazwischen können Menschen, vor allem Kinder, schon einmal aufgerieben werden, aber manchmal wartet an unerwarteter Stelle genau der eine Mensch, der die richtigen Worte findet und allein schon durch seine Präsenz ganz viel auffängt. Ein Roman wie gemacht für das Frühjahr 2020, gibt er so viel bekanntes Leben zurück, das uns mit social distancing und Rückzug ins HomeOffice genommen wurde.
Profile Image for Jemima.
322 reviews24 followers
April 10, 2020
Ellen ist Rentnerin und bessert ihren Lebensunterhalt mit Zeitungen austragen und Nachhilfe aus. Elvis ist 8 und einer von Ellens Nachhilfeschülern. Als Elvis Mutter Sina in den Schulferien eine Ferienbetreuung für Elvis sucht, ist Ellen die Lösung. So lernen sich Ellen und Elvis über die Nachhilfe hinaus besser kennen.

Auch wenn der Konflikt des Romans etwas vorhersehbar war, habe ich das Buch sehr gern gelesen. Ich mochte die Charaktere Sina, Ellen und Elvis sehr gerne. Das Buch lebt vor allem von der Freundschaft den beiden letztgenannten.

Ellens aufmerksame Art, Selbstständigkeit und Lebensweise haben mir sehr gefallen. Sie und Elvis scheinen neben den gemeinsamen Interesse für Hunde auch so eine Art Familienersatz ineinander zu finden.

„Wir holen alles nach“ könnte hier in meiner Nachbarschaft spielen. Alles ist sehr alltäglich beschrieben und trotzdem wurde die Lektüre nicht langweilig.
Profile Image for Katharina S.
26 reviews4 followers
September 11, 2020
Ein Buch, das ich (bei allerdings auch überschaubarem Umfang) an zwei Tagen durchgelesen habe, weil die Geschichte auf mich einen starken Sog ausgeübt hat. Der Schreibstil ist eher nüchtern und knapp gehalten, aber die Figuren kommen einem trotzdem (oder gerade deswegen?) sehr nahe und wachsen einem mit ihren Macken und Fehlern ans Herz. Ich wollte immer wissen, wie es mit ihnen weitergeht. In kurzer Zeit werden viele bedeutsame Themen angesprochen, manchmal empfand ich dadurch die Geschichte fast als etwas dozierend, aber dafür möchte ich hier keinen Stern abziehen. Die Handlung fand ich stimmig, das Ende versöhnlich, aber nicht so weichgespült, dass es ins Unrealistische abgedriftet wäre. Klare Leseempfehlung!
Profile Image for Linda.
26 reviews
April 15, 2024
Mir hat in dem Buch leider etwas die Emotion und das Gefühlsleben der Charaktere gefehlt, der Schreibstil ist sehr abgeklärt. Das ist schade, weil die Idee und die Geschichte wirklich gelungen sind, ich mich dadurch aber nicht verbunden gefühlt habe mit den Hauptfiguren. Die Aufklärung der Geschehnisse in den letzten Kapiteln wurde leider recht schnell abgehandelt und es wirkte ein bisschen so, als hätte Martina Borger nur noch soundsoviel Seiten übrig gehabt, um die Geschichte zu Ende zu bringen.
Profile Image for Agnieszka Hofmann.
Author 24 books57 followers
March 8, 2023
Ciepła, napisana z dużą empatią opowieść, w której jest i o molestowaniu, i macierzyństwie, o starości i samotności, o przyjaźni. Nic wielkiego, na pewno nie wielka literatura, ale coś jak dobra herbata w deszczowe popołudnie.
Profile Image for Lena.
69 reviews
July 3, 2025
Hat mir sehr gut gefallen, ein Roman der sich gut weg lesen lässt und zum Nachdenken anregt.
Profile Image for Vicky.
288 reviews32 followers
April 14, 2020
Zwischen Hamsterrad und “letzten Malen”

Selten hat ein Titel besser zu seinem Roman gepasst, finde ich. "Wir holen alles nach" - eine oftmals leere Versprechung. Kann man im Leben überhaupt Dinge "nachholen"? Schwierig.

Die beiden Protagonistinnen des Romans, aus deren Sichtweise abwechselnd erzählt wird, stehen jeweils an anderen Stationen bzw. Wendepunkten ihres Lebens.

Sina ist die, die ihren achtjährigen Sohn Elvis ständig mit einem "Wir holen alles nach" vertröstet. Sie ist Mitte 30, in der Rushhour des Lebens sozusagen, und versucht Vollzeitjob (in einer Werbeagentur), Kind (sie ist alleinerziehend, der Vater lebt in einer anderen Stadt, zum Glück ist er gut situiert und zahlt seinen Beitrag) und neue Beziehung (mit Torsten, einem trockenen Alkoholiker) unter einen Hut zu bringen. Ein schwieriger Chef, die horrenden Lebenshaltungskosten in München und die vermeintlich perfekten Mütter der anderen Kinder machen ihr zusätzlich zu schaffen. Dazu kommt noch der Druck, dass Elvis es wenn möglich aufs Gymnasium schaffen sollte - doch der tut sich schwer in der Schule. Hier kommt Ellen ins Spiel.

Ellen hat das, was Sina gerade durchmacht, längst hinter sich gelassen. Die beiden Söhne sind erwachsen und schon lange aus dem Haus. Ihr Mann Jock ist mit Mitte 40 verstorben - das ist mittlerweile 25 Jahre her. Sie hatte neben ihrem Hausfrauendasein noch einen Teilzeitjob in einer Buchhandlung, inzwischen ist sie seit kurzem in Rente. Mit Ende 60 wird ihr bewusst, wie viel sie bereits zum “letzten Mal” getan hat und wie viel sie nie mehr tun wird. Eine Stelle, an der ich innerlich schlucken musste.
Ellen muss ihre kärgliche Rente mit einem Job als Zeitungsausträgerin und Nachhilfestunden aufbessern, damit sie sich ihre Wohnung in München und Reisen zu ihrer Freundin und zu ihren Söhnen, leisten kann. Sina wird auf Ellen aufmerksam und ihr Sohn Elvis wird deren Nachhilfeschüler. Daraus entwickelt sich eine generationenübergreifende Freundschaft, bei der auch Ellens Hund eine große Rolle spielt. Doch dann verändert sich Elvis plötzlich über Nacht…

Im Roman werden gesellschaftlich brisante und relevante Themen angesprochen, die sehr realitätsnah in den Lebensgeschichten der beiden Hauptfiguren gespiegelt werden. Zum einen die anspruchsvolle Situation von Alleinerziehenden, die zwischen dem Druck von außen und innen zermürbt werden. Man selbst muss Karriere machen und Geld verdienen, das Kind muss untergebracht werden, sollte beliebt sein und natürlich aufs Gymnasium, so dass ihm alle Chancen offen stehen. Dass zwischen Büro, Schule, Nachhilfe und Hort nur wenig Familienzeit bleibt, ist traurig, aber leider für viele Menschen die harte Realität. Daneben natürlich die Sache mit der Altersarmut, die bei Ellen in einer abgemilderten Form zum tragen kommt. Sie nagt nicht am Hungertuch, aber sie muss für einen gewissen aber doch eher bescheidenen Lebensstandard nochmal ran - wo andere längst mit der Arbeitswelt abgeschlossen haben.

Obwohl es es sich um eine eigentlich ganz alltägliche Geschichte handelt, die sich so in vielen deutschen Städten - vor allem aber tatsächlich in München - abspielen könnte, hat mich dieser Roman unheimlich berührt. Die zarte, menschliche Beziehung zwischen Elvis und Ellen, der stille Kampf Sinas um ein halbwegs normales, gutes Leben. Die Reflexionen Ellens über ihr Leben und über ihre Vergangenheit. Das hat alles eine ganz besondere Tiefe.

Martina Borger erzählt eine intensive, schnörkellose Alltagsgeschichte, die auf eine ganz besondere Weise berührt und unter die Haut geht. Absolut lesenswert!
Profile Image for wortvielfalt.
226 reviews18 followers
August 19, 2020
‚Wir holen alles nach‘ von Martina Borger erzählt die Geschichte von zwei Frauen. Ellen und Sina. Beide leben in München. Ellen ist früh Witwe geworden, ihre Kinder sind schon lange aus dem Haus, die beiden Söhne sieht sie selten, denn sie leben in Köln und Schweden. Ihre beste Freundin wohnt auch nicht mehr in unmittelbarer Umgebung. Da sich die Rentnerin ein Leben in München von ihrer Rente allein nicht leisten kann, verdient sie sich noch etwas Geld dazu. Sie trägt morgens Zeitungen aus. Und gibt Nachhilfeunterricht. Eines der Kinder, das zum Nachhilfeunterricht kommt, ist Elvis. Elvis ist Sinas Sohn. Und ein eher schüchterner, introvertierter Junge, der aber sofort eine Verbindung zu Ellen und ihrem Hund hat. Auch Elvis scheint manchmal einsam zu sein. Seine Mutter ist alleinerziehend, sein Vater hat selten Zeit und ist auch nicht sehr zuverlässig. Sina würde als alleinerziehende Mutter gerne so viel mehr leisten und Zeit für ihr Kind haben, doch da ist die Arbeit in der Werbeagentur und seit kurzem hat sie einen neuen Partner, der ihr wirklich gut tut. Während beide Frauen ihren Alltag so meistern, bringt eine Kleinigkeit alles durcheinander...

Schon nach wenigen Seiten war es um mich geschehen. Der Schreibstil von Martina Borger hat mich sofort irgendwie gefesselt. Er ist einerseits so klar, fast nüchtern, und doch steckt so viel Thema, so viel Bedeutung, so viel Gefühl in so wenigen Zeilen, dass ich schon nach wenigen Seiten das Gefühl hatte, dass dieses Buch hier einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen bekommen könnte. Martina Borger erzählt die Geschichte von Ellen und Sina so ruhig und doch so kraftvoll, dass ich einfach gefesselt wurde.

Und auch wenn der Schreibstil nicht sehr ausschmückend ist, habe ich mich den Charakteren so nah gefühlt. Ich finde, dass man besonders die inneren Konflikte, die die Frauen jeweils austragen, so gut nachvollziehen kann, selbst wenn man diese Konflikte selbst nicht erlebt hat. Ohne zu viel zu verraten, geht es zum Beispiel um den Spagat, den alleinerziehende, arbeitende Elternteile vollbringen müssen, vollbringen wollen. Und um Familiendynamiken. Um Einsamkeit im Alter. Und und und. Einfach ein Buch, das so viel so besonders thematisiert. Ich mochte beide Frauen auf Anhieb. Und die Verbindung zwischen Ellen und Elvis hat mich so gerührt und bewegt, ich war wirklich mittendrin statt nur dabei. Und dabei sind das (noch?) alles keine Themen, die meinen eigenen Alltag bewegen. Ich glaube aber, dass viele Frauen, viele Menschen, sich in diesem Buch an der ein oder anderen Stelle wiederfinden können.

Trotz des ruhigen Erzählstils gibt es ein Ereignis in der Geschichte, was den Spannungsbogen nach und nach etwas aufbaut. Für mich hat sich das total harmonisch eingefügt, es war nicht effekthascherisch geschrieben, sondern so behutsam, so vorsichtig und doch auch drängend. Ich kann es nur wiederholen: ich bin wirklich begeistert.

Für mich ist ‚Wir holen alles nach‘ von Martina Borger eine echte Überraschung. Nachdem ich von dem Klappentext schon interessiert war, hat mich letzten Endes neben der Geschichte vor allem die Erzählweise so begeistert. Ich möchte auf jeden Fall noch mehr von Martina Borger lesen und bin neugierig auf neuen Lesestoff aus ihrer Feder.
Profile Image for Susanne Probst.
104 reviews8 followers
May 31, 2020
München. Frühmorgens im Sommer.

Wir treffen die 68-jährige Rentnerin Ellen mit ihrem Hund auf ihrer Tour an. Sie trägt Zeitungen aus, um ihre Rente aufzubessern.
Aus dem gleichen Grund gibt sie auch Nachhilfe. Der achtjährige Elvis, der bei seiner Mutter Sina und deren kürzlich eingezogenem Partner Thorsten lebt, ist einer ihrer Schüler.

Als Sina, die viel arbeiten muss und ständig auf der Suche nach Betreuungsmöglichkeiten für ihren Sohn ist, Ellen bittet, den Jungen in den Ferien zwei Wochen zu betreuen, sagt die Rentnerin nicht zuletzt wegen des verlockenden Verdienstes zu.

Am Montag der zweiten Woche kommt Elvis nach einem Zeltausflug mit Thorsten, seinem „Stiefvater“, wieder zu Ellen. Er ist völlig verändert.
Er ist wortkarg, desinteressiert, müde und hat Bauchweh.

Und dann macht Ellen eine Entdeckung. Sie erzählt es Sina…

Der 304-seitige Roman ist unterhaltsam, kurzweilig und stellenweise berührend.
Er liest sich flüssig und obwohl ich recht bald ahnte, in welche Richtung es ging, ließ mein Interesse nicht nach. Dass ich dann von einer etwas anderen Auflösung als erwartet überrascht wurde, freute mich.

Martina Borger spricht m. E. eine recht breite weibliche Zielgruppe an, indem sie die Lebenslagen von zwei Frauen aus verschiedenen Generationen gut beleuchtet. Sie geht sowohl auf die (fast) alleinerziehende Sina als auch auf die Rentnerin Ellen recht ausführlich ein.

Dabei malt sie allerdings ein ziemlich düsteres und pessimistisches Bild. Das Leben diese beiden in der Großstadt lebenden Frauen scheint überwiegend aus Sorgen und Katastrophen zu bestehen. Schwere und Ernst überwiegen.
Das Schöne tritt eher in den Hintergrund, auch wenn es letztlich ein versöhnliches Ende mit einer Freundschaft zwischen jung und alt gibt.

Die Autorin bringt in ihrem Buch zahlreiche aktuelle, bedeutsame und komplexe Themen unter.
Für meinen Geschmack waren es zu viele.
Sie geht auf die Sorgen und Nöte alleinerziehender Mütter, Patchworkfamilien, Altersarmut, Umwelt- und Klimaschutz, Achtsamkeit und Zivilcourage, Alkoholismus, Zivilcourage, Misshandlung, Mobbing, Verlust und Trennung ein.
Klingt nach viel? Ist es auch!

Martina Borger streift all diese Themen, bleibt dann jedoch sehr an der Oberfläche und versäumt es, auf Konsequenzen und komplexe Folgen einzugehen bzw. diese mehr als nur anzudeuten.
Diese Tatsache könnte zu der Bewertung führen, dass es sich hier um ein Buch handelt, das einerseits schwergewichtig sein möchte, andererseits aber nicht genügend tiefgründig ist.

Aber vielleicht wollte die Autorin gar kein schwergewichtiges, tiefgründiges und allzu ernsthaftes Buch schreiben.
Vielleicht hatte sie eine andere Intention.
Vielleicht wollte sie mit ihrem Roman einfach nur gut unterhalten sowie gleichzeitig einen Anstoß zum Nachdenken und Diskutieren geben.
Und das ist ihr auf jeden Fall gelungen.



Profile Image for Gitti.
1,176 reviews
August 20, 2020
Sina hat ein Problem. Mal wieder springt ihr Ex-Mann kurzfristig von einem vereinbarten Termin ab und nun muss sie ihren Sohn Elvis irgendwie anders betreuen lassen. Glücklicherweise gibt es da Ellen, die ihm sonst Nachhilfe gibt und sich bereit erklärt, Elvis für zwei Wochen zu betreuen.
Ellen ist Renterin und ihre Rente reicht nicht zum Überleben, so trägt sie Zeitungen aus und gibt Nachhilfe. Die Extra Betreuung von Elvis gibt ihr finanziellen Spielraum.

Was für ein wunderbares Buch! Man ist von der ersten Zeile an voll mit dabei und lernt erst Ellen und dann Sina und Elvis kennen. Ellen ist eine ganz wunderbare, freundliche Frau, die es sich in ihrem Leben eingerichtet hat, wie es ihr gefällt. Schon lange ist sie verwitwet, aber sie hat gute Freunde, einige Nebenjobs und einen Hund, den sie sehr liebt.
Sina ist seit geraumer Zeit alleinerziehend und reibt sich auf mit ihrem Job und ihrer Rolle als Mutter. Irgendwie hat sie das Gefühl nicht genug für Elvis da zu sein. Und Elvis erst! So ein lieber Junge. Sehr in sich gekehrt, aber wissbegierig. In den Wochen mit Ellen saugt er alles in sich auf und ist mit einfachen Ausflügen voll und ganz zufrieden. Er liebt Ellens Hund heiß und innig, ist doch auch sein größter Wunsch, einen eigenen Hund zu haben. Doch eines Tage verändert sich der eh schon ruhige Junge und wird immer stiller. Als Ellen und seine Lehrer blaue Flecken bei ihm bemerken und dies melden, verselbstständigen sich die Ereignisse plötzlich und Sina muss ihr gesamtes Leben überdenken.

Die Autorin hat einen wirklich tollen Schreibstil, es macht großes Vergnügen das Buch zu lesen. Ellen ist mir schnell ans Herz gewachsen, ich mochte ihre ruhige und überlegte Art. Ihre Zeit gemeinsam mit Elvis war einfach toll zu lesen. Sina hätte ich zwischendrin gerne mal schütteln mögen, aber ich konnte ihre Handlungsweise gut nachvollziehen. Sie balanciert durch ihr Leben und jede noch so kleine Veränderung kann alles aus dem Lot bringen.
Die Autorin spielt mit dem Leser, gibt gewisse Gedankengänge quasi vor, nur um dann aufzuzeigen, dass die naheliegendste Lösung nicht immer die richtige ist und man manchmal doch noch genauer hinschauen muss.

Für mich ist dieses Buch auf jeden Fall eines meiner Jahreshighlights, ein richtig tolles Wohlfühlbuch.
Profile Image for Christina.
160 reviews
April 13, 2020
Dies ist das erste Buch, welches ich von der Autorin gelesen habe und mittlerweile das dritte Buch aus dem Diogenes Verlag. Das Cover und die kurze Beschreibung haben mich sehr angesprochen, aber ich bin ohne Erwartungen an das Buch herangegangen.

Die Geschichte spielt in der Großstadt München und behandelt viele aktuelle Themen, mit denen sich Menschen in ganz Deutschland herumschlagen müssen. Zum Einen das Problem der teuren Mieten, zum Anderen aber auch Probleme wie Altersarmut, Stress im Job, Druck, bereits in der Grundschule, auf Schüler und auch die Herausforderungen die Alleinerziehende täglich meistern müssen. Die Protagonistin Ellen ist Witwe und lebt von einer kleinen Rente. Daher geht sie morgens Zeitungen austragen und gibt außerdem Kindern Nachhilfe. Sina war lange alleinerziehend und hat jetzt einen neuen Partner, der aber auch einige Probleme hat. Sie hat großen Stress auf der Arbeit und ihr Sohn Elvis bleibt daher leider oft ungewollt auf der Strecke. Er soll aber unbedingt auf ein Gymnasium gehen, daher wird Ellen als Nachhilfelehrerin engagiert.

Auch wenn meine Lebenssituation eine ganz andere ist, konnte ich mich sehr gut in die beiden Figuren hineinversetzen. Die Autorin beschreibt die Figuren sehr detailliert und realistisch.

Der Schreibstil von Martina Borger ist eingängig und das Buch ist mit knapp 300 Seiten sehr kurzweilig. Trotz der vielen verschiedenen Themen ist das Buch nicht komplex und die Probleme von drei Generationen werden behandelt. Jede Figur hat verschiedene Interessen und trotzdem brauchen sich alle irgendwie gegenseitig.

Im Klappentext wird angedeutet, dass dem Jungen Elvis etwas Schlimmes passiert. Die Autorin weiß gekonnt mit den Themen Vorurteile und Gerüchte umzugehen und hält dem Leser am Ende einen Spiegel vor das Gesicht.

Fazit:

Das Buch hat traurige Momente, spendet aber auch Hoffnung und hat rührende Szenen. Ich bin ohne Erwartungen an das Buch herangegangen und wurde mit einem Lesehighlight überrascht.
Dieser hochaktuelle Roman betrifft jeden und die Geschichte von Sina und Ellen kommt so in Deutschland wahrscheinlich sehr oft vor.

Daher gibt es eine klare Leseempfehlung und 5 Sterne von mir!
Profile Image for Andrea.
596 reviews3 followers
August 28, 2023
Books should have a warning label when something bad happens to the dog. Still, credit for lovely writing, shifting perspectives, believable, relatable characters.
113 reviews
October 13, 2024
Eine herzerwärmende Geschichte, vor allem Elvis und Ellen gehen einem direkt ins Herz!Absolute Empfehlung!!!
Profile Image for mari_liest.
317 reviews
August 24, 2020
Sina ist alleinerziehende Mutter des 8-jährigen Elvis und beide leben, nach der Scheidung von ihrem Mann David, in München. Sina arbeitet in einer Werbeagentur als Assistentin und ihr Job ist sehr zeitintensiv, oftmals verlangt ihr Chef sogar am WE den Einsatz seiner Mitarbeiter*innen. Daraus resultiert, dass sie immer weniger Zeit für ihren Sohn hat, der für sein Alter noch ziemlich schüchtern und introvertiert ist. Da Elvis‘ Notendurchschnitt verbessern muss, aufgrund der Qualifikation für das Gymnasium, sucht Sina für ihn eine Nachhilfelehrerin. So trifft Elvis auf Ellen und ihren Hund. Bei Ellen blüht der Junge auf, spricht viel mit Helen, baut eine intensive Beziehung mit ihrem Hund auf. Auch mit Torsten, dem neuen Freund seiner Mutter, versteht Elvis sich gut, auch wenn er an seinem Vater, der ihn immer wieder versetzt oder vertröstet, vergöttert. Als Helen auf Elvis‘ Körper blaue Flecken sieht, nimmt die Geschichte für die gesamte Familie von Elvis eine Wendung.
Martina Borger ist es gelungen, auch wenn Teile des Buches etwas langatmig waren, mit Finten und Fährten auf Probleme im Alltag hinzuweisen, und zwar mit einem imaginären, fetten Zeigefinger! Es geht um Notlügen, um Vorurteile, um die Schnelligkeit des Schubladendenkens – auch ich habe das ein oder andere Mal spekuliert im Laufe des Lesens. Und da wir oft denken, etwas gut zu meinen, bedenken wir im Vorhinein oftmals nicht, was wir damit anrichten können. Wir rechtfertigen unseren eigenen Übereifer mit dem „Gutmensch-Dasein“, ohne groß alle Fakten zu kennen. Einige Male sind mir Dinge aus den letzten Jahren eingefallen, und ich bekam hier einen Spiegel vor die Nase gehalten. Auch andere Themen wie Kommunikation und der Umgang mit Konflikten wird in dem Buch gut beschrieben.

Fazit:
Der Roman von Martina Borger spricht durchwegs mehrere Themen des Alltags an sowie auch Situationen, in die der eine oder andere von uns schon einmal geraten ist, an. Die Autorin hat es für mich klar geschafft auf wichtige Themen hinzuweisen und uns ab und an auch an die eigene Nase zu fassen, die Ohren besser zu spitzen und uns Zeit für Dinge zu nehmen, die uns wichtig sind. Die Geschichte hat mich sehr bewegt, auch emotional an einigen Stellen mitgenommen. Mein Highlight in dem Buch sind zwei Personen: Elvis und Ellen. Sie haben mein Herz erobert.
Der Schreibstil von Martina Borger ist klar, schnörkellos und „rund“. Mit war immer alles klar, auch wenn es immer wieder Perspektivenwechsel in der Geschichte gab. Ein Buch, dass auf der einen Seite etwas Leichtigkeit verströmt, auf der anderen Seite dennoch sehr in die Tiefe geht, wenn man es zulässt.
Von meiner Seite eine klare Leseempfehlung! 5/5 Sterne
Displaying 1 - 19 of 19 reviews

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