ZWISCHEN SCHAFFENSRAUSCH UND ZUSAMMENBRUCH Elfriede Lohse-Wächtler verlässt mit 16 Jahren ihr Elternhaus und wird freischaffende Künstlerin. Als sie sich in den Maler und Sänger Kurt Lohse verliebt, gerät sie in eine Lebenssituation, die sie in eine psychische Krise treibt. Persönliches Unglück, bittere Armut, Anstaltsaufenthalte und der menschenverachtende Nationalsozialismus bestimmen das Schicksal der hochbegabten Künstlerin. Ein ergreifender Roman, der die Innensicht und Situation der Malerin eindrücklich ans Licht bringt.
friedas geschichte ist definitiv eine, die erzählt werden muss. in ihrer kindheit wird sie vom vater geschlagen, als künstlerin hat sie es schwer, wird von ihrem mann betrogen und verlassen. sie erkrankt an einer schizophrenie, wird in eine anstalt zwangseingewiesen, zwangssterilisiert und zuletzt von den nationalsozialisten ermordet. leider muss ich aber sagen, dass ich mit dem erzählstil der autorin nix anfangen konnte und daher auch emotional nicht wirklich involviert war. mega schade.
Dagmar Fohl hat mit "Frieda" einen biographischen Roman über die junge Künstlerin Elfriede "Frieda" Lohse-Wächtler verfasst, der deren hartes Leben auf eine intensive Art einfängt.
Der Erzählstil aus der Sicht von Frieda ähnelt Tagebucheinträgen, in denen in wenigen Kapiteln, die die grobe zeitliche Einordnung darstellen, Ereignisse aus ihrem Leben und besonders ihre Gefühle dazu wiedergegeben werden. Man erlebt Friedas Weg als freischaffende Künstlerin, die mit ihrer für damalige Verhältnisse emanzipierten Art besonders bei ihrem Vater aneckt. Sie liebt die Kunst, gibt ihr Innerstes über ihre Bilder preis und braucht dieses "Ventil", um auch die schweren Zeiten zu überstehen. Und schwere Zeiten gibt es viele in ihrem Leben. Als anfangs unbekannte Künstlerin verdient sie mit ihren Bildern kaum Geld, lebt das Künstlerdasein aber zu intensiv, als dass sie einen "normalen Brotjob" annehmen könnte. Immer wieder muss sie Kompromisse eingehen und Bilder zeichnen, die ihr selbst nicht zusagen oder stattdessen Stoffe u.Ä. verkaufen. Sie schafft es gerade so, sich über Wasser zu halten. In diesen ärmlichen, aber für sie selbst freien Verhältnissen lernt sie Kurt Lohse kennen und lieben und kommt den Rest ihres Lebens nicht von ihm los - obwohl er sie immer wieder wie Dreck behandelt.
Durch den Erzählstil wird man als Leser regelrecht eingesogen von Friedas Leben und ihren Gefühlen. Dagmar Fohl hat sowohl die glücklichen als auch die schweren Zeiten und später Friedas psychische Krise in knappe, aber umso intensivere Worte gefasst. Ich fühlte mich Frieda die ganze Zeit über nahe und war fasziniert von ihrer Persönlichkeit und ihrer Entschlossenheit, niemals mit der Kunst aufzuhören, egal was ihr wiederfuhr. Sogar dass sie Kurt Lohse einfach nicht loslassen kann, habe ich ein Stück weit nachvollziehen können, so lebhaft werden Friedas Gedanken beschrieben.
Es ist schwer, dieses Buch aus der Hand zu legen, wenn man es erst einmal begonnen hat. Selten hat mich das Leben einer Person so mitgerissen, gefesselt und am Ende - als sich der Nationalsozialismus den geistig oder körperlich beeinträchtigten Menschen "annimmt" - fassungslos zurückgelassen. Dagmar Fohl hat mit "Frieda" ein Werk geschaffen, dass das Leben einer außergewöhnlichen Frau in einer Zeit deutscher Geschichte beschreibt, die niemals vergessen werden sollte.
Elfriede Lohse-Wächter hatte kein leichtes Leben. Als Künstlerin versuchte sie sich durchzuschlagen, doch ihr Mann Kurt Lohse gab das wenige Geld schnell aus. Das Ergebnis war ein ständiges Leben in Armut. Doch nicht nur die Armut zehrte an den Kräfte Friedas, auch die ständigen Streitereien in der Ehe. Das Ende der Beziehung überwindet sie im Endeffekt nie und wird dadurch in die Irrenanstalt Pira-Sonnenstein eingewiesen...
Elfriede Lohse-Wächters Leben ist eines der unfassbar tragischen Schicksale des Nationalsozialismus. Dagmar Fohl legt in ihrem Roman nicht den Fokus auf den Ablauf von Friedas Leben, sondern erstellt eine Innenansicht. Die Leserinnen verfolgen ihr Schicksal aus der Ich-Perspektive, die vor allen ihre Gedanken und Gefühle schildert. So erfasst man die Liebe zu Kurt Lohse, die durch die Streitereien immer mehr umschlägt. Ihre Gedanken werden verworrener, doch bis zum Ende ihres Leben bleibt sie klar. Sowohl Elfriede als auch die anderen Frauen wussten genau, was ihnen passiert. Dieser schonungslose Schreibstil der Autorin lässt einen erschüttert zurück. Zuerst musste ich mich an den Stil gewöhnen, weil ich mehr mit einem Buch, das dem Leben der Elfriede Lohse-Wächter nachgeht, gerechnet habe. Doch die Beschreibung der Gefühle macht es wesentlich eindrücklicher.
Zudem thematisiert die Autorin das Euthanasie-Programm der Nazis. Ein Thema, das vergleichsweise eher wenig Aufmerksamkeit bekommt. Alleine schon deswegen ein lesenswertes Buch!
Cover: Es zeigt Elfriede Lohse-Wächtler Meine Meinung: Für gewöhnlich lese ich so biografische Romane nicht, aber da ich für die Abendschule ein Referat über ebendiese Künstlerin verfassen musste. Und mir dann dieses Buch auf NetGalley angezeigt wurde. Ich finde es wirklich interessant. Es liest sich auch sehr gut. Mal besser und dann mal wieder auch etwas stockend. Auch wenn ich mir nicht wirklich sicher bin, wer kann es schon sein der Elfriede eben nicht wirklich persönlich kannte? Ob sie wirklich so war, wie es hier dargestellt wurde. Auch wenn es im Großen recht oberflächlich bleibt, gewann Elfriede für mich doch hier durch etwas mehr an Tiefe. Ihr Leben spielte ihr übel mit zu einer Zeit wo es in Deutschland drunter und drüber ging. Lesenswert