Kristina lebt seit acht Jahren in Bremen, weit weg von ihrer Heimatstadt Hanau und ihrer dunklen Vergangenheit. Als aber eines Abends ein mysteriöser Mann in dem Pub auftaucht, wo sie arbeitet, häufen sich die Zufälle und drohen, Kristinas mühsam aufgebautes neues Leben zu zerstören…
Ein fantastisches Buch, das meiner Meinung nach mehr, als „nur“ ein super spannender Thriller ist. Nach dem Lesen war ich nicht nur wegen der Geschichte und dem Schreibstil umgehauen, vor allem das Ende brachte mich zum Nachdenken: darüber, was und inwiefern man ein guter Mensch ist, und wie viel Verantwortung man für seine Vergangenheit hat. Geht das wirklich? Man sagt ja so schön auf Deutsch – ein neues Leben anfangen; als ob man für alles, was man in der Vergangenheit getan und gelassen hat, keine Verantwortung trägt, da es ja „damals“ war. „Damals war ich noch ein anderer Mensch“ oder „damals war ich nicht ich selbst“, bekomme ich oft zu hören und sage es teilweise selbst. Die Frage, inwiefern das gilt und ob das eine plausible Erklärung für Taten aus der Vergangenheit ist, gibt einem nach dem Lesen reichlich Denkstoff.
Die vielen ungeklärten Geheimnisse, die die verschiedensten Protagonisten in sich tragen, zeigen einem, wie wichtig Ehrlichkeit gegenüber anderen Menschen und vor allem sich selbst, wichtig ist, auch, wenn dies zu unangenehmen Situationen führen kann.
Das Buch ist in der Ich-Perspektive und im Präsens geschrieben, wodurch die Stellen, an denen es brenzlig wird, einem noch mehr unter die Haut gehen und man sich regelrecht im Geschehen verliert.
Während dem Lesen lernt man die dunklen Seiten von Hanau kennen und taucht mit Kristina in eine Welt ein, wo Alkohol und Drogen einfach dazugehören. Generell habe ich eher Schwierigkeiten, mich in Personen hineinzuversetzen, die tagtäglich feiern, sich betrinken und bekiffen, wahrscheinlich ist dies das erste Buch, wo ich so sehr mit der Protagonistin mitfühlen konnte, obwohl sie auf die schiefe Bahn geraten ist.
Trotz der teilweise unhöflichen und unangenehmen Personen, die die Autorin auch mit ihrem eigenen, nicht gerade gehobenen Wortschatz sprechen lässt, ist die Sprache im Buch nicht zu sehr umgangssprachlich, was ich persönlich sehr zu schätzen weiß.
Vor allem gegen Ende des Buches wird es heftiger, allerdings wurden ekelhafte Beschreibungen von Leichen vermieden. Der Fokus dieses Buches liegt bei dem psychologischen Teil, das Ziel der Autorin ist, mitzufiebern und sich nicht zu ekeln.
Dass der Leser durch die kurzen Beschreibungen der psychologischen Störungen, die im Buch vorkommen, auch etwas dazulernt, ist auch ein positiver Punkt.
Als super kritische Leserin finde ich eigentlich fast immer irgendeinen Aspekt, an dem ich etwas kritisieren kann, aber meiner Meinung nach mangelt es diesem Buch an nichts. Allerdings muss ich warnen: das Buch ist nichts für schwache Nerven.
Zum Abschluss noch mal vielen, vielen Dank dass ich dieses fantastisch tolle Leseerlebnis! Das Buch bekommt von mir seine verdienten fünf Sterne und eine absolute Leseempfehlung.