4,5⭐, aber aufgerundet für die Sichtbarkeit für dieses Thema
Die Darstellung von OCD in den Medien ist immernoch sehr stigmatisiert, weshalb Bücher wie dieses sehr wertvoll sind.
Ich habe großen Respekt dafür, dass Wittkamp so offen über seine Zwänge erzählt, die für Nicht-Betroffene unter Umständen nicht sehr nachvollziehbar sein können.
Als Betroffene habe ich mich aber sehr gesehen gefühlt, auch wenn ich mich natürlich nicht mit allen Zwängen zu 100% identifizieren kann - das war aber auch gar nicht der Anspruch dieses Buchs, dafür ist OCD viel zu individuell. Trotzdem schafft es Wittkamp sehr gut, die Gefühle und Schwierigkeiten, die ein Leben mit OCD mit sich bringt, darzustellen. Solche ehrlichen Erfahrungsberichte sind erfrischend im Gegensatz zu anderen Büchern über Zwangserkrankungen, die manchmal sehr theoretisch und unnahbar sein können. Besonders schön war es für mich zu lesen, dass auch andere Betroffene ihre Zwänge nicht immer verstehen - aber sie sind halt da, und Wittkamp liefert hilfreiche Tipps, um den Alltag mit OCD ein bisschen besser zu meistern.
Das Buch ist trotz des Themas sehr kurzweilig, informativ und lustig. Auch wenn Wittkamps Schreibstil nicht immer komplett meinen Geschmack trifft, empfand ich es als sehr wichtig, der Krankheit mit Humor zu begegnen, ohne dabei die nötige Ernsthaftigkeit zu verlieren. Das Leben mit OCD ist schon hart genug, ein paar Witze und Lockerheit schaden definitiv nicht.
Ich kann dieses Buch jedem empfehlen - Betroffenen, die sich nicht so allein fühlen möchten, und Nicht-Betroffenen, die einen realistischen Einblick in das Leben mit OCD erhalten wollen.