Peter Wittkamp ist ein lustiger Mensch. Er schrieb bereits Gags für Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf und ist seit Jahren Hauptautor der »heute show online«. Außerdem verhalf er den Berliner Verkehrsbetrieben mit der Kampagne #weilwirdichlieben zu einem ganz neuen Image. Doch es gibt etwas, dass nur sehr wenige Menschen über ihn Er leidet seit mehr als 20 Jahren unter Zwangsstörungen. Und zwar deutlich heftiger, als »noch kurz mal schauen, ob der Herd wirklich aus ist«. Und da er selbst nun mal nicht ganz unwitzig ist, gerät das neben den wissenschaftlichen Fakten, die in einem solchen Buch nicht fehlen dürfen, bisweilen sehr humorvoll, ohne das Thema der Lächerlichkeit preiszugeben.
Eine Autobiographie die sehr gut erklärt wie eine Zwangsstörung funktioniert und sich auf das Leben Betroffener auswirken kann. Zwänge und Zwangsgedanken sehen von außen oft genug unnachvollziehbar aus, können aber sehr quälend sein und ernsthafte Folgen haben, unter anderem der soziale Rückzug, Depressionen, mehr Ängste, anstrengende, zeitraubende Verhaltensweisen und Angewohnheiten und ähnliches. Ein anderes Beispiel ist einen Handwerker anzuheuern um ein Loch neben einem öffentlichen Fahrradweg für 150€ zumauern zu lassen, wie Wittkamp. Klingt sicher erstmal witzig und übertrieben, ist es aber nicht.
Ich fand das Buch sehr ausgewogen zwischen eigener OCD-Lebensgeschichte und Aufklärung. Als selbst Betroffene Person fand ich das Buch zusätzlich hilfreich zur Reflektion, als Inspiration für neue Coping Strategien und als Motivation.
Ich bin sehr offen mit meinen Struggles, was mein OCD angeht ist mir aber vieles unangenehm, gerade die Zwangsgedanken, die in meinem Sozialleben auftreten. OCD ist unglaublich stigmatisiert oder der Stereotyp Sheldon Cooper kommt in den Sinn. Zwangsgedanken können auch unglaublich weird wirken. Viele Menschen unterstellen außerdem, dass den Zwangsgedanken ein wirklicher Drang hinterliegt - aber das ist es eben, was man sich selbst ebenfalls unterstellt. Ein Mensch mit OCD wird alles dafür tun um genau diese Aktion aus dem Zwangsgedanken zu vermeiden, es ist das genaue Gegenteil von einem Drang.
Jedenfalls ein gutes Stück Aufklärung, ich kann das Buch empfehlen!
Kurzweiliges Buch, wenn man noch nicht viel über OCD weiß. Ich habe viel gelernt! Der Text ist über weite Teile humorvoll gehalten – manchmal sehr lustig, manchmal sehr flach. Insgesamt solide 4 Sterne!
Peter Wittkamp habe ich zuerst auf Twitter entdeckt. Dort ist er als diktator unterwegs und ist sehr witzig. Es dauerte einige Zeit, bis ich feststellte, dass er auch Buchautor ist. Und ich war überrascht über den Titel und das Thema seines Werkes.
"Für mich soll es Neurosen regnen" ist ein witziges, aufklärendes und teils mahnendes Buch über Zwangsstörungen. Der Autor geht in seinem Werk schonungslos, aber humorvoll mit sich selbst und seinen Zwängen ins Gericht. Dabei zeigt er nicht nur die negativen Seiten, sondern beschreibt auch, wie sein sonstiges, sehr erfolgreiches Leben verläuft. Ich entdeckte, dass Peter Wittkamp für die BVG-Kampagne mitverantwortlich ist (wer sie noch nicht kennen sollte, einfach mal unter #weilwirdichlieben kringelig lachen). Er schreibt für die heute-show online und ist als Texter begehrt.
Gerade mit dieser beruflichen Vita empfinde ich es als mutig, nun mit offenem Visier über die eigenen Zwangsstörungen zu schreiben. Peter Wittkamp beschreibt diese nachvollziehbar und so konnte ich mir als Nicht-Betroffene ein gutes Bild davon machen, was es heißt, Dinge kontrollieren zu müssen oder den Kampf gegen den eigenen Geist aufzunehmen.
Doch es gibt nicht nur humorvolle und aufklärende Kapitel. Zum Ende hin nimmt uns der Autor mit in die Psychatrie und auf seinen Weg nach unten. Respekt und Anerkennung für diese Berichte. Sie sind nicht wertend, sondern beschreibend und Peter Wittkamp zeigt auch hier, dass in allem etwas positives stecken kann.
Das Buch ist für mich eine Mischung aus Biographie und Sachbuch. Durch die Kapiteleinteilung kann man es auch immer wieder in die Hand nehmen und episodenhaft lesen.
Wer also mal mehr über Zwangsstörungen wissen möchte als er bei Monk sieht, sollte hier zugreifen!
4,5⭐, aber aufgerundet für die Sichtbarkeit für dieses Thema
Die Darstellung von OCD in den Medien ist immernoch sehr stigmatisiert, weshalb Bücher wie dieses sehr wertvoll sind.
Ich habe großen Respekt dafür, dass Wittkamp so offen über seine Zwänge erzählt, die für Nicht-Betroffene unter Umständen nicht sehr nachvollziehbar sein können. Als Betroffene habe ich mich aber sehr gesehen gefühlt, auch wenn ich mich natürlich nicht mit allen Zwängen zu 100% identifizieren kann - das war aber auch gar nicht der Anspruch dieses Buchs, dafür ist OCD viel zu individuell. Trotzdem schafft es Wittkamp sehr gut, die Gefühle und Schwierigkeiten, die ein Leben mit OCD mit sich bringt, darzustellen. Solche ehrlichen Erfahrungsberichte sind erfrischend im Gegensatz zu anderen Büchern über Zwangserkrankungen, die manchmal sehr theoretisch und unnahbar sein können. Besonders schön war es für mich zu lesen, dass auch andere Betroffene ihre Zwänge nicht immer verstehen - aber sie sind halt da, und Wittkamp liefert hilfreiche Tipps, um den Alltag mit OCD ein bisschen besser zu meistern.
Das Buch ist trotz des Themas sehr kurzweilig, informativ und lustig. Auch wenn Wittkamps Schreibstil nicht immer komplett meinen Geschmack trifft, empfand ich es als sehr wichtig, der Krankheit mit Humor zu begegnen, ohne dabei die nötige Ernsthaftigkeit zu verlieren. Das Leben mit OCD ist schon hart genug, ein paar Witze und Lockerheit schaden definitiv nicht.
Ich kann dieses Buch jedem empfehlen - Betroffenen, die sich nicht so allein fühlen möchten, und Nicht-Betroffenen, die einen realistischen Einblick in das Leben mit OCD erhalten wollen.
Der ganze Humor bringt den Scham in die Geschichte. Ein ernstes Thema über das nicht oft gesprochen wird, wird so aufgelockert und einem näher gebracht. Jedem der sich für das Thema interessiert, kann ich das Buch wirklich empfehlen.
In diesem Buch erzählt der Autor seine eigene persönliche Geschichte von seinem Leben, das von Zwangsstörungen begleitet wird. Neben den autobiografischen Elementen wird auch Wissen zu dem psychischen Krankheitsbild vermittelt.
Der Autor beschreibt sein Leben mit OCD humorvoll und locker, ohne jedoch die heftigen Seiten zu verschweigen. Definitiv kein "normaler" Ratgeber, dafür ein tolle persönliche Annäherung.