Wenn die Demokratie in der Krise steckt und der gesellschaftliche Zusammenhalt bröckelt, geht es ans Kerngeschäft der Intellektuellen. Doch die hitzigen Debatten münden in fatale Polarisierungen. Ulrike Ackermann plädiert für eine Rückbesinnung auf antitotalitäre und liberale Traditionen, um die politische Mitte intellektuell neu zu besetzen.Die Gesellschaft zersplittert in immer neue Kollektive, die für ihre Gruppeninteressen kämpfen. Wichtige Kontroversen werden nicht aus der politischen Mitte heraus geführt, sondern entzünden sich von den Rändern her. Deutschlands Intellektuelle wie Joachim Gauck, Uwe Tellkamp, Harald Welzer oder Thea Dorn streiten um die Meinungsführerschaft. Gelingt es ihnen, die ideologische und moralische Polarisierung aufzubrechen? Ackermann fordert eine antitotalitäre Selbstaufklärung, um dem Furor des Fundamentalismus, der von Rechten, Linken und Islamisten gleichermaßen bedient wird, entgegenzutreten.
Ein Buch, das mehr als zeitgemäß ist, weil es ein Thema aufgreift das heute und in Zukunft sehr aktuell bleiben wird angesichts der gesellschaftlichen Veränderungen, den derzeitigen Entwicklungstrends und ihren Impakten auf das Zusammenleben in unseren westlichen Demokratien. Das gesamte politische Spektrum der Ideen und Ideologien wird beleuchtet, Ursachen für die Umbrüche gesucht, immer kontrovers diskutiert, und perspektivische Erklärungsversuche unternommen. Welche Rolle spielen ökonomische Faktoren wie der Neoliberalismus, oder auf der neuzeitlichen elektronischen und virtuellen Kommunikationsebene die Social Media und das Internet, oder die Umwälzungen in der Arbeitswelt mit Digitalisierung und verstärkten Einsatz von Robotertechnologie. Dann das Phänomen der Globalisierung und u.a. die negativen Konsequenzen wie Migrationen, die damit verbundenen Integrationsprobleme in Gesellschaften mit westlich geprägtem Wertekanon. Prof Ulrike Ackermann hat ein höchst lesenswertes Buch zusammengestellt, das auch für den Nicht-Soziologen gut lesbar ist. Es sticht hervor, dass viele großen Denker und ihre Ideen in den Überlegungen des Essays eingebunden sind. Die Literaturliste am Ende des Buches spiegelt diesen Fundus wider. Die Darlegungen bleiben immer wissenschaftlich objektiv, es wird weder eine Parteinahme vorgenommen, noch eine persönliche Bewertung von Entwicklungstendenzen angestellt. Trends werden beleuchtet, Impakte aufgezeigt, jene Einflüsse dargestellt, die unter Umständen die westlichen Gesellschaftsmodelle und das Zusammenleben in der Zukunft beeinflussen könnten. Diese Veröffentlichung liefert die Analyse zu den Entwicklungen in der westlichen freiheitlichen, vornehmlich der deutschen Gesellschaft. Eine tiefgründige Betrachtung des Zustandes des sozialen Gefüges, den Herausforderungen denen es standhalten muss, und der Fragen die es konkret angehen muss. Dass in der Mitte der Gesellschaft ein Exodus stattgefunden hat, kann aufschrecken, aber noch ist die westliche freiheitlich geprägte Gesellschaftsform nicht verloren. Das abschließende Playdoyer der Autorin für eine antitotalitäre Selbstaufklärung ist ein Programm für zivilgesellschaftliches Engagement.
Eine Lesevergnügen, welches sich über einen ausnehmend langen Zeitraum gezogen hat. Beinahe ein Jahr lang, habe ich immer mal wieder Kapitel aus dem Schweigen der Mitte gelesen und die Thematik blieb aktuell und wurde mit den Neuwahlen in Deutschland und den Wahlen in den USA, sowie dem Amtsantritt von Donald Trump stetig aktueller. Ackermann zeigt die Verbohrtheit der politischen Ränder in Identitäts- und Stellvertreter Themen auf und plädiert für eine produktive Diskussion der Standpunkte ohne eine weiterführende Verhärtung der Fronten. Hierfür sieht sie Intellektuelle auch in modernen Medien in der Pflicht, da sich die öffentlichen Debattenräume vervielfacht und verändert haben. Trotz des Jeder kann alles schaffen Anspruches des digitalen Zeitalters, verweist Sie auf eine Verantwortung die Teilnahme an solch öffentlichen Debatten zu ermöglichen und Reibungspunkte innerhalb der Diskussion produktiv zu nutzen.
Interessantes Buch mit klarer Leseempfehlung für die frustrierten Leser*innen.