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Deutschland, ein Wirtschaftsmärchen: Warum es kein Wunder ist, dass wir reich geworden sind

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Ulrike Herrmann erzählt die Geschichte der "sozialen Marktwirtschaft" und macht Schluss mit Legenden und den falschen Mythen vom Wirtschaftswunder.
Deutschland ist reich, aber die gängigen Erklärungen sind falsch. So soll Ludwig Erhard der "Vater" des Wirtschaftswunders gewesen sein - in Wahrheit war er ein unfähiger Ökonom, ein Profiteur im Dritten Reich und ein Lügner. Die Bundesbank war angeblich die unbestechliche "Hüterin der D-Mark" - tatsächlich hat sie Millionen in die Arbeitslosigkeit geschickt und die deutsche Einheit fast ruiniert. "Soziale Marktwirtschaft" klingt nach sozialem Ausgleich, doch begünstigt werden die Reichen. Auch die permanenten Exportüberschüsse haben Deutschland nicht voran gebracht, sondern geschadet. Umgekehrt werden echte Erfolge nicht gesehen: Die Wiedervereinigung war angeblich wahnsinnig teuer. Tatsächlich hat sie keinen einzigen Cent gekostet. Es ist Zeit, sich von den Legenden zu verabschieden. Sonst verpassen wir unsere Zukunft.

320 pages, Hardcover

Published September 13, 2019

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Ulrike Herrmann

9 books39 followers

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12 reviews
February 18, 2020
Dear Ulrike,

My German wife couldn't take it anymore, "You can't complain about the German economy and taxes unless you understand German history!" So, she bought me your book for Christmas (2019). And it's is a beautiful book with a clear title. I knew immediately that this would be a great read.
Moreover, your table of contents has substance (excellent for recall) and your bibliography and reference notes are 64 pages long! Love it. There was little doubt that I could trust your research.

So, I was surprised on completing the book that I could only give it 3 stars.

Note: I am an American who has lived in Germany since 2001 and am for free markets.

Why just 3 stars?
Let me first say that I only offer 5 stars to books that shift the foundations of my Weltanschauung. It would be quite difficult for a book on modern history to get more than a 4 out of me. My 3 reasons for 3 stars:

1) The conclusion(s) didn't follow from the argument of the book.
2) Your political and economic assumptions were not explicitly stated
3) Your critique of Ludwig Erhard was a genetic fallacy

Conclusion lacked power and congruence
In my MA studies, I was taught to first read the conclusion, the intro, and then the conclusion again, to get a meta-view of the book's argument. So, you can imagine that I was surprised that half of your conclusion is devoted to protecting the environment. Here I am reading about why Germany's Wirtschaftswunder is a myth and why Germany became rich, and you end with CO2 politics. When I read the intro, I am even more astonished that you state you would not spend any time on environmental politics.

What is going on here?

Furthermore, you conclude with "Politic lohnt sich" (Politics is worth it), but then you name only 2 political events in the 70-year, post-WW2 history that made any progress towards a genuine "soziale Marktwirtschaft" (social market economy).

Why didn't you end with, "Politik entäuscht!" (Politics disappoints!)?

Unclear political/economic assumptions
Another wisdom I took from my studies long ago is to make a solid effort early on to express your philosophical assumptions. I usually wouldn't think this is necessary in a book about history, but you voice a strong opinion on why things happened and what should've happened. Here are a few questions I would've liked you to answer:

- Which school of economic thought do you hold (Keynesian, Austrian, Chicago, etc.)?
- Which party do you belong to? (Obviously not the FDP.)
- What exactly is a "soziale Marktwirtschaft" and are you for or against it? (I had to go to Wikipedia to look it up)

Without your openness to these questions, I felt like you were pushing a political agenda.

The genetic fallacy
This fallacy is when a statement is evaluated as good or bad based on where it comes from. It is not clear to me how you avoided this fallacy when examining Ludwig Erhard. I am certainly convinced that you expose him as a liar, narcissist, and profiteer of the Nazi regime. (Side note: In reading his work after your book, it is extremely self-indulgent, I do admit)

However, you state, "Erhards konzepte waren immer falsch" (251, Erhard's concepts were always false.) I find this hard to believe. How is this not the genetic fallacy?

Ulrike, I will recommend this book to anyone wanting to know what happened to Germany economically after the war.

But in your future historical books, please clarify your political/economic/philosophical assumptions. I would rather debate with history than with the author's opinions of history. I know that it is not possible to completely separate the two, hence my suggestion to clarify assumptions.

Thank you for your book. Now my wife is (a little) less annoyed by my rants
.
Kind regards
Profile Image for Wedma.
438 reviews11 followers
January 14, 2020
Dieses Buch von Ulrike Herrmann habe ich sehr gern gelesen. Staunen musste ich in der gesamten Länge über die Courage und Wissenstiefe der Autorin, über ihre Fähigkeit, sich kritisch mit dem auseinandersetzen, was seit Jahrzehnten als gängige Sichtweise gilt, sowie über die Fertigkeit, das Ganze so klar, zugänglich, anschaulich und griffig darzulegen.
Klappentext beschreibt den Inhalt sehr treffend. Ulrike Herrmann liefert eine andere Sicht auf die Entwicklung der Wirtschaft hierzulande vom Deutschen Reich bis heute. Sie räumt mit Mythen und Märchen auf, die seit geraumer Zeit in der Öffentlichkeit kursieren. Spannend und aufschlussreich, hat mich das Buch so in den Bann geschlagen, dass ich es kaum aus der Hand legen mochte.
Jedes Kapitel hat seine Highlights. Einige stechen besonders hervor:
Das Kapitel über Ludwig Erhard, der die „soziale Marktwirtschaft“ predigte, höchstinteressant, was der Begriff tatsächlich bedeutet, all das kommt noch ausführlich in einem späteren Kapitel. Erhard also, der als „Vater“ des Wirtschaftswunders von den Leitmedien seinerzeit hochstilisiert wurde, was bis heute die öffentliche Meinung prägt, war eigentlich ein „unfähiger Ökonom“, den Adenauer nicht leiden konnte. Das Kapitel über Erhards Wirken räumt gründlich mit den Mythen auf und präsentiert ihn als „talentierten Selbstdarsteller“. So viele Lügen, die er über sich selbst in die Welt gesetzt hatte, da staunt man. Das gilt auch für die Eliten, Industriebonzen und dergleichen, die größtenteils prima mit den Nazis zusammenarbeiten konnten und dies auch getan haben. Und kaum waren sie nicht mehr an der Macht, schon klappte es, nach einem kurzen Intermezzo, genauso gut mit den nächsten Machtinhabern.
Das Kapitel über die Abhängigkeit vom Dollar, oder auch das über die Bundesbank legen klar dar, wie diese entstanden ist und zu welchem Zweck. Welche Rolle die Bundesbank in der wirtschaftlichen Entwicklung bisher gespielt hat, welche Fehleinschätzungen und daraus folgenden schwerwiegenden Fehler den Aufschwung der Wirtschaft gekostet haben uvm. Das Kapitel „Die Reichen werden beglückt – vor allem von Rot-Grün“ ist auch sehr gut wie auch das nächste „Die Finanzkrise ab 2007…“
So eine schonungslose Darstellung der Tatsachen findet man selten.
Oft genug kam mir beim Lesen der Gedanke: Das sollte man in der Schule unterrichten. So erzählt erhält die Geschichte nicht nur gewissen Unterhaltungswert, da kann man viel fürs Leben lernen.
Die komplexen Zusammenhänge sind einleuchtend dargelegt worden. Die Gedankenführung ist klar und stringent. Dabei ist der Text griffig und schön dicht geschrieben. Schon allein deshalb sollte man dieses Buch kennenlernen. Und erst recht wegen der reichhaltigen Inhalte, die sich für viele als Augenöffner erweisen werden. So eine Konstellation hat Seltenheitswert.
Auch die Anmerkungen am Ende des Buches wurden liebevoll gestaltet. Oft genug liest man da weitere Ausführungen, die den Haupttext ergänzen.
Die Kapitelübergänge sind so geschickt gemacht, dass man da gar nicht an Pausen denkt und sich wieder in die Lektüre vertieft.
Der Schluss enthält eine klare Botschaft, die den Lesern doch gewissen Optimismus verleihen möchte.
Das Buch ist hochwertig gestaltet. Cremefarbener Festeinband, Umschlagblatt, glatt und fest, gutes Papier, angenehme Schriftgröße.

Fazit: Ein Augenöffner. Aufschlussreich und spannend bis zur letzten Seite. Toll geschrieben. Ein gutes Buch ist gut auf jeder Seite, was hier voll und ganz stimmt. Sehr lesenswert.


13 reviews
January 7, 2023
Das Buch ist eine Zusammenfassung über die bundesdeutsche Wirtschaftsgeschichte. Es wird auch auf die Wirtschaft der DDR eingegangen, wenn auch nicht sehr ausführlich. Hier wird unter anderem in 11 Kapiteln über das angebliche deutsche Wirtschaftswunder, die verheerende Zinspolitik der Bundesbank und die wirtschaftlichen Folgen der Wiedervereinigung aufgeklärt. Im letzten Kapitel zur Eurokrise wird sehr viel genannt, aber nur kurz aufgeklärt. Das hätte gerne ausführlicher sein dürfen.

Ulrike Herrmann arbeitet sich insbesondere an Ludwig Erhard und der Zinspolitik der Bundesbank ab.
Profile Image for Klaus Mattes.
719 reviews10 followers
January 17, 2025
Es ist eine Wirtschaftsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland von Hitlers Kriegswirtschaft bis nach den Hartz-Gesetzen und der Finanzkrise. Ein gutes, lehrreiches, ein leicht verständliches Buch über komplexe Zusammenhänge. Allerdings auch das relativ glanzlose Brücken-Werk zwischen den Schmuckstücken der mittlerweile funk- und fernsehbekannten taz-Mitarbeiterin mit ihrer offenherzigen Selbstverortung als Kapitalismus-Befürworterin, Marx-Schülerin, Grüne mit ruhender Mitgliedschaft, unverbrüchlicher Keynesianerin.

Es hängt vom weltanschaulichen, politischen Standort, vom Menschenbild ab, wem man glauben möchte. Ich für meinen Teil sage: Den Hans-Werner Sinn könnt ihr in der Pfeife rauchen, vertraut dieser geistig regen Hamburgerin! (Bekanntlich Tochter eines Chemieingenieurs mit Reihenhaus, ausgebildete Bankkauffrau, abgeschlossene Historikerin, Pressesprecherin einer Hamburger Senatorin.) Ihre wahrscheinlich immer noch wichtigsten, für den Laien fruchtbringendsten Bücher hat sie mit „Der Sieg des Kapitals“ (2013) und „Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung“ (2016), ihr bestverkauftes, von dem Medien eifrigst rezipiertes mit „Das Ende des Kapitalismus“ (2022) vorgelegt.

In ersteren zeichnet sie nach, wieso das, was sie unter Kapitalismus versteht – und was nicht so sehr mit der Kreditwirtschaft zu tun hat, als vielmehr mit dem Einsatz neuer Techniken der Energieumwandlung, kurz: Industrialisierung ist, in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sich nur in einer begrenzten Ecke dieser Welt hat bilden können. Nämlich England. Es musste allgemeines Rationalitätsprinzip über Mythos, Religion und Tyrannis gesiegt haben. Musste die reich gewordene Adelsschicht, die verarmte Bauernschaft, das Handelsnetz um die Welt geben. Es musste das Land fast ohne Rohstoffe, aber mit gut bezahlten Arbeitern sein. Dass Hilfsarbeit billig zu haben war, hat das Römische Imperium, die Moguln, die chinesischen Kaiser, die Plantagenbesitzer der USA daran gehindert, ihren Kapitalismus zu erfinden. Er wäre ihnen zu teuer gekommen.

Hieran schließt sich an, dass Karl Marx im Wesentlichen so sehr Recht hatte wie sonst keiner damals. Durch Kapitalismus haben wir die tollsten Sachen bekommen, Schulen, Schutzimpfungen für alle, Autos. Aber er ist eben auch mörderisch. Es gehört dazu, dass er immer weiter wachsen muss, dass er alles in sich hineinfrisst, aus der Lächerlichkeit Geld einen Wert an sich gemacht hat.

Es waren menschheitsgeschichtliche Themen, die sie traktiert hat. Das hier ist weniger monumental. Das Umschlagbild mit dem VW Käfer ist nicht das ideale Key Visual. Die Lebemänner-Zusammenkunft von Zigarrenrauchern, Ludwig Erhard und Gerhard Schröder, träfe es vielleicht eher.

Vo, angeblichen Vater des „Wirtschaftswunders“ Ludwig Erhard hält Ulrike Herrmann nichts. (Der Schröder-Mannschaft der 2000-er Jahren hält sie „Wählerbetrug“, eine rational nicht herleitbare Missionshaltung, die Reichen müssten reicher, die kleinen Leute ärmer werden, vor.) Indem sie Erhards Leben ein langes Kapitel widmet, zuvor noch die dem Krieg entgegen arbeitende Hitler-Wirtschaft beschreibt, macht sie klar, dass zu Beginn der Dreißiger Deutschland keineswegs modern und reich wie Großbritannien oder die USA war, dass es am Kriegsende und nach den Bomben aber auch noch lange nicht ruiniert und ein Entwicklungsland war.

Erhard, der Mann, dessen Doktorarbeit die Kapazitäten nicht hatten haben wollen, der im Krieg in Saus und Braus lebte, weil, nie zugegeben, die Niederlage sich abzeichnete, Spione gemeldet hatten, wohin man Unternehmen am besten verlagerte, damit sie von den Westmächten kontrolliert würden, es dafür Konzepte der Umorganisation geben musste, dieser Ludwig Erhard sei fachlich immer ein Depp und kollegial immer ein eitler Träumer und Eigenbrötler gewesen. Allerdings guter Netzwerker und Selbst-Promoter. Geschickt hatte Erhard das Konklave zur Verabschiedung der Enteignungsbeschlüsse in der Bi-Zone geschwänzt. Der Hitlerstaat hatte sich mit dem Krieg übernommen, die Schulden (Volksanleihen, zu denen man die Leute genötigt hatte) konnten nie mehr zurückgezahlt werden. Schuldenschnitt und harte Währung mussten sein, das wusste Erhard auch. Aber wer sollte dafür büßen? Die Immobilienbesitzer, die Kleinsparer, die Unternehmer? Es wurden die Sparer. Zwar blieben die Löhne nominal gleich, aber wer Geld angelegt hatte, sah davon nur noch ein Zehntel wieder.

Der Franke war niemals sozial, sondern Marktradikaler. Es sei normal, dass die Leute eine Weile hungern müssten, sich weiterhin keine Schuhe kaufen könnten (was Milei in Argentinien gerade macht). Am Ende werde aber alles rosig. Darum unterband Erhard als Wirtschaftsminister nun auch die weitere Rationierung und Preiskontrolle von Brot, Mehl, Zucker, Butter, Milch, Eiern, wie es das in England bis in die Mitte der fünfziger Jahre noch gab. Nach wenigen Monaten kam es zu Hungeraufständen und Forderungen, Adenauer müsse diesen Erhard entlassen. Seinen Vize hat „der Alte aus Rhöndorf“ sowieso nie gemacht. Herrmann findet segensreich, dass Adenauer die Wirtschaftspolitik meist an Erhard vorbei, seinem taktischen Instinkt folgend, dirigiert hat.

Gerettet habe das Wirtschaftswunder immer wieder der Westen, namentlich die USA. Von Ökonomen in Uniform, die 1944 die deutsche Nachkriegswirtschaft geplant hatten, über US-Soldaten, die Dollars mit Freizeit und Konsum gestreut hätten, über Marshall-Plan-Kredite bis zu – und dies laut Herrmann der Knackpunkt: der Europäischen Zahlungsunion. Genau sie wollte Erhard so wenig wie die vom Kanzler durchgedrückte Rente für alle. Den deutschen Sonder-Erfolg dieser EZU könnte man mit den Wirkungen des Euros auf den deutschen Export vergleichen.

Exporte und Importe wurden in der Leitwährung Dollar verrechnet. Bevor bezahlt wurde, wurde zwischen allen Ländern saldiert, sodass ein Land wie Frankreich deutsche Industrieprodukte kaufen konnte, wenn es alles mögliche andere an Spanien, Irland oder England verkaufte. Hierbei schnitten die deutschen Exporte besonders gut ab, weil die Löhne auf Jahre hinaus nicht den Produktivitätsfortschritten und Gewinnen folgten. Ähnlich günstig für Exporte der Euro. Jetzt konnten die anderen Länder gegenüber der Mark nicht mehr abwerten, alle mussten gleich hohe Preise zahlen, die auf deutscher Seite aber so hoch gar nicht wurden, weil zwar die Profite der Unternehmer stiegen, die Löhne real viele Jahre aber nicht. Faktisch lebte man als Facharbeiter oder Rentner in Frankreich oder Italien besser als in Deutschland. Noch besser allerdings, sofern man eine Maschinenfabrik besaß.

Das Buch enthält, das gesteht Herrmann, wenig DDR, es ist ein BRD-Ökonomiebuch. Das Vereinigungs-Kapitel gibt es aber. Klar sei gewesen, dass Wertangleichung von Ost- und West-Mark der Industrie der DDR im Weltmarkt das Genick brechen wird. Doch sei das kein Fehler der Kohl-Regierung gewesen, denn hätten die Leute nicht weiter ihre Sachen kaufen, ihre Mieten zahlen, neue Autos kaufen können, wären sie in den Westen gegangen, DDR-Landschaften breitflächig zur Steppe geworden. Staatsschulden waren also erst einmal so unvermeidlich wie nach 2008. (Herrmann findet, auch wenn die verbrieften Schuldenpapiere der Wall Street ein Bubenstück gewesen wären, hätte man Lehman Brothers nicht fallen lassen dürfen, die Banken waren eben wirklich systemrelevant.) Aber im Großen und aufs Ganze des Landes gesehen, habe der Arbeitsmarkt, die neuen Leute gut gebrauchen können und das Ausland sei in den Boom kräftig mit eingestiegen. So habe die Vereinigung sich letztlich selbst bezahlt. (Wie schon das Wirtschaftswunder die Kriegsschulden, Ausgleichszahlungen und Marshallplankredite mühelos zurückgezahlt habe.)

Wie man merkt, ist dieses Buch eine Revue ausgewählter Höhepunkte, also etwas zusammengestückelt. Und man versteht jetzt besser, wie sie auf die Kriegswirtschaft Englands als eine Utopie für den laut Herrmann bevorstehenden Übergang vom Kapitalismus in die echte Recycling-Wirtschaft kommen konnte.

Außer um Eurokrise und Herstatt geht es noch um die Bundesbank, über deren von langer Hand vorbereitete Entmachtung in der Kohl-Zeit die Autorin alles andere als traurig ist, wenn die Medien und die Kleinbürger diese Frankfurter Institution auch immer sehr verehrten. Nicht nur habe bis ans Ende der achtziger Jahre ein großer Anteil ehemaliger NSDAP-Leute in der Bundesbank was zu sagen gehabt, sondern dieses Haus hätte mittelbar sogar vier Bundeskanzler abserviert, Erhard, Kiesinger, Brandt und Helmut Schmidt. Ihnen habe man die Wählerbasis weggebrochen, indem man die Zinsen zu hoch gesetzt, die Investitionen gedämpft, die Arbeitslosigkeit erhöht, den Konsum abgeschwächt habe. All dieses nur für die Interessen einer Geldanlagen besitzenden Elite. Weisungsgemäß wurde Inflation bekämpft, zugleich aber manchmal auch das allgemeine Wohlergehen der Arbeitenden, die nicht über Kapital verfügten, bewusst herabgemindert.

Man liest über Sachbücher manchmal, sie wären spannend wie ein Krimi. So war Ulrike Herrmann noch nie. Sie versucht einfach immer nur, wohl fundiert, schlicht im Ton, klar, didaktisch gut durchdacht zu schreiben. Das genügt.
Profile Image for Tha.
61 reviews1 follower
October 21, 2023
Das Buch befasst sich mit der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Dies klingt zwar nicht spannend und abenteuerlich, jedoch schafft es die Autorin aus einem Tofu -Thema eine lederfreundliche Geschichte über uns Deutschen zu schreiben.

Ulrike Herrmann ist eine intelligente und sehr gut informierte Autorin. Sie versteht und erklärt komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge auf einen einfache und lesernahe Art und Weise so dass sie sowohl für Wirtschaftslaien als auch für informierte Leser interessant, intelligent und spannend ist.

Auch wichtig zu nennen ist die Breite und Tiefe der Quellen, die dem Buch als Basis stehen. Eine ausführliche Recherche zeigt wie gut dieses Buch das deutsche Reichtum erklärt.
12 reviews1 follower
June 15, 2022
Ein Buch über das deutsche Wirtschaftswunder, welches sich zur Aufgabe gemacht hat, dieses Wunder zu entlarven. Die Autorin wechselt komischerweise immer wieder zwischen Neutralität und Polemik, aber erklärt doch ihren Standpunkt sehr aufschlussreich. Das aber die Gastarbeiter*innen nicht mit einem Wort behandelt werden und das grauenvolle DDR Kapitel, welches hingerotzt wirkt, ist schon sehr schwach. Erhard und seinem Leben wird genau so viel Platz eingeräumt wie die gesamte DDR Wirtschaftsgeschichte. Ein Buch mit Höhen und Tiefen, aber sehr kurzweilig zu lesen.
1 review
July 13, 2021
Meiner Meinung nach ist diese Buch der perfekte Einstieg in die bundesdeutsche Politik- und Wirtschaftsgeschichte. Es schafft es vielen Themen anzuschneiden und eine gute, oberflächliche Erklärungen zu liefern. Selbstverständlich werden nicht alle Themen zur genüge beleuchtet, was das Buch meiner Ansicht nach auch nicht will. Gerade deshalb ist es der perfekte Einstieg, es schürt Interesse daran sich mit einzelnen Aspekten detaillierter zu beschäftigen.
5 reviews
October 3, 2020
Überraschender neuer Blick auf das Nachkiegsdeutschland und vorallem auf Ludwig Erhard. Dieses Buch spart nicht an Zweifeln und Analysen der Wirtschaftspolitik und deren Einfluss auf die Bevölkerung und Europa.
Profile Image for Ralf Vogler.
44 reviews
October 7, 2023
Viel Geschichte und Zahlen von vor WW2 bis zur Finanzkrise. Fokus auf Finanzpolitik und anderen Faktoren die wichtiger waren als Politiker. Etwas viel Bashing von Ludwig Erhard, aber evtl. berechtigt.

Audible 1.5x speed = 7h
Profile Image for 0.
4 reviews
September 1, 2022
Sollte jeder Deutsche gelesen haben! Wissensreich, lehrreich, sogar spannend und liest sich leicht. Einzig das Weglassen der Gastarbeiter irritiert.
Profile Image for Aran Jaeger.
85 reviews2 followers
June 4, 2023
Interessant und viele Infos die ich nicht wusste. Teilweise etwas trocken was aber vermutlich auch einfach an dem Thema an sich liegt.
Profile Image for Jens Kreet.
Author 3 books19 followers
December 29, 2022
Eine Geschichte der deutschen Wirtschaftsentwicklung des 20. Jahrhunderts hat Ulrike Herrmann hier vorgelegt. Es handelt sich um ein sehr gut recherchiertes, sehr gut lesbares Buch für alle, denen das schwere Thema Wirtschaftspolitik zu anstrengend ist und die kein VWL studiert haben und dennoch wissen wollen, wie sich das Wirtschaftsgeschehen im Laufe der Jahre verändert hat.

Ulrike Herrmann legt einen Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die Figur Ludwig Erhard, der in den 1950er Jahren als "Vater des Wirtschaftswunders" gefeiert wurde und aufgrund dieser Popularität zum Bundeskanzler aufstieg, als welcher er nicht in Erinnerung geblieben ist. Erhard hat wohl schon mit den Nazis Geschäfte gemacht, hat das System Marktforschung sehr früh aus den USA importiert und den größten deutschen Dienstleister dieser Art in seiner Heimatregion zu etablieren geholfen.

Damit hatte er einen großen Vorteil. Er konnte Propaganda. Er konnte Kampagne. Was er nicht wirklich konnte, war Wirtschaftspolitik. Da erzählte er meist dasselbe, Thesen wie "Wettbewerb ist gut" oder "Inflation ist schlecht", was nicht immer stimmt, denn zur Sicherstellung von Infrastruktur zur Grundversorgung kann zu viel Wettbewerb schaden und bei der Bekämpfung von Arbeitslosigkeit kann ein Zu Wenig an Inflation schaden. Mit solchen Details gab sich der Papst des Wirtschaftswunders kaum ab.

Ähnlich schwarz-weiß agierte die Bundesbank mit ihrer jahrzehntelangen, prozyklischen Hochzinspolitik, die Aufschwünge oft abwürgte, wenn sie gerade begannen wie beim Aufbau Ost 1993. Helmut Kohls eigentliche Glanztat sei es gewesen, die Bundesbank durch die Europäische Zentralbank zu ersetzen und sie damit unschädlich zu machen. Dass seine Nachfolger sich mit der Schuldenbremse im Grundgesetz erneut selbst knebeln würden, konnte er nicht vorausahnen.

Ulrike Herrmanns Titelhypothese übrigens lässt sich so erklären: Als die Besatzer aus den USA, Großbritannien, der UdSSR und Frankreich Deutschland von den Nazis übernahmen, da war das Land technisch, sozial und wirtschaftlich auf dem Stand von 1914. Seitdem hatte Deutschland nur Krisen, Kriege und Wirtschaftskrisen erlebt.

Nun mussten beide deutschen Nachkriegsrepubliken ihre Entwicklung der letzten dreißig Jahre nachholen und alleine das ergab eine wahnsinnige Dynamik. Leider musste die DDR Reparationen an die UdSSR zahlen und sei das noch nicht genug gewesen, kam der Technologietransfer in die Sowjetunion hinzu. Der abgewürgte Aufbau Ost war danach nur noch die Kirsche auf der Torte im Gesicht der Ostdeutschen.

Dieses Buch sollen bitte alle lesen, die in der Wirtschaftspolitik mitreden wollen. Es gibt da jede Menge Informationsbedarf. Noch immer glauben die meisten Menschen, dass Wirtschaftskompetenz identisch sei mit Unternehmerfreundlichkeit. So einfach ist das nicht. Auch Konsumenten sind wichtig. Sie halten das Ganze am Laufen. Wenn sie vergessen werden, funktioniert das Spiel nicht mehr richtig...
Profile Image for Jonthe.
10 reviews
February 6, 2023
Beim Teil über Ludwig Erhardt habe ich Tränen gelacht. Ansonsten entkräftet Hermann wie gewohnt überspitzt viele Mythen - diesmal eben vor allem über die Jahre des vermeintlich speziell "deutschen" Wirtschaftswunders.
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