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Dem Mut ist keine Gefahr gewachsen: Ein abenteuerliches Leben

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Rüdiger Nehberg blickt auf 1001 Erlebnisse – die Basis für seine Erfolge in der Menschenrechtsarbeit. In seiner neuen Autobiografie erzählt er, wie er mit siebzehn nach Marokko radelte, in den USA „Survival“ kennenlernte und zu uns brachte; 1000 Kilometer ohne Nahrung auskam, Ekel und Angst überwand. Wie er Zeuge schlimmster Menschenrechtsverletzungen und Erfinder aberwitziger Aktionen wurde, um Aufmerksamkeit auf die Not anderer zu lenken. Er berichtet von der Zeit im jordanischen Gefängnis und seinen Wüstenkarawanen: Erfahrungen, die ihn mit Muslimen vertraut machten. Von der Idee, gegen den Zeitgeist den Islam als Partner zu gewinnen. Und von seinem Fernziel, für das er mit nie erlahmender Kreativität kämpft: das Verbrechen Weibliche Genitalverstümmelung zu beenden.

432 pages, Hardcover

First published April 6, 2020

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About the author

Rüdiger Nehberg

49 books5 followers
Rüdiger Nehberg was a German human rights activist, author and survival expert, credited with introducing survival training to Europe. He was the founder and chairman of the anti-FGM organization TARGET, and chairman of the organizations Friends of Peoples Close to Nature and Save the Rainforest.

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Displaying 1 - 7 of 7 reviews
Profile Image for Huhn.
288 reviews7 followers
November 20, 2020
Das Buch besteht im Grunde aus zwei Abschnitten: Einer Zusammenfassung der bereits aus Nehbergs älteren Büchern bekannten Erlebnisse auf dem Weg zum Survival-Experten und in Südamerika einschließlich seinen Einsatzes für die Yanomami. Die zweite Hälfte des Buches beschäftigt sich mit seinem aktuellen Projekt, dem Verein "Target", mit dem er bis zu seinem Tod 2020 gegen die weibliche Genitalverstümmelung in Afrika ankämpfte.
Der erste Teil wirkt stellenweise sehr gerafft. Wer sich hier für ein bestimmtes Kapitel interessiert, ist gut beraten, sich eines von Nehbergs früheren Büchern zuzulegen, in denen er sich mit diesen Ereignissen genauer befasst. Tatsächlich wirkte es auf mich manchmal regelrecht genervt - als habe er die Szenen nun schon hunderte Male beschrieben und eigentlich wenig Lust darauf, sie erneut zu erzählen. Besonders das Thema "Insekten essen" scheint mit einem gewissen Frust behaftet. Zwar haben ihn entsprechende Aktionen berühmt gemacht und damit überhaupt erst die Reichweite ermöglicht, die er zuletzt hatte. Andererseits haftete ihm Zeit seines Lebens der Ruf des "Würmerfressers" an, und in gefühlt jedem Interview musste mindestens einmal über Maden gesprochen werden - obwohl Nehberg selbst damit eigentlich längst durch war und sich um viel wichtigere Dinge kümmern wollte.
Ist der erste Teil manchmal zu hastig, wird im zweiten Teil des Buches geradezu minutiös von der Gründung und den einzelnen Aktionen des Vereins "Target" erzählt. Jeder Besuch bei jedem islamischen Oberhaupt wird ausufernd beschrieben, jedes erreichte Dokument mehr als gebührend gefeiert. Was mir bei diesem durchaus beeindruckenden Zeugnis von Nehbergs Hartnäckigkeit fast durchweg fehlte, war die Selbstkritik. Dass zum Teil mit fanatischen Islamistenführern verhandelt wird, wird lediglich kurz thematisierst, ganz nach dem Motto "Der (gute) Zweck heiligt die Mittel". Auch wird scheinbar nie so wirklich reflektiert, was tatsächlich erreicht wurde - kamen die Dokumente an? Werden aufgrund dieser Maßnahmen nun wirklich weniger Frauen verstümmelt? Auch könnte man, anhand von Nehbergs Buch, meinen, er sei der einzige, der sich diesem Thema wirklich widmet - tatsächlich gibt es eine ganze Reihe von Vereinen und Initiativen, die sich damit befassen. Warum keinerlei Austausch oder Zusammenarbeit mit denen besteht, wird nicht angesprochen. Lediglich eine unschöne Episode um Waris Dirie wird erzählt, von weiteren Kooperationen ist nie die Rede.
Insgesamt ein interessanter Überblick über Nehbergs bewegtes Leben und als solcher auch absolut lesenswert. Allerdings hätte es dem Buch gut getan, wäre es nicht als im Grunde als Autobiographie getarnte Werbeaktion für "Target" und stattdessen eben wirklich eine ausgewogene Biographie geschrieben worden.
Profile Image for Daniel.
75 reviews
August 31, 2021
Man kann von dem Auftreten Rüdiger Nehbergs halten, was man mag. Seine „Survival“-Abenteuer sind für mich aber nur eine müde Randerscheinung verglichen mit seinem langen und intensiven Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung. Dabei tritt er nicht als weißer Kolonialist in die arabische Welt sondern kämpft gemeinsam mit wichtigen Entscheidungsträgern der islamisch geprägten Welt gegen dieses Verbrechen ein.
Profile Image for YvonneN.
182 reviews3 followers
April 29, 2020
Als ich davon hörte, dass Rüdiger Nehbergs Autobiografie im April erscheinen sollte, freute ich mich. Ich wollte immer mal etwas von ihm lesen. Denn auch wenn ich von ihm nicht viel mehr wusste, als dass er sich einen Namen als Survival-Experte und Menschenrechtler gemacht hatte, war mir doch klar, dass er zu den Menschen gehört, die wirklich etwas zu erzählen haben. So nahm ich voller Vorfreude in meinem Lesesessel platz um zu erfahren, welche Abenteuer Rüdiger Nehberg in seinem Leben bestreiten musste. Kaum angefangen, mochte ich das Buch fast nicht mehr aus der Hand legen, weil er unterhaltsam erzählen kann, und weil er jemand ist, zu dem man bei dem, was er bislang erreicht hat, bewundernd aufblicken kann. Gleichzeitig fühlt man sich ihm jedoch verbunden, weil er bodenständig geblieben ist, auch wenn er immer nach den Sternen gegriffen hat.

Rüdiger Nehberg nimmt den Leser in diesem mit Farb- und Schwarzweißbildern versehenen Buch mit auf einen Streifzug durch sein aufregendes Leben – die Basis für die Erfolge in der Arbeit mit seiner eigenen Menschenrechtsorganisation. Als Siebzehnjähriger radelt er heimlich nach Marokko. 1968 importiert er ‚Survial‘ aus den USA und wird zum Inbegriff des Überlebenskünstlers. 1981 beim Marsch durch Deutschland lebt er 1000 Kilometer lang nur von dem, was die Natur hergibt. Er übersteht 26 Raubüberfälle, überquert dreimal den Atlantik, schafft es allein und halbnackt durch den Dschungel. Er lernt Ekel, Angst und die Bedenken anderer zu überwinden, lässt sich nicht entmutigen.

„Wieder einmal wissen wir es zu schätzen, nicht hier, sondern in einem anderen, begünstigteren Teil der Welt geboren zu sein. Momente, die mir einmal mehr das Glück bewusst machen, ausgerechnet in Nordeuropa zu leben, in all dem Wohlstand, dem gemäßigten Klima, der Demokratie, der Pressefreiheit, den Bildungsmöglichkeiten, des Friedens, des gemeinsamen Europas. Paradiesische Zustände, wie noch keiner unserer Vorfahren sie erleben durfte. Und ich verspüre die Verpflichtung, davon abzugeben an die, die unter solch erbärmlichen Zuständen ihr Dasein fristen müssen. Wie diese Salzarbeiter. Das Reisen und mein Blick auf andere Lebensumstände verändern sich.“ (S. 82)

Als er Zeuge schlimmster Menschenrechtsverletzungen wird, erfindet er aberwitzige Aktionen, um Aufmerksamkeit auf die Not anderer zu lenken.

„Ich will mich einsetzen. Massiv, körperlich, intellektuell. Nicht im Entferntesten kommt mir der Gedanke, dass diese Entscheidung meine weitere Zukunft komplett verändern würde. Ich mache die neue Erfahrung, dass mein Abenteuer auf einmal einen Sinn erfährt, mein Leben eine ganz andere Erfüllung.“ (S. 126)

Etwa die drohende Ausrottung der Yanomami in Brasilien durch die Goldsucher-Mafia, der er mit Zivilcourage den Kampf ansagt. Auch berichtet er von der Zeit in jordanischen Gefängnissen und den Wüstenkarawanen, die ihn mit Muslimen vertraut machten. Es ist ein kleines Erlebnis, das ihn tief berührt und seine Liebe zu Nordafrika, den Menschen, ihrer Kultur und der Exotik des Orients begründet hat. Es war die Urkeimzelle seiner Verbundenheit mit der Wüste und nomadischer Gastfreundschaft und erweist sich als Zündfunke für sein weiteres Leben.

„Aktionen zu starten, die bereits hundertfach von anderen zelebriert wurden, ist öde, zeugt von mangelnder Kreativität und mindert die Bedeutung des Projektes. Nur Einmaliges kann mit medialer Wahrnehmung rechnen, dessen Bekanntheitsgrad mehren und damit auch die Durchsetzungskraft stärken. Meine Aktionen für die Yanomami hatten 20 (!) Jahre gedauert. Erst dann war die pro-indianische Lobby stark genug geworden, um einen akzeptablen Frieden für dieses große Regenwaldvolk durchzusetzen. Erst danach war ich frei für Neues.“ (S. 217)

Frei für die Arbeit mit seiner Organisation TARGET e. V. und dem Islam als Partner, unterstützt durch muslimische Autoritäten in Ländern wie Mauretanien und Äthiopien. Mit dem Ziel, für das er mit nie erlahmender Kreativität kämpft: die Ächtung Weiblicher Genitalverstümmelung von Mekka aus.

„Ich erzähle ihm vom Thema Verstümmelung, dass wir Augenzeugen geworden sind und fragen, ob wir ihm die Bilder zeigen dürfen. Wir dürfen. Er schaut sie sich sehr lange an, bleibt sprachlos und wird blass. ‚Das geschieht mit meinen Mädchen?‘, fragt er schließlich leise.“ (S. 229)

Rüdiger Nehberg warnt vor den schwer zumutbaren Schilderungen dessen, was den Mädchen bei der Beschneidung geschieht, was dies aus ihnen macht und welche Probleme es ihnen in ihrem weiteren Leben bereitet – und es ist unvorstellbar grausam, was man da liest. Aber es verdeutlicht auch, wie wertvoll und wichtig der Kampf dagegen ist. Ein Kampf, den er gemeinsam mit seiner Frau Annette bis zu seinem Lebensende führt.

Rüdiger Nehberg verstarb am 01. April 2020, wenige Tage vor Erscheinen dieses Buches. Es stimmt mich traurig, dass er die Vision, mit der er sein Buch enden lässt, nicht mehr selbst erleben kann. Aber mit seinem „Bis dann, vielleicht demnächst, Rüdi Rastlos“ bringt einen der willensstarke Abenteurer dann doch wieder zum Lächeln. Ein beeindruckendes Lebenswerk, eine lesenswerte Autobiografie.
Profile Image for Jenny.
9 reviews6 followers
May 13, 2020
Rüdiger Nehbergs Autobiographie ist absolut großartig! Es ist wirklich unglaublich, was der Herr Nehberg alles in seinem langen Leben erreicht hat: als Bäcker, Survival-Experte und Menschenrechtler. Unerbittlich kämpfte er für eine bessere Welt und setzte sich für die Yanomami und Waiapi sowie gegen die weibliche Genitalverstümmelung ein. Ich kann mich glücklich schätzen, ihn damals persönlich bei einem seiner Vorträge kennenzulernen.
Ich ziehe alle meine Hüte vor ihm und hoffe von Herzen, dass man ihm seinen Wunsch, ein großes Transparent in Mekka zu spannen, auch nach seinem Tod erfüllen kann.
Profile Image for Fabian Z.
59 reviews
October 22, 2025
Ich kannte Rüdiger Nehberg vor diesem Buch nicht. Es war ein Geschenk und so habe ich mich erst beim Lesen mit ihm auseinandergesetzt.

Was feststeht ist, Nehberg führte ein außergewöhnliches Leben, in mehrerer Hinsicht. Das Buch führt durch Nehbergs drei große Projekte im Leben, während es in alte Abenteuer sowie seine ersten Passionen, Backen und Survival, eintaucht. Rüdiger Nehberg wurde zum Aktivisten. Erst für die Yanomami und Waiãpi in Brasilien, um sie vor Goldsuchern, Gebietsverlust oder Verfolgung zu schützen und deren Lebensweise besser zu verstehen. Später dann mit dem nächsten großen Ziel: Genitalverstümmelung der Frauen mittels des Islams abzuschaffen.

Das Buch erzählt hauptsächlich zu den Yanomami und zum Kampf gegen das Verbrechen der weiblichen Genitalverstümmelung. Eindrucksvoll wird dargestellt wie hartnäckig, unnachgiebig und gleichzeitig einfühlsam Nehberg sich in neue Kontexte Kulturen einarbeitet und Anliegen verfolgt, die ihm am Herzen liegen. Spannende Geschichten zwischendurch verdeutlichen frühere Erfahrungen und Prägungen und deren Einfluss auf seine Person und Herangehensweise an bestimmte Probleme.

Besonders beim Thema Weibliche Genitalverstümmelung wird zum einen deutlich, wie viel man erreichen kann, wenn man sich respektvoll aber bestimmt für ein Anliegen einsetzt. Denn Nehberg und seine UnterstützerInnen schaffen es die höchsten Ebenen im Islam zu erreichen und das Verbrechen der weiblichen Genitalverstümmelung dort nicht nur anzusprechen, sondern auch Verbündete und Förderer zu finden.

Besonders beeindruckend ist die Errichtung einer Frauenklinik in der Danakil Wüste. Wasser und Stromversorgung müssen erst organisiert werden. Bauarbeiten in europäischem Standard? Fehlanzeige. In kollektiver Anstrengung gelingt es und so wird der Standort direkt ein Zentrum für verbesserte Lebensqualität in einer Region deren Beschaffenheit menschliches Leben nur unter erschwerten Bedingungen ermöglicht.

Klasse Buch und beeindruckender Mann
4/5
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Justus.
46 reviews1 follower
August 17, 2021
"Lerne leiden, ohne zu klagen" (S.64)

Ich kannte Rüdiger nur durch Fernsehauftritte und kurz nach seinem Tod kaufte ich mir dieses, sein letztes Buch. So lustig wie seine Auftritte waren, so spannend und mitreißend ist auch sein Lebenswerk.
"Es kommt nicht darauf an, wie alt man wird, sondern wie man alt wird." (S.158) - Carl Christian Ochsenius
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