Habe eine Zusammenfassung des Buches auf Blinkist durchgelesen und bin insgesamt leider nicht ganz überzeugt worden... Ich werde mir auf jeden Fall (!) vornehmen da gesamte Buch zu lesen, anstatt mich auf einen kurze Zusammenfassung zu verlassen. Schlichtweg aus dem Grund, weil sich mir nach dem Lesen noch viele Fragen aufgetan haben.
Daher hier zunächst ein Zwischenfazit: Die Kernaussage von "Honigperlen" scheint zu sein, dass jegliche schwierige Situation, ein Schicksalsschlag oder Ähnliches auch seine guten Seiten hat. Ein Perspektivwechsel soll dazu führen, dass man in Krisen auch die Chancen, die sich neu auftun, erkennt. Während ich diese Aussage grundsätzlich unterstützen würde, beschleichen mich dennoch einige Zweifel...
Zum Beispiel:
(1) Welche Chance soll eine alleinerziehende Mutter daraus ziehen, dass sie ihre Kinder und sich selbst nur mit zwei Jobs über Wasser halten kann?
(2) Welche Chance kann ein Rentner darin sehen, wenn die Rente schlichtweg nicht zum Leben reicht?
Man könnte für (1) ja argumentieren, dass sich für die Mutter neue Chancen im Beruf ergeben könnten, dadurch, dass sie zwei Jobs hat. Aber sie "verliert" durch die beiden Jobs, die sie ja hat, auch Zeit, die sie sonst vielleicht für die Erziehung ihrer Kinder gern genutzt hätte. Oder auch: durch die beiden Jobs hat sie kaum Zeit für sich selbst oder für Freunde oder eventuell einen neuen Partner. Oder: vielleicht sind die beiden Jobs gar nicht so, dass sie wirkliche berufliche Chancen daraus ziehen kann... Und und und...
Für (2) könnte man ja sagen, wenn die Rente in Deutschland nicht reicht dann wandere eben nach Bulgarien aus. Lerne dort neue Leute kennen und beginne ein vollkommen neues Leben und beginne ein Abenteuer....
Aber was ist, wenn der Rentner das gar nicht will, weil seine übrig gebliebene Familie und Freunde noch im Heimatland sind? Muss er sich, auf Kosten seiner eigenen Wünsche und Bedürfnisse (z.B. in Nähe seiner Liebsten zu wohnen) nun selbst davon "überzeugen", dass die Auswanderung nach Bulgieren eine neue Chance für ihn ist? Und dass diese Chance "wichtiger" ist als seine Wünsche?
Ich weiß, dass man das alles nicht so schwarz-weiß betrachten kann, aber die Zusammenfassung konnte mir keine hinreichenden Antworten auf viele Fragen geben, die sich einfach nach Lesen des Textes aufgeworfen haben.
Der Text hatte aber auch Passagen, die sehr verständlich und auch zugänglich für mich waren. Zum Beispiel, dass durchgängige Kopfschmerzen als ein Warnsignal des Körpers verstanden werden sollten. Das mag zwar trivial klingen, aber ich kenne genügend Menschen, die genau dies ignorieren und sich dies auch nicht bewusst vor Augen führen. Wenn sie dann eine Auszeit nehmen und sich mal wirklich im sich selbst kümmern, werden die Kopfschmerzen auch weniger... Ein direkter Zusammenhang zwischen Self-care und dem Verschwinden der Kopfschmerzen wird aber mir selten erkannt....
In diesem Sinne hat das Buch auch viel mit Achtsamkeit zu tun, was ich sehr befürworte. Auch wenn der Text nicht immer direkt davon spricht, gehen die Inhalte schon sehr in diese Richtung.
Letztlich, so finde ich jedenfalls, scheint es allerdings darum zu gehen "sich seine Misere schön zu reden." Natürlich würde ein Perspektivwechsel dazu führen, dass sowohl die alleinerziehende Mutter als auch der einsame Rentner, besser mit ihrer Situation umzugehen wissen. Ein Perspektivwechsel schafft beiden mehr Freiräume und Energie proaktiv zu handeln, anstatt nur auf die Situation zu reagieren.
Mit Autosuggestion zum neuen Glück..., so finde ich hört sich das an.
Ich denke, dass ich nach Lesen des ganzen Buches eine fundiertere Rezension schreiben kann.