"Mitternachtsboogie" wurde zum Kultbuch einer ganzen Generation - es fing das Lebensgefühl der Jugend am Ende der Tito-Ära wie kein anderes Buch ein. In einer gewagten Mischung aus lyrischer und urbaner Sprache erzählt Popovic von langen Nächten in Zagreber Kneipen und Cafés oder den Aufenthalten in West-Deutschland, wo die Studenten immer noch vom Sozialismus träumten, während in Zagreb die Zuversicht wuchs, dass dieser bald sterben würde. Urbane Lebenswelten, Misstrauen gegenüber Autoritäten, ein unverwechselbarer Stil, Prägnanz, Humor und rasanter Rhythmus sind die Grundeigenschaften der Prosa Popovics, der mit diesem Buch nachhaltig die Entwicklung der kroatischen und der gesamten jugoslawischen Literatur beeinflusste.
Kein Roman ist das, wie auf dem Buchumschlag angekündigt: Fragmentarische Erzählungen sind hier versammelt- vulgär, betrunken, verkatert. Soll es eine Hommage an Ginsberg, Bukowski und Konsorten sein? Eher: ein Alki applaudiert anderen Alkis: Wer Fickifickisprache mag, ist hier gut aufgehoben. Wer auch bei Vernon Subutex 1 von Virginie Despentes sprachlich Pickel bekommen hat, sollte hier tunlichst die Finger von lassen.
"In Erwartung eines Wunders fummelte ich an meinem Pimmel herum. Er war wirklich in einem erbärmlichen Zustand, das heißt, er sah aus wie ein Wurm, der gerade einen Schock hinter sich hatte und sich daraufhin geschworen hat, dass er- wenn nötig- jahrhundertelang zusammengeschrumpft bleiben würde, dieses Miststück." (S. 46)