»Wenn das Herz trüb ist, liegt das oft nur an einer zu dünnen Sohle.« Stephen Graham
Der schottische Schriftsteller Stephen Graham war einer der ersten, der dazu aufrief, die Welt zu Fuß zu entdecken – und sich auf unbekannte Wege vorzuwagen. Fernab der Straßen, allein mit sich und der Natur. In seinem Wanderratgeber aus dem Jahr 1926 nimmt er uns mit in eine Zeit, in der viele die Folgen der Industrialisierung schon spürten, doch unsere High-Tech-Welt noch ferne Zukunft war. Seine tiefsinnigen Gedanken und zeitlosen Ausrüstungstipps haben ihn zum Kultautor gemacht – der uns nicht nur verrät, wie wir den Boden unter den Füßen wieder spüren lernen können, sondern uns mit dem besten Proviantpaket gegen den Überdruss unserer Zeit versorgt.
Stephen Graham is an academic and author who researches cities and urban life. He is Professor of Cities and Society at the Global Urban Research Unit and is based in Newcastle University's School of Architecture, Planning and Landscape.
Professor Graham has a background in Geography, Planning and the Sociology of Technology. His research centres, in particular, on:
•relations between cities, technology and infrastructure •urban aspects of surveillance •the mediation of urban life by digital technologies; and • connections between security, militarisation and urban life. Writing, publishing and lecturing across many countries and a variety of disciplines, Professor Graham has been Visiting Professor at MIT and NYU, amongst other institutions. The author, editor or co-author of seven major books, his work has been translated into eleven languages
„Leben ist nicht die Länge der Zeit, sondern die Breite der menschlichen Erfahrung.“
Stephan Graham war ein leidenschaftlicher Wanderer. Wer glaubt, mit dem Buch „Die Kunst des stilvollen Wanderns“ nimmt er einen Ratgeber in die Hand, der ihn darin unterweist, wie er kleine Wanderungen, Tagesausflüge am besten bewerkstelligt, der irrt sich gewaltig. Stephan Graham möchte uns beibringen wie wir ganze Länder zu Fuß erforschen können, er schildert die Art des Reisens und Erkundens eines „wahren Bohemiens und Lebenswanderers“. Das Wandern ist für Graham nicht bloß Mittel zum Zweck, sondern eine eigene Lebensform, die eine einzigartige Philosophie und Stärke in sich birgt: „Wandern ist eine Kunst: Derjenige, der weiß, wie man wandert, weiß auch, wie man lebt.“
Das Wandern ist in vieler Hinsicht absolut einzigartig. Man fühlt sich eins mit der Natur und dem Universum. „Sie werden spüren können, wie wohltuend es ist, sich ins rechte Verhältnis zu Gott, der Natur und den Mitmenschen zu setzen.“ Man versteht intuitiv so vieles, was man in der Stadt, in seinem eingefahrenen zivilisatorischen Leben nicht versteht: „Das Leben wird nicht etwa von Stunde zu Stunde, Tag zu Tag, Jahr zu Jahr immer großartiger - sein Wert steckt im Augenblick, nicht im Langstreckenlauf.“ Deshalb ermuntert Graham den Wanderer auch zum Verweilen: „Die Natur versucht, uns etwas mitzuteilen. Sie spricht zu uns auf einer Langwelle.“
Dabei legt er uns nicht nur ganz konkrete Ratschläge zur Hand, die u. a. die Ausrüstung, das Entfachen von Feuer und die Schutzsuche bei Gewittern betrifft, sondern möchte uns auch auf philosophische Weise mit dem Lebensgefühl vertraut machen, welches das Wandern vermittelt. So spricht der Autor beispielsweise davon, welche Bedeutung Lieder und Dichtung auf die Qualität des Wanderns hätten: „Die Unbeschwertheit bringt Lieder hervor. Wir singen beim Gehen und gehen beim Singen und lassen so Kilometer um Kilometer hinter uns. [...] Gesang und Dichtung machen den Wanderer zum Bürger des Universums, ein paar Augenblicke lang kennt er sämtliche Geheimnisse und Mysterien, Tiefen und Höhen.“ Oder wie erquicklich es sei, ein Wandertagebuch zu führen: „Ihr eigener Gedanke, niedergeschrieben an dem Tag, an dem er Ihnen kam, ist wie ein mentaler Schnappschuss. [...] Am Ende einer langen Wanderung werden Sie sich freuen, ein Buch vor sich zu haben, das über und über mit Notizen bedeckt ist. Es protokolliert gewissermaßen die geistige Dimension Ihres Abenteuers und erinnert Sie daran, wenn Sie in späteren Jahren darin blättern.“
Stephan Graham, der ein äußerst belesener Schriftsteller ist, ergötzt uns immer wieder mit passenden Zitaten aus der schönen Literatur – vornehmlich Shakespeare und Kipling – sowie, zum Teil abgewandelten, Bibelzitaten. Ein erheiterndes Beispiel für ein abgewandeltes Bibelzitat wäre zum Beispiel folgendes: Der Autor beschreibt wie er mit seiner Frau, die von ihm entwickelte Zickzack-Methode bei der Erkundung von Städten auf London anwandte, wobei sie auf eine vermeintliche Sackgasse stießen: „Wir fürchteten [...] umkehren zu müssen, da entdeckten wir ein Nadelöhr, durch das der reiche Mann ins göttliche Reich des Green Park gelangt.“
„Die Kunst des stilvollen Wanderns“ ist nicht nur ein interessantes Zeitdokument, das uns Aufschluss über den damaligen Lebensstil, gesellschaftliche Zustände und den Zugang zur Natur gibt, sondern ist eine Quelle der Inspiration und des Vergnügens. Es ist sowohl kurzweilig als auch philosophisch. Gelten viele der Empfehlungen und Ratschläge für heute als überholt – schließlich ist der Ratgeber fast hundert Jahre alt – bleibt doch vieles von dem, was der Autor schreibt, für immer zeitlos: „Es ist nicht die Luft allein, die heilt und erfüllt, sondern das, was man mit ihr atmet: den Geist der freien Natur, die weite des Himmels. Man greift nach dem grenzenlosen Horizont. Das lässt einen Menschen wachsen, verleiht ihm innere Stärke. [...] Ganz allein soll man im Mittelpunkt der Welt stehen, und das göttliche Bilderbuch wird einem in die Hände gelegt, damit man es öffnen, betrachten und in seinen prachtvollen Seiten blättern kann.“
„Die Kunst des stilvollen Wanderns“ ist zweifellos ein Klassiker, der in keinem Bücheregal fehlen sollte!
Für Liebhaber der Natur, des Reisens, der Literatur und Philosophie
Das sehr interessante und neugierig machende Vorwort, welches das vorliegende Werk in einen verständlichen Kontext rückt, schrieb Alastair Humphrey, selbst ein begeisterter Weltreisender und Autor.
Erstmalig erschien das Essay über das stilvolle Wandern 1926. Graham, Reisejournalist, führt hier seine Gedanken zum Wandern und Reisen aus. Wandern charakterisiert er als tage-, auch wochenlange Streifzüge durch unbekannte Gegenden, inkl. Schlafens unter freiem Himmel. Er bereiste unzählige Länder (Russland, USA/ Kanada, europäische Länder) und gewann dabei vielerlei Einsichten in die Lebensweise fremder Kulturen. Er berichtet hier von konkreten Gegenden, zeigt geographische, politische und rechtliche Besonderheiten verschiedener Länder in Bezug auf das Wandern auf und hat dabei auch immer einen soziologischen Blick.
Der Leser erhält neben praktischen Tipps zu Ausrüstung, auch Einsichten dazu, welches das passende Buch auf Reisen sei (dieses Kapitel gefiel mir besonders gut). Das Ideal eines wandernden Gentleman ist Graham wichtig, so dass er immer auch wieder Verhaltensratschläge gibt. Bisweilen wirken manche Dinge ein wenig in die Jahre gekommen, dennoch finde ich seine Ansichten grundsätzlich nicht veraltet. Er stellt seine Lebensphilosophie und Anschauungen zur Natur des Menschen dar. „Wandern ist eine Kunst: Derjenige, der weiß, wie man wandert, weiß auch, wie man lebt.[...] Das Wandern konfrontiert uns mit der Wirklichkeit.“ Doch Wandern ist nicht nur Lebenskunst, sondern auch „der schnellste Weg, das Herz einer Nation zu erschließen“ sowie „zum Verständnis der Völker“ beizutragen. Es geht dem Autor um Achtsamkeit, um Idealismus, um innere Werte und das Verhalten zu anderen Menschen. Um das Gefühl der Freiheit, um den direkten Kontakt zur Natur, um Lebenskunst und Poesie. Es geht um das Glück, die Suche nach Wahrheit und Selbsterkenntnis.
Der Autor ist sehr bewandert in der Literatur, Kunst und Kultur, er nutzt Gedichte und Liedtexte und bezieht sich häufig auf Philosophen oder Dichter, wie Diogenes und Shakespeare, aber auch auf viele mir eher unbekannte, vor allem aus der damalig aktuellen britischen Literaturszene stammend.
Er schreibt sehr humorvoll, ich habe mich sehr amüsiert und bestens unterhalten. Seine Gedanken zum Wandern, Reisen, Menschen und dem Leben allgemein empfand ich nachvollziehbar und vor allem inspirierend, berührend und bereichernd. Manchmal langweilten mich seine etwas schwülstigen Naturbeschreibungen, aber zumeist wirkte sein Schwärmen doch sehr ansteckend. Ich bekam große Lust sofort los zu wandern!
Fazit: Wahrscheinlich nicht für jeden das Richtige, mich aber hat es sehr beeindruckt und inspiriert. Gleichzeitig bin ich auf seine Reportagen über seine Reisen durch Russland und den Kaukasus sehr neugierig geworden..:)
Ein fast 100 Jahre alter Wegweiser zum Wandern. Kann man damit wirklich heute noch was anfangen? Eindeutig ja, selbst wenn man dem Wandern nicht so sehr zugeneigt ist, wie das der Autor war, kann man einiges rund um das Thema Wanderlust (-frust, wenn man es falsch angeht) aus dem Buch mitnehmen. Was benötigt man, um weite Strecken zurückzulegen? Welche Eigenschaften und Ausrüstung machen das Wandern zu einem Genuss, bei dem auch philosophische Überlegungen ganz von allein kommen, weil man sich dem Wandern einfach hingeben kann? Diesen, wenn auch teils banalen Fragen, wie dem richtigen Schuhwerk und vielen weiteren Fragen geht der Autor nach. Wunderschön fand ich auch die Landschaftsbeschreibungen und die Eigenarten verschiedener Menschen, die der Autor kennengelernt hat. Nicht alle Kapitel haben mich gleichermaßen gefesselt, dafür haben es andere geschafft mich zu fesseln, dabei hätte ich nicht gedacht, dass mich Überlegungen zu Tabak interessieren könnten. Wochen oder gar Monate zu wandern, ohne Zelt unter freiem Himmel zu schlafen und ähnliches werde ich auch nach der interessanten Lektüre ganz sicher nicht nachmachen, aber es hat mich sehr unterhalten, was der Autor erlebt hat und welche Tipps er gibt, selbst wenn sie heute so nicht mehr umsetzbar/nötig sind, trotzdem hat überraschend vieles heute noch Gültigkeit, beispielsweise die Überlegungen zu den Weggefährten. Und ich habe auch einen ganz konkreten Tipp mitgenommen, den ich bei nächster Gelegenheit mal ausprobieren werden – das Wandern in einer Stadt im Zick-zack-Kurs. Die Sprache ist leicht verständlich und hat nichts übermäßig Antiquiertes an sich. Zahlreiche Bezüge sind heute vielleicht nicht mehr so verständlich doch dafür gibt es einen schönen Anhang, der nach Kapiteln unterteilt weitere Informationen und Erklärungen bietet. Zudem hat es der Autor tatsächlich mehrfach geschafft mich zum Lachen zu bringen, während mich das Kapitel „Fremde“ nicht selten ob der ganzen Vorurteile den Kopf schütteln ließ (nicht über den weltoffenen Autor!) Das edel gestaltete Buch dieses Globetrotters ist ein besonders schönes Geschenk für Wanderer.
Lange war Wandern eine Freizeitbeschäftigung für alte Leute, doch in den letzten Jahren haben immer mehr jüngere Menschen ihre Freude daran gefunden. Für all Jene, aber auch für diejenigen, die dem Wandern (noch) nichts abgewinnen können, ist dieses Büchlein ein Genuss. Stephen Graham (1884 - 1975) war im wahrsten Sinne des Wortes ein Globetrotter, nur hieß das damals noch nicht so. Die Welt sehen war seine große Passion - und das am Besten zu Fuß und mit Humor. Ihm ging es nicht darum, möglichst riesige Entfernungen zurückzulegen, ganz im Gegenteil. Er plädiert für das langsame, für das achtsame Gehen, ohne jedoch diesen heute so modernen Begriff zu benutzen: "Mit schmerzhaftem Widerwillen höre ich mir die Berichte von Leuten an, die sich damit brüsten, 40 oder 50 Meilen pro Tag gelaufen zu sein. Eine Freude dagegen ist es, die Bekanntschaft dessen zu machen, der die Kunst des langsamen Gehens beherrscht .... Das Leben wird nicht etwa von Stunde zu Stunde, Tag zu Tag, Jahr zu Jahr immer großartiger - sein Wert steckt im Augenblick, nicht im Langstreckenlauf." In 26 Kapiteln gibt er Ratschläge und auch praktische Tipps, wie man das Wandern am Besten genießen kann. Wobei Manches sich eher zum Schmunzeln als zur tatsächlichen Umsetzung eignet - immerhin wurde dieses Büchlein bereits vor fast 100 Jahren geschrieben. "Man sollte zwar in einer Tasche des Rucksacks Schlips und Kragen aufbewahren, die man notgedrungen anlegen kann, falls man gezwungen ist, eine Post, eine Bank, einen Geistlichen oder die Polizei aufzusuchen." Doch Vieles ist völlig zeitlos und hat heute noch genauso Gültigkeit wie damals. Seine Gedanken über Fremde, über Müßiggang, über mögliche Gefährten, über Lieder, Landkarten und mitzunehmende Bücher. Man liest und liest und ist sich immer sicherer: "Beim Wandern verdient man sich keinen Lebensunterhalt, sondern das Glück." Worauf also warten? Nichts wie auf zur nächsten Wanderung - und dieses Büchlein nicht vergessen, das auch optisch ein Genuss ist und mit einem sympathisch liebenswürdigen Vorwort sowie vielen ergänzenden interessanten Anmerkungen versehen.
Ich habe das Buch wohl 5 mal in der Hand gehabt, bevor ich es am Ende gekauft habe. Und ich habe es nicht bereut! Die Gretchenfrage ist, ob ein fast 100 Jahre alter Wanderführer für den modernen Leser überhaupt noch interessant ist. Zuviel hat sich geändert - oder nicht?
Der Wanderer von heute hat es mit Sicherheit leichter. Verpflegung und Unterkunft sind problemlos zu organisieren, Bezahlen sowieso und mit GPS und markierten Wegen ist ein Verlaufen kaum noch möglich bzw. nicht mehr fatal. Praktische Tipps dieser Art sind also definitiv überholt, genauso wie die Routenvorschläge.
Was sich nicht geändert hat sind die Einstellung des Wanderers und das, was der direkte Aufenthalt in der Natur mit einem anstellt. Wie der Autor so schön sagt, es zählen nicht die Jahre die man lebt sondern die Erfahrungen, die man macht. Dabei füllen Monate eines Bürojobs nur wenige Zeilen während ein einziger Tag in der Natur viele Seiten umfassen kann. Es geht um die Befreiung aus den gesellschaftlichen Zwängen und die Wiederentdeckung von dem was es heißt, ein Mensch zu sein.
Wahrscheinlich hat mir das Buch deshalb so gut gefallen, weil ich mich so oft im Autoren wiedergefunden hat. Er ist sehr belesen (ein großes Dankeschön an die Übersetzerin für das Aufspüren der vielen Quellen), geht mit offenen Augen durch die Welt und hat eine poetische Ader. Keine Ahnung, woher er das Geld für die Reisen aufgetrieben hat, aber offensichtlich hat es gut funktioniert. Immer wieder amüsant ist der Hinweis auf die Kaffeekanne, die offensichtlich viele Stunden noch mal so schön macht.
Fazit: ein hübsches kleines Büchlein, das trotz seines Alters Einblicke in die Seele eines Wanderers geben kann. Ich kann es allen empfehlen, die eine Neigung zu Philosophie und Dichtung haben. So, und jetzt muss ich los!
…dann kann er was erzählen. Stephen Graham plädiert in seinem 1926 erstmals aufgelegten und nun neu herausgegebenen Büchlein „Die Kunst des stilvollen Wanderns ��� Ein philosophischer Wegweiser“ allerdings darauf, sich davor zu hüten „[…]nach Jerusalem zu reisen, nur um zurückzukehren und aller Welt berichten zu können, dass Sie dort waren. Das verdirbt Ihnen alles, was Sie unterwegs erleben.“ (S. 178)
Es kommt lt. Graham auch nicht darauf an, eine besonders weite Strecke zu wandern oder besonders schnell zu sein. Nein, es geht um das titelgebende „stilvolle“ Wandern, denn: „Das Wandern ist eine bestimmte Art und Weise, sich der Natur, den Mitmenschen, einer Nation (auch einer fremden), der Schönheit, ja dem Leben selbst zu nähern.“ (S. 16)
Graham gibt Tipps, die zum Teil veraltet und brüllend komisch sind (welcher Wanderer trägt heutzutage noch Schlips und Kragen mit sich herum, um sie bei dem Besuch der Post, einer Bank, einem Geistlichen oder der Polizei anzulegen? *g*), aber auch zeitlosere wie der perfekte Rucksack oder Ausrüstung wie die unentbehrliche Kaffeekanne, Becher und Besteck. Auch Lektüretipps gibt Graham der wanderfreudigen Gemeinde mit auf den Weg; ebenso sollte ausreichend Schreibmaterial zur Verfügung stehen, um die Eindrücke während des Wanderns „festzuhalten“.
Das Ganze kommt in einer poetischen, mit philosophischen Einschüben versehenen Sprache daher, die sich trotz der knapp 100 Jahre seit Erstveröffentlichung gut und recht flüssig lesen lassen.
„Die Kunst des stilvollen Wanderns“ lädt zum „entschleunigen“ und – äh, zum Wandern ein *g*. Nette Lektüre für Zwischendurch! 4*
Dieses Buch ist schon 1926 erschienen. Stephen Graham schrieb einen Wanderratgeber. Für ihn ist mit Wandern eher Backpacking oder "Outdoor" gemeint, erklärt Alastair Humphreys, ein britischer Abenteurer im Vorwort. Warum Wandern so empfohlen wird, dafür hat Stephen Graham schon 1926 plädiert. Man sieht, es hat sich nichts verändert. In dem Buch folgt man Stephen Graham auf seinen Wanderungen und liest seine philosophischen Gedanken. Er schreibt z.B. über die richtige Ausrüstung. Sie ist inzwischen zwar etwas veraltet. Aber er zitiert immer wieder Sprüche oder Gedichte, die vortrefflich zum Buch passen. Sie werden hinten im Glossar näher erklärt. Dadurch erfährt man einiges, was zur damaligen Zeit aktuell war. Oder ein Kapitel handelt davon, das richtige Buch auf seine Wanderung mitzunehmen. Das fand ich sehr interessant, was um 1926 alles gelesen wurde.
Das Buch ist in einer sehr schönen Aufmachung erschienen. Es ist gebunden und hat ein Leseband oben am Buch befestigt. Da hat man gleich ein Lesezeichen. Das Buch hat ein schönes handliches Format. Dadurch ist es beim Lesen sehr gut zu halten. Der Schreibstil ist sehr flüssig zum Lesen. Die philosophischen Gedanken von Stephen Graham sind auch heute noch allgemeingültig. Dieses Buch macht Lust, sich möglichst bald zur Wanderung in die Natur aufzumachen, auch wenn sie nicht so lang sein wird wie im Buch (da ist sie Tage, Wochen oder Monate).
Ein tolles lesenswertes Buch für Wanderfreunde. Absolut empfehlenswert.
"Die Kunst des stilvollen Wanderns" von Stephen Graham, ein britischer Journalist und Globetrotter, erschien zuerst 1926. Das Werk erscheint zunächst als Ratgeber für Wanderlustige. So erklärt Graham beispielsweise, welche Stiefel und Rucksäcke für das Wandern geeignet sind, welche Marschlieder man singen sollte, ob man Bücher und Tabak mit sich führen sollte. Vieles von dem, was Graham ausführt, ist knapp 100 Jahre nach Erstveröffentlichung überholt - dennoch ist es aus einer historischen Perspektive interessant zu sehen, wie früher an das Wandern herangegangen worden ist. Vieles bringt die heutigen Leser*innen zum Schmunzeln. Dazu trägt auch der süffisante und humorvolle Schreibstil Grahams bei, der immer wieder Anekdoten und Zitate aus literarischen Klassikern anführt. "Die Kunst des stilvollen Wanderns" ist zudem viel mehr als ein einfacher, technischer Wanderratgeber: Graham versteht das Wandern als eine Art philosophischen Zugang zur Welt- und Selbstsicht (v.a. im Kapitel "Aufbruch" und "Die Kunst des Müßiggangs"). Wandern wird hier verstanden als eine Art der Entschleunigung, des Loslassens der alltäglichen Zwänge und des Erkennens des ästhetisch Schönem - diese Botschaft ist der Grund, warum "Die Kunst des stilvollen Wanderns" auch heute noch Relevanz und Aktualität besitzt.
Für mich war es erstaunlich, wie dieser wiederentdeckte philosophische Wanderratgeber gleichzeitig altmodisch und modern klingt. Es gibt Anekdoten zum Schmunzeln, dazu viele Lebensweisheiten und auch Tips (z.B. zum Feuermachen oder für alle Bücherwürmer: Wege-Literatur), die zeitlos gültig sind, aber eben auch Gedanken, die gerade in dieser komischen Zeit verblüffend aktuell klingen: Entfliehen vom Stress des Berufs, (Kritik am) Privateigentum von Landschaftsgebieten, das Fremde inkl. sprachlich bedingte Misverständnisse, das Konzentrieren aufs Essentielle/Notwendigste, was heute als Minimalismus-Trend ja schon fast wieder überholt ist.
Gerade der letzte Punkt ist in Zeiten von Influencern und social media für mich total faszinierend: was Graham wohl von Bookbloggern halten würde mit den oft aufwendig gestageten halb-professionellen Instagram Posts? Wahrscheinlich ähnlich wie über Smart-Watch Süchtige, die jeden Lauf und jede Radtour und wohl auch Wanderungen bei strava posten ... Wandern als Gegenpol zur Selbstoptimierung?
Ein tolles Buch zum Entschleunigen, zum Genießen und zum Nachdenken, das ich generationsübergreifend empfehlen würde... und zwar genau jetzt in Zeiten des #wirbleibenzuhause Mantras inmitten der Covid19 Pandemie.
Warum in die Ferne schweifen, das Buch liegt so nahe. Ein Wanderbuch bzw. eine Anleitung zum Wandern. Das Format lädt ein es in den Rucksack zu packen, um es bei der Rast herauszuzücken und ein wenig darin zu schmökern. Es ist so einfach Schuhe an und raus in die Natur - zu dieser Zeit (April 2020) ein sehr begehrter Zeitvertreib - Stephen Graham zeigt uns wie wenig nötig ist das Laufen zu geniessen. Er beschreibt seine Erlebnisse, gibt Tipps zu Erleben und hat sehr viel Witz und Charme dabei. Man schmunzelt oft dabei und kann doch noch ein paar Tipps abgreifen. Was das Lesevergnügen etwas eintrübt sind seine manchmal grenzwertige Bemerkungen über Leute, die nicht seines Standes sind. er ist ein Kind seiner Zeit und verfällt manches Mal in Arroganz und das ist eigentlich schade. Nichtsdestotrotz ein kurzweiliges Lesevergnügen.
Die Kunst des stilvollen Wanderns wurde bereits 1926 von Stephen Graham geschrieben, dieses Buch ist also eine Neuauflage die bei HarperCollins erschienen ist. Mit knapp über 200 Seiten kann man es schnell durchlesen und ich fand es auch recht unterhaltsam. Zuerst muss ich zu der Aufmachung sagen das sie wirklich sehr gelungen ist und das Buch sehr edel aussieht und jedes Buchregal schmücken wird. Dadurch ist es sicherlich auch ein tolles Buch zum Verschenken. Das Buch ist sehr poetisch geschrieben und man kriegt gleich Lust raus zu rennen und wandern zu gehen, wenn man es gelesen hat. Ich finde es sehr toll das dieses Buch neu aufgelegt wurde und kann es allen Naturfreunden nur wärmstens empfehlen!
Stephen Graham schrieb diesen Klassiker in den 1920ern und nun liegt er in einer neuen deutschen Übersetzung inklusive Vorwort von Abenteurer Alastair Humphreys vor. Dieses kleine Büchlein über das Wandern schneidet so ziemlich jedes Thema an, dass Wanderer damals und heute betrifft, wobei natürlich immer wieder Grahams britische Weltsicht durchbricht. Dabei bleibt er jedoch immer kurzweilig und amüsant, erzählt kurze Anekdoten und bietet so einen Einlick in das Wandersleben zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Gegen Ende wurden seine Kapitel doch etwas eintöniger und fühlten sich gestreckter an, jedoch kann ich sehr empfehlen seinen philosophischen Wegweiser mit auf eine kleine Wanderung zu nehmen, so fühlt man sich Graham noch verbundener.
Kann man ein dermassen aus der Zeit gefallenes Buch mit Sternen bewerten? Eher nicht. Man schmunzelt und staunt über Stephen Grahams vor 100 Jahren verfassten pathetischen Schilderungen des stilvollen Wanderns. Very british, indeed, auch in der deutschen Übersetzung. Wenn es zu viel wurde, habe ich auch mal ein paar Seiten quer gelesen.
"Die Qualität macht eine gute Wanderung aus, nicht die Quantität. Eine beneidenswerte Tugend beim Wandern, ist es sich Treiben zu lassen. Genau darin steht nämlich die Kunst des stilvollen Wanderns. Wenn man sich nicht treiben lässt, dann ist nichts daran stilvoll. Dann ist es nur eine Angeberei, mit der sich ein langweiliger Mensch interessant machen will" Sagt alles über dieses schöne Buch