Seit ihre Mutter fortging, sind Pauli und ihre Schwester Karine auf sich allein gestellt. Pauli ist sechzehn und als Ältere darum bemüht, einen normalen Tagesablauf aufrechtzuerhalten. Doch die Vorräte, die ihre Mutter vor ihrem Verschwinden einkochte, gehen zur Neige, und obwohl noch nicht mal November ist, verheißt der Blick zum Himmel nichts Gutes. Nachdem auch die letzten Bewohner das Dorf verlassen haben und der Mond die Landschaft in ein unheilvolles, blassgrünes Licht taucht, ziehen die fernen Hügel Pauli magisch an. Denn dahinter liegt das Unbekannte, das alle verschluckt – zuerst ihren Vater und später auch Powel, den großen Jungen mit dem seltsamen Gesicht, ihren einzigen Vertrauten. Auf der Suche nach einer Erklärung wandern Paulis Gedanken in die Vergangenheit, und schicksalhafte Geschichten treten ans Licht. Pauli wird klar: Sie muss handeln, bevor der erste Schnee fällt. "Warten auf Schnee" ist ein schnörkelloses Debüt mit präziser Sprache, das durch seine atmosphärische Dichte besticht und eine hypnotische Ruhe ausstrahlt, die den Leser in ihren Bann zieht. Kunstvoll verwebt Karoline Menge archaische Märchenmotive zu einer modernen Geschichte, die einen anschwellenden Sog des Unheimlichen erzeugt. Gleichsam erzählt sie von einer Familie, deren Mitglieder sich gegenseitig ins Verderben stürzen und in deren Zentrum eine mutige Heldin ihren Ängsten trotzt.
Ich habe so eben dieses wundervolle, absolut grandiose Buch beendet. Tatsächlich muss ich gestehen, das ich es ursprünglich nur auf Grund des Titels gekauft hatte, denn ich liebe Schnee und dachte mir, das es bestimmt ein gutes Buch wird. Das es aber ein SO unfassbar tolles Buch ist, hätte ich nie gedacht. Ich liebe es! Es hat mich komplett gefangen genommen und in seinen Bann gezogen, ich konnte nicht aufhören zu lesen, bin gefühlt nur so hindurch geflogen weil ich es einfach gar nicht mehr abwarten konnte, wie es weiter geht und was man noch alles erfährt. Dieses Buch hat mich auf so vielen Ebenen so vieles fühlen lassen... Ich bin total überwältigt! Und freue mich schon jetzt, wenn ich es im November oder Dezember wieder erneut lesen werde♡ Es ist ab jetzt mein absolutes Lieblingsbuch!
Dieses Buch ist krass. Düster, ein bisschen verstörend. Ehrlich. Es lässt einen den Atem anhalten. Genialer Schreibstil; die kleinen Beobachtungen, die Autorin SIEHT die Dinge. Am Anfang war ich von den verschiedenen Zeiten verwirrt, aber ich glaube, das soll so sein, genauso sieht es in Paulis Kopf aus. Ich glaube, ich habe das richtige verstanden, worum es ging, obwohl es nur angedeutet wurde. Die Geschichte hat mich sehr beeindruckt.
Zitate: "Er sagte es, als wäre es wichtig, als hätte seine Bedeutung für das, was folgte. Powel machte das manchmal, Dinge sagen, als müsste man verstehen, wieso sie so wichtig waren" -92
"Frau Rosamunde weiß nicht, dass es niemanden mehr gibt im Dorf. Ihre gelben, geschwollenen Beine tragen sie nur noch bis zur Tür, und selbst von dort aus sieht sie nur dunkle Flächen und helle Punkte. Ihre Welt verschwindet, und dabei ahnt sie nicht, dass die Welt gerade wirklich verschwindet, dass ich alles um uns herum auflöst." -103
" 'Sterben Menschen, sterben ihre Nächsten für einen kurzen Moment mit ihnen', sagte Frau Rosamunde, 'aber das geht vorbei, Mädchen, das geht vorbei.' " -105
Die 16-jährige Pauli und ihre jüngere Schwester Karine sind in "Warten auf Schnee" von Karoline Menge auf sich gestellt. Nach und nach ist jeder im Dorf, inklusive ihrer Eltern, verschwunden und nicht wieder aufgetaucht und der Grund dafür ist unklar. Unter einem grün leuchtenden Mond müssen die beiden Mädchen alleine in ihrem Elternhaus überleben und die Vorräte gehen zur Neige. Sollen sie es wagen und das Dorf ebenfalls verlassen? Doch was lauert hinter den Hügeln? Sie müssen eine Entscheidung treffen, bevor der erste Schnee fällt... Mich hat an dem Buch gereizt, dass man nicht sagen kann, welches Genre auf einen wartet und wo die Reise hin geht... Ist es ein Kriegsdrama oder Science Fiction? Tja, ich kann sagen, viel Aufklärung erhält man nicht. Ich habe während des Lesens nach und nach verstanden, dass es den Reiz des Buches ausmacht, nicht zu wissen, was passiert ist, enttäuscht hat es mich aber dennoch ein wenig. Nichtsdestotrotz ist 'Warten auf Schnee' ein atmosphärisches Buch mit düsteren Elementen, das durch einfache, aber eindringliche Sprache Paulis Inneres darlegt. Ihre Lebensgeschichte wird aus ihrer Sicht rückblickend und nicht chronologisch erzählt. Und darum geht es, um die Figur, um die Verluste, die sie schon früh erlitten hat und ihre psychische Verfassung. Die Autorin hat ein feines Gespür für Details und kann mit wenigen Worten viele Bilder im Kopf entstehen lassen. Der Erzählton ist ruhig und es werden ein paar Horror-Akzente gesetzt, um den Puls auch mal kurz hochzujagen. Wäre ich mit einer anderen Erwartung dran gegangen, hätte ich wohl 4⭐ vergeben, mir ist aber eher nach wohl gemeinten 3⭐ für dieses ziemlich gute Debüt der Autorin.
Ich bin etwas ratlos, was ich von Warten auf Schnee halten soll, und das nicht wegen der zahlreichen offenen Enden, mit denen mich der Roman zurückgelassen hat. Diese machen für mich tatsächlich den Reiz des Buches aus; ich war am Ende weder genervt noch enttäuscht, dass keine Aufklärung erfolgt, denn das braucht die Geschichte auch nicht. Vielmehr stehe ich zu diesem Debüt wie zur Serie Fleabag: Eigentlich nicht mein Genre, in der Ausführung noch nicht ganz rund, aber irgendwie ist da etwas, das mich packt, mich festhält und mich beschäftigt. Ich erkenne die Muster und Zeichen, kann sie aber nicht ganz fassen und deuten. Warten auf Schnee wird wohl ein Kandidat für den Re-Read-Stapel.