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Trotzdem

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Am 30. März 2020, 19 Tage nachdem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Ausbreitung eines neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) zu einer Pandemie erklärt hatte, führten Alexander Kluge (München) und Ferdinand von Schirach (Berlin) zwei Gespräche über einen Instant-Messaging-Dienst.

Das Corona-Virus hat uns an eine Zeitenwende gebracht.
Beides ist jetzt möglich, das Strahlende und das Schreckliche.

80 pages, Kindle Edition

First published January 1, 2020

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About the author

Ferdinand von Schirach

63 books2,030 followers
Ferdinand von Schirach (born 1964 in Munich) is a German lawyer and writer. He published his first short stories at the age of forty-five. Shortly thereafter he became one of Germany's most successful authors. His books, which have been translated into more than 35 languages, have sold millions of copies worldwide and have made him an internationally celebrated star of German literature.

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Community Reviews

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Displaying 1 - 30 of 78 reviews
Profile Image for Patricia.
334 reviews57 followers
June 13, 2020
Gerne würde ich mich einer Sterne-Bewertung dieses Büchleins entziehen, habe mich dann aber auf die goldene Mitte geeinigt, was mir angebracht scheint.
Ich weiß nicht, was ich mir genau erwartet habe, aber jedenfalls mehr als das, was in diesem Dialog geboten wurde.
Nach wenigen Seiten (und so viele sind es ja insgesamt nicht) drängt sich mir der Eindruck auf, dass hier ein sokratischer Dialog nachgespielt wird, bei dem Alexander Kluge nur kurze Zwischenbemerkungen machen darf und gelegentlich nachhakt, während Ferdinand von Schirach über Staatspolitik, Literatur und Philosophie doziert. Es wird quer durch alle Disziplinen der Geisteswissenschaften zitiert, als ginge es nur darum, seine Bildung unter Beweis zu stellen. Natürlich sind die genannten Themen relevant und auch wenn die Zusammenhänge und gelegentlich etwas konstruiert wirken, sind sie doch da.
Nur am Anfang und am Ende geht es tatsächlich um die konkrete Situation rund um Covid-19, eine Stelle, die ich gerne in Erinnerung behalten möchte ist:

"Vielleicht zum ersten Mal in der Geschichte der modernen Staaten haben wir gesehen, dass die Politik alles ermöglichen kann. Nie wieder wird deshalb ein Politiker zu einer jungen Frau sagen können, Klimaschutzmaßnahmen seien nicht zu verwirklichen, weil sie zu teuer sind, zu kompliziert oder die Gesellschaft zu sehr einschränken. Wir können offenbar alles, wenn Gefahr droht, das haben wir jetzt gelernt. Und warum sollten wir die Lehren nicht ins Positive wenden?"
Profile Image for Hendrik.
440 reviews110 followers
June 20, 2020
Treffen sich zwei kluge Köpfe zum gepflegten Gespräch in Zeiten der Pandemie. Unter den Bedingungen des Shutdown fand der Gedankenaustausch zwischen Alexander Kluge und Ferdinand von Schirach selbstverständlich rein virtuell statt. Per Instant-Messaging-Dienst über eine Entfernung von 800 Kilometern (München - Berlin) hinweg, was im Endeffekt keinen großen Unterschied ausmacht. Die beiden plaudern als säßen sie bei Kaffee und Zigaretten in Schirachs Stammcafé zusammen. Beim intellektuellen Ping-Pong spielen sie einander souverän die Bälle zu. In freier Assoziation erkunden sie Handlungsoptionen für das Leben unter Krisenbedingungen. Man erfährt nichts weltbewegend Neues. Das Protokoll dieses Gesprächs ist streng genommen ein Kondensat der öffentlichen Diskussionen der letzten Monate. Trotzdem (vielleicht deshalb der Titel) fand ich das Ganze recht anregend zu lesen. Sicher, ein publizistischer Schnellschuss, aber auf alle Fälle gut für ein zwei Stunden am Nachmittag. Am Rande erfährt man noch, dass Ferdinand von Schirach (die Restaurants und Cafés waren geschlossen) sich zum ersten Mal im Leben selbst Eier kochen musste. Leider endete der Versuch in einem totalen Fiasko. Manche Menschen haben wirklich seltsame Probleme.
Profile Image for Steffi.
1,123 reviews273 followers
May 27, 2020
Ich mag von Schirachs literarische Werke sehr, mit dieser tagesaktuellen Publikation hadere ich etwas. Natürlich ist das ein Geplänkel zwischen gutsituierten Intellektuellen, das die Situation vieler Durchschnittsbürger ausblendet. Das ist vielleicht noch zu erwarten und sicher eine gute Ergänzung zu aktuellen Diskussionen, die zwischen absoluter Akzeptanz der Maßnahmen und Verschwörungstheorien rechter Aluhutträgern selten eine gesunde Mitte finden. Aber es gibt einzelne Sätze, die mich irritieren:

In normalen Zeiten glauben wir ja, diese „westlichen Werte“ würden sich darin erschöpfen, dass wir im Supermarkt zwischen 146 verschiedenen Sorten Joghurt wählen können. Oder dass es im Internet für jede erdenkliche sexuelle Verwirrung eine Plattform gibt.

Sexuelle Verwirrung? Was meint Schirach damit? Wenn er Pädophilie und Vergewaltigungsphantasien meint, bin ich bei ihm. Da er es nicht weiter ausführt, könnte er aber auch Homo-, Bi-, Transsexualität meinen. Dann wäre „Verwirrung“ mehr als unangemessen.

Andererseits, bei aller Kritik an der Einschränkung von Freiheitsrechten, sagt er auch:
Noch scheint unsere Demokratie nicht gefährdet, die Kanzlerin ist eine besonnene Frau, die Politiker sind in ihren Anstrengungen glaub- und vertrauenswürdig, die Maßnahmen sind zeitlich befristet. Aber es darf nicht zu lange dauern. Autoritäre Strukturen können sich verfestigen, die Menschen gewöhnen sich daran.
Zur Erinnerung: Es handelt sich um ein Gespräch der Autoren am 30.03.2020.

Versöhnlich stimmt mich auch der Schluss:
Warum sollte zum Beispiel nicht jedem europäischen Bürger das Recht zuerkannt werden, dass seine Daten ausschließlich ihm selbst und keinem anderen – keinem Unternehmen, keiner Organisation und keinem Staat – gehören? Warum sollten wir nicht einen echten Anspruch der Menschen auf eine intaḱte Umwelt festschreiben? Und warum sollten wir nicht endlich ein für alle Mal festlegen, dass wirtschaftliche Interessen stets und an jedem Ort in dieser Welt hinter den universalen Menschenrechten zurücktreten müssen?

Da bin ich dann wieder voll bei Ferdinand von Schirach.

Gemischte Leseeindrücke also.
Profile Image for John Hatley.
1,383 reviews236 followers
October 23, 2020
This brilliant little book, written by two authors, both of whom also studied law, is a very interesting conversation between the two of them, one in Berlin, the other in Munich, on the topic of the Corona virus pandemic and its effect on public life. It can easily be read in a single sitting. I found it quite simply fascinating.
Profile Image for Aurelius.
110 reviews39 followers
June 13, 2020
Ich konnte dem Buch nichts wissenswertes entnehmen. Aus meiner Sicht viel Geschwafel ohne wirkliche Bedeutung.
Profile Image for prostderpoesie.
217 reviews11 followers
June 22, 2024
ich hätte niemals den neupreis von 8€ für dieses gespräch zwischen kluge und schirach gezahlt, aber jetzt 4 jahre nach dem pandemiebeginn war es teilweise sehr krass zu lesen, wie wenig positives wir nachhaltig durch corona gesamtgesellschaftlich verändert haben, was nachhaltigkeit, umweltschutz, gewalt an frauen, etc. angeht. bei schirachs werken im allgemein mag ich die verbindung von philosophie, geschichte und literatur gern, allerdings ist es soo oft nur ein verweis auf das denken alter weißer cis-männer, dass es ermüdend wird. trotzdem angenehm zu lesen, wenn auch teilweise sehr umständlich hochgestochen.
Profile Image for Mandy, Erste ihres Namens, Mutter der Kaninchen.
608 reviews85 followers
February 16, 2022
Sehr kurzweilig, aber ich habe trotzdem viel gelernt und die Texte haben mich zum Nachdenken gebracht. Zwar ist der Anlass des Buches Corona, aber die Themen die angesprochen werden, verlieren nicht an Bedeutung, wenn die Pandemie vorbei ist. Im Mittelteil sind die beiden für mich etwas zu sehr vom Thema abgedriftet, aber es war dennoch interessant.
Profile Image for All My Friends Are Fictional.
364 reviews47 followers
August 22, 2021
Ein paar Zitate aus dem Buch über die Corona-Pandemie:
"Der Shutdown der Gesellschaft."
"Es ist auch ein Shutdown unserer Grundrechte."
"Es ist die Wahl zwischen Sicherheit und Freiheit."
"Seit 30 Jahren gehe ich ja schon zum Frühstück ins Café, ich esse nie zu Hause."
I rest my case.
Profile Image for Michèle.
59 reviews28 followers
November 22, 2020
"Vielleicht zum ersten Mal in der Geschichte der modernen Staaten haben wir gesehen, dass die Politik alles ermöglichen kann. Nie wieder wird deshalb ein Politiker zu einer jungen Frau sagen können, Klimaschutzmaßnahmen seien nicht zu verwirklichen, weil sie zu teuer sind, zu kompliziert oder die Gesellschaft zu sehr einschränken. Wir können offenbar alles, wenn Gefahr droht, das haben wir jetzt gelernt."
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Am 30. März 2020, also genau 19 Tage nachdem die WHO Covid-19 zur Pandemie erklärte, begann das Gespräch via Chat zwischen zwei klugen Köpfen, die sich über die momentane Situation austauschen und über die Folgen des Virus diskutieren: Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge fragen sich, wie es denn nun um die bürgerlichen Freiheitsrechte bestellt ist. Kluge und von Schirach unterhalten sich zunächst über die weltweiten Entwicklungen und Folgen der Maßnahmen, schnell hebt sich der Blick aber vor allem auf die deutschen Grundrechte, die Ausgangssperre und die Konformität der Maßnahmen mit der Verfassung. Wer hier fürchtet, dass es inhaltlich zu trocken wird, sei beruhigt. Schnell entspinnt sich ein philosophisches Gespräch über den „Shutdown der Grundrechte“, Platon, den Gang nach Canossa, Montesquieu, Thomas Hobbes, David Hume, Carl Schmitt, Aufklärung, Freiheitsrechte und den Gefahren autoritärer Kräfte. Ganz schön viele Inhalte für dieses 80 Seiten dünne Büchlein.
Daher bleibt das Gespräch auch meist an der Oberfläche der Thematik und wirkt - obwohl es durchaus interessant ist - wie ein Schnellkurs in die Geschichte der Grundrechte. Wer im Philosophieunterricht oder in Rechtsgeschichte aufgepasst hat, wird hier seine Kenntnisse auffrischen können, da die klugen Persönlichkeiten leider kaum persönlich werden.
Trotzdem habe ich es gern gelesen und in kürzester Zeit gelesen, denn die Einordnungen und Gedankengänge, insbesondere die historischen Ansätze, regen neue Denkanstöße und tiefere Reflexionen an. Die beiden Gesprächspartner sind auf einer Wellenlänge und stehen einander auch intellektuell in nichts nach, das merkt man sofort. Daher ist auch die Frage, ob eine Geistesverwandtschaft auch als gemeinsamer Hausstand durchgehen würde, eine besonders schöne, freundschaftliche.
Ein empfehlenswertes Buch mit viel Inhalt, wenn auch meist nur oberflächlich (und daher zum selber weiter denken).
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Das Buch wurde mir vom Verlag netterweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt - vielen Dank!
Profile Image for Choosing Destiny.
56 reviews5 followers
May 11, 2020
*Rezensionsexemplar*
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Heute habe ich "Trotzdem" von Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge für euch. Das Buch ist übrigens heute erschienen. Zunächst einmal der Klappentext:
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"Das Corona-Virus hat uns an eine Zeitenwende gebracht. Beides ist jetzt möglich, das Strahlende und das Schreckliche.

Ist der aktuelle Shutdown unserer Gesellschaft auch ein Shutdown unserer Grundrechte? Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge gehen der Frage nach, was die Corona-Pandemie für unsere Gesellschaftsordnung und unsere bürgerliche Freiheit bedeutet."
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Das Buch hat mich zum einen aufgrund des aktuellen Themas angesprochen, zum anderen aufgrund dessen, dass von Schirach einer der Autoren ist und ich ihn recht beeindruckend finde.
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Wichtig zu wissen ist, dass das Buch ein Schreibgespräch zwischen von Schirach und Kluge darstellt und man es so im Kopf gut nachverfolgen kann.
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Zunächst einmal muss ich sagen, dass das Buch sprachlich absolut qualitativ hochwertig ist. Es ist wunderbar geschrieben.
Problematisch war für mich die Tatsache, dass meiner Meinung nach der Klappentext nicht mit dem übereinstimmt, was ich am Ende bekommen habe.
Der Anfang und das Ende (die jeweils ersten und letzten fünf Seiten ca.) haben das Thema getroffen, doch der Rest war für mich relativ weit ab vom Schuss.
Hier ging es viel um Philosophen und Aufklärer wie z.B. Machiavelli und Voltaire, in dem Zusammenhang auch um Gott, die Gewaltenteilung und ähnliches.
Ich verstehe den Grundgedanken dahinter, dies einzubringen, um die aktuelle Situation zu beleuchten und zu sehen, wie damit aufgrund der Vergangenheit und des Einflusses bedeutender Persönlichkeiten wie etwa Voltaire umgegangen werden sollte.
Das Problem ist jedoch, dass die Verknüpfung dieser philosophischen Ansätze und Erläuterungen mit der aktuellen Situation eben nicht erfolgt ist.
Für mich fehlte dem Buch dadurch ein roter Faden, dieser erschien mir nicht erkenntlich.
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Kommen wir nun zu meinem Fazit: Ich fand das Buch mittelmäßig. Wie gesagt, die Sprache fand ich toll, ich mochte auch die Ansätze des Buches. Dadurch, dass mir aber der rote Faden und insgesamt der Zusammenhang mit der aktuellen Situation nicht genug ausgeführt wurden, kann ich dem Buch jedoch leider nur 2,5/5 ⭐ geben.
Profile Image for Lillian.
260 reviews12 followers
January 5, 2023
Das erste Buch des Jahres. Was für ein toller Text. Oder besser gesagt: zwei Texte.
Im ersten Teil widmen sich Schirach und Kluge der Corona Pandemie direkt und erklären mit Hilfe vieler literarischer, philosophischer und juristischer Verweise, die Gesamtlage. Im zweiten Teil werden historische Ereignisse als Vergleich für menschliches Handeln in Krisensituationen herangezogen. Politische Geschichte wird mit religiösen Wegen verknüpft und der Versuch unternommen eine rationale pragmatische Lösung, oder zumindest einen Ansatz für zukünftiges Handeln zu finden.
Mir hat das kleine Buch sehr gut gefallen! Die Beispiele und Zitate waren alle verständlich, Hinleitungen nachvollziehbar und der Austausch der beiden Autoren flüssig geschrieben.
Vier Sterne gibt es für die relevante Themenwahl, den guten Stil, die umfassenden Beispiele und Ansätze für die Zukunft. Für den letzten Stern hätte ich mir noch mehr dialogische Tiefe gewünscht und damit etwas mehr konkreten Austausch als die bloße Beschreibung und das gegenseitige Stichwort geben.
Profile Image for Lysergius.
3,164 reviews
July 21, 2022
Having enjoyed another book by von Shirach bought this on spec. Not disappointed. The viewpoints expressed by the two authors are surprisingly complementary. The discussion of the Lisbon earthquake in 1755 and its effect on belief in God I found absolutely fascinating. Fruit for further research. It was nice and short and the language was not too complex. A very pleasant little book.
Profile Image for wortvielfalt.
226 reviews18 followers
November 4, 2020
„Es gibt auch ein Übermaßverbot. So viel Freiheit wie möglich muss erhalten bleiben. Gleichzeitig muss der Staat das Leben schützen.“
Alexander Kluge in ‚Trotzdem‘

Dieses 80 Seiten starke Werk ‚Trotzdem‘ von Ferdinand von Schriach und Alexander Kluge beinhaltet zwei Gespräche, die von Schriach und Kluge miteinander während der Corona-Pandemie miteinander über Messenger-Dienste geführt haben. Thema: die Auseinandersetzung mit Corona im Lichte der Grundrechte.

Auch wenn es ‚nur‘ 80 Seiten sind und die mehr oder minder schnell gelesen wird, so löst der Text einen Gedankenprozess aus und klingt nach. Es war spannend und interessant zu lesen, wie zwei kluge Köpfe den Umgang mit der Pandemie einschätzen und bewerten, auch und besonders mit unseren deutschen Grundrechten. Ausgelöst durch Corona wird auch abstrakt und generell diskutiert, welche Auswirkungen die Einschränkungen von Grundrechten mit sich bringen können.

Für mich eine spannende Lektüre, die ich empfehlen kann, für alle, die sich mit dem Thema Grundrechte mit Hinblick auf die aktuelle politische Lage beschäftigen möchten. Die 80 Seiten sind leider viel zu schnell gelesen und dennoch so lohnenswert!
Profile Image for YvonneN.
182 reviews3 followers
January 30, 2021
Hatte ich erst kürzlich noch ein wenig darüber gejammert, dass mir das Thema Corona zum Hals heraushängt, ist es umso verwunderlicher, dass ich jetzt dennoch zu diesem eBook gegriffen habe. Denn um genau dieses Thema geht es in „Trotzdem“, beziehungsweise dem, was dieses Virus gesellschaftlich und politisch verursacht hat, noch bewirkt und wohl auf lange Sicht noch hervorbringen könnte. Tatsächlich bin ich eher dem Impuls gefolgt, dass ich das Buch, das ich zunächst unbedingt haben musste, auf meinem eReader lange genug ignoriert hatte und die rund 80 Seiten jetzt doch endlich lesen wollte. Auch war ich gerade offen genug für die Gedanken, die Ferdinand von Schirach im Gespräch mit Alexander Kluge zu Tage fördern könnte. Denn eigentlich halte ich mich gerade fast ausschließlich in meiner ‚Bubble‘ auf und konsumiere Nachrichten und Corona-Meldungen gezielt und vor allem in homöopathischen Dosen.

Der Klappentext dieses vor einem halben Jahr erschienen Buches verrät: Ist der aktuelle Shutdown unserer Gesellschaft auch ein Shutdown unserer Grundrechte? Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge gehen der Frage nach, was die Corona-Pandemie für unsere Gesellschaftsordnung und unsere bürgerliche Freiheit bedeutet. „Niemand hätte sich vor zwei Monaten vorstellen können, dass wir diesen Ausnahmezustand erleben. Es wird heute von manchen behauptet, das sei die Zeit der Exekutive. Aber das ist falsch. Wir leben in Demokratien, wir haben eine Gewaltenteilung. Noch immer muss das Parlament entscheiden, und daran darf sich auch nichts ändern. Noch scheint unsere Demokratie nicht gefährdet.“

Und so folgt man den beiden Autoren, die sich über die Rahmenbedingungen der Pandemie unterhalten. Der Einblick in die Gedanken von von Schirach und Kluge hat mir gefallen, der ein oder andere interessante Denkanstoß war für mich dabei, auch wenn ich mir stellenweise gewünscht hätte, dass das Ganze mehr in die Tiefe gegangen wäre. Stattdessen verlieren sich beide in Aufzählungen und Geschichtsereignisse, wenn auch mit aktuellem Bezug. Aber genau darin liegt wohl auch die Intention dieses Buches: Wach bleiben, damit sich Vergangenes nicht wiederholen kann.

„Autoritäre Strukturen können sich verfestigen, die Menschen gewöhnen sich daran. Erosionen sind langsame Abtragungen, keine plötzlichen Ereignisse.“ (S. 34, Ferdinand von Schirach)

Auch wenn wir uns inzwischen im sogenannten zweiten Shutdown befinden, hat dieses Buch noch nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Und doch bin ich eher der Auffassung, dass dies eines der Bücher ist, die man vielleicht eher in zwanzig Jahren lesen sollte. Zu einem Zeitpunkt, an dem man nicht mit einer zu hohen Erwartungshaltung Bücher mit dem Thema Corona liest, von denen man sich insgeheim doch erhellende Aha-Momente oder sogar eine Lösung des Problems erhofft. Es wird interessant werden auf die jetzige Zeit zurückzublicken und sich vielleicht darüber zu wundern, was man gedacht und erwartet hat, bevor man sich damit abfinden musste mit dem Virus weiterzuleben.
Profile Image for Simon.
30 reviews2 followers
March 18, 2024
"Trotzdem" ist wirklich leider überhaupt kein zeitloses Buch, sondern wirklich sehr bezogen auf die Anfänge der Pandemie - hätte man das Buch Anfang 2020, als es erschienen ist, gelesen, wäre es bestimmt sehr spannend gewesen. Aber im März 2024 empfindet man einfach nichts mehr dabei, zwei Personen beim philosophieren über chinesische Wet-Markets und der irrtümlich berüchtigten Fledermaus zu verfolgen.

Da kann noch so viel abgeschweift werden - alles Wissen über mögliche Hintergründe und historische Vergleiche sind zwar interessant, aber wirklich Spaß machen Sie beim Lesen nicht.
Übertroffen wird das Ganze aber vom spießigen Schreibstil.
Das Buch liest sich so, wie eine Folge Lanz & Precht sich hört - nie, nie, niemals ist das wirklich ein unbearbeitetes Gespräch auf irgendeinem Kurznachrichtendienst. Daran zweifelt man ab Seite 1, weswegen es irgendwie problematisch oder abstoßend wirkt, dass das Buch als ein spontanes und ungezwungenes Gespräch unter Freunden geframed wird. Für mich persönlich macht dieses Framing das ganze Buch zu einem ganz unangenehmen humble flex à la "Guck mal wie unglaublich intelligent ich bin, ich rezitiere Hobbes Leviathan beim Small Talken".
Profile Image for Nicole.
1,232 reviews35 followers
February 18, 2024
Kurzmeinung / Leseerlebnis
Vielen Dank an Peter für die Leihgabe.
Dieser Schirach geht wieder mehr in meine Richtung, wenn auch der Vorwand des "Chats" unglaubwürdig ist. Ein anderes Format hätte dem Buch besser gestanden. Dennoch war der Inhalt lesenswert.
Schade nur, dass Schirach den wissenschaftlichen Begriff der "Theorie" falsch definiert.
267 reviews3 followers
May 21, 2020
Kluge, kritische Gedanken und drei gute Vorschläge zu dem, was man aus der aktuellen SARS-CoV-2-Pandemie "operativ lernen" kann.

Warum keine fünf Sterne?
Weil ich mir vergeblich wünsche, daß sich solch kluge, intellektuelle Köpfe noch pointierter in die Politik einmischen. Wo sind die Zeiten hin, in denen die Adornos, meinetwegen auch die Grass ' der damaligen Welt die Politik eng begleitet, schon auch ein Stück weit beraten haben. Man muß sich nicht mit allem einverstanden erklären, was solche Leute sagen, raten - aber man sollte ihnen sehr genau zuhören.

Kluge und von Schirach fordern zu wenig ein, daß nicht nur wir Buchkäufer:innen ihnen zuhören. Das ist bedauerlich - denn die heute politisch Entscheidenden könnten viele wichtige und hilfreiche Gedanken mitnehmen.
Profile Image for Katha_reads .
162 reviews6 followers
Read
August 18, 2024
Interessantes Gespräch, aber auch sehr kurz
Für mich unklar, wie ich es bewerten soll🤔
Profile Image for Buchbesprechung.
211 reviews24 followers
May 28, 2020
Wer sich mit den möglichen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf unsere Gesellschaft beschäftigen will, kann viele Bücher lesen. Empfehlenswerter ist aber die Lektüre des kleinen, im Mai beim Luchterhand-Verlag erschienenen Büchleins „Trotzdem“. Wie schon in ihrem ersten beeindruckenden Gesprächsband über „Die Herzlichkeit der Vernunft“ (2017) überzeugen auch diesmal die beiden Schriftsteller-Juristen Ferdinand von Schirach (56) und Alexander Kluge (88) durch Intellekt, Scharfblick und Weitblick. Das gerade in seiner Kürze und Prägnanz beeindruckende, auf knapp 80 Seiten festgehaltene Gesprächsprotokoll der beiden Juristen beantwortet Fragen von der Rechtmäßigkeit heutiger Einschränkungen bis zur Zukunft Europas.
Das Corona-Virus schafft eine Zeitenwende, vermuten beide Juristen, die Zweierlei möglich macht - „das Strahlende und das Schreckliche“. Das „Schreckliche“ zuerst: Während manche einen „Shutdown unserer Grundrechte“ zu erkennen glauben, bleibt Schirach zuversichtlich: „Wir leben in Demokratien, wir haben eine Gewaltenteilung. Noch immer muss das Parlament entscheiden.“ Doch auch er warnt vor einer „Verfestigung autoritärer Strukturen“, an die sich die Menschen bald gewöhnen könnten, und fordert deshalb zwingend eine zeitliche Befristung jeder Maßnahme, die zudem vier Voraussetzungen erfüllen muss: „Sie muss einen legitimen Zweck verfolgen, geeignet, erforderlich und angemessen sein.“ Würde man zum Beispiel allen Menschen die Fahrerlaubnis entziehen, um Leben zu schützen und Tausende Verkehrstote pro Jahr zu vermeiden, wäre auch dies zwar legitim, aber nicht angemessen.
Doch diese Frage scheint beiden Gesprächspartners eher unwichtig zu sein, weshalb sie sich stattdessen der weitaus interessanteren Frage nach langfristigen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf unsere gesellschaftliche Entwicklung zuwenden. Wie das verheerende Erdbeben von Lissabon im Jahr 1755 die europäischen Völker von ihrem bisherigen Gottesglauben entfernte und dadurch zum beschleunigenden „Katalysator der Aufklärung“ wurde, indem rationales Denken alle den Fortschritt behindernden Strukturen überwand, so kann auch die weltweite Corona-Pandemie unsere Gesellschaft auf einen neuen Weg führen. So könne kein Politiker in Zukunft behaupten, Klimaschutzmaßnahmen seien nicht zu verwirklichen, weil sie zu teuer sind oder die Gesellschaft zu sehr einschränken. „Wir können offenbar alles, wenn Gefahr droht“, folgert Schirach aus dem aktuellen Shutdown.
Ähnlich der amerikanischen Verfassung, die 1787 ungeachtet der weit verbreiteten Sklaverei dennoch das Recht auf Leben und persönliche Freiheit forderte, sollten sich die EU-Staaten eine vorausschauende europäische Verfassung geben - mit dem Anspruch auf eine intakte Umwelt und der klaren Forderung, wirtschaftliche Interessen grundsätzlich den universalen Menschenrechten nachzustellen. Solche Forderungen seien nicht weniger utopisch, als jene der amerikanischen Verfassung.
Dieses kleine, mit seinem grauen Einband so unscheinbare Büchlein „Trotzdem“, nicht einmal 80 Seiten stark, hat es wahrlich in sich: Einerseits ist es ein Protest, sich als Mensch nicht von Pandemie und Einschränkungen unterkriegen zu lassen, sondern an die Zukunft zu glauben. Andererseits ist es nichts weniger als ein eindrucksvoller Aufruf zweier selten kluger Köpfe, den Shutdown als eine einmalige Chance für einen sinnvollen Neuanfang, einen wohl überlegten und zukunftsweisenden Wiederaufbau zu nutzen, statt gedankenlos und allzu bequem die veralteten Strukturen mit ihren längst erkannten Mängeln wieder aufzunehmen.
Profile Image for Laura.
131 reviews3 followers
July 23, 2021
Ich habe das Buch und die Message leider nicht wirklich verstanden. Ich weiß schon jetzt nicht mehr so richtig, worüber eigentlich geredet wurde. Hatte auch was anderes erwartet.
Profile Image for Janina.
10 reviews
January 18, 2023
Ganz am Anfang steht die Aussage Corona würde keinen Unterschiede zwischen Arm und Reich machen. Vielleicht der Virus nicht, aber ich finde die Aussage doch ziemlich in die Irre führend, denn es ist wohl klar das Corona andere Auswirkungen auf Menschen ohne Geld hat (Jobverlust, schlechtere Medizinischeversorgungen sind nur wenige Beispiele).
Auf Seite 26 findet sich die Aussage: "Oder das es im Internet für jede erdenkliche sexuelle Verwirrung eine Plattform gibt.". Diese Aussage finde ich ziemlich diskriminierend, da sie impliziert, das es eine Richtige sexuelle Richtung gibt.
Oft reden die zwei am Leser vorbei und auf den Punkt kommen sie auch nicht. Ich glaube das Buch hätte zu einem späteren Zeitpunkt geschrieben werden sollen, damit eine bessere Distanz zum Geschehnen entsteht und so mehr als nur persönliche Meinung vermittelt wird. Wissenschaftlich würde ich die Arbeit nämlich nicht nennen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob dass das Ziel gewesen ist. Der Text ist als Messengernachrichten geschrieben. Die übrigens grauenhaft sind und definitiv nicht authentisch, obwohl sie genau das versuchen zu vermitteln. Am Ende wirkt es wie der Versuch zweier weißer, alter, reicher Männer anderen die Welt zu erklären.
Profile Image for Tessa.
915 reviews23 followers
September 22, 2020
Literatur ist keine Macht, aber so kann sie zum Trost werden.

Dieses „Buch“ war überhaupt nicht für mich. Es war mein erstes Buch, das ich von Ferdinand von Schirach gelesen habe und ich erwartete, mich über die aktuelle Coronakrise und deren Folgen auf irgendeine Art und Weise weiterbilden zu können. Dies war nicht der Fall.
Es wird viel philosophiert, jedoch erschien mir nichts auf irgendeine Weise bedeutungsvoll zu sein. Zudem erscheint es mir, als wird vorausgesetzt, dass man mit den Werken von von Schirach vertraut ist, allen voran mit seinem Theaterstück „Terror“, was ich nie gelesen habe.
Meh.
1 review1 follower
January 31, 2021
Ein Buch von dem ich sehr enttäuscht war. Von Schirach hat viele ausgezeichnete Werke verfasst, aber dieses hat sich Faul angefüllt und selbstheuchlerisch. Es ist ein Chatverlauf der an einem Tag verfasst wurde und so gedruckt und als buch verscherbelt wurde. Inhaltlich ist es weder gewagt, noch besonders interessant, spannend oder aufklärend. Eine Enttäuschung.
Profile Image for Merle.
1,556 reviews
June 15, 2021
Ich habe ehrlich gesagt den Sinn und die Message des Buches nicht verstanden... Eine Unterhaltung, ausgelöst durch die aktuelle Corona-Pandemie.
Aber irgendwie reden die zwei aneinander vorbei? Und wie gesagt ich könnte jetzt noch nicht mal mehr sagen, worüber die geredet haben.
Profile Image for Patricia.
8 reviews1 follower
September 12, 2020
Dies war das erste Buch, welches ich von Schirach gelesen habe. Somit habe ich nicht erwartet, so wie man es in vielen Bewertungen sieht, dass es sich dabei um eine Geschichte handelt, wie man sie anscheinend sonst von Schirach kennt. Man muss wohl etwas offen an das Werk herangehen. Auch der Klappentext sorgt für Verwirrung, denn es handelt sich nicht wirklich um den Coronavirus. Dieser wird lediglich am Anfang und Ende aufgegriffen. Ich persönlich konnte in dem Buch einfach nicht wirklich einen roten Faden erkennen. Ich habe bei meiner Bewertung zwischen 3 und 4 Sternen geschwankt, denn Anfang und Ende haben mir sehr gut gefallen, jedoch der Teil in der Mitte weniger. Besonders die Aussage: „Vielleicht zum ersten Mal in der Geschichte der modernen Staaten haben wir gesehen, dass die Politik alles ermöglichen kann. Nie wieder wird deshalb ein Politiker zu einer jungen Frau sagen können, Klimaschutzmassnahmen seien nicht zu verwirklichen, weil sie zu teuer sind, zu kompliziert oder die Gesellschaft zu sehr einschränken. Wir können offenbar alles, wenn Gefahr droht, das haben wir jetzt gelernt. Und warum sollten wir die Lehren nicht ins Positive wenden?“. Es war zwar nicht eines meiner Lieblingsbücher, jedoch bin ich nun neugierig auf weitere Werke von Schirach. Das Interesse für den Autor wurde bei mir geweckt. Gerade habe ich gemerkt, dass ich bisher nur Schirach erwähnt habe in meiner Rezension. Genau dies ist ein Punkt, der mich gestört hat. Kluge hat sehr kurze Textstellen, während die von Schirach verglichen sehr lang sind. Es kommt einem mehr wie ein Monolog von Schirach vor, bei dem ihm Kluge mit kurzen Bemerkungen immer nur zustimmt.
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Profile Image for Shimona.
179 reviews9 followers
June 24, 2020
Damals, im Jahr 2017, hat mir bereits DIE HERZLICHKEIT DER VERNUNFT so gut gefallen.

Nun haben wir dieses Werk vorliegen, das im Zuge der Coronakrise entstanden ist.
Es ist ein geschichtlich-, politisch, und in erster Linie philosophisch-ethischer Dialog zwischen den Autoren Schirach und Kluge.

Ein Appell von Schirach soll sein: Zusammenhalt im Ausnahmezustand

Schirach:》Ich glaube, das Virus hat uns zu einer Zeitenwende gebracht. Beides ist jetzt möglich, das Strahlende und das Schreckliche.《      

Wenn der französische Präsident Macron sagt 'nous sommes en guerre, so warnt Schirach davor, dass die Äußerung, dass 'wir im Krieg sind' gefährlich ist, denn wir haben eine Demokratie und die Gewaltenteilung. Zwar haben wir einen bisher nie dagewesenen Notstand, doch immer müsse das Parlament entscheiden. Dies dürfe sich nicht ändern. Maßnahmen wie ein Lockdown, der die Freiheit massiv einschränkt, dürfen nicht zu lange dauern. Schirach warnt davor, dass die Dinge kippen könnten. Ein China dürfe nie Vorbild werden. 

Schirach schlägt eine Unabhängigkeitserklärung vor, eine europäische Verfassung:

• Unsere persönlichen Daten gehören uns
• Der Mensch hat Anspruch auf eine intakte Umwelt
• Menschenrechte gehen vor wirtschaftlichen Interessen

Utopisch? Naiv? Nein. JETZT haben wir die CHANCE etwas zu verändern.
Profile Image for Marlene.
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December 10, 2022
“Vereinfacht gesagt muss jede Maßnahme, die Grundrechte einschränkt, verhältnismäßig sein. Das ist sie, wenn sie vier Voraussetzungen erfüllt: Sie muss einen legitimen Zweck verfolgen, geeignet, erforderlich und angemessen sein.” (14)

“Die Pandemie wird für den Arzt, der die Triage durchführen muss, zu einer grauen erregenden Belastung. Sie ist das Gegenteil dessen, wofür er angetreten ist. Er heilt nicht, er entscheidet über den Tod.”

“Der Mensch, sagt Locke, habe ein natürliches Recht auf Leben, Freiheit, Glück und Eigentum. Vor allem aber, und diese Idee war neu und enthielt enorme Sprengkraft, habe er ein Widerstandsrecht gegen eine despotische Obrigkeit. Montesquieu kehrte auf sein Schloss zurück.” (33)(M: erste Begründung der Gewaltenteilung)

“Mit dem Erdbeben von Lissabon wurde die Frage drängend. Das Problem ist einfach und wurde schon von den Stoikern in Griechenland diskutiert: Warum hat ein allmächtiger und gütiger Gott das Böse in der Welt erschaffen? Warum müssen wir in dieser Welt leiden? Goethe, der ein Knabe war, als das Erdbeben von Lissabon stattfand, schrieb 50 Jahre später in »Dichtung und Wahrheit«: „Die Güte Gottes war einigermaßen verdächtig geworden«, und Stendhal formulierte: »Die einzige Entschuldigung Gottes ist, dass er nicht existiert.« Nietzsche hielt das übrigens für den besten Atheistenwitz.” (49)

Erdbeben von Lissabon 1755-> Katalysator der Aufklärung (Unverständnis für den Ursprung des Übels in der Welt und Abwendung vom Glauben als Rechtfertigung für Geschehnisse)
Profile Image for LadyMuffinchen.
326 reviews6 followers
March 30, 2023
Der Corona-Virus ist mittlerweile mehr oder weniger Alltag für uns geworden. Doch noch immer wird kontrovers darüber diskutiert, ob wir von Anfang an richtig mit dem Virus umgegangen sind. Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge gestatten uns einen Einblick in eine Whatsappunterhaltung im Jahr 2020. 

Worte, die im Jahr 2020 überall zu hören und zu lesen waren werden hier sachlich diskutiert : Ausgangsbeschränkung, Maskenpflicht, Kontaktverbot, Einschränkung der Grundrechte, Durchseuchung. Wie schnell man eine persönliche Wertung in solche Diskussionen bringt, wissen wir alle. Jeder hatte eine Meinung dazu und schien es besser zu wissen, als die Politiker. Doch kaum einer von der Bevölkerung versteht, was alles dahinter steckt; was beachtet werden muss. Zugrunde liegt unser Grundgesetz. Es ist zu beachten und abzuwägen. Sicherlich keine leichte Aufgabe. 

Die beiden Autoren verstehen sich drauf die Punkte, die die Welt (hier insbesondere Deutschland) aufgeregt und interessiert haben auf den Punkt zu bringen und dabei auch die geschichtliche Seite zu beleuchten. Es werden Punkte angesprochen, die zum Nachdenken anregen. Natürlich provozieren sie auch, aber rational darüber nachgedacht muss man zustimmen. Die Situation war (und ist) nicht leicht, dieses knapp gefasste Buch braucht nicht mehr Seiten, um aufmerksam zu machen, wo die Probleme liegen und wie es ist auch mal zwischen die Zeilen zu blicken. 

Wirklich scharfsinnig und wortgewandt, ganz so, wie ich es von Schirach gewohnt bin. Wie immer kann ich es empfehlen, so weit man offen ist und sich traut auch mal über den Tellerrand zu blicken.
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