Richtig tolles Buch, an einem Tag verschlungen. Nura ist so intelligent und es ist echt krass, was sie schon alles erlebt hat. Da ich selbst keine schöneren Worte finde, hier einige meiner Lieblingszitate des Buches:
Oft denke ich, dieses Wochenende, an dem Sam starb und Juju die Trennung von SXTN bekannt gab, war das Ende, aber dann merke ich, dass es, so tragisch die Sache mit Sam und auch SXTN gewesen ist, auch ein Anfang war.
Eine Niederlassung bedeutet, dass Mama ihren Pass nur noch alle fünf Jahre stempeln lassen muss. Diesen Status hat sie seit 2018. Aber Mama will den deutschen Pass. Das ist ihr Lebensziel. Wenn sie den Adler auf ihrem Papier sieht, dann wird das für sie sein, als wenn alle vier ihrer Kinder geheiratet und Kinder bekommen hätten.
Nun ist es so, dass Mama zwar Deutsch sprechen, aber nicht lesen und schreiben kann. Natürlich ist es nie zu spät, etwas zu lernen, aber als 54jährige Frau noch diese Sprache zu lernen, ist um einiges schwieriger. Mama lebt seit Ewigkeiten in Deutschland und spricht diese Sprache, sie ist absolut selbstständig - aber ihr wird die Staatsbürgerschaft verwehrt, weil sie nicht weiß, wer 1979 Kanzler war. Ich wüsste gerne, wie viele Deutsche und auch Deutsche mit Migrationshintergrund, die hier zur Schule gegangen sind, das wissen. Wo ist da die Gerechtigkeit? Warum misst man da nicht mit dem gleichen Maß? Stattdessen muss Mama jetzt einen von ihren beiden Jobs aufgeben, um in der Zeit in die Schule zu gehen und für diesen Test zu lernen.
Je älter ich wurde, desto klarer wurde mir: So sehr ich will, dass Mama versteht, was mein Problem mit ihrer Religion und dem daraus resultierenden Leben ist, so sehr will auch sie, dass ich ihr Leben verstehe. Wir werden niemals auf einen Nenner kommen. Also lasse ich sie ihr Ding machen und sie mich meins. Mama weiß, wie ich zu vielen Dingen stehe. Aber gleichzeitig weiß sie auch, dass ihr ihren Glauben respektiere, akzeptiere und hinter ihr stehe. Ich feiere es sogar, wie meine Mutter ihre Religion auslebt, weil ich finde, dass sie das auf eine sehr moderne Art und Weise tut.
Aber ich glaube, dass jeder Mensch sich ändern kann. Vor allem Eltern, die mit ihren Kindern nach Deutschland gekommen sind und dann aber von ihnen erwarten, hier ihr alten Leben weiterzuleben. Wenn Kinder sich integrieren sollen, dann geht das nicht. Dann müssen sie ein westliches Leben leben dürfen. Wenn man neu in dieses Land kommt, hat man mit so vielen Fragen in Bezug auf seine Identität und die Gesellschaft zu kämpfen, dass es nicht hilft, wenn man diese Krisen auch auf seine familiäre Identität hat.
Diese Ungewissheit war einfach scheiße. Ich hätte mir gewünscht, dass sie mir einfach gesagt hätte, was falsch gelaufen war, und wir das persönlich hätten besprechen können.
Ich habe mich bis heute nie öffentlich zum Ende von SXTN geäußert, weil ich durch den Tod von Sam einfach gelähmt war. So eine gravierende Sache war in meinem Leben passiert.
Als ich wenig später in Interviews zu unserer Trennung befragt wurde, sagte ich einfach nichts dazu. Juju erzählte in den Interviews zu ihrem Album hingegen, dass wir über die Trennung geredet hätten. Ich ließ das so stehen.
Vielleicht wird sie mir die ganze Sache irgendwann erklären, wir werden darüber lachen und alles wird gut. Mit all meinen Ex-Freunden bin ich schließlich auch noch dicke.
Ich weiß, dass meine Fans so schlau sind, dass sie niemals sagen würden: Ich kiffe jetzt, weil Nura auch kifft.
Meine Fans wissen: Die Musik ist das eine, die Person Nura ist etwas anders. Aus meinen Instagram-Stories wissen sie, wie ich bin, wie ich rede. Wenn ich sage, sie sollen gerade sein, höflich sein. Die sind genauso empathisch wie ich. Sie können bei manchen Liedern total asi sein, aber sie wissen: Wenn eine ältere Dame in den Bus einsteigt, dann stehe ich auf und gebe ihr den Platz.
Im Nachhinein betrachtet, ist das für mich ein ganz besonderer Moment gewesen. Ich meine, Mama und ich haben uns eine Zeit lang wirklich krass gestritten. So sehr, dass ich von zu Hause ausgezogen bin. Wir haben jahrelang nicht wirklich ein Wort miteinander gesprochen. Aber wir haben diese Differenzen überwunden. Ich respektiere das Leben meiner Mutter und sie tut genau das Gleiche und respektiert meines. Wir wollen einander nicht verändern, sondern haben verstanden, dass uns beiden nicht damit geholfen wäre, wenn wir uns dem jeweils anderen anpassen würden. Und das ist wirklich eine schöne Erkenntnis.
Egal, ob ihr Heimkinder oder muslimische Kids seid, Mädels mit oder ohne Kopftuch, schwule Jungs oder Menschen, die trans sind. Dieses Buch ist für euch alle. Für jeden, der manchmal Angst hat, sich unverstanden fühlt, der Sorgen hat, wenn er an die Zukunft denkt oder meinst, dass niemand an ihn glaubt.