Weltweit gibt es rechtsterroristische Attentate eines neuen Typs. In Halle (Saale) verhinderte nur eine verschlossene Holztür der Synagoge ein größeres Massaker. Am 9. Oktober 2019 wollte dort ein Rechtsextremist die versammelten Juden hinrichten. Mit selbstgebauten Waffen schoss er auf die Tür und warf eigens hergestellte Sprengsätze. Online konnten Gleichgesinnte zusehen, wie er zwei Menschen Seine Tat verbreitete er per Videokamera auf einem Portal für Computerspiel-Videos. Er ahmte damit andere "Egoshooter" nach – wie einen Rechtsextremisten, der in Neuseeland wenige Monate zuvor die Tötung von 51 Menschen live im Internet übertragen hatte. Was treibt Menschen vom Bildschirm zur realen Gewalt auf der Straße? Die Autorinnen und Autoren gehen den Spuren der Attentäter nach und zeigen die speziellen Radikalisierungsmechanismen im Netz auf. Sie erklären die Hintergründe und Motive dieser Männer, die in ihren rechten Online-Gemeinden Antisemitismus, Rassismus und Antifeminismus verbreiten. Das Buch gibt Einblicke in eine Welt, die vielen unbekannt ist.
Da ich nicht vom Fach bin, was Gaming angeht, war dies mein erstes Buch in diese Richtung. Einiges wusste ich dennoch & einiges kann ich mir aus diesem Buch mitnehmen, welches von den verschiedenen Autor_innen gut verständlich geschrieben wurde & der Frage nach geht wie der Weg von virtueller Hetze zum Livestream-Attentat wie z.B. in Halle führte.
Erstaunt hat mich, wie der Umgang mit ehemals indizierten oder noch indizierten Games umgegangen wird, denn natürlich alles was verboten wird, hat für viele einen besonderen Reiz. So z.B. die KZ-Manager-Games von German Elite, die in diesem Buch erwähnt werden & 1989 indiziert wurde, konnte man zum Beispiel noch bis 2014 weiterhin erwerben.
Ein anderer Punkt den ich mich frage: Warum gibt es so wenige antifaschistische Videospiele? Und warum basieren so viele Spiele auf dem 2. Weltkrieg & aus Perspektive Rechter. Vor allem wenn ich lese, wie die IB seit geraumer Zeit auf Steam versucht eine rechte Szene in der Szene zu etablieren. So wie sie es in vielen anderen Online-Bereichen seit Jahren macht.
Gleichzeitig wäre es wünschenswert, wenn sich Eltern, Pädagog_innen usw. mit den sozialen & ästhetischen Feinheiten dieses Mediums auseinandersetzen. Games sind auch ein künstlerisches Medium mit Ambivalenzen, Zumutungen & Widersprüchen. Und es wäre hilfreich, wenn verschiedene Medien nicht per se verteufelt, sondern darüber gesprochen, antifaschistisch erweitert & präventiv darüber mehr aufgeklärt werden würde. Und von der Gaming-Community, die genau so in der Verantwortung steht, gibt es genug Anlässe um in der Szene gängige Argumentationsmuster zu hinterfragen.
Dieses Buch hatte ich mir damals von der politischen Landeszentrale für politische Bildung Thüringen vor einigen Jahren bestellt.
Bei "Rechte Ego Shooter" handelt es sich um ein Sammelsorium von Aufsätzen rund um das Attentat in Halle von 2019.
Hierbei wird das Attentat aus unterschiedlichen Blickwinkeln hinsichtlich der Ideologie des Täters betrachtet und auch Vergleiche zu anderen ähnlichen Attentaten gezogen. Hierzu gehören unter anderem Aufsätze über die rechte Gesinnung des Täters sowie Frauen und Juden als sein Feindbild. Aber auch die Gamerszene, Imageboards und die Hasskultur werden beleuchtet.
Während die letzten drei Aufsätze sehr gelungen sind, da sie informativ sind und teilweise auch Lösungsvorschläge anbieten, finde ich die Ansicht der Herausgeber, dass sich die Gamerszene als Ganzes hinterfragen sollte, doch recht einfach gedacht. Die Gamerszene als Ganzes spielte hier definitiv nicht die tragende Rolle, sondern es war ein Zusammenspiel mehrerer Communities, die zur Radikalisierung des Täters beitrugen.
Fazit: Eine gelungene Darstellung des Attentats von Halle und der zugrunde liegenden Radikalisierung sowie der Ideologie des Täters.
Als Einstiegswerk zum Thema Rechtsextremismus ist dieses Buch wirklich gut, da man einen guten Einblick in das Thema von rechtsextremistischen Attentaten bekommt. Ich hätte mir einen größeren Einblick in die Verbindung mit Vieeospielen gewünscht, aber alles in allem ein sehr gutes Buch.