Über Privilegien und Prinzipien, Gott und andere Größen, deutsche Wahrheiten und jüdischen Witz – Gregor und Gabriele Gysi sprechen über ihren Vater Klaus Gysi
Klaus Gysis Leben ist geprägt von den Extremen des 20. Jahrhunderts: 1912 als Berliner Arztsohn in bürgerliche Verhältnisse geboren, wird er in jungen Jahren zum überzeugten Kommunisten und muss während der Nazizeit wegen seiner Überzeugungen, aber auch als Jude um sein Leben fürchten. Er sieht die DDR als große Chance und wird zeitlebens an ihren politischen Widersprüchen leiden: als Mitbegründer des Aufbau Verlages und späterer Verlagsleiter, Kulturminister, als Botschafter in Italien und Staatssekretär für Kirchenfragen. Funktionär - und Feingeist. Genosse - und Lebemann.Vor allem aber auch: Vater. Seine Tochter, die Schauspielerin Gabriele Gysi, und sein Sohn, der Politiker Gregor Gysi, zeichnen ein vielschichtiges Bild ihres Vaters.
Das Buch wurde mir über netgalley gratis zur Verfügung gestellt.
Ich wusste vorher sehr wenig über Klaus Gysi, den Vater von Gregor und Gabriele Gysi. Jetzt weiß ich mehr. Und finde ihn durchaus interessant. Interessanter ist aber an diesem Buch vor allem die Sichtweise seiner Kinder auf ihn, den Vater und auch auf seine Roll in der DDR. Daber kann mann durchaus lernen, das Begriffe vorsichtig benutzt werden sollten. Auch die Problematik der grundsätzlichen Verdammung von allem, was in der DDR passiert ist, wird dargestellt und hat mir zumindest neue Denkanstöße geliefert. Gedanken wie etwa die Überlegung, dass keine Person identisch ist mit einer Ideologie und auch die Feststellung, dass nur ein kleiner Prozentsatz der Bevölkerung in der DDR tatsächlich Antifaschist*innen waren, aber so getan wurde, als seien alle Antifaschist*innen gewesen, waren für mich gute Denkanstöße und hilfreiche Überlegungen. Und natürlich ist jedes Gespräch über die Vergangenheit auch ein Gespräch über die Gegenwart. Und dieses Gespräch über die Gegenwart ist wirklich anregend.
Man darf sich von dem offensichtlich nur aus Marketingzwecken groß aufs Cover gedruckten Gesicht und Namen des Sozialdemokraten Gregor Gysis nicht abschrecken lassen. Im Buch geht's ja vor allem um den Vater und der war, wenn auch kein besonders guter, Funktionär der DDR-Regierung. An eine Biografie kommt das hier nicht ran, soll es aber ja auch gar nicht. Gabriele korrigiert hier und da immer mal ein wenig den Unsinn, den Gregor so erzählt, was sie aber nicht darin hindert gelegentlich selbst anliberalisierten Dumpfsinn intellektuell daherzuplappern. Nichts desto trotz bleibts eine ganz angenehme Leseerfahrung für mich weil ich so wenig über Klaus Gysi wusste vorher.