Ulla Hahn war mir vorher nicht bekannt, dabei hat sie schon unzählige Gedichte geschrieben. In diesem Buch wird der Zeitraum 1981 bis 2013 abgedeckt und so groß diese Spanne ist, so vielfältig sind auch die Gedichte selbst. Manche handeln von Liebe oder nicht funktionierender Liebe, andere vom Schreiben an sich oder generell von Kunst - und noch so vielen mehr, dem kann ich gar nicht gerecht werden.
Wie immer bei solchen Sammlungen können nicht alle Gedichte gefallen, bei manchen hätte ich mir mehr Kontext gewünscht. Aber schließlich ist das ja auch irgendwie das besondere an Gedichten, dass sie sich nicht erklären. Ulla Hahn selbst schreibt in ihrem Vorwort: "Oberstes Gebot dabei: Nicht zu fragen: Was will der Dichter damit sagen? Sondern: Was sagt dieses Gedicht mir?" und weiter: "Denn jedes Gedicht vervielfältigt sich in den Köpfen der Leser*innen. Es gibt so viele Gedichte, wie es Leser*innen gibt." Und das wiederum finde ich sehr schön und treffend. (Auch, wenn ich nicht verstehe, warum Leser*innen gegendert wird und Dichter nicht 😅).
Die Sprache von Ulla Hahn ist klar und verständlich, lässt jedoch meistens viel Raum für Interpretation und erschließt sich nicht immer auf den ersten Blick.
Meine Favoriten aus der Sammlung sind, neben dem Vorwort, das mir sehr sympathisch war, 'Älterwerden' - ein Gedicht so sentimental wie sorgenvoll und dabei irgendwie auch tröstend. Und 'Mit einem Buch', eine Hymne an das Abtauchen und nicht-mehr-auftauchen-wollen in ein geliebtes Buch.
Manche, wenige Gedichte handeln auch von Gewalt oder Tod, wie die beiden Stücke namens "Für". In einem wird sehr brutal von einer Beschneidung berichtet und dabei auch Rassismus reproduziert, also: TW!