Nachdem ich feststellen musste, dass in dem Buch „Ein neues Ich“ die ersten Kapitel über Quantenphysik handeln, welche auf extravagante Art und Weise auf Bereiche der Persönlichkeitsentwicklung bezogen wird, brauchte ich unbedingt ein bisschen Abwechslung. Also hatte ich mir kurzerhand dieses Buch von Felix ausgeliehen.
Der Autor Stefan Buijsman will in seinem Buch "Ada und die Algorithmen" vermitteln, wie künstliche Intelligenz funktioniert. Um dies rüberzubringen holt er ein bisschen aus und berichtet über “wichtige” Meilensteine/ Erkenntnisse in dem Bereich. Der Autor unterscheidet, um die Veränderungen richtig einordnen zu können, zwischen informeller Mathematik und der formalen Mathematik. Ich werde darauf in der Review allerdings nicht eingehen, sondern nur Auszüge aufführen, die ich interessant fand:
So wird unter anderem darauf eingegangen, dass Neuronale Netze Gemälde erschaffen können, die die allgemeine Öffentlichkeit (okay, etwa 30 Leute im Internet) für künstlerisch ebenso wertvoll halten wie die Meisterwerke auf heutigen Kunstmessen. Auch wird auf den Eliza-Effekt eingegangen, welcher das Phänomen beschreibt, dass wir dem Computer sehr schnell menschliche Eigenschaften zuschreiben. Joseph Weizenbaum (der Typ hinter dem Chatprogramm “Eliza”) ist aufgefallen, dass Therapeuten mit „dummen Fragen“ viel leichter durchkamen, weil der Patient davon ausging, dass sich dahinter etwas Tiefsinniges verbirgt. Was bei Eliza nicht der Fall war. Wenn das Programm sagte: „Erzähl mir mehr über Boote“, dann tat es das deshalb, weil es keine Ahnung hatte, was ein Boot ist. Dennoch wurde damit die Illusion eines mitfühlenden Therapeuten erzeugt.
Auch wird auf die Probleme eingegangen, die neuronale Netze beim Übersetzen haben. Da wir schlichtweg nicht wissen, welche Regeln wir für eine gute Übersetzung befolgen müssen, kommen dementsprechend auch Probleme mit einher. So wurde z.B. der Russische Bibelvers „der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach“ mit „der Wodka ist angenehm, das Fleisch ist verdorben“ übersetzt.
Die Probleme, mit welchen die neuronalen Netze konfrontiert werden, fangen hier aber erst an. So kann ein Computer Objekte, welche z.B. umgedreht sind, nicht mehr richtig erkennen (z.B. wird umgedrehtes Feuerwehrauto zum Löschboot und ein umgedrehter Roller zum Fallschirm) und wenn Menschen eine verrückte Brille aufgesetzt bekommen, dann wird die Person nicht mehr richtig erkannt und das Geschlecht wird teilweise auch gewechselt. Neuronale Netze sind nun einmal fragil, wenn man sie für etwas einsetzt, das von ihren Trainingsdaten abweicht. Das muss kein Problem sein, denn sie arbeiten in der Regel mit bekannten Fällen, bei denen sie auch die richtige Antwort finden. Aber sobald wir anfangen, uns blind auf neuronale Netze zu verlassen, ist diese Begrenztheit verheerend.
Das große Problem bei Computern ist vor allem der Kontext, da sie den roten Faden verlieren, weil sie selbst kein Thema im Sinn haben. Das ist auch der Grund warum z.B. Siri keine langen Gespräche mit uns führen kann. Irgendwann erinnert sich der Computer nicht mehr daran, was zuvor schon alles gesagt worden ist.
Künstliche Intelligenz entwickelt sich aktuell recht schnell. Innerhalb eines einzelnen Bereichs der künstlichen Intelligenz mögen vielleicht nicht besonders viele Durchbrüche zu verzeichnen sein, aber wenn man alle Bereiche zusammennimmt, zeigt sich plötzlich doch eine ganze Reihe wichtiger Verbesserungen. So sind Computer bei vielen spezifischen Aufgaben (endlich) ungefähr genauso gut wie Menschen, allerdings imitieren Computer im Moment uns nur, und das können sie besonders gut, wenn die Aufgabenstellungen klar formuliert sind und kaum tatsächliches Verstehen erfordern. Die Weltherrschaft übernehmen werden sie laut des Autors so schnell aber nicht.
Probleme tauchen aber auch in anderen Bereichen auf. So nehmen Algorithmen teilweise auch rassistische & sexistische Züge an. Nicht, dass Absicht dahintergesteckt hätte. Auszüge:
Der Algorithmus orientierte sich daran, wie viel Geld für Patienten aufgewendet wurde, da man diese Aufwendungen als einen guten Maßstab für ihren Krankheitszustand betrachtete. Doch das trifft auf die USA nicht zu. Schwarze Patienten haben dort weniger (leicht) Zugang zur Gesundheitsversorgung, so dass für sie auch weniger Geld aufgewendet wird. Und so wirkte sich der Algorithmus, dem nur die Daten zu den Kosten zur Verfügung standen, plötzlich ausgesprochen rassistisch aus. Auf ähnliche Weise kann ein Algorithmus auch sexistische Züge annehmen. Jahrelang versuchte Amazon, ein Programm zu schreiben, das aus einem Stapel von Lebensläufen den besten Kandidaten für eine Stelle auswählen kann. Man schulte das Programm, indem man einem neuronalen Netz eine Menge Bewerbungen vorlegte und ihm mitteilte, wer die Stelle tatsächlich bekommen hat. Danach müsste es doch fair zugehen, oder nicht? Nicht ganz. Der Algorithmus zog daraus zunächst die Lehre, dass für technische Berufe keine Frauen eingestellt werden dürften. Jeder Lebenslauf, in dem auch nur das Wort “Frau” auftauchte, ganz gleich, wo, erhielt Minuspunkte. Das bekam man bei Amazon noch in den Griff, doch der Sexismus war hartnäckiger als gedacht. Im weiteren Verlauf des Trainings hatte das neuronale Netz herausgefunden, dass an einigen englischen Schulen nur Frauen zugelassen werden. Wurde eine solche Schule in einem Lebenslauf erwähnt, dann hatte die Bewerberin Pech, denn damit handelte sie sich eine Menge Minuspunkte ein. Selbst subtile Unterschiede im Sprachgebrauch von Männern und Frauen griff der Computer auf, um Frauen abzustrafen. Nach einigen Jahren hat Amazon es schließlich aufgegeben, diesen Prozess zu automatisieren.
Kritik:
Fangen wir mal an mit dem Titel des Buches. Obwohl der Name “Ada” in diesem steht, wird im Buch kein Bezug auf diesen genommen. Die einzige Verbindung zu dem Namen ist, dass der Autor bei seiner Erklärung in die Vergangenheit zurückgeht und im Zuge dessen Ada Lovelace erwähnt, die mit Charles Babbage an der von ihm entwickelten Analytical Engine arbeitete. Rückbezug wird darauf aber auch nicht genommen.
Die vielen Abbildungen im Buch waren teilweise klein und meistens nur in Graustufen abgedruckt, wodurch die Lesbarkeit darunter gelitten hat. Auch ließ die Formatierung definitiv zu wünschen übrig. Die einzelnen Abbildungen waren meistens nicht auf der Seite abgebildet, auf der sie erwähnt wurden. So musste man sich die erst durch rumblättern zusammensuchen, was den Lesefluss gestört hat. Zusätzlich gibt es da auch noch den Farbteil in der Mitte! des Buches. Auf den wurde zwar Bezug genommen, allerdings ohne Seitenangabe o.ä.. Auch wurden QR-Codes verwendet, welche teilweise nicht mehr funktioniert haben.
Hinzu kommt auch noch, dass der Autor ständig wiederholen muss, dass die KI, zumindest noch nicht, die Weltherrschaft an sich reißen wird/kann und die ganze Sache wenn auch noch eine ganze Weile dauern würde, bis die KI soweit wäre.
Insgesamt ließ sich das Buch sehr angenehm lesen, wozu vor allem die vielen Beispiele und Geschichten beigetragen haben. Auch die vielen QR-Codes waren sehr hilfreich, damit man das Erwähnte nochmal genauer nachlesen und teilweise auch selber ausprobieren konnte (mal von denen abgesehen, die nicht funktioniert haben). Zwischendurch bringt der Autor auch nette Kommentare mit ein, welche zwar nicht unbedingt sachlich sind, aber das Geschriebene ein bisschen auflockern.
Das über 20 Seiten lange Literaturverzeichnis ist sorgfältig zusammengestellt und so gegliedert, dass man recht einfach weitere Informationen bekommen konnte.
Zusammenfassend würde ich sagen, dass das Buch zwar sehr umfassend geschrieben ist, allerdings hat mir ein bisschen die Tiefgründigkeit bei den einzelnen Themen gefehlt. So ist das Buch mMn. vor allem für diejenigen empfehlenswert, die sich einen Überblick über KI verschaffen wollen. Wer sich bereits mit der Materie auskennt kann von den vielen Verweisen profitieren; allerdings kann es auch schnell recht eintönig werden.
3.5/5 Sterne