Für Peggy Guggenheim war sie die First Lady Venedigs
1920: Die fünfundzwanzigjährige Margherita, die in ihrem Heimatstädtchen Treviso die Zeitungen austrägt, wird durch die Heirat mit dem adeligen Antonio Revedin zur First Lady Venedigs. Heute ist ihr Name vergessen: Doch Margherita verstand es, sich durch ihre unvoreingenommene Art zum Mittelpunkt einer sich neu erfindenden Stadt zu machen. Peggy Guggenheim wird ihre beste Freundin, und die Künstlerfeste auf der Terrasse des Hotel Excelsior, zu denen sie Greta Garbo, Coco Chanel, Clark Gable oder Pablo Picasso einlud, werden legendär.
Jana Revedin erzählt mitreißend von den Schicksalsjahren Venedigs – und ihrer eigenen Familie.
Dieser Roman hatte schon von den Ausgangsvoraussetzungen her alles, was mich brennend interessiert. Die verschlafene alte Dame Venedig mit ihren malerischen Wasserstraßen in den 1920er-Jahren, der allmähliche Aufstieg der Stadt zur Künstler- und Tourismushochburg, Peggy Guggenheim und der Rest, der durch die europäischen Städte marodierenden Künstlermeute in the city of Venice verknüpft mit einer spannenden Familiengeschichte, in der sich ein sehr kluges, junges und hübsches Mädchen aus der Unterschicht einen Grafen (Conte) angelt. Zudem hat die Story auch noch einen realen Hintergrund, denn die Autorin Jana Revedin schildert das Leben ihrer Schwiegergroßmutter Margherita Revedin, die die Filmfestspiele in Venedig initiiert und zusammen mit ihrem Mann den Aufstieg der Stadt zu einer Tourismushochburg betrieben hat.
Der Anfang war sehr gut geschildert, wie sich der Graf in das kluge Mädchen aus der Unterschicht in Treviso verliebt, die ihm jeden Tag als Schwester der Kioskbetreiberin die Zeitung, den Corriere della sera, bringt und dann mit ihm über die Schlagzeilen diskutiert. Plötzlich findet sich die puta persa, das verlorene Mädchen – und Mädchen ist noch ein netter von mir verwendeter Ausdruck – als Contessa mit mehreren Palazzos in Venedig wieder. Sie wird von der feinen Gesellschaft Zeit ihres Lebens geschnitten, nicht nur weil sie aus der Unterschicht kommt, sondern vor allem, weil sie nicht aus Venedig stammt. Zusammen mit ihrem Mann schmiedet sie hochfliegende Pläne: Sie wollen mit Kur-, Sport- und Kunsttourismus die internationale Crème della Crème und den Jetset in das verschlafene Nest am Lido bringen. Denn das einstige Schmuckstück und eines der Zentren der Renaissance hat sich im Laufe der Jahrhunderte zu einer recht morbiden, ziemlich toten Stadt entwickelt.
Leider begannen nach der Ouvertüre schon meine ersten Probleme mit dem Roman. Als das junge Paar auf seiner Hochzeitsreise im Ritz in Paris logiert, treffen sie alle möglichen spannenden Künstler aus sehr vielen Bereichen. Margherita wird als Freundin von Eugenia Errázuriz, einer reichen lateinamerikanischen Kunstmäzenin, sehr liebevoll in den Pariser Salons aufgenommen, es entwickelt sich mit der temperamentvollen Milliardärin sogar im Laufe der Zeit eine tiefe, innige Freundschaft. Dort lernt sie dann auch die wichtigen Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur ganz quer durch die Genres genauer kennen. Bedauerlicherweise ist die gesamte Beschreibung der Begegnungen nur auf Namedropping aufgebaut, nahezu nichts erfährt die Leserschaft beispielsweise über Coco Chanel, mit der Margherita angeblich befreundet war, außer dass sie ihren Kleidungsstil beeinflusst und ihr zu einem Pagenkopf geraten hat. Ebenso verfuhr die Autorin in der Beschreibung der Beziehungen zu Freund Giacometti, Cocteau, Jean-Michel Frank … von Picasso erfahren wir nur, dass ihn Margherita nicht leiden konnte, weil er so überheblich war, aber einen Grund oder eine einzige Szene, die diese Einschätzung begründet, bleibt uns auch verwehrt. Von Proust wird uns lediglich en passant mitgeteilt, dass er Jean-Michel Franks Nachbar ist. Das ist extrem nervig, so wie das Spiel Bullshitbingo mit bekannten Persönlichkeiten, in dem sich reiche Prahler mit jenen berühmten Persönlichkeiten wichtigmachen und schmücken, die sie angeblich gut kennen, aber dann eben keine einzige tiefe Beziehung oder irgendwelche spannenden Begegnungen schildern können. Hauptsache, sie haben die allseits bekannten Namen genannt, um sie auf der Bingokarte der Wichtigtuerei ausstreichen zu können.
Als Margherita dann Peggy Guggenheim kennenlernt, die von Eugenia zu ihr nach Venedig geschickt wurde, weil sie sogar für die Pariser Salons zu nervig, abgedreht und etwas zu ordinär war, wird die Geschichte wieder spannend. Die beiden freunden sich an und im Verbund mit Eugenia marodieren sie fast wie die zwei Damen aus Absolutely fabulous durch die Lagunenstadt. Der Absolut Vodka, Peggys Lieblingsgetränk, fließt schon am Vormittag in Strömen, die Murattipackungen werden verpofelt und folgender witziger historisch hellsichtiger Dialog entspinnt sich bereits 1923 zwischen den drei Damen:
„Das findet im Übrigen auch D’Annunzio“, fügte Margherita, die am Ende ihrer Muratti angekommen war, ihrem Dialog jetzt hinzu. Er hat sich seit den jüngsten populistischen Machenschaften infolge der Wirtschaftskrise merklich von Mussolini distanziert und nennt ihn jetzt einen lächerlichen Nibelungenfürsten.“ „Entzückend“, fand Eugenia „und wie nennt er Mussolinis neuen Bergbauernfreund, diesen Österreicher?“ „Hitler? Einen als Charly Chaplin geschminkten Malerlehrling.“ Sie mussten alle drei lachen."
So witzig vereinzelte politische und künstlerische Nebenstränge aufgebaut und konzipiert sind und so eindrücklich auch das tägliche Leben in Venedig geschildert wird, so sehr wird jedoch die eigentliche Familiengeschichte vernachlässigt. Nie erfahren wir, was die Entfremdung zwischen Margherita und ihrem Conte Nico ausgelöst hat und auch die Gründe für die Probleme beziehungsweise die Funkstille über mehr als ein Jahrzehnt mit ihrem Sohn gegen Ende des Romans werden nie thematisiert. Die Autorin verliert sich in Petitessen, wenn die Familiengeschichte spannend wird, dann wird einfach weggeblendet. Jetzt kann das natürlich sein, dass in einer solch feinen venezianischen Familie es Usus ist, Probleme in Tagebüchern und sonst auch nie anzusprechen und alles unter den Teppich zu kehren. Aber wenn ich als Autorin einen Roman mit Familiengeschichte schreiben will, habe ich drei Möglichkeiten. Entweder ich schreibe nur über Peggy Guggenheim, also ich lasse die Familiengeschichte, oder ich finde heraus, was wirklich passiert ist und schreibe darüber, oder ich erfinde etwas, um die Motive der Figuren zu erklären, auch wenn ich jemandem auf den Schlips trete. Ist ja kein Problem, schließlich steht ROMAN auf dem Titel, was gleichbedeutend mit Fiktion ist, und dadurch darf im Rahmen der schriftstellerischen Freiheit auch durchaus etwas erfunden werden. Keine Option ist aber die Vorgehensweise in diesem Roman, es kommt gähnende Langeweile auf und durch die nicht gelüfteten Familiengeheimnisse und die dadurch fehlende Motivation für viele Handlungen entstehen derart flache Figuren, dass man sich weder in die Geschichte einleben noch die Aktionen der Protagonisten verstehen kann.
Fazit: Bei so viel Ausgangspotenzial ist der Roman durch seine gravierenden Schwächen eine herbe Enttäuschung in Bezug auf seine Mittelmäßigkeit. Es fehlen das Herz und die eingängige, mitreißende Story der Familie, alles erscheint farblos und flach. Dennoch habe ich gelegentlich Teile des Buchs durchaus genossen – wahrscheinlich auch, weil ich das Lesen mit einem Ausflug nach Venedig gekoppelt habe.
Dieses Buch könnte mich leider nicht überzeugen. Grundsätzlich fand ich Margerithas Lebensgeschichte interessant. Gerade auch wegen der Künstlerszene, in der sie sich bewegt hat. Und der Entwicklung Venedigs.
Aber die ganze Geschichte ist absolut nüchtern und Leidenschaft slots geschrieben. Dadurch ist es einfach langweilig und zieht sich sehr.
Und die Protagonistin bleibt mir als Leser völlig egal, ich kann einfach keine Sympathien zu ihr entwickeln.
Ich habe mir von diesem Buch sehr viel mehr versprochen und war enttäuscht.
Jana Revedin ist außergewöhnlich. Als erfolgreiche Autorin und renommierte Architektin ist sie - und das ist selten – sozusagen doppelt qualifiziert. Dabei kategorisiert sie ihre Arbeit nicht in Beruf1/Beruf2. Auf ihrer webpage werden unter "writing" sowohl Fachartikel, wie auch ihre Romane vorgestellt – einvernehmlich, das gefällt mir schon sehr.
Doch nun zum Buch: Die Familiengeschichte, die Jana Revedin über Margherita Contessa Revedin erzählt, ist auch ein Stück die eigene, handelt es sich bei der Protagonistin doch um die Großmutter ihres Ehemanns. Margherita stammt aus einfachen Verhältnissen, zwar ist sie durch den Besuch eines Ursulinenklosters gut ausgebildet, doch in Treviso 1920, als wir sie kennenlernen, trägt sie zur Aufbesserung noch Zeitungen aus. Die Zeitung bekommt auch Conte Antonio „Nino“ Revedin, er verliebt sich, die beiden heiraten. Leider verliert – so meine ich - der Roman dort an Fahrt, wo die Autorin auf zu, zu viele Dialoge setzt. Das geschieht hauptsächlich bei Geschehnissen im familiären Bereich. Die Passagen ohne diese intensivierte direkte Rede sind wesentlich besser formuliert, straffer und nachdrücklicher in ihrer Wirkung.
Zu dieser Zeit der jungen Ehe scheint vieles möglich: Die Ballets Russes erobern mit expressionistischem Tanz Europa, Picasso malt mit kubistischer Betonung, Emilia Earhart nimmt Flugstunden und kauft ihr erstes Flugzeug, Coco Chanel etabliert ihre Modesalons, der Avantgardedichter Blaise Cendrars nutzt – ganz neu - bereits bewegte Filmbilder. Die Darstellung dieses Lebensgefühls, des Aufbruchs in die Moderne, gelingt Jana Revedin sehr, sehr gut; inspiriert entwickelt auch das junge Ehepaar Revedin innovative Ideen für das kränkelnde Venedig: Mittels Kur-, Natur- und Kulturtourismus soll ein wohlhabendes elegantes, internationales Publikum begeistert werden. Und mit Peggy Guggenheim betritt dann schließlich genau die anvisierte grande dame des avantgarde die Szenerie ---- und ich kann nicht genug darüber lesen.
Längst bin ich Jana Revedin verfallen, wenn sie zum Schluss ihr eigenes Leben auch in den Kontext der beiden letzten großen Erfolge "Jeder nennt mich Frau Bauhaus" und "Margherita" stellt. Ich habe ein wunderbares Buch gelesen, ein großes Publikum wird zustimmen, da bin ich sicher.
„Wir feiern dich, ma belle, ausschließlich dich! Nicht die Mittel, nicht den Rahmen, nicht die Statisten.“ (Zitat Pos. 1153)
Inhalt Margherita wird 1920 fünfundzwanzig Jahre alt, der Conte Antonio „Nino“ Revedin ist sechsunddreißig, als er Margherita in Treviso kennenlernt und ihr bald darauf einen Antrag macht. Vor der Hochzeit verbringt sie ein halbes Jahr in Paris, besucht Kunstgalerien und lernt aufstrebende, junge Künstler kennen, die auch zur Hochzeit kommen, Coco Chanel, Alberto Giacometti, Elsa Schiaparelli, Jean Patou, Eugenia Errázuriz. Diese Freundschaften prägen sie und regen ihre Ideen an, als sie gemeinsam mit ihrem visionären Ehemann Nino erste Schritte für einen neuen Kultur- und Naturtourismus plant und sie beginnen, Venedig und den Lido zu einem weltoffenen, modernen kulturellen Zentrum zu machen. So lernt sie auch Peggy Guggenheim kennen. Dann kommt das Jahr 1936 und dieses Jahr verändert alles, nicht nur in politischer Sicht. Doch Margherita ist stark, kreativ und sie gibt nie auf – das hat sie mit der Stadt Venedig gemeinsam.
Thema und Genre Dieser Roman verbindet Fiktion und Realität, indem er die Geschichte der adeligen Familie Revedin, und damit auch des modernen Venedig, mit fiktiven Ereignissen verbindet. Ein Thema ist das bewegte Leben von Margherita Revedin, doch vor allem geht es um das lebendige Künstlerleben zwischen Paris und Venedig, beginnend in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, um die Entstehung der Filmfestspiele und der Architektur-Biennale.
Charaktere Margherita stammt aus einfachen Verhältnissen und wird Zeit ihres Lebens vom alteingesessenen venezianischen Adel geschnitten. Doch dies stört sie nicht, denn sie sucht nicht die alten Traditionen, sondern sie blickt in die Zukunft und erkennt auch das Potential der neuen Zeit. Die bekannten Künstler*innen des Kreises um Margherita sind in ihren Eigenheiten beeindruckend real und stimmig geschildert.
Handlung und Schreibstil Die Autorin erzählt das Leben von Margherita Revedin, der Großmutter ihres Ehemannes und damit verbunden auch die Geschichte des modernen Venedig ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Jahre zwischen wichtigen Ereignissen fasst sie zusammen, indem sie am Beginn eines neuen Kapitels kurz beschreibt, wie viele Jahre inzwischen vergangen sind. Damit vermeidet sie mögliche Längen und man verfolgt die Geschichte mit Spannung, die nicht nachlässt, sondern ihren steten Sog behält. Die letzten Kapitel, die sie mit „Ausklang“ tituliert, spielen 1987 und es schließt sich der Kreis.
Fazit Ein biografischer Generationenroman über die europäische Kunst- und Kulturszene im 20. Jahrhundert, verbunden mit der jüngeren Geschichte der Stadt Venedig. Die Autorin nimmt uns mit in die prächtigen Palazzi am Canal Grande und das elegante Ambiente des Lido. Es ist ein Vergnügen, dieses interessante, einfühlsam und lebendig geschriebene Buch zu lesen, nicht nur für begeisterte Venedig-Kenner.
Mit diesem Buch tat ich mir sehr schwer. Sprachlich konnte ich kaum in die Geschichte eintauchen. Erzählt wird aus der Sicht von Margherita und trotzdem blieb sie für mich das ganze Buch über flach und emotionslos. Mir fehlte der Tiefgang, das emotionale, um eine Bindung aufbauen zu können. Mehrfach habe ich das Buch auch weggelegt, weil es mich einfach nicht gepackt hat. Ich habe mir eine Geschichte mit mehr Glamour - auch aufgrund des Klappentextes - erwartet doch wurde in der Hinsicht wirklich enttäuscht. Biographien beschreiben die Persönlichkeit, das Leben, die Stationen, die einen interessant machen. Dies kam in diesem Buch leider kaum bis gar nicht heraus. Auch die Szenerien um die Geschichte herum, wie z.B. Venedig, blieben f��r mich einfach zu blass und farblos. Trotzdem gibt es einige Punkte, die hervorzuheben sind, wie Margheritas Heirat, die von der Familie nicht begeistert aufgenommen wurde. Sie ließ sich davon aber nicht beeindrucken und ging einfach ihren Weg. Schade, ich hätte mir mehr erwartet.
Set in the 1920s and 30s, the historical fiction follows the fictionalised account of Margherita Revedin whose life transforms from selling newspapers to becoming the First Lady of Venice when she marries Antonio Revedin. This writing is a celebration of a remarkable female pioneer. While I thought that some of the characters lacked depth and a strong sense of emotion – perhaps the author was reluctant to fictionalise real-world characters – the beauty of the novel lies in the moments where Margherita surrounds herself by the arts. The moments where she feels right at home with her artist friends such as Peggy Guggenheim and allows herself to be carried away by intense operatic expressions truly capture the protagonist’s true vocation: brining culture to Venice. The narrative moves very slowly but the beauty lies in those sublime moments of culture when Margherita surrounds and educates herself with intellectual exchanges with art and artists to brainstorm how Venice’s culture can thrive. Given the slower nature of the plot, I would only recommend this novel if you are a fan of cultural explorations and enjoy being carried away by careful constructions of historical milestones that have propelled the arts forwards.
MEINE MEINUNG: Die Handlung beginnt im Jahr 1920. Die fünfundzwanzigjährige Margherita stammt aus eher ärmlichen Verhältnissen und hält sich und ihre Familie mit dem Austragen der Zeitungen in ihrem Heimatstädtchen Treviso über Wasser. Seit ihrer Kindheit kennt sie schon den adligen Antonio Revedin, der sie schon immer sehr höflich behandelt hat. Aus diesem Grund nimmt sie auch seinen Heiratsantrag und nach der Hochzeit seinen Namen an, der ihr zukünftig einige Türen öffnen wird. Margherita ist vielseitig interessiert, ein intelligenter Charakter, die sich aber in Adelskreisen und den vorherrschenden Regeln nicht auskennt. Ein sechsmonatiger Aufenthalt in Paris soll sie auf ihr Leben als Contessa vorbereiten.
Die Geschichte an sich lebt nicht von krassen Wendungen oder total spannenden Ereignissen, sondern mehr von dem wunderbar atmosphärischen, venezianischen Ambiente und Margheritas Persänlichkeit. Sie steht im Mittelpunkt der Geschichte und die Autorin berichtet von ihrem spannenden Leben, das ich gerne verfolgt habe. Von namhaften Künstler*innen umgeben, bildet Margherita den Mittelpunkt des illustren Kreises, gründet sogar die Filmfestspiele Venedigs.
Margherita lebt ein interessantes Leben. Sie trifft auf interessante Persönlichkeiten, die auch heute noch bekannt sind – Peggy Guggenheim, Coco Chanel, sogar Pablo Picasso. Die Vielzahl an Personen macht die Geschichte einerseits interessant, andererseits war es teilweise auch schwierig zu folgen. „Margherita“ ist keine Geschichte, die man eben schnell weg liest. Hier habe ich auf jeden Fall meine ganze Aufmerksamkeit benötigt, sonst wäre ich nicht mitgekommen. Trotzdem ist die Geschichte nicht schwer verständlich, hat durch eingestreute italienische Phrasen und die Menge an Namen durchaus aber den Anspruch konzentriert dabei zu sein.
Von Jana Revedins Schreibstil war ich sehr angetan. Durch die bildhaften Beschreibungen hat sich bei mir ein wunderbares Kopfkino ergeben und ich wurde nach Venedig versetzt und konnte die wunderschöne Atmosphäre genießen. Die Sprache war an sich leicht verständlich, dennoch auch ein bisschen anspruchsvoller. Die Geschichte ist gut recherchiert, die Autorin erzählt hier immerhin das Leben der Großmutter ihres Mannes und setzt ihr damit ein würdiges Andenken.
FAZIT: Im Grunde liest man hier die Biografie von Margherita Revedin, verpackt in einen Roman, der vor allem durch seine Charaktere, den wunderbaren Schreibstil, das venezianische Ambiente und natürlich durch Margheritas faszinierendes Leben besticht. Die Geschichte ist eher leise, es passieren keine großen Dramen, dennoch konnte sie mich fesseln und mitreißen. Margherita ist eine spannende Persönlichkeit, leider bleiben andere wichtige Charaktere eher blass in der Erzählung, vielmehr ist es auch eine Anhäufung bekannter Namen. Ein wenig fehlte mir die Tiefe und die Lebendigkeit der Personen, was die gezeichneten Bilder von dem Venedig der 20er bis 60er Jahre aber wieder gut gemacht haben.
Wer sich für die Erzählung Zeit nimmt und ein kleines bisschen venezianische Geschichte, Ambiente und eine Menge interessanter Personen kennenlernen will, sollte auf jeden Fall einen Blick zwischen die Seiten des Buchs werfen.
Eine zuweilen sperrige Mischung aus Kulturreiseführer und Roman. Die Hauptfigur wird mehrmals beschrieben wie in einem Kitschroman, die anderen sind eher Staffage. Historische Fakten werden als Smalltalk ausgetauscht, das ergibt einige bizarre Dialoge. Die Beteiligten verbringen viel Zeit in Transportmitteln. Mir fehlten oft die Details, mit denen ich die Atmosphäre der Handlungsorte beim Lesen gespürt hätte. Die Wetterbeschreibungen jedoch sind tadellos!
Sehr gute Reiselektüre für einen Venedig-Urlaub! Hat mich inspiriert, einen Bellini in „Harry‘s Bar“ zu trinken, und dementsprechend 22€ ärmer gemacht. Worth it.