Erst Skinhead, Verkauf illegaler CDs, dann Gründer einer regionalen Neonazikameradschaft – und als das nicht mehr reicht, Rotlicht und Gründung eines kriminellen Motorradclubs. Philip Schlaffer erzählt in seinem Buch in salopper Sprache, wie es dazu kommen konnte – und wie er sich schließlich von diesem Milieu abwandte.
Schnell wird ersichtlich, dass Schlaffer es mochte, ein Anführer zu sein. Egal in welcher Szene, er wollte immer ein Alphatier sein. Dabei muss man ihm lassen, dass er es langsam hat angehen lassen, dabei aber immer Profilorientiert war. Erst verkauft er CDs, die eigentlich verboten sind, arbeitet sich zu einem Versandhandel hoch, schafft es irgendwann, richtige Unternehmen wie Tattoo-Studios, Securityfirmen etc zu gründen. Im Grunde ist er also ein echter Selfmade-Man. Wäre da nicht die immer anwesende Gewalt.
Und auch wenn Schlaffer sich als geläutert gibt, wurde ich beim Lesen den Verdacht nicht los, dass er sich auch heute noch gerne auf die Schulter klopft und denkt: Man, was war ich doch für ein Hengst. Wie ein roter Faden zog sich dieser fade Beigeschmack leider durch das Buch. Trotz immer wieder eingeschobener Bemerkungen, dass er nicht stolz auf seine Taten ist, konnte ich das nie so recht glauben.
Viel mehr drängte sich mir am Ende des Buches der Gedanke auf, dass er nicht geläutert wurde, sondern viel mehr immer wieder auf die Schnauze geflogen ist mit seinem Tun. Als es mit seiner Nazi-Kameradschaft nichts mehr war, hat er einfach die Szene gewechselt und sich dort was neues aufgebaut – bis das auch nicht mehr lief.
Der wirkliche Läuterungsprozess wurde in dem Buch kaum bis gar nicht reflektiert. Der Hass auf alles, was nicht deutsch ist, wurde nicht reflektiert. Also mir wurde nie nahe gebracht, WARUM er plötzlich nicht mehr so denkt. Nur, dass alle Kameraden mit der Zeit doof wurden (grob zusammen gefasst). Genau dasselbe mit seiner kriminellen Energie. Er hatte sie von Jugend an, musste schließlich dafür bezahlen und in den Knast – und wie durch ein Wunder ist er jetzt ein anderer Mensch? Es fiel mir wirklich schwer, da mitzukommen, obwohl ich es ihm natürlich wünsche.
Der Erzählstil an sich war okay, wenn auch sehr, sehr oberflächlich. Klar, die Geschichte ist wahrscheinlich zu lang, um sie in allen Einzelheiten zu erzählen, aber ich finde, man hätte da trotzdem mehr rausholen können – gerade aus dem Ende.