Jump to ratings and reviews
Rate this book

Die Richterin

Rate this book
Eine Asylrichterin taumelt zwischen Macht und Ohnmacht
Gabrielle ist Asylrichterin. Auf ihr Geheiß hin dürfen Menschen im Land bleiben – oder müssen es verlassen. Täglich bestimmt sie über Schicksale. Doch worauf fußen diese Urteile? Sind es sachlich nachvollziehbare Gründe? Sind sie politisch motiviert? Wirken dabei unbewusst auch persönliche Sympathien mit? Die Entscheidung, die Gabrielle heute trifft, kann morgen unter neuen Umständen schon wieder falsch erscheinen. Die Konsequenzen aber sind nicht rückgängig zu machen. Als das Gerücht umgeht, jemand wolle sich für ein Urteil an Gabrielle rächen, gerät ihr Leben aus den Fugen. Wird sie verfolgt? Oder ist alles nur Einbildung? Was wirklich ist, verliert für sie immer mehr seine Konturen.

Lydia Mischkulnig stellt längst überholte, aber immer noch verbreitete Rollenbilder auf den Kopf
Gabrielle ist eine Frau in einer Machtposition. Während sie am Gericht einen Beruf mit gesellschaftlicher und politischer Reichweite ausübt, geht ihr frühpensionierter Mann zuhause seinem Putzzwang nach. Eigentlich hat sich das kinderlose Paar gut eingerichtet. Aber auch dort wird die vermeintliche Ordnung erschüttert. Als Gabrielle eines Tages nach der Arbeit nach Hause kommt, glaubt sie ihren Augen nicht: Trägt ihr Mann tatsächlich heimlich ihre Kleider? Welche Unsicherheiten tun sich für die Asylrichterin auch im scheinbar sicheren Rückzugsgebiet des Privaten auf?

Ein feinnerviger, kafkaesker Roman mit unterschwelligem Sog
Jedes Ja, jedes Nein, jedes Schweigen, jedes Handeln – jede unserer Entscheidungen besitzt Tragweite. Welche Entscheidungen werden für uns getroffen? Und was bedeutet das für unser Dasein als "Frau" oder "Mann"? Lydia Mischkulnig ist eine sprachmächtige und unbestechliche Beobachterin: Mit psychologischem Tiefgang gibt sie Einblick in einen Berufsalltag, der uns sonst verschlossen bleibt. Schonungslos spürt sie die Sprünge auf, die unseren fragilen, vermeintlich klaren Blick auf die Welt durchziehen.

280 pages, Kindle Edition

First published January 1, 2020

1 person is currently reading
24 people want to read

About the author

Lydia Mischkulnig

21 books2 followers

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
1 (3%)
4 stars
4 (12%)
3 stars
12 (37%)
2 stars
7 (21%)
1 star
8 (25%)
Displaying 1 - 6 of 6 reviews
Profile Image for Alexandra .
936 reviews376 followers
September 17, 2020
In diesem Roman wird uns die Innensicht der Protagonistin, einer Asylrichterin in Österreich, sehr gut beschrieben. Gabriele ist extrem analytisch, sie wägt die meisten Entscheidungen ihres Lebens, die beruflichen, großen, für Flüchtende lebensverändernden ihm Rahmen ihrer Tätigkeit genauso, wie die kleinen, persönlichen mit sehr vielen Argumenten inklusive Für und Wider ab.

Dies gibt der Leserschaft einen grandiosen, recht neutral und juristisch korrekt gehaltenen umfassenden Einblick in die Thematiken Asyl, Rechtstaat und Rechtsauslegungen, da sie sowohl sehr sachlich rechtskonservative Positionen (nicht die emotionale hasserfüllte Art, an das Thema heranzugehen, derer sich die Rechte bedient) als auch die humanitäre Sicht auf ihren Job unter der Einschränkung der Gesetze, die sie zu befolgen hat, in jedem Einzelfall durchexerziert. Durch diese konsistent authentisch entwickelte Figur und ihre permanenten Abwägungen und Gedankensprünge, die sich auch in kopflastiger Sprache manifestieren, mag manchen der Roman vielleicht zu spröde und mühsam erscheinen, für mich war er punktgenau richtig, denn auch ich bin so.

Durch die beschriebene gängige juristische Praxis, nicht alles, was Asylanten erzählen, zu glauben, denn sie werden offensichtlich bezüglich der Darstellung ihrer Biografie von Organisationen gebrieft, dachte ich ursprünglich auch, Gabriele wäre sehr rechtskonservativ, aber als ich dann den Umgang mit den falschen, beziehungsweise richtigen Lebensläufen, und Gabrieles Handlungen in der Rechtsprechung in Summe erfasste, war mir klar, dass sie sich immer bemühte, den Spagat zwischen Wahrheitsfindung, Humanität und Gesetzeskonformität jeden Tag aufs Neue zu schaffen. Sie unterbricht sogar immer die Verhandlungen, um das Gesagte zu recherchieren, sie leidet an der Unbarmherzigkeit der Beamten, der Gesetze und der Einschätzung der Lage in den einzelnen Ländern und stellt sogar manchmal infrage, ob die Gesetze, die sie exekutieren muss und an die sie glaubt, wirklich rechtens sind und nicht vielleicht gegen höhergeordnete Gesetze, wie die der Menschenrechtskonvention beziehungsweise eine allgemeine Menschlichkeit, verstoßen.

An sich ergäbe nun schon das Sachthema der Geschichte einen passablen Roman. Die Autorin stellt uns aber abseits der Robe und des Jobs auch noch den Menschen Gabriele vor: die Protagonistin, die Angst davor hat, wie ihre Mutter zu erblinden, die relativ einsam in einer Beziehung gefangen ist, in der sie sich zwar arrangiert und eingerichtet hat, in der ihr Partner aber einige Obsessionen vor ihr verbirgt, auch ein paar Probleme mit ihrem Erfolg hat und in der sie als Paar extrem wenig Gemeinsamkeiten haben, weder in der politischen Einstellung noch in den Interessen. Gabriele kann sich kaum über das, was sie bewegt, austauschen, dafür ist ihr Partner nicht da. Zudem wabern im Hintergrund dunkle Familiengeheimnisse, die das ganze strukturierte Leben auseinanderbrechen lassen könnten. Schritt für Schritt werden diese teilweise enthüllt. Da ist der drogensüchtige verstoßene Bruder, der für ihre Fehlgeburt verantwortlich war und der nun ausgerechnet beim Roten Kreuz in Kabul arbeitet, wodurch sie im Rahmen ihres Jobs online wieder erste zarte Anknüpfungspunkte zu ihm aufbaut. Und der Vater mit Waffenschieber- und Nazivergangenheit, von dem sie nicht weiß, ob er sich umgebracht hat oder ob er wegen seiner kriminellen Verstrickungen ermordet worden ist.

Nach einem eher gemächlichen Plot mit vielen Abwägungen überschlagen sich im Finale ganz plötzlich die Ereignisse, und mir war es ehrlich gesagt um eine Nuance zu rasant und hektisch. Viele offene Fragen wurden aufgelöst und der Leserschaft wurde als Ende auch eine Entscheidung, ein Wendepunkt in Gabrieles Leben präsentiert, aber ich hatte irgendwie das Gefühl, ich bin noch nicht fertig mit dem Leben der Protagonistin. Ich will wissen, wie es weitergeht. Also, liebe Lydia Mischkulnig, diese Geschichte schreit nach einem zweiten Teil, wenn es keine Fortsetzung gibt, wäre ich enttäuscht.

Fazit: Absolute Leseempfehlung von mir! Ein brandaktuelles Thema grandios in eine persönliche Geschichte eingebettet. Aber nicht geeignet für Leser*innen, die bei extrem analytischen Figuren und Handlungen beziehungsweise etwas kopflastiger Sprache schnell genervt sind. Ich finde es eigentlich schade, dass dieses Buch nicht für den deutschen Buchpreis auf der Longlist war. Am Ende habe ich, wie bei mir üblich, ein kleines bisschen zu mäkeln, aber wenn es einen Folgeroman gibt, der dieselbe Qualität aufweist, bin ich auch gleich wieder still. Erinnert mich übrigens frappant an meine Situation mit Angelika Klüssendorfs Roman Das Mädchen. Da hatte ich 2011 dasselbe Gefühl, konnte damals aber noch nicht absehen, dass zwei Fortsetzungen geplant waren. 4,5 Sterne aufgerundet auf 5
Profile Image for miss.mesmerized mesmerized.
1,405 reviews42 followers
August 7, 2020
Gabrielle ist Asylrichterin. Sie entscheidet über eine Zukunft in Österreich oder die Rückkehr in ein Land ohne Perspektive. Sie hat Akten, sie hat Berichte, sie ist allein, wenn sie eine Entscheidung treffen muss. Erzählt man ihr die Wahrheit oder ist das Schicksal aufgebauscht; kann die Erfahrung, die man ihr schildert, wirklich so sein oder ist das der Versuch, sich einen Platz an der Sonne zu erobern? Mit ihrem Mann kann sie sich kaum mehr austauschen, der frühpensionierte Lehrer könnte kaum weiter von ihr entfernt sein, die soziale Dysbalance mit der Frau in der Machtposition kommt erschwerend hinzu. Alles scheint möglich und nichts ist mehr auszuhalten.

Lydia Mischkulnigs Roman ist vielschichtig und liefert auf ganz unterschiedlichen Ebenen Einblicke in das Wesen und den psychologischen Zustand einer einsamen Frau. Es ist kein Frauenroman, aber durchaus eine Geschichte, die sehr nah an dem Menschen ist, der im Zentrum der Handlung steht. Seit fast 30 Jahren arbeitet die Autorin vorrangig als Schriftstellerin und ist mit zahlreichen Preisen geehrt worden. Wiederkehrend in ihren Büchern ist die Spannung zwischen dem Individuum und der Gesellschaft, was sich auch in dem aktuellen Roman ganz deutlich zeigt.

In ihrem Beruf ist Gabrielle einsam und muss sich auf ihre Menschenkenntnis verlassen. Sie hört die Schicksale, ist von diesem bewegt und steht doch im Dienst des Landes und der Gesellschaft, die sie auch schützen soll. Die Diskrepanz zwischen ihren Emotionen und den rationalen Aufgaben wird zunehmend schwerer zu kompensieren. Dinge, die nicht vorstellbar sind, muss sie sich vorstellen, um sie beurteilen zu können und sie wird gleichzeitig durch den Akt des Entscheidens angreifbar und verletzlich. Auch ihr Privatleben ist ein kleiner Kriegsschauplatz, die Entfremdung zwischen ihr und ihrem Mann ist mehr als offenkundig und fast schon kann man das Unglück greifen, auf das die beiden zusteuern.

Der Roman ist zwar nicht als klassischer stream of consciousness geschrieben, springt aber in ähnlicher Weise von einem Gedanken zum nächsten, was einem die Innensicht der Protagonistin sehr nahe bringt. Die Autorin fasst die unterschiedlichen sich widersprechenden Gefühlsebenen hervorragend in Worte und nimmt einem so mit auf diese emotionale Achterbahn, die Gabrielle gerade durchläuft.
Profile Image for Daniela.
1 review
November 10, 2020
Vor kurzem habe ich „Die Richterin“ von Lydia Mischkulnig beendet. Ich habe diesem Buch 2 Sterne gegeben, weil mir 1. das Cover sehr gut gefällt und 2. der Klappentext sehr spannend und interessant klingt.
Als ich dann zu lesen begann, habe ich schon nach den ersten Seiten gemerkt, dass es absolut nicht das ist, was ich von dem Buch erwartet hätte. Für mich persönlich war es nicht flüssig geschrieben, generell war der Schreibstil extrem ansprechend und das fand ich nicht dem Klappentext entsprechend. Auch der Inhalt war nicht wie angekündigt. Es ging in der 1. Hälfte des Buches viel mehr um das private Leben der Protagonistin außerhalb des Gerichts und Momentaufnahmen wurden teilweise unnötig lange beschrieben, was dazu führte, dass es bei mir, als Leserin, sehr eintönig und fad ankam. Als es sich dann in der 2. Hälfte mehr um das Thema Gericht und behandelnde Fälle drehte, hatte ich wieder ein wenig Hoffnung geschöpft. Doch auch da wurde ich enttäuscht. Denn die einzelnen Fälle wurden eher als Nebensächlichkeit abgetan, anstatt, wie erhofft, genauer bzw. detaillierter darüber eingegangen wird. Ich hätte mir auch gewünscht, dass das Rechtssystem bzw warum Asylanträge abgewiesen bzw. genehmigt werden, erklärend in die Geschichte miteingebunden wird. Leider war dem nicht so. Außerdem soll es laut Klappentext auch um die Frage gehen, ob sich jemand wegen einem falschen Urteil bei Gericht, sich an Gabrielle rächen will. Dies wird auf den 296 Seiten maximal 3 Seiten lang ab und zu erwähnt, ansonsten geht dies völlig unter.
Wegen all diesen Gründen ist das Buch bei mir leider durchgefallen und ich würde es definitiv nicht weiterempfehlen.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Cheap.And.Cheerful.
420 reviews21 followers
October 24, 2021
"Immer noch hatte sie Interesse an dem Menschen im Zeugenstand, egal ob asyltauglich oder nicht. Sie war das sensible zerebrale Gewebe, das die Stories einbettete. Vernünftige Eritreerinnen ließen sich vor ihrer Flucht mit einer Spritze versorgen, die drei Monate schützte, nicht schwanger zu werden. Aber sie würden nie von ihren Vorbereitungen berichten, man musste also über die Gepflogenheit Bescheid wissen. Viele dieser Frauen, die behaupteten, sie wären verschleppt worden, wären nie auf die Idee gekommen, eine Flucht anzutreten. Es war leichter für sie, die Geschichte einer Verschleppung aufzutischen, als ihre Hoffnungen zuzugeben, dem Elend zu entkommen. Denn diese Hoffnung war, wie man längst wusste, kein Asylgrund."

Es wird erzählt aus der Perspektive der Richterin Gabriele, die u.a. Asylverfahren, hauptsächlich von afghanischen "Beschwerdeführer*innen" in zweiter Instanz entscheidet. Außerdem hat Gabriele einen Ehemann mit Putzfimmel und Fetisch, sowie einen Ex-Drogenabhängigen Bruder, der in Kabul fürs Rote Kreuz arbeitet.

Gefallen hat mir, dass die Handlung mit der Zeit sehr packend wird und ein Bedrohungsszenario entsteht, das schon Thrillerartige Züge hat: Gabriele erhält einen Anruf vom Verfassungsschutz, dass sie aufgrund eines negativen Asylbescheids bedroht und unter Polizeischutz gestellt wird. Man taucht ein in die zunehmende Paranoia der Richterin, genau so wie in ihre Überlegungen zu laufenden Asylverfahren und der österreichischen Gesetzgebung zur Asylvergabe generell. Außerdem kann Lydia Mischkulnig wahnsinnig schön mit Sprache umgehen und lässt das Eintröpfeln von Augentropfen klingen wie ein Gedicht.

Aber, und es ist ein großes Aber: es ist auch die Sprache, die mir hier ziemlich zu schaffen gemacht hat. Dialoge werden im ganzen Roman nicht als solche gekennzeichnet, sodass oft nicht klar ist, wer grade spricht und wie sich Gedanken von Gesagtem unterscheiden. Noch schwieriger wird das dadurch, dass sowohl in Dialogen, als auch in inneren Monologen oft krasse Themensprünge vorkommen und es nicht nachvollziehbar ist, wo der Zusammenhang besteht. Des Weiteren drückt die Autorin sich teilweise auf einem sehr hohen, intellektuellen Niveau aus, sodass das Buch eine bestimmte, gebildete Zielgruppe anvisiert und kein Buch für Masse ist (was natürlich ok ist und kein Kritikpunkt sein muss). Insgesamt würde ich sagen, dass es sich lohnt, in dieses dichte, sprachliche Wunderwerk einzutauchen. Auch, wenn (zumindest mir) der Einstieg etwas schwer fällt und gewöhnungsbedürftig ist.
Profile Image for Anna Lngnr.
98 reviews21 followers
October 26, 2020
Ich mochte es nicht übermäßig.
Die eigentliche, Thematik rund um die Flüchtlingspolitik und Gabrielles Rolle als Richterin wird erst in der zweiten Hälfte in den Vordergrund gerückt. Die Umsetzung war ok, aber mehr auch nicht.
Zuvor (und auch danach, nur nicht mehr ganz so präsent) handelt es sich eher um ein sehr ausführliches Psychogramm der Richterin. Dabei erfährt man alles über ihren biografischen Background und darüber, welchen Einfluss die verschiedenen Geschehnisse auf sie hatten. Prinzipiell eine interessante Sache, allerdings hatte ich immer wieder das Gefühl, dass hier einfach an jeder Ecke mehr und mehr Tragik aus dem Hut gezaubert wurde. Das war mir einfach zu viel, zu plakativ. Insgesamt wurde mir dann bei der Erzählweise auch zu viel hin und her gesprungen.
Trotzdem gab es sprachlich einiges zu entdecken. Immer wieder habe ich innegehalten und einen Satz nochmal langsam wiederholt, um seine Wucht zu erfassen.
Insgesamt hat es für mich aber nicht für mehr als 2 Sterne gereicht.
Profile Image for Clara.
78 reviews
September 24, 2025
Habe nur die ersten 20 Seiten gelesen und fands einfach richtig schlecht geschrieben stilistisch- ohne den Inhalt oder das Thema zu meinen.
Inhaltlich fand ich vieles aber auch quatschig.
Displaying 1 - 6 of 6 reviews

Can't find what you're looking for?

Get help and learn more about the design.