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Schwarzpulver

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Es ist kalt geworden in Berlin, es ist die Zeit der Rauhnächte. Lautstarke Propaganda dominiert längst nicht mehr nur die Straßen der Hauptstadt, sondern die Politik des ganzen Landes. Und mittendrin taumeln drei Verlorengegangene, die plötzlich beginnen, sich Fragen zu stellen.
Da ist Burschi, die Johanna liebt, gegen alle Widerstände. Und dabei nicht nur den starken Arm eines Staates zu spüren bekommt, der kein Anderssein mehr duldet, sondern auch die Brüchigkeit menschlicher Beziehungen, wenn die Angst im Nacken sitzt. Da ist Charlie, der in anarchischen Musikerkreisen zwischen Joints und lauten Beats erwachsen wird. Und lernt, sich der allgegenwärtigen Überwachung auf seine Weise zu entziehen. Und da ist Charlotte, seine Mutter, Scharfschützin einer Bürgerwehr, die in ihren Loyalitäten schwankt und dabei droht den Verstand zu verlieren. Ist ihre Militanz vielleicht nur ein missglückter Versuch, dem eigenen Leben zu entkommen? Laura Lichtblau entwirft mit ihrem Debütroman «Schwarzpulver» eine urbane Dystopie. In feiner, gleichzeitig wilder - beinahe wildwüchsiger - Sprache, mit Witz und Leichtigkeit, erzählt sie vom unbewussten Verlangen nach Freiheit in einem Staat, dessen Ziel die absolute Unterdrückung ist.

202 pages, Hardcover

First published July 16, 2020

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About the author

Laura Lichtblau

7 books1 follower

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Community Reviews

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6 (11%)
1 star
1 (1%)
Displaying 1 - 6 of 6 reviews
Profile Image for Conny.
627 reviews87 followers
February 10, 2022
Berlin, irgendwann in naher Zukunft, Silvester steht kurz bevor; drei Orientierungslose tummeln sich in der Stadt. Charlie lässt sich durchs unbezahlte Praktikum bei einem anarchistischen Musiklabel treiben. Charlotte, seine Mutter, hat sich als Scharfschützin der Bürgerwehr angeschlossen, schwankt aber in ihren Loyalitäten. Und eine junge Frau namens Burschi liebt, gegen alle Widerstände, eine andere Frau – obwohl es der Staat nicht mehr duldet.

«Schwarzpulver» ist eine Dystopie, in der eine traditionalistische, frauen- und fremdenfeindliche Partei das Ruder übernommen hat. Und zwar so, dass man das Gefühl hat, nicht mehr allzu weit davon entfernt zu sein. Dennoch finden die Protagonisten ihre eigenen Wege, sich durch diese Welt zu bewegen – raus aus der Unterdrückung, voller Verlangen nach Freiheit. Mit Leichtigkeit und Witz erzählt, stimmt dieser Roman nicht nur negativ.
Profile Image for Verena.
380 reviews
August 4, 2020
Ich liebe Dystopien und Laura Lichtblaus Debüt „Schwarzpulver“ ist die erste Dystopie seit Jahren, die mich nicht enttäuscht hat. Bevor ich mich dem Inhalt widme: das Buch ist so schön gestaltet!! Die Erzählung entführt die Leser*innen für ein paar Tage in das Berlin eines Deutschlands, in dem eine Partei das Sagen hat, die kein Anderssein duldet. Es bleibt relativ lange vage, was denn nun unter „Anderssein“ verstanden wird. Hier und da deuten die drei Protagonisten Burschi, Charlie und Charlotte an, was denn nun unerwünscht/verboten ist. Wie nah diese dystopische Ordnung unserer Realität ist, merkt man daran, dass man in diesen Regeln einige der Parolen erkennen kann, die eine gewisse Partei sowie ihre Anhänger seit Jahren tatsächlich von sich geben. Normalerweise, wenn die Dystopie in einer fernen bzw. postapokalyptischen Zukunft spielt, habe ich gerne ausführliches Worldbuilding. In „Schwarzpulver“ ist gerade diese vage Beschreibung der Welt, die sich gar nicht so extrem von unserer unterscheidet, das stärkste Element der Geschichte. Ein Gedankenspiel, was passieren könnte, wenn plötzlich eine größere Menge gewisse Politik unterstützen. Die drei Protagonisten haben alle etwas an sich, dass der Partei ein Dorn im Auge ist und die Erzählung begleitet sie einige Tage vor und nach Silvester. Der düsteren Realität gegenübergestellt ist die Leichtigkeit der Sprache Lichtblaus – ein weiteres Highlight des Romans! (Einziges sprachliches Manko: Burschis ländliches Bayerischsein wird anfangs sprachlich ein bisschen übertrieben dargestellt.) Zwar hätte ich mir noch ein paar Antworten auf offene Fragen gewünscht (Was passiert mit den Menschen, die „anders“ sind? Was genau ist die Aufgabe der Bürgerwehr mit ihren Scharfschützen auf den Dächern Berlins? Auf wen sollen sie wann schießen? Was ist mit dem Rest der Welt?), aber grundsätzlich ein sehr gelungenes Debüt.
Profile Image for Lina.
19 reviews
December 27, 2020
Deutschland in naher Zukunft, die politische Lage ist angespannt. Der monotone Alltag dreier Außenseiter droht langsam, aber sicher zu eskalieren. Laura Lichtblau erzeugt eine düstere und erschreckende Atmosphäre, die deutlich macht wie wichtig politisches Engagement ist!
7 reviews
September 28, 2020
Ich hab lange gebraucht bis ich rein gekommen bin. Dann wars aber sehr spannend.
Profile Image for stefanb.
261 reviews
August 19, 2020
„Und du riechst immer noch nach Schwarzpulver, nach schattigen Orten; nach langsam entstehendem Aufruhr.“ [202]
Es ist beklemmend. Erschreckend. Ein dystopischer Blick in eine Zukunft mit drei Charakteren, dies sind Burschi, Charlie und Charlotte, die sich zusehends immer mehr Fragen stellen. Dinge, die am Anfang einfach hingenommen wurden, werden hinterfragt und reißen die Protagonisten aus ihrer vegetativen Schockstarre, dem chaotischen Lebensweg.
„Stück für Stück ergibt Sinn, was mir immer wie ein beinahe obszön chaotisches Strudeln und Schlingern erschienen ist: mein Leben eben. Ich hatte mich redlich darum bemüht, es irgendwie im Griff zu behalten, aussichtslos.“ [167]
„Schwarzpulver“ von Laura Lichtblau ist ein Buch, dass sich nur äußerst langsam lesen lässt. Man muss dieses literarische Werk sorgsam und konzentriert lesen. Ein Grund dafür sind aber nicht die Themen, die die Autorin aufgreift, sondern die lyrische und poetische Sprache. Es ist schön, wenn man die Sätze und Gedanken nicht in schnöden, kurzen Sätzen präsentiert bekommt, aber hier gleicht die Sprache einem Singsang, der den Leser*innen Kraft kostet ins Geschehen zu kommen und der Geschichte zu folgen. Sicherlich unterstreicht dies auch die Sicht der drei auftretenden Hauptcharaktere gut, schildern diese ihre Perspektive. Immer schön abwechselnd. Ihre Namen sind quasi die Kapitelüberschrift. Danach folgt ein unterstrichener Text, der sich aber nahtlos in den darauffolgenden eingliedert.
Mit dem sprachlichen Stil, der anderen Gestaltung der Kapitel schafft Lichtblau es, sich aus der Masse abzuheben. Erfreulich ist, dass sie die dystopischen Ideen, die Unterdrückung durch den Staat in ihre eigene Geschichte transformiert.
„Sie will: dass alle Homo- und Bi- und Trans- und Pansexuellen sich melden, und alle psychisch Kranken auch, alle Depressiven Schizophrenen Essgestörten und so weiter, eine Volkszählung wie bei Herodes oder zu noch ganz anderen Zeiten soll es geben.“ [137]
Die Themen, die Aufbereitung eben dieser und die Anspielungen fand ich sehr gelungen und erfrischend den Leser *innen dargeboten.
„Lassen wir die Frauen Frauen sein, weich, tröstlich und ab und an ein wenig frech, wie kleine Kätzchen. Musen, Mütter, Menschen, die das Leben einfach … schöner machen.“ [190 f.]
„Charlie Venus wartete stets mit extraordinären Ideen auf.“ [151] Und das tut Laura Lichtblau auch.
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